„7 Wege zur Exklusivität“: Bestseller-Autor Stephen Covey setzt auf Direkt-Publishing via Amazon

stephen-covey-7-habits-of-highly-effective-people-bestseller-amazon-kindle-direkt-publishing.jpgBestseller-Autor Stephen R. Covey wagt den großen Deal mit dem Online-Riesen Amazon: zwei seiner meistverkauften Sachbücher – darunter „7 Wege zur Effektivität“ – werden demnächst exklusiv als E-Book auf dem Kindle-Reader zu lesen sein. Juristischer Hintergrund: Die Regelungen mit Coveys Hausverlag Simon&Schuster sagen nichts über E-Book-Rechte. Finanzieller Hintergrund: Coveys Honorar-Ansprüche könnten sich durch den Amazon-Deal mehr als verdoppeln.

Amazon als großes Los: Stephen Covey ist Spezialist für Win-Win-Situationen

Direkt-Publishing via Amazon Kindle – das war bisher für die Verlage ein Schreckgespenst, für viele Autoren die Hoffnung auf bessere Bezahlung. Schließlich kann der Online-Buchhändler weitaus attraktivere Konditionen bieten – ein E-Book verursacht weder Druck- noch Vertriebskosten. Gleichzeitig winkt gerade für englische Titel die weltweite Reichweite: Kindle-E-Books können mittlerweile in mehr als hundert Ländern gekauft werden. Jemand wie Stephen R. Covey garantiert ohnehin gute Absatzzahlen: sein Ratgeber „7 Habits for effective People („7 Wege zur Effektivität)“ ging seit 1989 bereits 15 Millionen Mal über den Ladentisch. Im Jahr 2009 konnten immerhin noch 136.000 Exemplare abgesetzt werden. Ähnlich erfolgreich war seit 1992 der Folgeband „Principle Centered Leadership“. Und wer so wie Covey auf proaktives Verhalten und das Erkennen von Win-Win-Situationen geeicht ist, dem musste ja angesichts des E-Book-Booms bei Amazon die Stunde schlagen. Hundert Prozent Direkt-Publishing wird es allerdings nicht. Denn der E-Book-Verlag Rosetta Books bereitet Coveys Titel für Amazons E-Book-Store auf und stellt sie als Content zur Verfügung.

Wer hat die Kontrolle über die Backlist – Verlage oder Autoren?

Ein gutes Geschäft bleibt es trotzdem. RosettaBook-Chef Arthur Klebanoff schätzte gegenüber der NYT, dass Covey mehr als 50 Prozent der E-Book-Umsätze erhalten wird, während die Standard-Honorare maximal bei 25 Prozent liegen. Der Griff in die Backlist hat übrigens einen sehr formalen Hintergrund: als vor dreißig Jahren die Verträge für die beiden Longseller geschrieben wurden, dachte noch niemand an E-Books. Deswegen gehen viele Autoren mittlerweile davon aus, dass sie bei älteren Titeln grundsätzlich die Rechte für die Veröffentlichung in elektronischer Form besitzen. Von den Verlagen wiederum wird das allerdings bestritten. Nicht zufällig hat etwa Random House letzte Woche in punkto E-Books den „Alleinvertretungsanspruch“ noch einmal öffentlich bekräftigt: „Die große Mehrheit unserer Backlist-Verträge sichert uns das exklusive Veröffentlichungsrecht auch für elektronische Formate“, hieß es in einem Schreiben an prominente Literatur-Agenten.

Direkt-Publishing per Kindle & Sony Reader: US-Autoren lassen Verlage links liegen

RocketBoy Direkt-Marketing mit Amazon Kindle US-Autoren pfeifen auf Verlage.jpgEine Gruppe amerikanischer Sci-Fi-Autoren pfeift auf Verlage – und veröffentlicht E-Books ab jetzt direkt bei Amazon als Kindle-Version. Die über den „Book View Café“-Blog organisierte Gruppe bringt als erstes eine elektronische Anthologie mit dem Titel „Rocket Boy and the Geek Girls“ heraus. Das Direkt-Vermarktungs-Modell für E-Books dürfte auch für deutsche Autoren interessant sein – denn hierzulande sind die Honorarsätze für Autoren noch geringer als in den USA.

