Schicker als das Apple-Tablet: FuseProject’s neue Designstudie für das 100-Dollar-Laptop

e-reader olpc xo-3 negroponte design laptop child 100 Dollar.jpgEs klingt wie ein Weihnachtsmärchen: die neue Design-Studie XO-3 des One-Laptop-per-Child-Projekts (OLPC) zeigt ein Gadget, das selbst ein Apple-Tablet in den Schatten stellt. Nur halb so dick wie ein iPhone, ein Touch-Screen-Display mit 8,5 mal 11-Zoll-Größe, keine Knöpfe oder Tasten mehr. Designer Yves Behar: „Wichtigstes optisches Element ist der mediale Content“. Ein echter Hingucker ist auch der anvisierte Preis: 75 Dollar.

Das 100-Dollar-Laptop gibt’s schon – es kostet aber leider 172 Dollar


Es gibt Träume, die werden wahr. Es gibt aber auch welche, die Träume bleiben. Nicholas Negroponte ist ein Profi in beiden Gebieten. Einerseits hat der Schöpfer des 100-Dollar-Laptop-Projekts einen Riesenerfolg gehabt: mittlerweile sind mehr als eine Million seiner speziell auf die Bedürfnisse von Schulkindern in Entwicklungsländern zugeschnittenen Mini-Computer im Umlauf. In Uruguay etwa ist jeder ABC-Schütze zwischen 6 und 12 Jahren mit dem pädagogischen High-Tech-Gadget ausgestattet. Ein echtes Hundert-Dollar-Laptop ist es aber nicht geworden – der aktuelle Preis ist mit 172 Dollar immer noch fast doppelt so hoch wie ursprünglich mal geplant. Und selbst 100 Dollar sind für die Menschen in ärmeren Ländern ein Batzen Geld. Eigentlich sollte im nächsten Jahr ein Nachfolge-Modell auf den Markt kommen, das XO-2, ein reines Touchscreen-Modell, bei dem das Tastenfeld durch einen zweites Display ersetzt worden war. Kurz nachdem Microsoft vor wenigen Wochen das Courier-Tablet präsentierte – Überraschung: mit zwei Touchscreen-Displays – wurde das XO-2 sang und klanglos begraben.

Das XO-3 sollte nicht wie ein Buch aussehen, sondern „more like a sheet of paper“

one laptop per child e-book e-reader xo-3.jpgManche munkelten, dass der wirkliche Grund die hohen Produktionskosten waren. Für Negroponte zählte offiziell jedoch etwas ganz anderes: er wollte mit dem neuen OLPC-Gadget wieder mal zum Trendsetter der Branche werden. Immerhin kann er sich ja ans Revers heften, mit seinem 100-Dollar-Laptop der Netbook-Revolution den Weg bereitet zu haben. Für das XO-3 setzte man sich also ein neues, ambitionierteres Ziel: es sollte nicht mehr wie ein Buch, sondern „more like a sheet of paper“ aussehen. Negroponte versprach folgende Specs: „Komplett aus Plastik, unzerbrechlich, wasserdicht, 1/4 Zoll dick, mit Farbe, reflektivem und transmissivem Display, keine überflüssigen Halterungen oder Öffnungen“. Nicht zu vergessen: ein Killer-Preis von 75 Dollar, Energieverbrauch von nur einem Watt, und Serienreife bis 2012. Die nun vom Forbes Magazin exklusiv präsentierten Bilder sind tatsächlich atemberaubend. „Ich wollte das Wesen des OLPC in neuer Form zum Leben erwecken“, so der FuseProject-Designer Yves Behar, der auch schon das XO-1 entworfen hatte. „Dazu musste ich die optische Komplexität gegen etwas anderes eintauschen, nämlich Taktilität und Nutzerfreundlichkeit, Touch-Funktionalität und Farbe“. Tatsächlich scheint das Gerät eine völlig neue Nutzererfahrung zu bieten – die Maschine selbst verschwindet vor den Augen, nur noch der Bildschirm ist übriggeblieben. „It’s sci-fi tech come real“, begeisterte man sich bereits beim Techie-Blog FastCompany.

