„Die Frage ist nicht ob, sondern wann“: 2018 erste Amazon Läden in Berlin, Hamburg oder München?

amazon-flagship-store-bald-auch-in-berlinHat Amazon.de-Chef Ralf Kleber jetzt wirklich etwas qualitativ neues gesagt? „Amazon will Läden in Deutschland eröffnen“, lautete Anfang der Woche die angebliche Breaking-News — wie man’s in Zeiten der galoppierenden Medienkonzentration eben so macht — vorab und prominent über alle Kanäle verbreitet als „sagte XY in einem Interview mit der Funke Mediengruppe“. Nicht ob, sondern wann sei die Frage, las man ebenso schon vorab. Im kompletten Wortlaut des Interviews, welches dann u.a. in der Berliner Morgenpost abgedruckt wurde, kam dann noch die schwurbelige Ergänzung hinzu: „Und die Frage [des Wann] ist immer am schwierigsten zu beantworten“. Das war’s.

Experimente auf dem Auslandsmarkt Nummer Eins

Nichts genaues weiß man nicht, könnte man also auch sagen — denn dass irgenwann nach den Experimenten mit Buchläden in den USA auch in Deutschland eine Buchhandlung mit Amazon-Logo aufmachen würde, schien ja schon seit geraumer Zeit klar zu sein (nämlich spätestens seit Ende 2015, siehe unten). Ebenfalls ist klar, dass Amazon auch den wichtigsten Auslandsmarkt für diverse Experimente nutzt: Aufbau eigener (Express-)Lieferlogistik bis vor die Haustür, innerstädtische Depots (in Berlin zum Beispiel am Ku-Damm-Karree), Packstationen — hierzulande läuft schon eine Menge, gerade in den großstädtischen Testregionen Berlin, Hamburg und München.

Letzte Etappe auf dem Weg in Richtung Multichannel

Steigt Amazon dann tatsächlich demnächst ins stationäre Geschäft ein, wird nur noch das lang erwartete finale Mosaiksteinchen in eine längst offenbare Multichannel-Strategie eingefügt. Der klassische Handel stehe immer noch für 90 bis 95 Prozent des Handesumsatzes, so Kleber gegenüber der Morgenpost (tatsächlich liegt der Online-Anteil im Einzelhandel laut HDE bei knapp zehn Prozent), und man werde sich nicht dem verschließen, was der Kunde wolle. Mit anderen Worten: am Ende wird Amazon genau das machen, was alle anderen eben auch machen, siehe die Multichannel-Strategien der großen Buchhandelsketten.

Klasssischer Buchhandel kann genial lokal schon längst…

Nur das Amazon eben aus der Richtung Online kommt, nicht aus der Richtung Vor-Ort-Handel — und natürlich eigene Filialen als Teil der Umgehungsstrategie vorbei an klassischen Verlagen und klassischem Buchhandel nutzen wird. Parallel spielen aber inzwischen auch große Ketten wie Thalia, aber auch Verbünde wie Genialokal die Stärke von Digital plus Lokal aus, etwa durch das Reservieren bzw. Bestellen und Abholen von Büchern in Filialen.

„Berlin wäre ein Top-Kandidat für einen Amazon-Laden“

Bleibt die Frage: wo wird Amazon die erste deutsche Buch- (&Reader Tablet-, etc.)handlung eröffnen? Das verriet Kleber schon in seinem Vorweihnachts-Interview vom 7. Dezember 2015 gegenüber dem Tagesspiegel: „Berlin wäre ein Top-Kandidat für einen Amazon-Laden“, orakelte der Deutschland-Chef des Unternehmens damals. Und fügte hinzu: „In keiner anderen deutschen Stadt haben wir in so vielen Bereichen investiert, sind wir so breit vertreten und haben wir so viel vor.“

Abb.: Amazon.com, Seattle

Onleihe boomt: 22 Mio. Ausleihen im Jahr 2016

DruckMehr Verlage, mehr Titel, mehr Ausleihen – so lässt sich die Bilanz der „Onleihe“ im Jahr 2016 zusammenfassen. Wie die divibib GmbH bekanntgab, wurden bei den teilnehmenden 3.000 öffentlichen Bibliotheken im letzten Jahr 22,2 Mio. Titel elektronisch ausgeliehen. Die Gesamtzahlen sind natürlich noch höher, denn neben der divibib ist auf dem Gebiet der E-Book-Ausleihe in Deutschland z.B. auch der US-Anbieter Overdrive aktiv…

