Shelfie mit Kobo: Rakuten-Tochter setzt auf Print plus E-Book-Bundling

kobo-kauft-ebook-bundling-app-shelfiePrint & E-Books bündeln, das klingt gut. Das Startup Shelfie (anfangs: BitLit) hatte sich seit 2013 genau auf dieses Gebiet spezialisiert, und half experimentierfreudigen Buchhändlern & Verlagen dabei, ihre Printverkäufe kräftig anzukurbeln. Der Shelfie-Sticker auf dem Cover signalisierte dem Kunden: die elektronische Version dieses Titels gibt’s via Shelfie-App kostenlos bzw. stark rabattiert obendrauf. Lektüre mit Mehrwert – das kam gut an.

Kobo übernahm bereits die Shelfie-Nutzer

Aber nicht gut genug. Anfang 2017 ging dem Startup endgültig die Puste aus. Am Totenbett stand Kobo – und bot den verwaisten Nutzern der Shelfie-App virtuellen Regalplatz in der eigenen E-Book-Cloud. Doch das war offenbar nur der erste Schritt: wie jetzt bekannt wurde, hat Kobo kurzerhand Shelfie aufgekauft und sich die gesamte Konkursmasse einverleibt. Auf shelfie.com heißt es dazu: „The deal includes technology assets, IP, and the infrastructure on which the ecosystem runs; it also includes hiring Shelfie’s skilled team, which specializes in the application of big data and machine learning for book discovery“.

Bundling macht Kobo für Buchhandel interessant

Das wiederum passt gut zur Strategie der Kobo-Mutter Rakuten: der japanische Konzern pumpt nicht nur Geld in die Internationalisierung des E-Book-Geschäftes – siehe den jüngsten Einstieg bei Tolino – sondern möchte auch neue Geschäftsfelder rund um den Markenkern erschließen. Die Shelfie-Idee macht Kobo nun erst recht als Kooperationspartner für Buchhändler und Verlage interessant.

Buchmarketing für Generation Smartphone

Das Shelfie-Konzept ist perfekt auf die Generation Smartphone abgestimmt: um das kostenlose bzw. rabattierte E-Book in der App lesen zu können, müssen die Buchkäufer via Smartphone-Kamera ein Foto vom Buchcover-Barcode sowie Impressum machen und hochladen. Dann kann die elektronische Lektüre gleich losgehen. Auf shelfie.com heißt es dazu: „Over the coming months, Kobo will work to integrate the Shelfie platform into its Android and iOS apps, enabling readers to add their print libraries to their reading history to generate ever more tailored eBook recommendations, as well as the option to get digital versions of print titles they already own“.

(via Buchreport & Publishing Perspectives)

[Aktuelles Stichwort] E-Book-Pricing: auf der Suche nach dem perfekten Preis


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 erschienen – und kann direkt bei ebooknews press bestellt werden…]

Unter E-Book-Pricing versteht man die Preisgestaltung von elektronischen Büchern, insbesondere auch im Hinblick auf das Preisverhältnis zu Hardcover und Taschenbuch. Da die Buchpreisbindung in Deutschland auch für E-Books gilt, dürfen E-Books zwar günstiger angeboten werden als gedruckte Bücher, müssen jedoch auf allen Plattformen zum selben Preis verkauft werden. Ebensowenig möglich ist dynamisches Pricing (>>„Pay-What-You-Want“). Erlaubt sind aber neben >>Gratis-Marketing vergünstigte >>Bundling- und >>Flatrate-Angebote.

Große Verlage bieten E-Books hierzulande in der Regel zwanzig Prozent günstiger als die günstigste verfügbare Druckvariante. Das führt bei Neuerscheinungen, die zunächst nur als Hardcover erhältlich sind, nicht selten zu E-Book Preisen um 20 Euro. Mit solchen Strategien wird u.a. versucht, das traditionelle, auf den besonders hohen Margen für Hardcover basierende Geschäftsmodell zu bewahren. Grundsätzlich lassen sich durch niedrige E-Book-Preise und hohe Absatzzahlen ähnliche oder sogar größere Gewinne erzielen als mit hoch angesetztem Pricing. Darauf basiert die Low-Price-Strategie vieler Digital Only-Verlage.

In den USA und Großbritannien werden nicht nur Print-Bücher stark rabattiert, sondern auch E-Books deutlich niedriger bepreist, was u.a. dazu führt, das Originalversionen englischsprachiger Romane und Sachbücher auch für deutsche Kunden (etwa via Amazon.de, Kobo etc.) deutlich günstiger erhältlich sind als die entsprechenden Übersetzungen.