Das OLPC-Projekt ist auch ein One-E-Reader-per-Child-Projekt

Das einzige, was den Minimalismus des Gerätes unterbricht, ist eine kleine Schlaufe an einer der Ecken. Mit dem gummierten Metallbändchen soll man das XO-3 quasi am Finger tragen können. WiFi-Fähigkeit versteht sich natürlich von selbst bei diesem Projekt, aber überraschenderweise soll auch der Strom drahtlos gezapft werden – Negroponte plant offenbar die Aufladung der Akkus per Induktionsschleife. Für das Display ist die stromsparende LCD-Technik vom PixelQi im Gespräch – und könnte damit sowohl kontrastreiche E-Paper-Qualitäten bieten wie auch hochauflösende Video-Darstellung. Wie man bei Forbes ganz richtig feststellt, ist das OLPC insofern zugleich auch ein One-E-Reader-per-Child-Projekt. Bei all diese Specs und dem niedrigen Preis denkt man vielleicht eher an ein Weihnachtsmärchen. Doch man darf Negroponte auch nicht unterschätzen -es geht ihm nur um die Realisierung, nicht um das große Geschäft. Die Designstudie soll offenbar einen ähnlichen Effekt erzielen wie die Crunchpad-Kampagne von TechCrunch-Gründer Michael Arrington. Vom „Let’s build it“-Aufruf bis zum ersten Prototypen verging in diesem Fall nur ein knappes Jahr. Arrington wurde allerdings von seinem Geschäftspartner FusionGarage am Ende ausgebootet – das minimalistische Surf-Tablet kommt nun unter dem Namen JooJoo heraus. Bei Negroponte ist der Ideenklau schon jetzt Teil der Strategie – sein wichtigstes Ziel ist ganz einfach, das möglichst bald möglichst viele XO-3s produziert werden – egal von wem: „Wir müssen es nicht unbedingt selbst bauen“, so der OLPC-Erfinder gegenüber Forbes, „Wir müssen nur androhen, es zu tun!“

JooJoo-Effekt: Crunchpad ist wieder da – als 500-Dollar-Tablet von Fusion Garage

1-chandra_showoff_540x494.gifDas Crunchpad ist wieder da – aber es heißt jetzt JooJoo. „Die Gerüchte über das Ableben des Produktes waren weit übertrieben“, sagte Chandra Rathakrishnan von Fusion Garage bei der Produktvorstellung in San Francisco. Das 12-Zoll-Tablet soll ab Anfang Februar für 500 Dollar in den Handel gelangen. Das WiFi-fähige Gerät eignet sich vor allem zum Surfen und Anschauen von HD-Videos.

„Dead Simple“: das Crunchpad wurde in vier Wochen zum Joo Joo

Vor kurzem waren Michael Arrington und Chandra Rathakrishnan noch gute Freunde – sie arbeiteten zusammen am Crunchpad, einem TabletPC mit Touch-Screen und Linux-Oberfläche. Das ursprüngliche Konzept und einen Prototypen hatte der Silicon-Valley Unternehmer & TechCrunch-Gründer Arrington beigesteuert. „We want a dead simple Web Tablet, Help us build it“, hatte er die Community vor zwei Jahren aufgefordert – und 300 Dollar als Verkaufspreis anvisiert. Vor einem Jahr übernahm dann Rathakrishnans Startup Fusion Garage die Entwicklung und Fertigung des Endproduktes. Ende November sollte das serienreife Crunchpad endlich der Öffentlichkeit vorgestellt werden – doch die Premiere fiel aus. In einer E-Mail aus Singapur wurde Arrington mitgeteilt: Fusion Garage bringt das Tablet jetzt in Eigenregie heraus. Tatsächlich stellte Rathakrishnan in San Francisco nun ein „brandneues“ Gadget vor – ein Tablet namens Joo Joo.

Nicht schlecht – das Joo Joo bootet in neun Sekunden


Das Gerät ist ein reines Surftablett – genau wie das Crunchpad. Außer einem Einschaltknopf wird es über komplett über das 12-Zoll-Touchscreen (Auflösung: 1366×768 Pixel) bedient. Zur Ausstattung gehören eine Webcam, ein Mikrophon, Lautsprecher, USB-Port und ein Einschub für SD-Karten. Das mit 4 GB Speicher ausgestattete JooJoo ist ein reines Surftablett – die Benutzeroberfläche ist zu 100 Prozent mit dem Browser identisch, der auf der freien Webkit-Engine basiert. Darunter läuft ein angepasstes Linux-System. Laut cnet bootet das JooJoo in nur neun Sekunden – von der dann sichtbaren Homescreen aus lassen sich Webanwendungen wie Facebook, Youtube oder Twitter direkt starten. Die Bedienung erfolgt ähnlich intuitiv wie beim großen Vorbild iPhone, also per Fingerbewegung auf dem Touchscreen. Ohne WiFi-Verbindung geht allerdings gar nichts – wenn das Gerät offline ist, nützt das JooJoo wenig.

