Erst blockieren, dann spendieren: AdBlockPlus-Betreiber Eyeo relauncht Mikrospenden-Dienst Flattr

flattr-relaunch-2017Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen. Oder umgekehrt. Die AdBlock-Plus-Betreiber von Eyeo schmälern mit ihrem Werbeblocker nicht nur Online-Anzeigenerlöse, bzw. kassieren ab für das Whitelisting von „akzeptablen“ Werbebannern, sie verteilen jetzt auch Crowd-Gelder mit der Gießkanne über das Web. Mittel zum Zweck ist ausgerechnet Flattr — der 2010 gestartete Mikrospenden-Service gehört nämlich seit Anfang des Jahres zu Eyeo. Und wurde in der Zwischenzeit kräftig umgemodelt, der Relaunch erfolgte Anfang der Woche.

Content Flattern mit der Gießkanne

Die neue Browser-Erweiterung von Flattr wandelt nun auf den Spuren von KachingleX & Co. — sie misst die Nutzer-Aktivität und Nutzungsdauer auf Webseiten, und „flattert“ sie, wenn eine bestimmte Schwelle überschritten wurde. Am Ende des Monats werden dann der vom Flattr-Nutzer eingezahlte Beitrag unter all jenen besuchten Webseiten aufgeteilt, die bereits Mitglied des Flattr-Netzwerks sind. Bei den anderen zählen die Besuche nur für die Flattr-Statistik, und zugleich als Incentive für die Betreiber, sich auch zu registrieren.

Crowdpublishing geht längst andere Wege

Neu ist auch die Verrechnungseinheit: statt Euro werden nun US-Dollars genutzt, mit der Hoffnung, das möge die weltweite Nutzung von Flattr vorantreiben. Ob das wirklich klappt, ist eine gute Frage — schließlich gab es mittlerweile eine ganze Menge Versuche, ähnliche (Um-)Verteilungsmechanismen zu etablieren, inklusive Google (aktuell siehe Google Contributor 2.0). Im Unterschied zu projektbezogenem Crowdfunding bzw. Crowdpublishing auf großen Plattformen wie Kickstarter & Co. blieben die per Browser-Addon verteilten Mikrospenden aber immer nur ein Nischenmarkt.

(via The Digital Reader)

Literatur als massives Multiplay: CNET präsentiert „Crowd Control“, eine crowdgesourcte SciFi-Novel

crowd-control-crowdgesourcter-sci-fi-romanCrowdpublishing kann viele Bedeutungen haben, und dank CNET-Redakteur Eric Mack ist nun eine weitere hinzugekommen: der massiv crowdgesourcte Science-Fiction-Roman. Titel des von Mack inspirierten Gemeinschaftsprodukts: „Crowd Control. Heaven Makes A Killing“. Mittlerweile ist auf CNET bereits das vierte von insgesamt 20 Kapiteln dieser im Jahr 2050 spielenden Multiversum-Story um die gute alte Erde und ihren Zwilling „Terra Superioris“ erschienen. Das hat dem litarisch ja bisher nicht so ambitionierten Portal viel Aufmerksamkeit, aber auch negative (Literatur-)Kritk eingebracht. Was die CNET-Leser da kollaborativ im Web produziert hätten, sei „genre-konfuse Metafiktion“, ähnlich unlesbar wie von angeblich fortgeschrittenen Algorithmen erzeugten Elaborate, ätzte etwa Jonathan Sturgeon auf „Flavorwire“.

„Massively Multiwriter Online Sci-Fi“

Doch ähnlich wie bei allen Literatur-Genierungsprojekten geht’s auch bei „Crowd Control“ natürlich erst mal um ein Experiment. Wieviel Kreativität lässt sich mit den Kollaborations-Tools des Internet-Zeitalters tatsächlich erzeugen, hatte sich CNET-Autor Eric Mack gefragt, und angespornt vom „National Novel Writing Month“ im Herbst 2015 zum gemeinsamen Sci-Fi-Roman-Schreiben via GoogleDoc aufgerufen: „Ich möchte den Schreibprozess öffnen, so dass ihr nicht nur in Real Time mitverfolgen könnt, wie die Geschichte entsteht, sondern direkt dazu beitragen könnt, welche Form Story, Charaktere und deren Welt annehmen“. Das sei die erste „Massively Multiwriter Online Science Fiction Novel (MOSFN)“ der Welt — so der „Spielleiter“ in Anspielung auf die Massiv Multiplayer-Online-Roleplaying-Games (MMORPGs).