Bei einer neuen Warenform wie dem E-Book gibt es keine Erfahrungswerte, insofern sind aktuelle Pricing-Strategien als Experimente zu verstehen, mit denen man herausfinden will, welche Preise von den Kunden akzeptiert werden. Der große Erfolg von günstigen Self-Publishing-Titeln insbesondere bei Amazon.de weist darauf hin, dass auch in Deutschland der ideale Preis deutlich niedriger liegt als das Pricing klassischer Verlage. Die Top 100 im Kindle Store wird bereits zu zwei Dritteln dominiert von Titeln, die zwischen 2,00 Euro und 5,00 Euro kosten.

Durch die Staffelung der Tantiemen versuchen große Plattformen teilweise Einfluss auf das Pricing zu nehmen, in dem für E-Books unterhalb bzw. oberhalb einer bestimmten Schwelle deutlich weniger Geld an die Rechteinhaber ausgeschüttet wird (bei Amazon z.B. 35 Prozent statt 70 Prozent).


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Vom Mail-Gate zum Pay-Gate: BitTorrent Bundles erleichtern Direktvermarktung von Premium-Content

Kollaboratives Filesharing ist nicht gleich Peer-to-Peer-Piraterie – die BitTorrent-Community etwa hat sich längst zum beliebten Direktmarketing-Netzwerk für Künstler und Publisher gemausert. Mit dem Premium-Bundling kommt nun eine neue Variante hinzu: konnten Nutzer bisher zusätzlichen Content freischalten, indem sie ihre E-Mail-Adresse eingaben & einen Newsletter abonnierten („E-Mail-Gate“), gibt’s nun auch Premium-Content wie etwa Videos, Musikdateien, E-Books oder Hörbücher gegen Cash („Paygate“). Das Geld wird fair geteilt: Die Künstler erhalten 90 Prozent der Einnahmen. Die ersten beiden Kooperationspartner sind der Sänger Diplo sowie Radiohead-Frontmann und Spotify-Verweigerer Thom York.

Denn mit dem Premium-Bundling soll offenbar auch ein deutliches Zeichen gegen die Entwertung von Content im Flatrate-Zeitalter gesetzt werden. „Taylor Swift sparked debate over the state of music in recent weeks; the value of a stream, the value of a record. The value of art shouldn’t be up for debate. It should be up to artists”, so Matt Mason, BitTorrents Chief Content Officer, gegenüber TechCrunch. Mit dem neuen Bundling-Prinzip wolle man Künstlern die Kontrolle zurückgeben. Pop-Sängerin Taylor Swift und ihr Label Big Machine hatten kürzlich die Kooperation mit Spotify beendet – um wieder stärker auf Direktvermarktung zu setzen.

Doch auch über den Verteilungsaspekt hinaus hat BitTorrent-Bundling viele Vorteile: durch das dezentrale P2P-Prinzip bricht das System selbst bei großer Nachfrage nicht zusammen, zudem sind die weltweit knapp 170 Millionen BitTorrent-Nutzer netzaffine „Heavy User“, die 30 Prozent mehr Geld für digitalen Contet ausgeben als der Durchschnitt. Die Konversionsrate lag beim „Bezahlen“ mit der E-Mail-Adresse zwischen 60 und 90 Prozent, und 10 bis 15 Prozent der Fans besuchten danach auch den individuellen E-Store bzw. Merchandising-Seiten, 20 Prozent teilen die Bundles in den sozialen Medien.

Neben Musikern und Filmemachern wird das BitTorrent-Bundling auch von Buchautoren genutzt – prominentestes Beispiel war bisher „4 Hour Chief“-Autor Timothy Ferriss, der 2013 via E-Mail-Gate die Hörbuch-Version seines Bestsellers unter die Leute brachte. „The click-through rates from BitTorrent to Amazon were higner than anything I’ve ever seen through paid advertising. Orders of magnitude higher“, fasst der in den USA populäre Sachbuchautor seine Erfahrungen mit dem Bundling via BitTorrent zusammen. Um das neue Paygate in Anspruch zu nehmen, müssen Künstler oder Publisher sich bewerben, im Rahmen der E-Mail-Methode kann man das Bundling ohne Wartezeit direkt nutzen.