Onleihe gibt’s schon seit 2007

Onleihe ist älter, als man meinen möchte: die Pionier-Bibliotheken aus München, Hamburg, Würzburg und Köln sind mittlerweile schon zehn Jahre dabei, inzwischen stehen ihnen und allen anderen beteiligten Einrichtungen satte 2 Millionen Titel zur Auswahl. Das Angebot konnte 2016 noch einmal deutlich ausgeweitet werden, denn nun sind auch die Verlage Holtzbrinck, Bonnier und Diogenes mit dabei.

Wie weiter nach dem EuGH-Urteil?

Wie es im Bereich Onleihe weitergeht, ist allerdings nicht so ganz klar – denn ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes hat die Branche kalt erwischt: demnach gibt es bei der Ausleihe keinen Unterschied zwischen gedruckten Büchern und E-Books, Verlage müssen also Bibliotheken die Ausleihe von E-Books grundsätzlich erlauben – das deutsche Urheberrecht muss dementsprechend angepasst werden.

(via Buchreport & onleihe.net)

Sieben Prozent für E-Books: Bundesrat unterstützt Initiative der EU-Kommission – kommt reduzierte Mehrwertsteuer noch 2017?

bundesrat-will-niedrige-mehrwertsteuer-fuer-ebooksKommt die Mehrwertsteuer-Senkung für E-Books auf sieben Prozent tatsächlich noch vor der Bundestagswahl im Herbst? Das hängt davon ab, wie schnell die EU-Kommission grünes Licht gibt – ein entsprechender Richtlinien-Entwurf zur Vereinfachung des Steuersystems liegt seit Ende 2016 bereits vor. Und der politische Druck wächst: der Bundesrat fordert in einem Beschluss vom letzten Freitag die „zügige Verabschiedung“ der Richtlinie – die Senkung der Mehrwertsteuer sei ein „wichtiges Anliegen zur Sicherung der Medienvielfalt“.

„Unterschiedliche Steuersätze nicht vermittelbar“

Weiter heißt es in dem Beschluss: Die ermäßigte Besteuerung trage „wesentlich zur Information und zur selbständigen Meinungsbildung der Bürgerinnen und Bürger“ bei. Unterschiedliche Steuersätze bei gleichen Inhalten seien ihnen „nicht zu vermitteln“. Auch für die Verlage sei die Angleichung positiv: sie würden „in ihren Bemühungen für den digitalen Wandel wirtschaftlich entlastet.“ (Und vielleicht auch von den VG-Wort-Rückzahlungen…)

Auch Bundesregierung ist pro Senkung

Da nicht nur die Bundesländer, sondern auch die aktuelle Bundesregierung die Sieben-Prozent-Regelung für E-Books unterstützt, wäre eine Anpassung des deutschen Mehrwertsteuer-Gesetzes noch vor den parlamentarischen „Sommerferien“ durchaus realistisch. Ein Vorbild für eine solche Angleichung gibt es auch: Die Mehrwertsteuer für Hörbücher wurde nach jahrelangen Diskussionen bereits zum 1. Januar 2015 auf sieben Prozent gesenkt. Allerdings nur für Hörbuch-CDs und Kassetten.

(via Boersenblatt.net)

Abb.: (c) Bundesrat/Frank Bräuer

Frag deinen Kühlschrank: Alexa beseelt jetzt auch Deutschlands vernetzte Heimelektronik

alexa-beseelt-deutsche-heimelektronikAmazons digitaler Dosengeist Alexa wird immer mobiler — wie das Unternehmen bekannt gab, wird die AI-Software „Alexa Voice Service“ nun auch in Deutschland und Großbritannien auf alle smarten Haushaltsgeräte losgelassen, die über Mikrofon und Lautsprecher verfügen. Manche Anwendungen bleiben vorerst jedoch noch den US-Amerikanern vorbehalten, insbesondere Alexa-Skills wie das Vorlesen von Kindle Books und die Bedienung der iHeart Radio-App. Doch der virtuell beseelten Stereoanlage oder dem Kühlschrank zu befehlen: „Spiel ein Hörbuch ab“, „Spiel meine Lieblingsmusik“ oder „Schlag XY nach in der Wikipedia“ — das könnte demnächst schon möglich sein.