Neverending GoogleDoc als Vorlage

Mack zufolge beteiligten sich dutzende AutorInnen und hunderte Freizeit-LektorInnen und KorrektorInnen am „Fortschreiben“ der Story von „Crowd Control“ — deren GoogleDoc-Urtext auf Creative Commons-Basis sich immer noch fortentwickelt. Die von CNET veröffentlichte Geschichte basiert dagegen auf einem Schnappschuss vom Februar 2016, der dann von einer kleinen Redaktion drei Monate lang überarbeitet wurde. Letztlich trifft der Begriff „crowdgesourct“ für die jetzt Kapitel für Kapitel veröffentlichte Fassung von „Crowd Control“ also wohl am besten zu: das Buch wurde aus der kreativen Quelle der Internet-Massen geschöpft, und dann noch einmal „remixed“.

Kontrolliert kollaborativ als Kompromiss

Ähnlich kontrolliert kollaborativ läuft ja bisher auch die Zusammenarbeit zwischen „kreativen“ Algorithmen und deren menschlichen Gegenüber, und dagegen ist gar nichts einzuwenden. Selbst wenn — wie kürzlich berichtet wurde — Googles AI angeblich Herzschmerz-Romane schreiben kann, weil es seine neuronalen Netzwerke mit dem Konzentrat aus tausenden Schmonzetten gefüttert hat: ungefiltert dürften die Ergebnisse solcher Experimente bis auf weiteres unlesbar bleiben. Und auch die CNET-Novel heißt ja übrigens nicht „Crowd in Control“, sondern eben durchaus doppeldeutig „Crowd Control“.

„I am The Editor. Pleased to meet you.“

Apropos Metafiktion: Unter dem Nom de Plume „Editor“ tritt Mack in seinem Text auch selbst auf — als eine Art Mischung aus mephistophelischem Erklärbar, strukturellem Rahmenerzähler und Immermannschem Deus ex machina. Gleich im ersten Kapitel heißt es: „By now I suppose you’ve guessed who I am. My title is splashed all around your other texts, even though I’m rarely seen or heard from. Yes, I’m the one behind the scenes putting it all together, making sure it all has rhyme and reason and purpose. Yes, it’s really me, the all-powerful gatekeeper through which all creation flows. I am The Editor. Pleased to meet you.“

(via Digital Bookworld & CNET)

Web-Kultur im Abo: Crowdpublishing via Patreon als dauerhafte Lösung?

wormworld-saga-crowdpublishing-via-patreonPlattformgestütztes Crowdpublishing funktioniert prima, doch bisher liegt der Schwerpunkt meist auf einmaligen Funding-Kampagnen, etwa um einen neuen Titel vorzuvermarkten und ganz oder teilweise vorzufinanzieren. Manche Verlage — z.B. der Berliner E-Book-Publisher Mikrotext — crowdfunden auch schon mal ein ganzes Jahresprogramm, das man dann quasi vorweg zum Subskriptionspreis abonniert.

Wormworld-Saga als „Patron“ unterstützen

Als einer der ersten Self-Publisher hierzulande (mal abgesehen von einigen Youtubern) nutzt Webcomic-Zeichner Daniel Lieske („Wormworld-Saga“) nun mit Patreon eine ganz besondere Crowdfunding-Plattform. Das Mission Statement der US-Website: „We want to help every creator in the world achieve sustainable income.“ Wobei „nachhaltig“ hier auch „regelmäßig“ heißt — denn bei Patreon legt man als „Patron“ einen regelmäßigen Spendenbetrag von einem Dollar aufwärts fest.

Auf den Spuren von Flattr & Kachingle

Der geht dann entweder im monatlichen Rhythmus oder für jede neue Veröffentlichung an den jeweiligen Autor, wohlgemerkt für Inhalte, die im Web frei zugänglich sind. Das Modell ist natürlich nicht ganz neu: regelmäßige Spenden für kostenlose Inhalte gab’s z.B. schon bei Kachingle oder als Feature bei den zeitweise mal sehr angesagten Flattr-Buttons, was manchen Kreativen (hier in Deutschland z.B. Tim Pritlove) eine ganze Weile durchaus ernstzunehmende Einnahmen bescherte.

