KDP Print ist da: fast wie Createspace, nur mit deutscher Benutzerführung

kdp-print-als-createspace-alternativeDas „P“ bei Amazons Self-Publishing-Plattform KDP steht nicht für „Print“, sondern für „Publishing“ — wer nicht E-Books, sondern Taschenbücher im Amazon-Store veröffentlichen wollte, musste bis vor kurzem mit „Createspace“ vorlieb nehmen. Das Angebot richtet sich zwar auch an deutsche Nutzer, die Benutzerführung ist aber auf Englisch, und für Neueinsteiger erstmal ziemlich verwirrend.

Mit KDP Print hat Amazon schon seit letztem Herbst eine deutschsprachige Alternative getestet, die nun Schritt für Schritt allen KDP-Anwendern zur Verfügung gestellt wird — was man als einzelner Nutzer daran erkennt, dass im Dashboard eine eigene Schaltfläche „Neuen Titel erstellen / Taschenbuch“ autaucht.

Weniger Optionen als bei Createspace

Neben einem übersichtlicheren, schönerem Layout und klarer strukturierter Benutzerführung gibt es auch einige inhaltliche Unterschiede zu Createspace: so stehen nur eine begrenzte Anzahl von Formaten zur Verfügung, frei bestimmen lassen sich die Maße eines Taschenbuchs bei KDP Print nicht. Auch lassen sich bisher keine vergünstigten Autorenexemplare (bei Createspace via USA möglich) bestellen.

Kleiner Unterschied in punkto Tantiemen

Schaut man genau hin, entdeckt man noch einen gar nicht so unwichtigen Unterschied: Als Tantiemen winken bei beiden Angeboten zwar 60 Prozent vom Nettoerlös, bei KDP Print jedoch wird erst nach zwei Monaten abgereichnet, nicht schon nach einem Monat wie bei Createspace.

Gemeinsames Dashboard für P- & E-Books

Größter Vorteil von KDP Print ist wohl, dass man ab nun alle Print- und E-Book-Verkäufe in einem gemeinsamen Dashboard angezeigt bekommt — und auch sämtliche bereits angelegten P- und E-Titel in einer App überblicken und verwalten kann. Speziell zu diesem Zweck lassen sich auch die bisher bei Createspace angelegten Titel in Richtung KDP Print übertragen.

Soll KDP Print bald Createspace ersetzen?

Letzlich ist der Vergleich zwischen Createspace und KDP Print aber eher müßig, denn man darf wohl annehmen, dass es demnächst nur noch die Kindle Direkt Publishing-Plattform geben wird, um Indie-Autoren den technischen Spagat zu ersparen — Createspace ist schließlich ein Dinosaurier des Print-On-Demand-Publishings, der schon Anfang der Nuller Jahre an den Start ging.

(via Selfpublisherbibel.de)

Vorgerechnet: Warum sich Print immer noch lohnt – auch in Zukunft

„Alle Bücher sind E-Books, manche werden ausgedruckt“ – so lautet das Motto von ebooknews press, dem Verlagslabel von E-Book-News. Schaut man sich die Buchmarkt-Prognosen für Deutschland bis 2018 an (siehe den Artikel „PwC-Prognose: E-Books überholen Print bis 2018 – in USA & UK, aber nicht in Deutschland“), werden wohl die meisten E-Books auch in Zukunft ausgedruckt: die Umsätze mit Lektüre aus Papier bleiben einer Studie von PricewaterhouseCoopers zufolge nämlich mittelfristig äußerst stabil, der Marktanteil von Print pendelt sich hierzulande knapp unter 90 Prozent ein. Wachsen dürfte aber die Rolle von Print-On-Demand – nicht nur im Self-Publishing-Sektor. Schon jetzt lohnt sich das parallele Angebot von POD-Titeln mindestens genauso wie der E-Book-Verkauf.

Print-On-Demand, via Amazon & via Buchhandel

Beispiel gefällig? Das kürzlich erschienene “ebook & ereader ABC” kostet in elektronischer Form 9,90 Euro, davon bleiben beim Verkauf via Kindle Store 6,69 Euro beim Verlag, bei der erweiterten Distribution via Libreka immerhin noch 5,40 Euro. Die Taschenbuchversion – 224 Seiten, Ladenpreis 18,90 Euro, Nettopreis 17,66 Euro – muss natürlich erstmal gedruckt werden, was en Detail via Print-On-Demand nicht ganz so günstig ist wie bei der Herstellung größerer Auflagen, zudem fallen weitere Kosten für den Vertrieb an, vor allem wenn der Zwischenbuchhandel beteiligt ist. Trotzdem sind die Erlöse gar nicht mal so schlecht: via Amazon.de/Createspace bleiben pro verkauftem Exemplar 7,33 Euro beim Verlag (entspricht 40 Prozent des Nettopreises), bei der Buchhandels-Distribution via Books On Demand immerhin noch 4,47 Euro (entspricht 25 Prozent des Nettopreises).