Mit AVS jedenfalls steht den Software- und Produkt-Entwicklern die notwendige Alexa-Schnittstelle jetzt zur Verfügung. Und wenn man bedenkt, wie viele Smarthome-Produkte mit Alexa-Integration auf der diejährigen CES in Las Vegas gezeigt wurden, dann dürften entsprechende Produkt-Launches in Deutschland nun auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Für viele Content-Anbieter, darunter natürlich auch Buch-, Zeitschriften- und Zeitungsverlage, dürfte es damit noch interessanter werden, ihre Inhalte für Alexa aufzubereiten bzw. entsprechende Alexa-Skills zur Verfügung zu stellen. Die Echo- und Dot-Konsolen inklusive deutscher Sprachversion sind seit 2016 in Deutschland verfügbar.

Übrigens: mit Hilfe des Echo-Simulators auf Echosim.io kann man die deutschsprachigen Alexa-Skills jetzt auch direkt im Browser ausprobieren.

(via The Digital Reader & TechCrunch)

Bitkom-Studie: Zahl der E-Book-Leser stagniert – liegt’s am erhöhten Mehrwertsteuer-Satz?

jeder-vierte-deutsche-liest-ebooksSind es die hohen Preise von traditionell verlegten E-Books? Liegt es an der fehlenden Haptik? Am miesen Layout? Jedenfalls dümpelt die Zahl der bekennenden Digitalbuch-Leser zwischen Aachen und Zittau seit 2014 bei 24 bis 25 Prozent der Bevölkerung, meldet der IT-Branchenverband Bitkom im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse. Ein paar Veränderungen hat die aktuelle Umfrage im Bitkom-Auftrag aber schon messen können. So nennt das E-lesende Bevölkerungsviertel in diesem Jahr erstmals als wichtigstes Lesegerät den klassischen E-Reader (46 Prozent) knapp vor Smartphone (41 Prozent) und weit vor dem Tablet (24 Prozent).

E-Ink inklusive: Nutzer setzen auf mehrere Lesegeräte

Wobei die meisten Befragten aber erklärtermaßen synchron auf mehreren Geräten schmökern. Was im Umkehrschluss auf eine interessante Tatsache verweist: obwohl theoretisch eigentlich jeder Smartphone-Besitzer E-Books lesen könnte, scheint die reale Bereitschaft zur elektronischen Lektüre stark davon abzuhängen, ob man einen E-Reader besitzt oder nicht.

Wer mehr E-Leser möchte, muss also auch weiterhin möglichst viele E-Ink-Displays unter die Leute bringen – eine Strategie, die z.B. mit besonders günstigen Basis-Modellen arbeiten kann. Ein besonderes Potential schlummert dabei immer noch bei der Generation Ü-50: während ein Drittel der jungen Leser elektronisch schmökert, sind es bei den Älteren bis 65 nur 23 Prozent, bei den Senioren mit mehr als 65 Jahren sogar nur schlappe 7 Prozent.

Generation Ü 50 hat höchsten E-Book-Nachholbedarf

Ob für die E-Book-aversen Senioren auch das Pricing eine Rolle spielt? Unattraktiv hohe Kosten — u.a. verursacht durch den erhöhten Mehrwertsteuersatz auf E-Books — macht jedenfalls die Bitkom-Studie für die Stagnation mitverantwortlich. Insgesamt wohl eher zu unrecht, denn schließlich werden E-Books von Self-Publishern trotzdem zu sehr niedrigen Preisen angeboten, und viele Verlage bepreisen ihre E-Books bewusst so nah wie möglich an den Print-Versionen.