Plattform-Modell als bessere Lösung?

Die große Frage war bisher natürlich: wie hält man die „1000 true fans“, die man als Kreativer dem Diktum von Kevin Kelly zufolge (nur) braucht, um im Zeitalter von Internet & Direktvermarktung seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, dauerhaft bei der Stange? Das Plattform-Modell von Patreon könnte hier einen Weg bahnen: um die Website herum ist bereits eine große Community entstanden, für die Unterstützer eines Projekts winken crowdfunding-typische Belohnungen.

Premium-Content als Belohnung

Im Fall der „Wormworld-Saga“ winken zum Beispiel der Zugang zu Premium-Content auf der Wormworld-Website, sowie weitere Aktionen wie ein Q&A mit dem Comic-Schöpfer, die regelmäßige Verlosung von exklusiven Zeichnungen, etc. Ein erstes Funding-Ziel von 250 Dollar pro Monat hat Wormworld schon fast erreicht. Wobei man natürlich betonen sollte: Wormworld-Saga gibt’s nicht nur auf deutsch, sondern auch auf englisch, die gesamte Vermarktung ist international ausgerichtet…

Graphicatessen für den Schwarm: Carlsen-Verlag vermarket Comics via Crowdfunding

alisik-schuber-crowdpublishing-carlsenCrowdpublishing im Comic-Bereich ist hierzulande für viele Verlage noch komplettes Neuland – in den USA dagegen ist die Crowd schon zum wichtigsten Mäzen für bunte Bildergeschichten avanciert. Nun geht mit Carlsen erstmals ein großer deutscher Comic-Verlag einen Schritt in Richtung Schwarmfinanzierung: unter dem Label „Graphic/atessen“ vermarkten die Hamburger exklusive Sondereditionen via Startnext.de, Deutschlands größter Crowdfunding-Plattform.

„Liebhaberobjekte mit kleiner Leserschaft“

Man wolle Fans der grafischen Literatur und neuen Lesern „außergewöhnliche Produkte anbieten, für die es im klassischen Verlagsprogramm bisher keinen Platz gab“, so Projektleiterin Mareike Hermes. Mit Crowdfunding könne man „Liebhaberobjekte mit zum Teil sehr kleiner Leserschaft“ realisieren, findet auch Programmkoordinator Ralf Keiser.

E-Comic-Versionen ebenfalls erhältlich

Die ersten beiden Kampagnen starten ab 1. September: die Comic-Crowd kann dann mithelfen, eine Luxus-Ausgabe von „Alisiks wunderbarer Welt“ (Hubertus Rufledt/Helge Vogt) zu realisieren, genauso die „Comic-Koch-Box deluxe“ von Food-Blogger Guillaume Long. Als Goodies warten auf die Unterstützer z.B. Poster und Drucke von Einzelillustrationen der jeweiligen Titel, im Fall von Alisik auch E-Comic-Versionen.

Blake & Mortimer sowie Spirou ab November

Bis Anfang November folgen vier weitere Titel aus dem Comic- und Illustrationsbereich: der Abenteuercomic „Long John Silver“, das Skizzenbuch „Blake und Mortimer in 329 Zeichnungen“ von E.P. Jacobs, der Illustrationsband „Spirou und die Moderne“ sowie die Siebdruckmappe „Comickunst für die Wand“ von Künstlern wie Flix, Jens Harder, Reinhard Kleist und Uli Oesterle. Weitere Hintergrundinfos gibt’s auf dem Projekt-Blog Crowd & Rüben.

„Kauft unser Buch – und zerstört es“: Reverse Crowdpublishing als neues Geschäftsmodell?

shut-down-nouvellaWie weit würden bibliophile Amerikaner gehen, um die „Great American Novel“ vor der Inflation von Kurzstreckentexten zu retten? Globo Books will es wissen: das Globo Management ruft die Kickstarter-Crowd dazu auf, die „Bücher“ des „Verlags“ namens Nouvella zu verbrennen – wie der Name schon nahelegt, veröffentlicht Nouvella keine besonders dicken Schmöker, sondern Kurzromane (engl. Novella). Die Kampagne „Shut down Nouvella“ wäre – falls erfolgreich – der erste „Reverse Kickstarter“ der Crowdfunding-Geschichte.