Direktverkauf bringt höhere Marge


Noch besser sieht die Rechnung beim Direktverkauf über ebooknews press aus. Die Druckkosten liegen pro Exemplar bei knapp 6 Euro, wenn man z.B. 10 Exemplare auf Vorrat via Createspace in den USA drucken und nach Europa schicken lässt (anders geht’s bei Amazon bisher noch nicht, und die deutschen POD-Anbieter verlangen mindestens das Doppelte). Zieht man dann noch Porto und Verpackung in Höhe von 1,25 Euro ab, wenn eine Bestellung des “ebook & ereader ABC” innerhalb Deutschlands als Büchersendung direkt von ebooknews press an den Endkunden verschickt wird, bleiben knapp 10 Euro Gewinn (entspricht knapp 55 Prozent des Nettopreises). Zum Vergleich: beim Direktverkauf der E-Book-Version bleiben abzüglich Umsatzsteuer und Paypalgebühren weniger als 8 Euro übrig.

Neue Geschäftsmodelle für papieraffine Genres?

Natürlich ist die obige Rechnung auf einen Sachbuchtitel mit längerfristigem Nutzwert bezogen, für den das Pricing anders kalkuliert wird als für schnell und seriell konsumierbare Belletristik. Grundsätzlich lässt die auf absehbare Zeit forbestehende Vormachtstellung des Print-Sektors in Deutschland aber neue Geschäftsmodelle sinnvoll erscheinen, die die jeweilige Stärke eines Mediums maximal ausnutzen. Bei E-Books etwa die potentiell hohe Reichweite – sollte man sie zukünftig nicht in besonders papieraffinen Genres vor allem als Marketing-Instrument nutzen, also gratis abgeben, um möglichst viel vom großen Print-Kuchen abzubekommen? Oder vor allem im Rahmen von Bundling-Angeboten?

Abb.: Marta/Flickr (cc-by-sa-2.0)

Kodak Picture Kiosk trifft Espresso Book Machine: Print-on-Demand bald an jeder Ecke?

Jedes Buch an jedem Ort, in weniger als einer Minute? Das geht nicht nur mit E-Books. Denn dank Print-on-Demand lassen sich auch Bücher aus Papier überall vor Ort herstellen. Der beste Beweis dafür ist die legendäre „Espresso Book Machine“, produziert von der US-Firma On Demand Books. Die Sache hat nur einen Haken: bisher wurden innerhalb der letzten drei Jahre weltweilt erst knapp 60 dieser Express-Buchautomaten aufgestellt, zum Teil in Buchläden, zum Teil auch in Bibliotheken. Doch nun könnte ein Print-on-Demand-Boom bevorstehen – denn On Demand Books kooperiert zukünftig mit Kodak. Der Foto-Riese betreibt mehr an mehr als 100.000 Orten seinen „Kodak Picture Kiosk“, mit dem sich Digitalfotos ausdrucken lassen. In Zukunft sollen Farbfoto-Druck und Sofort-Buchdruck kombiniert werden – was zudem Print-on-Demand in hoher Farbqualität ermöglichen würde. Vor allem aber macht dieser Coup dank elektronischer Druckvorlagen mehr als 7 Millionen Titel landauf, landab direkt verfügbar.

Nächster Clou: Neben dem Schnelldruck von Bestsellern und Backlist-Titeln der großen Verlage ist natürlich auch die Herstellung von Self-Publishing-Titeln möglich. Independent-Autoren können schon jetzt ihre Druckdateien in den Online-Katalog von On Demand Books einspeisen. Das dürfte wiederum Amazon nervös machen, denn mit CreateSpace hat der Branchen-Primus gerade sein eigenes Print-on-Demand-Programm gestartet, bei dem kräftig quersubventioniert wird – genau wie bei Büchern, die auf Lager sind, entfallen nämlich die Versandkosten. Wenn man demächst nicht mal mehr ein bis zwei Tage auf ein frisch gedrucktes Buch warten muss, sondern nur noch ein bis zwei Minuten, nützt zumindest im städtischen Umfeld auch Amazons Logistik nicht mehr viel. Zumal Kodak einige Erfahrung darin hat, die Druckkosten für den Endkunden dramatisch zu senken.

Die erweiterte Version des Kodak Kiosks wird bis Ende 2012 zunächst innerhalb der USA eingeführt, danach ist die internationale Expansion des neuen Modells geplant. Wenn das tatsächlich klappen sollte, würde es natürlich nicht einer gewissen Ironie entbehren. Denn damit würde die Gutenberg-Galaxis mit Kodak ausgerechnet von einem Unternehmen in ihren Grundfesten erschüttert, das selbst vor kurzem in die Insolvenz gehen musste. Pikanterweise gerade deshalb, weil es allzu lange die Zeichen der Zeit (=Digitalfotografie) nicht erkennen wollte. Ob der Picture-Kiosk mit Buchoption also wirklich bald dem Buchhändler an der Ecke Konkurrenz macht, hängt auch davon ab, an welchen Investor/Konkurrenten die betreffende Kodak-Sparte verkauft wird.

Abb.: Neuestes Modell der Espresso-Book-Machine (On Demand Books)