(via TechCrunch)

Abb.: Screenshot bittorrent.com

„Whispersync for Voice“: Wechseln zwischen Lektüre & Lauschüre jetzt auch für deutsche Kindle-Kunden

Fünf Tage pro Jahr verbringt der durchschnittliche US-Amerikaner auf vier Rädern im Stau – vor allem in großen Städten wie Washington, San Francisco, Los Angeles oder Seattle. Mal ganz abgesehen von der sonstigen Zeit, die tatsächlich beim Auto-Fahren verrinnt. Kein Wunder, dass ein Feature wie Amazons „Whispersync for Voice“ von Anfang an gerne genutzt wurde: Kindle-Kunden in den USA switchen auf diese Weise schon seit 2012 ganz einfach zwischen E-Book-Lektüre im Wohnzimmer und Audiobook-Lauschüre hinterm Steuer, an jeder beliebigen Stelle des Textes.

Doch auch deutsche Leser – die durchschnittlich immerhin fast zwei Tage im Jahr im Stau verbringen – kommen ab jetzt in den Genuss des unterbrechungsfreien Medienwechsels zwischen Buchstaben und Schallwellen: seit heute wird „Whispersync for Voice“ bei Amazon.de und Audible.de angeboten. Über den sogenannten „Matchmaker“ können deutsche Kunden nun zudem – genau wie in den USA – die persönliche Kindle-Bibliothek auf komplementäre Audible-Versionen überprüfen.

Der jeweilige „Switch“ findet natürlich nicht nur im Auto statt, sondern auch andernorts. Die „Verschmelzung von eBook und Hörbuch“ (Amazon.de) beginnt in den USA bereits, die Lesegewohnheiten insgesamt zu verändern: “We continue to hear from a growing number of Whispersync for Voice converts who tell us the innovation has profoundly changed the way they read—in fact, switching back and forth between reading and listening has become their preferred way of experiencing stories,” so Audible-Gründer und CEO Donald Katz im Sommer 2014 anlässlich der Ausweitung des Features auf die Kindle-Apps für iOs und Android.

Voraussetzung für die Nutzung von „Whispersync for Voice“ ist allerdings: das jeweilige Buch muss via Amazons Hörbuch-Label „Audible“ auch als kompatible MP3-Version verfügbar sein. In den USA trifft dies bereits für mehr als 45.000 Titel im Kindle-Store zu – für sie erhalten Käufer des E-Books eine preislich stark reduzierte Hörbuchfassung, die beim Kauf automatisch mit dem E-Book verknüpft wird. Mehr als einen normalen Kindle-Reader muss man natürlich auch besitzen, denn die klassischen E-Ink-Modelle haben keine Audio-Funktion. Man braucht also mindestens ein Fire Tablet, Fire Phone oder ein vergleichbares Modell mit Kindle-App.

Letztlich ist „Whispersync for Voice“ natürlich nichts anderes als eine besonders clevere Bundling-Strategie – mit solchen Angeboten ist Amazon auch schon bei der Kombination von Print und E-Books (Kindle Matchbook-Programm) oder Compact Disc und Musik-MP3 (Auto-Rip-Feature) sehr erfolgreich.

Print mit Mehrwert: Harper Collins setzt auf Bundling via BitLit-App

Ach ja, Bundling von P- und E-Books, immer noch eine tolle Idee, hüstel, hüstel, vor allem außerhalb Deutschlands. In den USA kommen jetzt offenbar auch große Verlage auf den Geschmack: HarperCollins kooperiert neuerdings mit dem Bundling-Startup BitLit, zum Launchtermin werden virtuelle Doppel-Bündel aus sechs aktuellen Titeln geschnürt, darunter Neal Stephensons „Cryptonomicon“, Andrew Gross‘ „15 Seconds“ und Kim Harrisons „Black Magic Sanction“.

Zukünftig soll jede Woche ein neues Bundling-Angebot dazukommen, das dann jeweils separat promotet wird, insbesondere über die gerade relaunchte Harper Collins-Website, mit der der Verlag jetzt verstärkt auf Direktvertrieb & somit mehr Unabhängigkeit von Amazon & Co. setzt.

Das app-gestützte BitLit-Prinzip ist vom Print-Produkt her gedacht – wer mit dem Smartphone das Buchcover und die zuvor handschriftlich mit dem eigenen Namen versehene Seite mit dem Impressum abfotografiert, erhält einen E-Mail-Link, mit dem die elektronische Version des jeweiligen Titels kostenlos bzw. für einen reduzierten Preis heruntergeladen werden kann.

Im Fall von Harper Collins gibt’s die E-Versionen zum Preis von 1,99 bzw. 2,99 Dollar, die Paperback-Versionen der o.a. Titel kosten zwischen 5 und 7 Dollar. Insgesamt sind via BitLit-App schon mehr als 20.000 solcher Bündel erhältlich, bisher größtenteils von Indie-Verlagen verlegt (siehe die Buchsuche auf der BitLit-Website).