Außerdem gibt es ja weitere Alternativen, um an günstige Lektüre zu kommen — laut Bitkom-Studie leiht jeder vierte E-Book-Leser sich Titel in öffentlichen Bibliotheken aus, 13 Prozent sind schon bei Flatrate-Anbietern wie Skoobe unterwegs, und 14 Prozent lesen Gratis-E-Books.

„Alexa, lies mir was vor“: Deutsche Verlage entdecken die Echo-Konsole

amazon-alexa-kommt-nach-deutschland„Alexa, lies mir was vor“, „Alexa, was gibt’s in der Tagesschau?“, „Alexa, was ist das Chefkoch-Rezept des Tages?“: Erstmals wird Amazons digitale Assistentin solche Fragen nun auch auf deutsch beantworten können — gestern hat das Unternehmen nämlich den Europa-Start (Deutschland/Großbritannien) der smarten Lautsprecher-Konsole Echo sowie des Mini-Ablegers Echo Dot bekanntgegeben. Laut Dave Limp, Amazons Hardware-Chef, haben mehr als 1.000 Techniker zwei Jahre lang daran gearbeitet, die künstliche Intelligenz der Software für diesen Launch zu trainieren, und Alexa nicht nur britischen Akzent bzw. Hochdeutsch, sondern auch lokale Umgangssprache und einen Sinn für Humor beigebracht.

Deutsche Verlage & Dienstleister als Partner

Für lokalisierten Content sorgen in Deutschland neben Amazon-Labels wie Audible oder Streaming-Partnern wie Spotify auch zahlreiche Kooperationspartner wie etwa Bild, Tagessschau, Spiegel, n-tv, Chefkoch, Eltern, Gala etc. „Hunderte deutsche Entwickler arbeiten bereits an Skills“, heißt es bei Amazon dazu. Smart Home, Hardware- und Mobilitätsdienstleister von tado°oder innogy über Fitbit und Philips bis zu BMW werden spezielle Alexa-Fähigkeiten zur Verfügung stellen, die dann im Haus bzw. im Auto angewendet werden können.

amazon-echo-und-echo-dot

Alexa in Deutschland vorerst nur als Beta-Test

Anders als bei den Briten kann man die Dosengeister aus dem Internet der Dinge bei uns nicht regulär vorbestellen: Echo & Dot sind vorerst nur im Rahmen einer halböffentlichen Beta-Phase auf Einladung verfügbar. In den Worten des Herstellers: „Amazon sucht Kunden, die bei der Weiterentwicklung von Alexa und Echo in Deutschland mithelfen möchten.“ Ausgeliefert werden die Konsolen ab Oktober.
In Deutschland kostet die Amazon Echo-Konsole 180 Euro, die Echo Dots gibt es für 60 Euro. In den USA werden die Dots bereits mit Mengenrabatt verkauft, nach dem Motto „Buy 5, get 1 free“ bzw. „Buy 10 get 2 free“.

Alexa kommt in Kürze auch auf Fire-Tablets

Amazon verdient nach eigenen Angaben bei diesem Pricing kein Geld mit den Geräten, sondern vertrautt darauf, dass die Kunden mit ihnen — ähnlich wie bei den Fire-Tablets — vermehrt Content und Dienstleistungen von Amazon nutzen. Amazons gerade gelaunchtes neues Fire HD 8 soll in Kürze via Software-Update ebenfalls das Alexa-Feature erhalten – und das wohl in absehbarer Zeit auch in Deutschland.

Amazon verkauft Echo Dots mit Mengenrabatt

Amazon Echo wie auch Echo Dot verfügen über sieben Mikrofone, die mit Richtstrahl-Technologie und Störsignalunterdrückung den Nutzer von überall im Raum klar hören können. Die kleinen Echo Dots können auch in mehreren Räumen aufgestellt werden, in diesem Fall sorgt das ESP (Echo Spatial Perception)-Feature dafür, dass die jeweils dem Nutzer nächste Konsole reagiert. Der Echo Dot verfügt selbst nur einen kleinen eingebauten Lautsprecher, er kann dafür via Bluetooth bzw. Audiokabel direkt an die Stereoanlage angeschlossen werden.

Neuer EU-Aktionsplan zur Mehrwertsteuer: nur noch 7 Prozent auf E-Books ab 2017/2018?