Schwarmfinanzierte Bücherverbrennung?

Die Unterstützer der aktuellen Rettungs-Kampagne erhalten zwei Titel aus dem 2015er Programm von Nouvella, genauer gesagt „Ciao Suerte“ (Annie McGreevy) sowie „One Day Soon Time will have no Place left to Hide“ (Christian Kiefer) – inklusive einer Anleitung, wie man sie am effektivsten zerstören kann. Also eine schwarmfinanzierte Schwarm-Bücherzerstörung, oder besser gesagt: eine schwarmfinanzierte Pseudo-Selbstzerstörung.

It’s only Guerilla Marketing

Denn Globo Books gibt’s gar nicht. Das Ganze ist eine schräge Guerilla-Marketing-Aktion von … Nouvella selbst. Der 2012 gegründete Mini-Verlag hat sich von Anfang an auf Kleinformate konzentriert (Claim: „Six Inches of Purre Pleasure“), finanziert werden die Titel mit einer Länge von 10.000 bis 40.000 Zeichen via Crowdfunding: zu Beginn jeder Publikationskampagne haben die potenziellen Leser eine Woche Zeit, einen von jeweils 200 Anteilsscheinen am Projekt zu erwerben. Dafür gibt’s dann die Print- und E-Book-Ausgabe – und einen Dankesbrief des Autors.

Deutsche Kickstarter-Projekte ab morgen aktiv – neuer Kick für’s Krautpublishing?

kickstarter-jetzt-auch-in-deutschlandAb morgen geht’s los: Kickstarter, die Mutter aller Crowdfunding-Plattformen öffnet sich am 12. Mai 2015 für Projekte made in Germany, und vor allem made FOR Germany. Unter der Adresse kickstarter.com/germany kann man sich bereits einen ersten Eindruck machen, zahlreiche Projekte vor allem aus dem Kulturbereich sind hinter den Kulissen offenbar bereits in Vorbereitung, zu den angekündigten Technik-Gadgets gehört die Storytelling-Maschine „Storyhome“. Natürlich wird im neuen Kickstarter-Bereich nun auch Deutsch gesprochen, selbst die Zahlungsmodalitäten wurden an hiesige Befindlichkeiten angepasst: neben Kreditkarten können zumindest Beträge bis 250 Euro per Lastschrift eingezogen werden.

Kickstarter knackt Milliarden-Dollar-Grenze

Auf dem deutschen Crowdfunding-Markt haben bisher andere Plattformen die Nase vorn: allen voran die waschechten Krautfunding-Adressen Startnext und Visionbakery, die international aktive Plattform Indiegogo betreibt schon seit längerem ebenfalls einen deutschen Ableger. Doch nicht zu unrecht gilt Kickstarter eben als Mutter aller Crowdfunding-Plattformen überhaupt. Das 2009 von Charles Adler, Perry Chen und Yancey Strickler gegründete Unternehmen entwickelte sich im englischsprachigen Raum rasch zur ersten Anlaufstelle nicht nur für das Einsammeln von Massenspenden, sondern vor allem auch für die Pre-Order-Vermarktung von Gadgets und Content. Mittlerweile erzielten erfolgreich abgeschlossenen Kampagnen fast 1,5 Milliarden Dollar (zum Vergleich: Startnext 20 Mio. Euro).

Comics auf Kickstarter besonders erfolgreich

Zu den eindrucksvollsten Kickstarter-Projekten aller Zeiten gehören die Smartwatch Pebble (20 Mio. Dollar), Neil Youngs Hi-End-Walkman Pono (6 Mio. Dollar) sowie der 3D-Zeichenstift Doodler (2 Mio. Dollar). Aber auch weit unterhalb der Millionen-Dollar-Schwelle ist eine Menge los, gerade im Bereich Content: so wurden via Kickstarter im Rahmen von mehr als 20.000 Publishing-Projekten schon fast 100 Millionen Dollar gesammelt, einen besonders hohen Anteil (40 Mio. Dollar) hatten dabei Comics.