„Ist das JooJoo ein tolles Gerät? Ja, aber nicht bei dem Preis“

Das größte Manko dürfte allerdings der Preis sein – hatte Arrington für das Crunchpad noch 300 Dollar angepeilt, wird man für das JooJoo wohl an die 500 Dollar hinblättern müssen. Bei CNET hieß es deswegen eher skeptisch: „Ist das JooJoo nicht ein tolles Gerät? Ja, durchaus. Aber bei diesem Preis glauben wir nicht, dass es ein Erfolg wird.“ Laut Rathakrishnan denkt Fusion Garage allerdings an Subventions-Modelle ähnlich wie bei Handy-Verträgen. Doch das JooJoo sei auf jeden Fall sein Geld wert: Geräte wie iPhone oder Kindle DX würden schließlich einen deutlich kleineren Bildschirm haben. Bei der Produktvorstellung wehrte sich der Fusion Garage-Chef zugleich gegen Vorwürfe, er habe mit dem JooJoo Arringtons Crunchpad-Konzept gestohlen. Diese Annahme sei abwegig, so Rathakrishnan, denn es habe keinerlei rechtsverbindliche Absprachen zwischen den Partnern gegeben. Die Ähnlichkeiten zwischen dem JooJoo und dem letzten Crunchpad-Prototypen – vom Design bis zu den Specs – sind auf jeden Fall deutlich. Rathakrishnans Alleingang könnte sich also durchaus noch als juristisches JoJo erweisen, denn Arrington will seinen ehemaligen Freund und Geschäftspartner wegen geistigen Diebstahls verklagen.

Das Crunchpad ist tot, Pandora lebt – wann kommt der OpenSource-E-Reader?

crunchpad-pandora-handheld-open-source-e-reader-projekt-techcrunchOb Hardwarebranche oder Musikindustrie: Nicht alle guten Ideen kommen von den Majors. Auch Independant Labels landen Hits. Wie produktiv die Verbindung von Web-Communities & Open Source ist, sollte das „Crunchpad“ zeigen – ein Internet-Tablet, entworfen vom TechCrunch-Blog. Während das Crunchpad scheiterte, kam das Pandora-Projekt bis zur Marktreife – die Open-Source-Spielekonsole wird schon produziert. Kommt als nächstes vielleicht ein Open-Source-E-Reader?

We Want A Dead Simple Web Tablet For $200. Help Us Build It!

Am Anfang stand ein Manifest des Unternehmers & TechCrunch-Gründers Michael Arrington – überschrieben mit der Parole „We Want A Dead Simple Web Tablet For $200. Help Us Build It.“ Dabei stand der Open Source-Gedanke im Vordergrund: „Let’s design it, build a few and then open source the specs so anyone can create them“, hieß es im Manifest. Das war im Juli 2008, vor nicht einmal anderthalb Jahren. Im Frühjahr 2009 gab es tatsächlich schon einen kompletten Prototyp: 12 Zoll LCD Screen, energiesparender VIA Nano-Chip, als Betriebssystem Ubuntu Linux und ein auf der freien Webkit-Engine basierender Browser. Allerdings scheint der OpenSource-Gedanke im Verlauf des Projekts ein wenig unter die Räder gekommen zu sein. Um in die Massenfertigung einsteigen zu können, arbeitete Arrington mit dem in Singapur angesiedelten Startup Fusion Garage zusammen. Gleichzeitig wurde dort im Sommer 2009 für die Vermarktung des Gadgets eine Firma namens Crunchpad Inc. gegründet. Als Verkaufsstart war der November anvisiert – noch vor zwei Wochen kündigte Arrington an, bald würden die ersten Geräte für einen Stückpreis zwischen 300 und 400 Dollar vom Band rollen. Es gab sogar schon erste Vorführexemplare, auf denen das Crunchpad mit Googles Chrome OS und Windows 7 problemlos lief. Die Erwartungen waren groß – auch als E-Book-Reader hätte man das 12-Zoll-Gadget prima benutzen können. Wenige Tage später postete Arrington auf TechCrunch einen langen Blogeintrag mit der Überschrift: The End Of The CrunchPad.