Mehrwertsteuer-aktionsplan-euMit der Strategie der Schnecke nähert sich Europa niedrigeren Mehrwertsteuersätzen für E-Books, und damit mehr Gerechtigkeit im Wettbewerb zwischen Offline- und Online-Wirtschaft. EU-Kommissarin Nelly Kroes – zuständig für die „Digitale Agenda“ – hatte schon im Jahr 2012 moniert, das neben Buchpreisbindung auch erhöhte Mehrwertsteuersätze in einzelnen Mitgliedsstaaten den elektronischen Handel ausbremsen. Auch die deutsche Bundesregierung ist prinzipiell für eine Angleichung der Steuersätze zwischen Print & Digital-Buch.

„Schritt halten mit digitaler Wirtschaft“

Nun hat die EU-Kommission endlich gehandelt – und einen „Aktionsplan“ vorgestellt, mit dem die Modernisierung des unübersichtlichen Mehrwertsteuersystems entscheidend vorangetrieben werden soll. „Einfacher, weniger betrugsanfällig und unternehmensfreundlicher“, lautet die Devise, zudem „den grenzüberschreitenden Handel erleichtern und mit der digitalen und mobilen Wirtschaft Schritt halten“. Aus E-Reading-Perspektive besonders interessant ist die vorgeschlagene Option, den einzelnen Staaten mehr Spielraum bei der Ausgestaltung der Steuersätze zu geben:

„Mehr Autonomie bei Mehrwertsteuersätzen“

„Im Einklang mit dem Subsidiaritätsprinzip könnten die Mitgliedstaaten mehr Autonomie bei der Festlegung der Mehrwertsteuersätze erhalten, sofern angemessene Garantien dafür bestehen, dass übermäßige Komplexität und Wettbewerbsverzerrungen verhindert werden und das Funktionieren des Binnenmarkts nicht beeinträchtigt wird“, heißt es im Factsheet der EU-Kommission. Dass die Mitgliedsstaaten solche Möglichkeiten nutzen, zeigt das Vorbild Hörbücher: da die bisher geltende EU-Systemrichtlinie hier bereits Abweichungen erlaubt, hatte z.B. Deutschland den Steuersatz zum 1. Januar 2015 von 19 auf 7 Prozent gesenkt.

„Frühstens 2017 könnten E-Books billiger werden“

Bei E-Books könnte sich nun auch etwas ändern, wenn der Aktionsplan Erfolg hat. Erst mal soll damit die politische Diskussion angestoßen werden. Bis zum Jahr 2017, so der Aktionsplan weiter, soll dann die EU-Kommission detaillierte Gesetzesvorschläge vorlegen. Optimistisch gerechnet würde dann vielleicht 2018 europaweit die Tür für günstigere E-Books offenstehen — und könnte von der dann amtierenden Bundesregierung genutzt werden. Die derzeitige Große Koalition in Berlin zumindest ist ja grundsätzlich pro 7 Prozent für E-Books.

(via Buchreport)

Digitale Obscurity vs. Analoge Discovery: Studie zeigt, wo Leser wirklich neue Bücher entdecken

buchreport-discovery-in-deutschland„Obscurity is a far greater threat than Piracy“, lautet ein bekanntes Diktum in Sachen Digital-Vermarktung. In unserem Fall: Wehe, wehe, wehe, wenn sie nicht gefunden werden, die E-Books. Doch wie sieht sie aus, die Realität der Gutenberg-Galaxis in Sachen Bücher entdecken? Codex und Buchreport wollten es endlich mal genau wissen, wer nun in punkto Discoverability Nase vorn hat, das Web oder der stationäre Handel – und starteten die Studie „Vom Suchen und Finden der Bücher“.

Stöbern und auf Freunde hören: Digital schlägt analog

Die Befragung von 2.500 erwachsenen deutschen Buchkäufern ergab überraschendes: „Trotz der deutlich gewachsenen Anzahl an digitalen Kanälen – insbesondere im Social-Media-Bereich – erfolgt die Buch-Entdeckungsreise weiterhin größtenteils analog“, fasst Buchreport das Ergebnis zusammen. Die wichtigsten Kauf-Impulse entstehen immer noch durch das Stöbern im Buchladen (19 Prozent) wie durch persönliche Empfehlungen aus dem Freundeskreis (12 Prozent). Auch traditionelle Publicity via Bestseller-Liste, Rezension oder Buch-Award ist noch sehr wichtig (14 Prozent).