Pre-Order-Kampagne als Chance für Verlage

Immer öfter realisieren nicht nur Self-Publisher einzelne Veröffentlichungen mit Hilfe der Crowd, gerade in den USA gehen Startup-Verlage dazu über, Teile ihres Programms vorab mit Crowdfunding zu finanzieren. Dieses Beispiel macht mittlerweile auch in Deutschland Schule: Mikrotext-Verlegerin Nikola Richter vermarktete kürzlich ihr 2015er-Programm via Startnext als eine Art „Flatrate-Abo“. Wächst Kickstarter nun in Deutschland so rasant wie in den USA, könnte das Krautpublishing erst so richtig ins Kraut schießen…

„Bookazine“ im iPad-Format: SHIFT soll an den Kiosk – mit Hilfe der Crowd

SHIFT-ErsteindruckEs ist halb Buch, halb Magazin, es wird gemacht von Digital Natives, es kommt im iPad-Format, aber nicht auf’s Display, sondern an den Kiosk: SHIFT ist da, oder zumindest fast. Mit Hilfe der Crowd möchte Daniel Höly ein Print-Magazin für all jene aus Internet-Generation an den Start bringen, die gesellschaftspolitisch engagierten Journalismus auf Papier noch bzw. wieder schätzen. Dass so etwas funktioniert, hat der Juiced.de-Gründer schon mal gezeigt: 2013 wurde nämlich bereits die Nullnummer von SHIFT in kleiner Auflage via Startnext finanziert und im Direktvertrieb an die Vorbesteller verschickt.

10.000 SHIFTs für die Bahnhofskioske der Nation

Diesmal darf’s aber eine Nummer größer sein: Mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren soll die gedruckte SHIFT erstmals im Buchhandel an Bahnhöfen und Flughäfen erhältlich sein, und dann idealerweise vier mal pro Jahr erscheinen. Die Veröffentlichung der kommenden Ausgabe ist für Anfang April geplant. Gelingt das Crowdfunding, wird die neue SHIFT einen Umfang von 120 Seiten haben und zahlreiche Interviews, Porträts und Debattenbeiträge zum Thema „Break“ enthalten.


Online-Informationsflut als Titelthema

„Die Informationsflut nimmt immer weiter zu und überfordert zunehmend auch unsere Generation – da finde ich es wichtig, nicht einfach ganz abzuschalten, sondern vernünftig darüber zu reden“, so der Kölner Start-Up-Journalist. Über 15 Autoren haben für die neue SHIFT geschrieben, angelehnt an das Konzept von Juiced.de und dessen Ressort-Aufteilung in „Hirn“, „Herz“, „Horizont“ und „Mehrwehrt“. Schafft es SHIFT, wird es der Printableger des 2008 gestarteten „Blogazines“ sein.

Crowdfunding-Kampagne läuft gut an

Gute Chanchen hat die Blog-Auskopplung auf Papier durchaus, immerhin konnte Hölys Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Startnext schon ein Viertel der benötigten Summe von 17.500 Euro einsammeln, die Kampagne läuft noch bis Anfang März. Um Geld allein geht’s Höly dabei nicht: „Crowdfunding ist für mich in erster Linie keine Vorfinanzierung, sondern das Aufbauen von Beziehungen“, so der Jungunternehmer. Zugleich ist SHIFT auch die Verbindung von Theorie und Praxis – der Titel von Hölys Diplomarbeit lautete: „Konzeption eines Printmagazins für Digital Natives“.

Humble Bundle erzielte 2014 mehr als 4 Mio. Dollar mit E-Books & E-Comics

Von wegen, Gamer lesen nicht… Man muss ihnen offenber nur die richtigen Angebote machen, so wie die Bezahl-was-du-willst-Plattform Humble Bundle. Seit Anfang 2014 werden dort neben Spielen nicht nur E-Comics, sondern auch E-Books bündelweise unter die Leute gebracht, alle zwei Wochen startet ein neues Bündel (E-Book-News berichtete). Insgesamt 18 Bundles mit Buchstaben innerhalb oder außerhalb von Sprechblasen erzielten in diesem Jahr 4,75 Millionen Dollar, wobei E-Comics alleine 3 Millionen Dollar einbrachten. Denn immerhin zehn Bundles bestanden ausschließlich aus digitalen Bildergeschichten. Im Durchschnitt landete jedes Bundle bei 265.000 Dollar.

