Das schnellste E-Ink der Welt: Thalias Cybook Odyssey im Test

Thalia stellt sich im E-Reader Geschäft neu auf – und setzt ab jetzt auf das Cybook Odyssey. Der vom französischen Hersteller Bookeen produzierte Reader glänzt mit High-Speed-E-Ink (HSIS-Technologie), was ungeahnt schnelles Zoomen und Scrollen ermöglicht. Der 6-Zoller mit WiFi und Touch-Screen eignet sich somit nicht nur zur E-Book-Lektüre, sondern auch zum einigermaßen ruckelfreien Internet-Surfen. Thalias hauseigener eBook-Store ist bereits auf dem Gerät vorinstalliert, komfortablem E-Book-Shoppen via WLAN steht also nichts mehr im Weg. Audiofunktionen machen das Cybook Odyssey zugleich zum perfekten Hörbuch-Player. Fazit: Zum Preis von 99 Euro erhält man mit dem flinken E-Ink-Gerät einen mehr als würdigen Nachfolger für Thalias bisherigen Brot-und-Butter-Reader Oyo. Alles weitere im E-Book-News-Testbericht. [Update Dez. 2012: Für 129 Euro gibt es jetzt eine verbesserte Version mit Glowlight-Feature und HD-Auflösung]

Spaciges Design

Bisher hatten Thalia-Kunden die Qual der Wahl: sollte es der technisch bereits veraltete Oyo II sein, oder Sonys WiFi-Reader PRS-T1, der allerdings in Deutschland ohne integrierten E-Store geliefert wird? Auf der Suche nach einer Alternative ist die Buchhandelskette nun jenseits des Rheins fündig geworden: bei Bookeen. Im E-Lese-Sektor können die Franzosen schon als Traditionsunternehmen gelten, immerhin brachen sie bereits im Jahr 2001 das erste „Cybook“ auf den Markt. Auch mit ihrem neuesten Cyber-Buch setzt Bookeen wieder Maßstäbe – angefangen beim „spacigen“, leicht rhombischen Design, das irgendwie an Star-Trek-Gadgets erinnert. Mit nur einem einzigen Menübutton unter dem Display macht das Cybook Odyssey zugleich natürlich stilistische Anleihen beim Minimalismus des iPad. Ungewöhnlich für einen Touch-Screen-Reader, aber durchaus nützlich sind zudem die seitlich des Displays angebrachten Umblättertasten. Die Rückseite aus gebürstetem Aluminium lässt das 195 Gramm schwere Cybook gut in der Hand liegen.

Schneller Zoom, rasantes Scrollen

Beim ersten Einschalten bekommt man gleich eine Demonstration davon, was High-Speed-E-Ink bedeutet. Auf dem Display wird eine kleine Animation abgespielt, in der sich ein Mann auf eine Gartenbank setzt und ein Buch liest, umschwirrt von einem Vogelschwarm. Doch auch im alltäglichen Gebrauch macht sich der Vorteil der HSIS-Technologie rasch bemerkbar. Man kann sich per Fingerwisch durch Menüs bewegen, mit der vom iPad gewohnten Zweifingergeste in den Text hineinzoomen oder herauszoomen (20 Zoomstufen), und auch das Umblättern funktioniert mit dem Finger. Das Aufrufen eines Titels aus der Bibliothek wurde durch eine kleine Animation aufgepeppt: das Coverbild scheint auf den Betrachter hinzuzuschnellen. Besonders beeindruckend ist die Geschwindigkeit, mit der man sich im integrierten Browser durch Webseiten scrollt – hier bietet das Cybook tatsächlich Tablet-Feeling.

Leseansicht individuell anpassen

Überzeugend ist jedoch auch die grafische Gestaltung der Benutzeroberfläche, angefangen beim Home-Screen, der mit kleinen Cover-Abbildungen einen Überblick über die zuletzt gelesenen E-Books liefert. Die Leseansicht ist angenehm puristisch gehalten, neben der Titeleinblendung im Seitenkopf wird am unteren Ende die Seitenzahl eingeblendet (beide Anzeigen lassen sich übrigens auch deaktivieren). Ruft man das Hauptmenü auf, werden die Optionen nur in der unteren Hälfte der Leseansicht eingeblendet. Sobald man eine Einstellung ändert – etwa Schrifttype oder Ausrichtung — , kann man das Ergebnis in der oberen Hälfte gleich mitverfolgen. Ähnlich wie beim Kindle lässt sich die Anzeige des E-Books weitgehend nach individuellen Wünschen einstellen. Sogar Silbentrennung und Ligaturen kann man ein- und ausschalten. Mehrere sieben Schrifttypen mit oder ohne Serifen stehen zur Auswahl. Bei kleiner Fontgröße kann der Cybook Odyssey jedoch in punkto Lesbarkeit jedoch nicht mit Amazons speziellen Schrifttypen mithalten.

Komfortabel shoppen im E-Store

Ein weiterer Vorteil des Cybook Odyssey ist natürlich der integrierte E-Store, der Oyo-Nutzern vom Look&Feel her bereits vertraut sein dürfte. Kleine Coverbildchen und die Aufteilung des Screens in wenige Schaltflächen schaffen Übersichtlichkeit, die Ansicht einzelner Titel bietet gute Beschreibungen und in vielen Fällen auch kurze Leser- und Buchhändlerrezensionen. Wer auf der Suche nach Sonderangeboten ist, kann direkt vom Startmenü des E-Stores aus auf Schnäppchensuche gehen. Leider lassen sich von den meisten Bestsellern im Thalia-Store bisher noch keine Leseproben herunterladen, das schmälert den Gebrauchswert der Shopping-App wiederum – bleibt zu hoffen, das Thalia hier noch nachbessert. Denn nur der Klappentext reicht zur Kaufentscheidung nicht aus, gerade bei E-Books, die mehr als zehn Euro kosten, möchte sicherlich niemand die Katze im Sack erwerben.