Die Kindle-Version der E-Book-Anthologie für Sci-Fi-Freunde gibt’s für 4,99 Dollar


Wer braucht noch Verlage, fragen sich derzeit viele Autoren – vor allem, wenn E-Books trotz stark sinkender Produktionskosten für die Urheber nicht deutlich mehr Honorar abwerfen als das gute alte Hardcover? Zuletzt hatte der renommierte MacMillan-Verlag noch Öl ins Feuer gegossen – er senkte die Ausschüttungen für E-Book Titel von 25 auf 20 Prozent. Eine Gruppe von erfolgreichen Sci-Fi Autoren, darunter Ursula K. Le Guin, Vonda N. McIntyre sowie Sarah Smith hat bereits Ende 2008 reagiert – und unter dem Titel „Book View Café“ (BVC) eine E-Publishing-Plattform gegründet. Nun geht das „Online Publishing Venture“ in eine neue Phase – mit der Anthologie „Rocket Boy“ peilt man ein ganz großes Publikum an – die E-Reader-Gemeinde von Amazon, Sony & Co. “Die Infrastruktur für das E-Publishing steht jetzt“, so Autorin und Projektmanagerin Sarah Zettel. “Die BVC-Autoren verfügen über genügend Content und haben auch das notwendige Wissen um davon von zu profitieren“. Um Exklusivität geht es jedoch nicht: Man nutzt zwar den E-Book-Store von Amazon, doch auf der BookViewCafe-Seite gibt es auch einen Download-Bereich für verschiedene andere Formate wie epub, pdf, mobi oder prc. Die Version für den Kindle kostet 4,99 Dollar.

Deutsche Autoren sind magere acht bis zehn Prozent Gewinnbeteiligung gewöhnt – bei Kindle E-Books könnten aber 50 Prozent winken

Das Projekt wird wohl nicht nur in der us-amerikanischen Literatur-Szene für heftige Diskussionen sorgen – schließlich waren viele der insgesamt 26 Mitglieder des BookView-Cafés bisher bei renommierten Verlagen unter Vertrag – z.B. Random House, Tor Books oder Simon&Schuster. Für viele populäre Autoren dürfte ein Direktvermarktungs-Modell auch in Europa interessant sein. Bisher sind bei Hardcoverausgaben hierzulande Honorare von acht bis zehn Prozent des Nettoladenpreises üblich, bei Taschenbüchern gibt’s acht Prozent erst ab einer Auflage von 100.000. In den USA ist man anderes gewöhnt: hier wird bei gebundenen Büchern etwa schon bei geringer Auflage zehn Prozent gewährt, viele Autoren landen schnell bei mindestens 15 Prozent. Andere Größenordnungen versprechen E-Books: Amazon hat keine Probleme, mit Bestseller-Autoren auf dem Kindle einen Fifty-Fifty-Deal zu machen. In Europa dürfte allerdings mittelfristig mangels einer genügend großen Zahl an E-Readern eher die Vermarktung über iPhone und andere Handys im Vordergrund stehen. Derweil haben die Sci-Fi-Autoren des Book View Club schon das nächste Projekt in Angriff genommen: am 15. Dezember erscheint der zusammenhängende Short-Story-Sampler THE SHADOW CONSPIRACY. („set in an alternate Victorian age filled with airships, and automata where a human’s soul can be stolen and a machine’s soul can be born“). Wie bei Rocket Boy gibt es keinen Umweg über Verlage – das Buch landet direkt auf den Displays von Kindle, iPhone & Co.