Zum Pay-What-You-Want-Prinzip kommen bei Humble Bundle noch spezielle Incentives dazu: gibt man mehr als der Durchschnitt, erhält man zusätzliche Bonus-Titel, außerdem geht ein bestimmter Prozentsatz der Einnahmen als Spende an gemeinnützige Organisationen, wieviel, kann man ebenfalls selbst bestimmen. 2014 wurden mit den E-Book- und E-Comic-Bündeln auf diese Weise mehr als 1 Mio. Dollar für den guten Zweck gesammelt, etwa für Ärzte ohne Grenzen oder den gegen staatliche Zensur gerichteten Comic Book Legal Defense Fund.

Ursprünglich war Humble Bundle mal gegründet worden, um Indie-Spieleentwicklern eine eigenständige Verkaufsplattform zu geben – doch das Bezahl-was-du-willst-Prinzip erwies sich als so erfolgreich, dass man es rasch auf andere digitale Content-Formen ausdehnte, zunächst Musik, Hörbücher und E-Comics, später dann auch konventionelle E-Books. Gestärkt wird durch die Humble E-Book-Bundles auch die Anti-DRM-Bewegung, denn die Bündel sind grundsätzlich frei von digitalem Rechtemanagement.

Immer mehr Verlage scheinen dank Humble Bundle nun auf den Geschmack zu kommen, gibt es doch kaum einen besseren Weg, die Altersgruppe zwischen 12 und 39 zu erreichen – allerdings sind die Comicverlage deutlich schneller. Nicht zuletzt konnte das Humble E-Book-Bundle auch das Vorurteil widerlegen, die Gaming-Community würde gar keine Bücher mehr lesen – tatsächlich würden die Bundle-Käufer im Nachhinein sich oft auch Printversionen kaufen, so die bei Humble Bundle für die E-Book-Sparte zuständige Kerry Allen gegenüber Publishers Weekly.

Abb.: Screenshot Humble Bundle

Crowdpublishing mit Rendite: Pentian macht Projekt-Unterstützer zu Investoren

Crowdpublishing war finanziell gesehen bisher eine Einbahnstraße: Autoren oder Verlage sammelte Vorbestellungen, als Gegenwert erhalten die Unterstützer am Ende das fertige Produkt, ob nun Print-Buch oder E-Book, manchmal auch noch spezielle Goodies wie signierte Exemplare, Poster, T-Shirts oder eine Einladung zur Release-Party. Bei der spanischen Crowdpublishing-Plattform Pentian ist das anders: neben Crowdfunding-Elementen kommt hier auch Crowdinvestment dazu – die Hälfte der Erlöse fließt an die Crowd zurück. Den Rest teilen sich Autor und Plattform im Verhältnis 40 zu 10 Prozent.

Das Modell ist offenbar auch deswegen so erfolgreich, weil die Unterstützer in ihrer Eigenschaft als Investoren ein besonders großes Interesse daran haben, das Produkt im eigenen Freundes- und Followerkreis zu promoten. Außerdem gilt bei Pentian ein verschärftes Alles-oder-nichts-Prinzip: sobald die benötigte Summe erreicht ist, endet die maximal zweimonatige Kampagne sofort – was ab Quoten von 80 Prozent und mehr regelmäßig zu rasanten Endspurts führt. Da es um Crowdinvestment geht, sind auch die individuellen Summen größer: je nach Projektvolumen ist man z.T. erst ab 50 Dollar dabei, kann aber auch bis zu 1.000 Dollar anlegen. Die Beteiligungen sind entsprechend der Investitionshöhe zwischen 0,5 bis 10 Prozent gestaffelt, ein Buch braucht mindestens 10, höchstens 100 Unterstützer, um erfolgreich zu sein.

Nach dem sich Pentian auf diese Weise bereits 6 Prozent des Self-Publishing-Marktes in Spanien gesichert hat, begann im Sommer 2014 die Internationalisierung. Als erstes wurde der US-Markt anvisiert. Keine schlechte Idee, denn neben nach und nach neu hinzukommenden englischen Titeln lassen sich dort natürlich auch Bücher made in Spain ganz gut vermarkten – mehr als jeder zehnte US-Amerikaner zählt sich selbst zur Gruppe der „Hispanics“.

