Tablets, Superphones & kaum echte E-Reader: CES bestätigt Trend zum Multifunktions-Gerät

ces-2011-tablet-ereaderEchte E-Reader gab es kaum zu sehen auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas – dafür umso mehr Tablets mit E-Reader-Funktionen. Der Konvergenz-Effekt machte sich auch anderswo bemerkbar, etwa beim Trend zum „Superphone“. Das Smartphone der Zukunft ist ein vollwertiger PC, und als solcher zugleich ein E-Lesegerät, das vielleicht statt Android sogar mit Windows läuft. Doch bis dahin ist noch Zeit – vielleicht sogar bis zur Marktreife von farbigem E-Ink, das ebenfalls in Las Vegas zu sehen war.

Elektronik als Show: “Gadgets sind Rock’n’Roll“

„Consumer Electronics Show“ lautet nicht umsonst der Name der größten US-Messe für Unterhaltungselektronik. Die neuesten High-Tech-Trends werden in Las Vegas zum Mega-Event gemacht – man kann auch sagen: „Gadgets sind Rock’n’Roll“. Disco-Licht, Nebelwerfer, Musik aus der Konserve – selbst ein eher nüchterner Zeitgenosse wie Microsoft-Chef Steve Ballmer wird da zum Bühnenstar, ob real oder als Avatar mit Halbglatze. Mitgebracht hatte Ballmer die Botschaft: auch wenn der PC abgelöst wird durch Tablets oder die Superphones der nächsten Generation: Microsoft ist wieder da. Denn das nächste Windows-Betriebssystem soll sich neben Android und Apples iPhone-OS auf dem Markt für Touch-Screen-Geräte etablieren. Der beste E-Reader – um das alte Ballmer-Zitat mal zu modernisieren – wäre dann in Zukunft nicht mehr der PC, sondern das Superphone. Oder eben das Supertablet.

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Es gibt sie noch, die echten Lesegeräte…

Ob wir demnächst wirklich einen winzigen Zentralrechner mit uns herumtragen, auf den zu Hause und im Büro ein wachsender Haufen anzudockender Peripheriegeräte wartet? Dedizierte Lesegeräte zumindest gibt es bis auf weiteres wohl immer noch. Auf der CES waren zwar mehr als 80 Flachrechner zu sehen, manche wie etwa das Motorola Xoom sogar schon mit der neuen Android-3.0-Version „Honeycomb“, doch immerhin auch eine Handvoll E-Reader. Spürbar ist aber der Konvergenz-Effekt: so sind etwa der Nook Color von Barnes&Noble wie auch sein Klon Pandigital Multimedia Novel eigentlich Android-Tablets mit künstlich eingeschränktem Funktionsumfang. Ähnlich wie Amazon ist Barnes&Noble zudem dank eigener Apps (neuerdings auch mit „Nook Kids“) auf iPad & iPhone präsent. Auch der Hersteller Onyx setzt neben E-Ink mittlerweile auf LCD-Farb-Display – auf der CES war die eine farbige 9,7-Zoll-Version der Boox M-Serie zu sehen, ebenfalls mit Android-Oberfläche.

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Google & die Cloud: “Millions of books on the go“

Umgekehrt sind natürlich auch viele der vorgestellten Android-Tablets potentielle E-Reader. Google ließ es sich nicht nehmen, im offiziellen Promotion-Video für Android Honeycomb auf die Einbindung von Google eBooks hinzuweisen: „millions of books on the go“. Eher ein Exot blieben in Las Vegas dagegen bisher Sharps Galapagos-Tablets, die bisher nur in Japan zu haben sind. Die in einer zehn und einer fünf Zoll-Version produzierten Geräte unterstützen in ihrer geplanten US-Ausführung die Darstellung von epub-E-Books – und laufen bisher offenbar auf einer Linux-Basis. Neben der in Japan erhältlichen WiFi-Version soll es zukünftig auch eine UMTS-Option geben. Speziell auf elektronisches Lesen ausgerichtet ist übrigens auch das auf der CES vorgestellte Dual-Screen-Tablet von NES – der Android-Basis laufende „LT-W Cloud Communicator“ – mal abgesehen von der Akkulaufzeit (magere fünf Stunden).

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E-Ink lebt – und wird schärfer und bunter

Da können E-Ink-Nutzer nur müde lächeln – und zudem auf einige Highlights auf der CES verweisen. Einge Aufmerksamkeit konnte etwa iRiver mit der neuen „HD“-Version des Story-Readers auf sich lenken. Das neue WiFi-Lesegerät kommt nämlich mit einer bisher für E-Ink-6-Zoller unbekannten Auflösung von 1024×768 Pixeln. Spätestens im Mai soll es auch in Deutschland zu haben sein. Etwas länger auf sich warten lassen dürfte Hanvons neuer 9-Zoll-Reader mit farbigem E-Ink, der ebenfalls auf der CES präsentiert wurde. Die Darstellung auf dem Display wirkt jedoch noch ziemlich verwaschen, das Grundproblem der Farbdarstellung per E-Ink-Technologie scheint also immer noch ungelöst – nicht umsonst hat ja etwa Amazon bisher auch auf den Einbau von farbigen Displays verzichtet. Den goldenen Mittelweg könnte die von Qualcomm entwickelte Mirasol-Technologie ebnen. Diese wahlweise hintergrundbeleuchtete (bei Kunstlicht) oder reflexive (im Sonnenlicht) Displaytechnik war auf der CES in Form eines Prototyps zu sehen. Viele E-Reader-Hersteller werden wohl bis auf weiteres eine Doppelstrategie fahren – und sowohl auf reine E-Ink-Geräte wie auch auf Tablets setzen. Bestes Beispiel dafür ist Pocketbook: auf der CES war das Unternehmen nicht nur mit 6- und 9-Zoll-E-Ink-Geräten angekündigt, sondern auch mit einem 7-Zoll-Tablet mit Mirasol-Display.