„Wenn alles gut läuft, dann kann jeder, der es will, das Gerät bauen“

Die Hintergründe sind immer noch etwas mysteriös – offenbar gab es aber zwischen den Geschäftspartnern einen handfesten Streit über die Steuerung des Projektes. Am Ende wollte Fusion Garage das CrunchPad alleine vermarkten, obwohl das Copyright bei beiden Partnern lag. „Das ist so, als hätte Foxconn – also der iPhone-Hersteller – ein paar Tage vor dem Launch des Gerätes bei Apple angerufen und gesagt: Wir verkaufen das iPhone jetzt selbst“, wunderte sich Arrington in seinem finalen Blogeintrag. Es ist fast so wie beim kaukasischen Kreidekreis – nun werden sich beide Seiten vor Gericht um das Crunchpad streiten. Das Kind/Projekt selbst geht dabei vor die Hunde. Das Ende des Crunchpads ist tatsächlich ein echtes Lehrstück über den Shareholder-Value: die Geldgeber hinter der Fusion Garage wollten nicht nur ein Stück vom Kuchen, sie wollten die ganze Bäckerei. Jetzt bleiben nur Krümel für die Rechtsanwälte. Der Silicon-Valley-Unternehmer Arrington hatte eine ganz andere Vision: „Wenn alles gut läuft, werden wir am Ende das Design und die Software zur OpenSource erklären, dann kann jeder, der es will, das Gerät bauen“. Die Grundidee hinter der „Public License“ ist ja schließlich: niemand darf von der Nutzung einer Idee ausgeschlossen werden. Doch damit das klappt, sollte man wohl von Anfang an auf Offenheit setzen

Open Source lebt – Pandoras Box bleibt geöffnet…

Wie es besser laufen kann, zeigt ein europäisches Open-Source-Projekt namens Pandora – dabei geht es um eine linux-basierte Handheld-Spielekonsole. Im Mittelpunkt stehen vier Entwickler: Craig Rothwell, Fatih Kilic, Michael Mrozek sowie Michael Weston. Mitte 2007 schlugen sie ihr Projekt in einem Internetforum für Spielekonsolen zum ersten Mal vor. Unterstützt von den Ideen und Vorschlägen zahlreichen Forenmitglieder ausgegangene Ideen und Vorschläge unterstützt, entstand bis 2008 der erste Prototyp. Die Open-Source-Konsole Pandora ähnelt vom Aufbau her einem Netbook, ist aber deutlich kleiner – sie hat ein farbiges 4,3 Zoll-Touchscreen. Bedient wird sie entweder per Touchscreen oder über eine Qwerty-Tastatur. Und da es eine Spielekonsole sein soll, fehlt natürlich auch nicht das integrierte Gamepad mit Steuerkreuz, Analog-Sticks und Aktionsknöpfen. Das Gadget eignet sich besonders für Emulatoren, um unterwegs bequem Games vom Commodore 64 bis zur Playstation spielen zu können. Die Linux-Oberfläche ermöglicht aber genauso den Web-Zugang, Videodarstellung oder das Lesen von E-Books.

„Die Massenproduktion von 3895 Pandora-Boards hat begonnen“

Der Unterschied zum Crunchpad-Projekt war von Anfang an klar – hinter Pandora steht eine Web-Community von Enthusiasten, TechCrunch ist dagegen ein kommerzieller Blog, der dem Gründer Micheal Arrington monatlich um die 200.000 Dollar einbringt. Doch es gibt noch einen viel bedeutenderen Unterschied: die Pandora existiert bereits. Im Jahr 2008 wurden schon fast 4000 Exemplare über Online-Shops verkauft – zum Stückpreis von 299 Euro. Die Wirtschaftskrise machte der Pandora-Community zwar kurzfristig einen Strich durch die Rechnung. Doch die Büchse der Pandora bleibt geöffnet: die nächste Charge wird erst in den nächsten Wochen ausgeliefert. Auf der Pandora-Projektseite kann man zur Zeit lesen: „Die Massenproduktion von 3895 Pandora-Boards hat begonnen.“ OpenSource funktioniert, auch bei Hardware – das wäre damit bewiesen. Bleibt also die Frage: wenn die meisten E-Book-Reader ohnehin schon mit freier Software – nämlich Linux – betrieben werden und mit epub auch schon ein offener E-Book-Standard existiert, warum gibt es dann eigentlich noch keinen Open-Source-E-Reader?