(via publishersweekly.com)

Mehrwert dank Cloud-Kopie: Amazons Bundling-Programm MatchBook startet

Manchmal muss es einfach einen geben, der die Branche zu ihrem Glück zwingt: nach Auto-Rip für CD’s ermöglicht Amazon seit heute auch das Bundling von Print-Buch und E-Book, zumindest in den USA. Die Chance, via „Matchbook“ eine günstige oder kostenlose Cloud-Kopie eines Schmökers aus Papier zu ergattern, ist seit der Ankündigung im September stark gewachsen: aktuell gilt die Option bereits für mehr als 70.000 Titel, darunter viele Bestseller großer Verlage, aber natürlich auch Titel von Amazons Eigenlabels & dem POD-Programm Createspace.

Kindle MatchBook gilt rückwirkend bis 1995

Viele Kunden von Amazon.com dürften nun erstmal aufmerksam ihre Bestellhistorie durchforsten – Matchbook gilt nämlich rückwirkend bis 1995, also dem Jahr, in dem Amazon antrat, den Online-Handel mit gedruckten Büchern umzukrempeln. Dank betont niedriger Bundling-Preise von 2.99 Dollar abwärts bis zu Null Cent sollte die Rechnung in vielen Fällen aufgehen – und den Verlagen nicht nur allein ein unverhofftes Anschlussgeschäft bei Backlist-Titeln bescheren. Denn viele Kunden werden ab jetzt wohl auch beim Neukauf zur Print-Version greifen, wenn in der Artikelansicht das Matchbook-Symbol erscheint.

Reduzierte „Serienpreise“ auch in Deutschland möglich

Während Amazons Auto-Rip-Feature für CDs inzwischen auch in Deutschland angeboten wird, dürfte sich das Bundling-Modell von Print-Buch plus elektronischer Cloud-Kopie nicht ganz so einfach auf hiesige Verhältnisse übertragen lassen. Das Buchpreisbindungs-Gesetz erlaubt zwar reduzierte „Serienpreise“, die dem aktuellen Gesetzeskommentar zufolge auch die „gemeinsame Abgabe eines Buches mit dem entsprechenden textgleichen E-Book“ zu einem Gesamtpreis „unterhalb des sich aus der Addition der Einzelpreise ergebenden Preises“ umfasst. Dieser Serienpreis muss jedoch vom Verlag festgelegt werden und gilt dann für den gesamten Buchhandel. Praktisch würde Amazon mit einer deutschen Version von Kindle MatchBook also die Branche motivieren, durch flächendeckende Bundling-Angebote die Kunden nicht nur auf andere Portale, sondern sogar wieder in die Buchhandlungen zu locken.

Abb.: Screenshot

Kostenlose Cloud-Kopie: AutoRip für CDs jetzt auch bei Amazon.de – Vorbild für Buchbranche?

Bei Büchern mag es noch Zukunftsmusik sein – bei CDs, Schallplatten und Kassetten ist es seit heute Realität: AutoRip, die automatische digitale Kopie in der Rechnerwolke. Kunden von Amazon.de erhalten beim Kauf der Silberscheiben bzw. Vinylplatten ab jetzt kostenlos eine MP3-Version in hoher Audioqualität dazu, die über Amazons Cloud-Player abgerufen werden kann. Besonders vielversprechend klingt die rückwirkende Geltung von AutoRip: Das Unternehmen wertet die Kundendaten von vergangenen Einkäufen bis zurück ins Jahr 1999 aus, um die Musikbox mit MP3-Kopien aufzufüllen. Amazon hat zu diesem Zweck die entsprechenden Lizenzen für knapp 500.000 Tonträger erworben, weitere sollen folgen.

In den USA haben MP3 & Streaming die CD überholt

In den USA bietet Amazon das Auto-Rip-Feature bereits seit Anfang 2013 an – und versucht damit eine Antwort auf den überwältigenden Trend in Richtung MP3 zu finden. Vor dem Siegeszug von iTunes gehörten Compact Disks neben gedruckten Büchern zu Amazons wichtigsten Versandartikeln. Doch dann krempelte Apple mit iTunes die Musik-Branche mindestens so stark um wie Amazon später die Buchbranche mit dem Kindle-Reader. In den USA wurden 2011 erstmals physische Datenträger von MP3-Downloads und Streaming überholt, mittlerweile sank der Marktanteil von CDs, Vinyl & Co. bereits in die Nähe von 40 Prozent. In Deutschland dagegen halten sich traditionelle Tonträger noch wacker an der Spitze der Medienformen – 2012 wurden mit ihnen noch 78 Prozent der Umsätze erzielt. Bis 2016 erwarten Branchenbeobachter aber eine 50/50-Aufteilung des deutschen Marktes.