Fazit: Lesegerät mit echtem Mehrwert

Die eigentlichen Wettbewerber sind auch für Thalia längst nicht mehr deutsche Online-Portale, sondern Amazon, Kobo & Co. Die Reader der Konkurrenz aus Übersee sind gut designt, erfreulich günstig und bieten ein nahezu perfektes Kundenerlebnis. Mit dem Cybook Odyssey könnte es Thalia nun tatsächlich gelingen, in diese Liga vorzustoßen, und das nicht nur vom Preis her. Bookeens neuester Streich zeigt, wo es mit E-Ink langgehen könnte – ein kombiniertes Lese- und Surftablet mit elektronischem Papier, aber maximaler Reaktionsgeschwindigkeit des Touch-Screens scheint mittlerweile in greifbarer Nähe zu liegen. Wie man am Cybook sehen kann, muss dabei die Kombination von schnellem E-Ink und Touch-Screen auch nicht auf Kosten der Akkuleistung gehen. Für 99 Euro bekommt man in der Thalia-Filiale um die Ecke oder online bei Thalia.de ein zeitgemäßes Lesegerät, das gerade Viellesern einen echten Mehrwert bietet. [Update Dez. 2012: Für 129 Euro gibt es jetzt eine verbesserte Version mit Glowlight-Feature und HD-Auflösung]

Bookeen Cybook Odyssey (Thalia.de)


Display

6 Zoll Pearl E-Ink Display,
600×800 Pixel (16 Graustufen),
Multi-Touch und High Speed Ink System (HSIS)

Gewicht

195 Gramm

Schnittstellen

WLAN, Mikro-USB, SD-Kartenslot

Speicher

2 GB intern, max. 32 GB extern

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF, txt etc.

Zus. Features

Thalia E-Store, Audio-Player, Lagesensor

Preis

99 Euro (Thalia.de)

Abb.: E-Book-News

Thalias neue Trumpfkarte heißt Cybook Odyssey – Start am 20. Juni

Thalia stellt sich im E-Reader Geschäft neu auf – in Zukunft setzt die Buchhandelskette auf das Cybook Odyssey. Für 119 Euro kommt der 6-Zoller mit WiFi und Touch-Screen ab 20. Juni in den Handel, gab das Hagener Unternehmen jetzt bekannt. Der vom französischen Hersteller Bookeen produzierte Reader glänzt mit High-Speed-E-Ink (HSIS-Technologie), so dass sich auch Animationen und sogar Videos einigermaßen flüssig darstellen lassen. Mit 2 Gigabyte internem Speicher liegt das Cybook im Mittelfeld vergleichbarer Geräte. Anders als beim ebenfalls von Thalia angebotenen Sony-Reader PRS-T1 ist beim Cybook Odyssey der hauseigene eBook-Store bereits auf dem Gerät vorinstalliert, komfortablem E-Book-Shoppen via WLAN steht also nichts mehr im Weg. Mit dem neuen Star im Team scheint zugleich das Ende von Thalias Eigenentwicklung namens Oyo näherzurücken – die WiFi-Version der zweiten Generation (Oyo II) wird jetzt bereits für 79 Euro verramscht (vorher: 119 Euro).

Die eigentliche Konkurrenz heißt längst Amazon

Der fliegende Wechsel in der Angebotspalette findet laut Thalia „im Zuge der unternehmerischen Neuausrichtung“ statt – es gehe darum, die „Nutzungsvielfalt der digitalen Leseangebote“ auszubauen und ein möglichst „breites, auf individuelle Kundenbedürfnisse abgestimmtes eReader-Sortiment“ anzubieten. Was Thalia tatsächlich fehlte, war ein neues Zugpferd – denn Sonys Reader ist mit 149 Euro immer noch etwas teuer, die technisch schon überholten Oyo-Modelle kamen auch nach einem Relaunch nicht mehr so richtig bei den Kunden an. Die eigentliche Konkurrenz, das scheint mittlerweile klar, sind zudem längst nicht mehr deutsche Online-Portale, sondern Amazon, Kobo & Co. Die Reader der Konkurrenz aus Übersee sind gut designt, erfreulich günstig und bieten ein nahezu perfektes Kundenerlebnis. Mit dem Cybook Odyssey könnte es Thalia tatsächlich gelingen, in diese Liga vorzustoßen.

E-Book-Verkauf in den Buchhandlungen

Mit der eingeschlagenen „Multichannel“-Strategie hat Thalia ohnehin eine Trumpfkarte im Ärmel – nämlich die Präsenz vor Ort. Verkauft wird die gesamte E-Reader-Palette somit nicht nur online, sondern auch in den knapp 300 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Beratung und Nähe sieht man bei Thalia tatsächlich als entscheidenden Vorteil gegenüber den „Online Pure Playern der Branche“: so sind zum einen Buchempfehlungen und Rezensionen zukünftig auch über die eReading-Apps abrufbar, für deren Weiterentwicklung das von Thalia übernommene Berliner Startup textunes sorgt. Die Buchhandlungen um die Ecke werden zugleich für Neueinsteiger zur Anlaufstelle für elektronischen Lesestoff – dafür sollen spezielle „eBook-Boxen“ sorgen. Die analogen Schachteln beinhalten Booklets und Wertgutscheinen mit einer Anleitung zum digitalen Lesen sowie Lesetipps von Thalia-Buchhändlern.

Abb.: Bookeen