Viele Leser zählen auf Tipps vom Lieblings-Autor

Wichtigster Faktor im Online-Bereich ist ausgerechnet das „Stöbern“ in Online-Shops (15 Prozent), während gezieltes digitales Marketing weit weniger Einfluss hat, Promotion via E-Book-Rabattaktion oder Newsletter nur sehr geringe Wirkung zeigt (2 Prozent bzw. 3 Prozent). Überraschend gut schneidet dagegen wiederum das Autoren-Marketing ab — sachdienliche Buchtipps vom Lieblingsschriftsteller (z.B. via Newsletter, Autoren-Blog oder Facebook-Profil) erreichen immerhin 8 Prozent.

Meist wird aber gar kein neues Buch gekauft…

Interessante Fussnote: nicht jede Buchempfehlung führt auch zu einem Buchkauf – gerade mal jedes dritte zuletzt gelesene Buch im Rahmen der Studie war tatsächlich ordentlich bezahlte Frischware, viele werden kostenlos bezogen (z.B. geliehen) oder Second Hand beschafft. Daran dürfte sich wohl selbst dann nichts ändern, wenn zukünftig mehr Buch lesende Smartphone-Besitzer (78 Prozent der Befragten) ihr Gerät auch zur Lektüre von E-Books nutzen (bisher schlappe 14 Prozent, unter der Generation Ü24 aber immerhin schon 30 Prozent).

Abb.: buchreport/Codex

Paid Content: Deutsche Digital Natives zahlen für Musik & Games, Silver Surfer für E-Books (lt. DCI-Studie)

paidcontentstudie-dciFunktioniert Paid Content auch in Deutschland? Ja, behauptet eine neue DCI-Studie, die sich auf eine Online-Befragung von 2.600 Bundesbürgern stützt. Schon bisher, so die Schätzung, werden hierzulande jährlich bis zu 1,1 Milliarden Euro mit digitalen Bezahlinhalten umgesetzt. Allerdings bleibt noch sehr viel Spielraum nach oben: denn bisher hat gerade mal jeder zehnte Deutsche Erwachsene schon mal die Geldbörse für digitale Inhalte gezückt. Oder in absoluten Zahlen ausgedrückt: von angenommenen 56 Mio. Online-Nutzern in Deutschland gehören bisher erst ungefähr 6,4 Mio. zu den Paid-Content-Payern.

Digitale Jugendkultur prägt Paid-Content-Nutzung

Warum ist das so? Die einfachste Antwort: Paid Content ist eine Altersfrage. Ganz vorne liegt wohl nicht zufällig die Generation Smartphone, aufgewachsen mit iPhone, iPad & Co.: Fast jeder fünfte Online-Nutzer zwischen 18 und 34 Jahren hat schon mal für digitale Inhalte und Services gezahlt.

Die digitale Jugendkultur bestimmt deswegen auch die konsumierten Inhalte ingesamt: jeder zweite Paid Content-Nutzer bezahlt für Musik und Games, und 40 Prozent berappen Euros für Filme und TV-Serien. Geld für elektronische Lektüre fließt natürlich auch, allerdings deutlich spärlicher: nur jeder vierte (27,8 Prozent) nutzt E-Books, nur jeder zehnte News oder Fachinformationen.

E-Books: Heavy-User bei Generation Ü-65

Nach Altersgruppen aufgeschlüsselt sind die Unterschiede sogar noch viel stärker: während die Heavy-User von Musik, Games und Bewegtbild unter den 25 bis 34jährigen zu finden sind (Nutzerquote: zwei Drittel), liegt bei E-Books die Altersgruppe 65 plus ganz vorne, fast jeder zweite von ihnen schmökert auf elektronischen Displays.