Farb-Displays im Vergleich: Hanvon Color E-Ink vs. Qualcomms Mirasol

Jenseits vom Tablet- und Superphone-Fieber gab’s auf der CES in Las Vegas auch einen Vorgeschmack auf die nahe Zukunft des elektronischen Lesens -- und die ist mehr oder weniger farbig. Zu sehen war sowohl ein farbiges E-Ink-Display von Hanvon wie auch ein Prototyp der stromsparenden Mirasol-Technologie. Im direkten Vergleich lässt das Video von E-Ink-Info die Vor- und Nachteile des gegenwärtigen Entwicklungsstandes ganz gut erkennen: das 9,7-Zoll-Display von Hanvon bietet zwar eine gute Auflösung, ist aber nicht besonders kontrastreich, die Farben wirken blass wie -- -- -- nun ja, ein schlechter Farbdruck. Ein Grund, warum u.a. Amazon bisher auf eine Kindle-Version mit Farb-Display verzichtet hat. Das Mirasol-Display dagegen bietet einen Kontrast und eine Farbigkeit, die eher in Richtung herkömmlicher Farb-LCDs à la iPad & Co. geht. Allerdings gilt hier wiederum die Faustregel: bei Kunstlicht ist Mirasol etwas schlechter als herkömmliches hintergrundbeleuchtete Displays, dafür bei Sonnenlicht aber deutlich besser. Für normale Anwendungen auf Tablets und Netbooks mag das ausreichen. Für augenschonende E-Reader-Lektüre in Farbe muss man aber wohl noch auf wirklich farbechtes Color-E-Ink warten.

(via teleread.org & E-Ink-Info)

„Millions of books on the go“: Google präsentiert Android 3.0 („Honeycomb“)

Google hat auf der CES in Las Vegas „Honeycomb“ vorgestellt. Klingt nach Wabenhonig, und bietet tatsächlich auch eine Menge „Eye-Candy“ – denn es handelt sich dabei natürlich um die neue Android-Oberfläche für den mobilen Einsatz auf Tablets & Smartphones. Das Promo-Video zeigt einige der neuen Features, mit denen Honeycomb aufwarten kann, neben GMail, Youtube-App & Google Maps gehört auch explizit die elektronische Lektüre von Büchern dazu: „Millions of books on the go with Google eBooks“ verspricht der Video-Kommentar. In den USA ist Googles cloudbasierter E-Book-Store ja schon im Dezember 2010 gestartet, die ersten Tablets mit Honeycomb sollen noch im ersten Quartal 2011 auf den Markt kommen. Eine Google Ebooks-App für Android 2.1 ist bereits parallel mit der iPad&iPhone-Version gestartet. Nachdem Apple mit iBooks vorgeprescht ist, hat Google also nun gleichgezogen – elektronisches Lesen etabliert sich damit immer stärker als ein unverzichtbares Standbein mobiler Multifunktionsgeräte, und zugleich zum wichtigen Verkaufsargument.

Schärfstes E-Ink aller Zeiten: iRiver präsentiert „Story HD Reader“ (CES Las Vegas)

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Bevor E-Ink endgültig bunt wird, kommt nun erstmal mehr Tiefenschärfe: der neue 6-Zoll-Reader von iRiver heißt nicht zufällig „Story HD“ – das Display hat eine Auflösung von 768×1024 Pixeln. In der Welt der Monitore würde das dem XGA-Standard der 80 Jahre entsprechen, auf dem E-Reader ist das bisher unerreicht. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas wurde das Lesegerät jetzt erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Der WiFi-fähige HD Reader kommt im April/Mai in den Handel, der Preis steht noch nicht fest.

Gestochen scharfe Buchstaben, schnelleres Umblättern

Mitten im Tablet-Fieber gab es auf der CES noch einmal einen Achtungserfolg für E-Ink. Während der bisherige Standard bei E-Reader-Displays 800×600 Pixel betrug, kann iRiver in Zusammenarbeit mit LG Display nun 768×1024 Pixel bieten. Der neue iriver Story HD ist nämlich das Ergebnis eines Joint Ventures zwischen beiden Unternehmen, das im Juni 2010 geschlossen wurde. Verbessert wurde auch die Reaktionszeit des Displays, was für schnellere Seitenwechsel sorgt. Der Lesestoff im epub- oder PDF-Format kommt dank WiFi-Schnittstelle drahtlos auf das Gerät. Offenbar wird es auch einen E-Store auf dem Gerät geben, der deutsche Content-Partner von iRiver ist allerdings noch nicht bekannt.

Mit Easy WiFi vorhandene WLAN-Hotspots nutzen

Eine Kooperation mit Easy Wifi, dem weltweit größten Wifi-Netzwerk-Anbieter der Welt, macht unterwegs ohne aufwändige Logins die Nutzung zahlreicher WLAN-Hotspots möglich. Vom Äußeren her sieht das Gerät mit der Quertz-Tastatur unter dem Display aus wie eine verschlankte Version des Vorgängers „iRiver Story“, das seit Sommer 2010 ebenfalls in einer WiFi-Version angeboten wurde. Der iRiver Story HD wird hierzulande sowohl in Elektronifachmärkten wie auch online zu haben sein. Das Pricing soll sich laut Pressemitteilung in einem Bereich bewegen, der „zu den Mitbewerbern passt“ – was man vielleicht mit „zwischen 150 und 200 Euro“ übersetzen könnte.