Kulturschock für DRM-gläubige Gutenberg-Galaxis

Aus Sicht der DRM-gläubigen Gutenberg-Galaxis dürfte Amazons Auto-Rip-Feature eine Art ideologische Götterdämmerung darstellen. Statt das Kopieren zu verhindern, wird es nun sogar noch forciert. WTF!? Tja, die Unterhaltungsindustrie hat ganz einfach dazugelernt: wenn ohnehin CDs im Handumdrehen ausgelesen werden können, sollte man den Kunden dort abholen, wo er ist. Deutschland mag zwar auch in der Musikbranche gegenüber den USA um Jahre zurückliegen, doch im Vergleich zur Buchbranche ist der Abstand weitaus geringer. Höchste Zeit also für neue Strategien. Trotzdem würde konsequentes Bundling von Print & Digital bei Büchern schon jetzt genauso Sinn machen – vor allem, wenn man nicht Amazon die Initiative überlässt. Mit entsprechenden Angeboten, z.B. Download-Gutscheinen für E-Book-Versionen, könnte man die Kunden sogar wieder in die Buchhandlungen locken. Aber natürlich nur, wenn der Preis stimmt. Das Pricing-Modell bei AutoRip zeigt schließlich: doppelt abkassieren ist passé.

Abb.: Screenshot

Schnappschuss-Lösung: BitLit bündelt Print plus Digital via Smartphone-App

Buch plus E-Book gleich Bundling. Doch solche Bündel werden bisher kaum geschnürt, während die Kombination CD plus MP3 vielerorts schon gut funktioniert – siehe etwa Amazons AutoRip-Feature. Das kanadische Startup BitLit will den Bann jetzt brechen – und bietet eine ebenso einfache wie geniale Lösung. Via Smartphone & BitLit-App macht man ein „Beweisfoto“ des Buchcovers, schlägt die Seite mit Impressum & ISBN-Nummer auf, schreibt mit einem Stift seinen Namen darüber, und macht auch davon ein Foto. Motto: „Das Buch gehört zu mir, wie mein Name an der Tür“. Einmal als offizieller Buchbesitzer registriert, kann man nun ein sogenanntes „Companion E-Book“ herunterladen – also die entsprechende Digitalversion. Entweder kostenlos, oder zu einem reduzierten Preis.

Bundling mit 70% Preisnachlass am besten

BitLit selbst empfiehlt Verlagen einen kräftigen Discount: „Marktstudien zeigen, dass Leser bei solchen Bundling-Modellen einen um 70% reduzierten Preis für das fairste Angebot halten“. Was natürlich damit zusammenhängt, dass sie für die Printversion bereits Geld ausgegeben haben. Als Rechenbeispiel gibt BitLit eine Ausgabe von Yann Martels „Life of Pi“ an. Paperback-Preis 21 Dollar, normaler E-Book-Preis 13,99 Dollar. Bei einem 70%-Nachlass liegt der ideale Preis für ein „Companion E-Book“ in diesem Fall demnach bei 4,20 Dollar.

„Win-Win-Situation für Leser und Verlage“

Im Gegensatz zu Onlinehändlern wie Amazon oder Apple, die E-Books als reinen Ersatz für physische Bücher anbieten, will BitLit mit dem Bundling-Angebot eine Win-Win-Situation für Verlage und Leser herstellen: „Leser können ihre Lieblingsbücher in all den Formaten lesen, die sie bevorzugen, und Verlage haben die Chance, mit jedem verkauften Printtitel zusätzliche Umsätze zu erzielen.“ Marktforschern zufolge sollen sogar bis zu 65 Prozent aller E-Reader-Besitzer bereit sein, für eine E-Book-Version zu bezahlen, obwohl sie die Printversion bereits besitzen.

Gratis-E-Book verdreifacht Print-Absatz

Werden kostenlose E-Book-Versionen via Bundling angeboten, kann das sogar Vorteile für Verlage UND Buchhandel haben – das zeigt ein Pilotprojekt von „Angry Robot“. Das britische Imprint bot den Käufern von Printversionen kostenlose „Clonefiles“ an – was den Absatz der gedruckten Bücher verdreifachte. E-Book-Verkauf im stationären Handel funktioniert bisher nirgendwo so richtig, über den Umweg des Bundling scheint es aber durchaus möglich zu sein, indirekt auch einen Mehrwert für den Buchhändler vor Ort zu produzieren.

Abb.: BitLit (c)