Geht’s aber darum, wo die Inhalte gekauft werden, findet man kaum Unterschiede: ob jung oder alt, hauptsächlich wird Amazon genutzt, danach folgen mit deutlichem Abstand und stärken Altersdifferenzen (je jünger, desto mehr Nutzer) Google Play und iTunes. Bezahlt wird in den meisten Fällen via Paypal, Rechnung und Lastschrift liegen knapp vor der Kreditkarte.

Kaum jemand will mehr als 10 Euro pro Monat zahlen

Wobei Einzelkäufe wiederum eine Altersfrage sind, die 18 bis 34jährigen nutzen besonders gerne Abos und Flatrates, ähnlich ist es interessanterweise bei den Silver Surfern über 65 Jahre. Solche Flatrates scheinen sich auch hervorragend mit der Obergrenze der Zahlungsbereitschaft zu vertragen: sie liegt nämlich bei den deutschen Internet-Besuchern irgendwo zwischen 10 und 20 Euro pro Monat.

Digital hat Potential: Jeder vierte liest E-Books – jeder zweite kann es sich vorstellen

jeder-vierte-liest-ebooksIm Vorfeld der Frankfurter Buchmesse wurden mal wieder zahlreiche aktuelle Statistiken zum Thema E-Book vorgestellt – besonders interessant ist dabei eine Meldung der Bitkom: dem IT-Branchenverband zufolge lesen bereits 25 Prozent der Bundesbürger digitale Bücher, und mehr als ein Drittel derjenigen (35 Prozent), die es bisher noch nicht tun, können sich ebenfalls vorstellen, E-Books zu konsumieren.

Nutzer sind nicht automatisch auch Käufer

Das klingt nach viel Potential: Schaffen es Buchhändler und Bibliothekare, auch diejenigen zu motivieren, die bisher noch abwarten, aber grundsätzlich dem neuen Medium gegenüber aufgeschlossen sind, könnte zukünftig sogar jeder zweite Bundesbürger zur Population der E-Leser gehören. Ob sie tatsächlich auch zu den E-Book-Käufern gehören oder sich sogar einen E-Reader anschaffen, ist natürlich ein ganz andere Frage…

Zahl der E-Book-Nutzer wächst nur noch langsam

Kleines Problem dabei ist ohnehin: E-Books sind zwar schon jetzt „fester Bestandteil der digitalen Medienwelt und erreichen ein Massenpublikum“, wie es Bitkom-Vize Achim Berg ausdrückt. Doch zugleich fällt auf, dass die Zahl der aktiven E-Book-Nutzer in Deutschland nur noch sehr langsam steigt, in den letzten 12 Monaten gab es lediglich einen Zuwachs um einen Prozentpunkt auf die jetzt gemeldeten 25 Prozent.

Senioren lesen kaum E-Books

Bei den 14 bis 29jährigen sind bereits ein Drittel (32 Prozent) vom neuen Medium überzeugt und konsumieren ihre Lektüre auch digital, auch bei den 30 bis 64 jährigen ist der Anteil noch ähnlich hoch. Doch in der Altersgruppe ab 65 Jahren liegt die Nutzung mit 11 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Was wohl auch daran liegt, dass die häufigsten Lesegeräte Laptop (41 Prozent) und Smartphone (38 Prozent) sind, die vor allem von Jüngeren eingesetzt werden.

Einen dedizierten E-Ink-Reader nutzt dagegen nur ein Drittel der Leser. Und aus dieser Nische kommt das klassische Lesegerät wohl auch nicht mehr heraus: Nach Bitkom-Prognosen werden im laufenden Jahr 25,6 Millionen Smartphones und 7,7 Millionen Tablets, aber nur 600.000 E-Reader in Deutschland verkauft.

Flatrates als neuer Wachstumstreiber?

Neue Attraktivität könnte das elektronische Lesen durch Kauf-Alternativen wie Onleihe oder kommerzielle Flatrates erhalten: Bereits die Hälfte der befragten Leser macht von solchen Möglichkeiten Gebrauch, sowohl die E-Book-Ausleihe aus Bibliotheken wie auch Abo-Modelle à la Kindle Unlimited oder Skoobe verzeichnen starke Zuwächse.

Abb.: David Goehring (cc-by-2.0)