Gestartet ist Pentian vor zehn Jahren als mehr oder weniger traditioneller Verlag, ab 2009 mutierte das Unternehmen dann motiviert durch den E-Book-Boom zum Self-Publishing-Dienstleister, bei dem Autoren je nach Bedarf auch Lektorat, Cover-Design und Marketing-Maßnahmen hinzubuchen können, was aber Kosten zwischen 1.500 und 5.000 Euro verursacht. Das konnten sich viele Self-Publisher aber nicht leisten, was am Ende zur Integration von Crowdfunding- und Crowdinvestment elementen führte.

Inzwischen umasst das Verlagsprogramm mehr als 6.000 Titel, lieferbar im gesamten Buchhandel – wobei Pentian im Kern natürlich kein klassischer Verlag ist, denn über den Inhalt entscheiden die Autoren selbst. Nur für die äußere Form und den Vertrieb sorgen Publishing-Spezialisten. Eine clevere Kombination aus Indie- und Industrie, die beiden Seiten hilft, verlegerische Risiken zu vermeiden: Bücher, die die Crowd nicht mag, werden eben erst gar nicht produziert. Die Pentian-Macher sehen sich denn auch als Disruptoren einer ohnehin schon moribunden Buchbranche. „Traditional publishing is a dying corpse of oligarchic protectionism“, so Ko-Gründer Enrique Paquilla gegenüber Publishing Perspectives.

Google Contributor, oder: werbefreie Content-Flatrate nach Crowdfunding-Art

Vorsicht, keine Satire: Wenn Leser in Zukunft die Website von „The Onion“ ansteuern, bekommen sie keine Google-Anzeigen mehr zu sehen. Statt dessen erscheint ein Dankeschön-Banner – denn sie zahlen für ihren Besuch automatisch einen kleinen Betrag an das Satire-Magazin, abzüglich einer Provision für Google (Höhe bisher unbekannt). Ähnlich läuft es auf einem knappen Dutzend anderer Portale, darunter Mashable oder Science Daily. „Google Contributor“ nennt sich das neue Programm, das deutliche Anleihen bei existierenden Abo-Modellen wie auch Crowdfunding-Konzepten macht.

In der Beta-Probephase ist nicht nur die Zahl der teilnehmenden Websites beschränkt, sondern auch die Zahl der Nutzer – Interessenten können sich aber auf eine Warteliste für „Invites“ setzen lassen. Wer einen Zugang erhält, darf zwischen 1 und 3 Dollar pro Monat investieren, die über das jeweilige Google-Account und die dort registrierte Zahlungsweise abgebucht werden. Vorteil bei diesem Programm: auf den Websites ist dann überhaupt keine Werbung mehr zu sehen, denn mitmachen dürfen nur Portale, die ihre Bannerplätze ausschließlich via Google verwerten.

Neu ist diese Idee natürlich nicht. Das Crowdfunding-Netzwerk Kachingle etwa hat exakt auf diese Weise schon seit 2010 versucht, vor allem kleineren Blogs regelmäßige Einnahmen zu garantieren, in dem ein monatlicher Betrag gemessen an der Zahl der jeweiligen Seitenaufrufe pro Nutzer ausgeschüttet wurde. Und auch die Logik hinter dem Flattr-System ist ganz ähnlich. Google selbst hat auch bereits mit Schwarmspenden experimentiert: auf dem zum Suchmaschinen-Riesen gehörenden Youtube dürfen Kreative via „Fan Funding“-Programm neuerdings eine virtuelle Kaffekasse aktivieren, die man mit Beträgen zwischen 1 und 1.500 Dollar auffüllen kann.

Anders als die Crowdfunding-Startups hat Google auch kein Problem mit dem Erreichen der „kritischen Masse“, potentielle Nutzer mit Google Account gibt’s millionenfach. Ist das nun gut oder schlecht? Das bleibt wohl Ansichtssache: Klassisches Crowdfunding hatte immer schon sehr viel mit dem Streben der Publisher nach Unabhängigkeit und finanzieller Dezentralisierung zu tun. Ähnlich wie beim exklusiven Anzeigengeschäft via Google steht jedoch immer noch Google als Vermittler zwischen Crowd und Content. Dabei eröffnet sich eine bisher unerwartete Perspektive: Crowdfunding mutiert zu einer Disintermediations-Strategie, bei der nur noch der Internet-Konzern und die Inhalteanbieter übrigbleiben. Werbetreibende müssen draußen bleiben.

(via GigaOM)