Nackte Hasen-Skandal: Buchmesse-Chef stellt sich hinter Cosplayer-Szene

lbm17-cosplayer-szeneWäre Leipzig noch eine Messe wert ohne handfesten Skandal? Diese Frage müssen wir uns in diesem Jahr zum Glück nicht stellen, denn die #LBM17 hat uns ex post noch eine wunderschöne Posse beschert – die „halbnackte Hasen“-Affäre. Im Fokus: die Kollision zwischen kulturkonservativen Buchstabenlesern und progressiven Comicfans. Darf die Buchmesse kein Ort für nackte Hasen sein?

Cosplayer-Szene mit messeweiter Präsenz

Dass die Buchmesse in Leipzig jedes Jahr neue Besucherrekorde feiert (diesmal: 280.000), hat ja u.a. damit zu tun, dass sie sich erfolgreich als Besucher- und Lesermesse vermarktet, u.a. mit populärkulturellem Schwerpunkt: auf der parallel stattfindenden Manga-Comic-Con unterm großen Glasdach geht’s um Mangas, Comics und Graphic Novels.

Das erkennt man schon von weitem an dem bunten Völkchen aus der Cosplayer-Szene – die als Comicfiguren verkleideten Leute tummeln sich nicht nur auf der Comic-Con selbst, sondern in allen Messehallen. Das wiederum hat den Unmut von WDR-Literaturedakteur Carsten Otte erregt. Es könne doch nicht sein, dass etwa eine türkische Autorin zur politischen Lage in ihrem Land interviewt werde und derweil „halbnackte Hasen und düstere Ritter mit Riesenschwertern“ durch das Bild latschen.

Ernsthafte Aura der Literatur gefährdet?

Doch fühlen sich Journalisten, Verleger und „ernsthaft“ literaturinteressierte Besucher wirklich von Cosplayern gestört? Wird dadurch die Kultur verhöhnt, die geistige Aura verwirbelt? Im MDR-Interview hat Buchmesse-Chef Oliver Zille solche Vorwürfe jetzt zurückgewiesen – die Messe sei eben repräsentativ für den Buchmarkt: „Manga und Comic gehören dazu und bunt kostümierte eben auch.“

Man dürfe zudem auch kostümierten Menschen „unterstellen, dass sie politisch interessiert seien“. Das sehe man im übrigen auch daran, dass sie in verschiedenen Veranstaltungsformaten auftauchen würden (siehe auch das offizielle Statement der Buchmesse-Organisatoren). Mit den Worten von SPON-Kolumnistin Margarete Stokowski gesagt: auch nackte Hasen können politisch sein.

„Schmutz & Schund“ ist passé

Fast fühlt man sich beim „nackten Hasen“-Skandal an die unsäglich-urdeutschen Debatte rund um „Schmutz- und Schundliteratur“ erinnert, die speziell Comics betraf, und die Entwicklung einer nationalen Comic-Kultur (anders als etwa in Frankreich/Belgien oder USA/UK) lange Zeit ausgebremst hat. Die überwiegend ablehnenden Reaktionen auf Ottes Kritik zeigen jedoch zugleich: diese Zeiten sind endgültig vorbei.

Abb.: (c) Manga-Comic-Con