[e-book-review] Zwischen New Age & alten Mysterien: Dan Browns „Verlorenes Symbol“ gibt’s jetzt auch als E-Book

dan-brown-verlorenes-symbol-e-book-review-bestsellerWer Dan Browns Bestseller „Lost Symbol“ als E-Book lesen wollte, war bisher auf die englische Fassung angewiesen. Mit „Das verlorene Symbol“ kommt nun endlich die deutsche Übersetzung auf‘s E-Ink-Display – ein Jahr nach Erscheinen der Druckversion. Nach Schauplätzen wie Rom („Illuminati“) oder Paris („Sakrileg“) löst Browns intellectual hero Robert Langdon diesmal seine Rätsel mitten in Washington. Nicht um Antimaterie oder den heiligen Gral geht‘s dabei, sondern um das verborgene Wissen der Freimaurer. Mit 19,99 Euro ist das E-Book immerhin 6 Euro günstiger als die Hardcover-Ausgabe.

Parforce-Jagd durch die amerikanische Gründungsgeschichte

Dan Brown-Fans sind es gewohnt, dass am Ende für die Romanhelden unerwartetete Ergebnisse stehen. Ein Meteorit in der Arktis, der den Beweis für die Existenz außerirdischen Lebens birgt? Pustekuchen. Am Ende war in „Meteor“ alles nur eine High-Tech-Verschwörung. (Der englische Titel „Deception Point“ legt das natürlich auch bereits nahe.) Die Suche nach dem heiligen Gral? Der „Davinci-Code“ erweist sich am Ende als eine tausend Jahre alte Ablenkung. Umso gespannter durfte man natürlich auf das „Verlorene Symbol“ sein. Dem „Vermächtnis der Tempelritter“ auf den Spuren hatte bereits Nicolas Cage im gleichnamigen Disney-Blockbuster die Katakomben Washingtons durchsucht – und am Ende reiche Beute gemacht. Für die Zuschauer war das ganze zugleich eine Parforce-Jagd durch die Gründungsgeschichte der USA & die Topographie Washingtons. Ähnliche Aha-Effekte hält mit dem „Verlorenen Symbol“ Dan Brown für die Leser bereit. Vom Kapitol geht’s zur Library of Congress, zum Adams Building und schließlich hinaus zur Washington National Cathedral, ganz am Ende gerät der große Obelisk des Washington Monuments in den Blickpunkt.

Entdeckungen in der Krypta des Kapitols

„Castles, Crypts, Pyramids, temples… it‘s all there“ – pflegt Symbol-Forscher und Harvard-Professor Langdon seinen Schülern die kulturellen Schätze der amerikanische Hauptstadt schmackhaft zu machen. Aber verbirgt sich mitten in Washington tatsächlich ein Portal zu den antiken Mysterien? Der mysteriöse Entführer von Peter Solomon, Direktor des Smithsonian Institutes und ranghoher Freimaurer, scheint daran zu glauben. Um Solomons Leben zu retten, soll nun Langdon den Zugang zum antiken Portal finden. Erster Anhaltspunkt ist eine tätowierte menschliche Hand, die plötzlich in der Rotunde des Kapitols gefunden wird. Außerdem gibt es da noch ein versiegeltes Päckchen, das Langdon für seinen Freund Solomon aufbewahren sollte. In der Krypta des Kapitols stößt Langdon dann auf eine Miniatur-Pyramide mit einer codierten Inschrift. Die Schatzsuche ist eröffnet. Doch auch der CIA beginnt sich für das geheime Portal zu interessieren – und bald befindet sich Langdon auf einer wilden Flucht durch die Straßen von Washington.

Dan Brown-Mix: Wissenschaft, Religion, Heilsgeschichte

Beim reinen Freimaurer-Plot belässt es Brown allerdings nicht- eine parallele Erzählebene dreht sich um die Verbindung antiken Wissens und moderner Physik. Katherine, die Schwester Solomons, forscht im Auftrag des Smithsonian Institutes im Bereich der Noetik, einer Art Grenzwissenschaft, bei der es um die Veränderung der Welt durch Gedankenkraft geht. In einem abgeschirmten Labor des Smithsonian Museums konnte sie bereits bahnbrechende Erfolge erzielen. Das bringt sie nun in Gefahr – denn der Entführer ihres Bruders versucht zu verhindern, dass diese Informationen in die Öffentlichkeit geraten und das elitäre New Age-Wissen zum Mainstream machen. Spätestens hier merkt man natürlich: die Verbindung von Wissenschaft, Religion und Heilsgeschichte bilden auch in „Lost Symbol“ die Grundlage des Plots. Durch die Wahl Washingtons als Schauplatz ist dies nun allerdings auch noch eng mit dem utopischen Gründungsmythos von „God’s own country“ verknüpft. Das Freimaurer-Motto „Ordo ab chao“ (Ordnung aus dem Chaos) passt wohl etwas besser in die Welt nach dem 11. September als „e pluribus unum“. Wie am amerikanischen Wesen nun ganz praktisch die Welt genesen könnte, verrät Dan Brown aber leider nicht.

dan-brown-verlorenes-symbol-e-book-epub-bestseller
Dan Brown,
Das verlorene Symbol (Oktober 2010)
E-Book (epub-Format), 19,99 Euro
Hardcover (Lübbe Thriller) 26,00 Euro

Dan Brown-Fans müssen warten: „The lost Symbol“ erst mal nicht als E-Book

dan-brown-fans-mussen-warten-the-lost-symbol-nicht-als-e-book_bild_pixelio_rowdy2008Dan Brown-Fans freuen sich auf den 15. September: denn an diesem Tag erscheint „The Lost Symbol„, der langerwartete neue Thriller. Nach „Illuminati“ und „The Da Vinci Code (deutscher Titel: Sakrileg)“ ist es der dritte Roman mit dem heldenhaften Harvard-Professor Robert Langdon. Wer „The Lost Symbol“ als E-Book lesen will, muss aber wohl noch etwas länger warten. (mehr …)

Direkte Deals mit Star-Autoren: Macht Amazon Verlage überflüssig?

direkte-deals-mit-star-autoren_macht-amazon-verlage-uberflussig_bild_pixelio_oliver_klasWozu braucht man eigentlich noch Verlage? Nicht nur E-Books werden schon jetzt online beworben und verkauft, Print-On-Demand macht die Lagerhaltung von gedruckten Büchern überflüssig, und zur Produktion eines E-Books braucht man bestenfalls noch einen Layouter. Das Magazin Fastcompany hat auf dieser Grundlage ein Schreckenszenario entworfen — aus Sicht der Verlage, wohlgemerkt. Was wäre, wenn Amazon direkte Deals mit Bestseller-Autoren wie Dan Brown aushandeln würde? Die Rechnung würde so aussehen: kein Vorschuß mehr, dafür eine höhere Gewinnbeteiligung. (mehr …)