Keine Angst vor Indie-Titeln: dspp17 zeigt Potential deutscher Self-Publishing-Autoren

coverabbildung_noras_welt_durch_den_nimbusVorsicht, Buch: Der erste Deutsche Selfpublishing-Preis #dspp17 geht an die österreichische Autorin Madeleine Puljic – sie überzeugte die Jury mit ihrem Trilogie-Auftakt „Noras Welten / Durch den Nimbus“, der sich um eineBibliophobikerin auf der Suche nach Heilung ihrer Angst vor Büchern dreht. Der Fantasyroman „Noras Welten / Durch den Nimbus“ stehe für „eine überzeugende literarische Grundidee mit Pageturner-Dramaturgie, verfasst in einer sauberen und dichten Schreibe und eingebettet in eine wunderschöne grafische Innengestaltung“, so die Begründung der Preisrichter. Abgerundet werde der Gesamteindruck vom charmanten digitalen Selbstmarketing der Autorin. Puljic darf sich nun über ein Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro freuen.

Madeleine Puljic, Indie-Autorin mit Bilderbuch-Karriere

Die erstmals verliehene Auszeichnung landete damit bei einer Indie-Autorin mit Bilderbuch-Karriere in punkto Self-Publishing: schon seit 2013 veröffentlicht Puljic Bücher im Eigenverlag. 2015 erhielt sie unter anderem den österreichischen Fantasy-Preis „Vindragona“. Außerdem schreibt die Wienerin mittlerweile für diverse Heftromanserien, wie etwa Perry Rhodan Neo, John Sinclair und Maddrax.

Publikumspreis für historischen Roman „Blutföhre“

Der ebenfalls zum ersten Mal verliehene Publikumspreis ging an Monika Pfundmeier, die mit ihrem historischen Roman „Blutföhre“ am Wettbewerb teilgenommen hat. Mit deutlichem Abstand konnte sie beim vier Wochen dauernden Voting die meisten Stimmen auf der dspp17-Webseite sammeln. Beide Auszeichnungen wurden letzte Woche in der „Selfpublishing-Area“ auf der Frankfurter Buchmesse bekanntgegeben und verliehen.

„Selfpublisher-Szene professionell und mit ausgereifter Stimme“

Jurymitglied und Buchhändler Robert Duchstein sieht die Gewinnerinnen, aber auch die Nominierungen von Short- und Longlist als „Beweis, dass sich die deutschsprachige Selfpublisher-Szene professionell und mit eigener, erzählerisch ausgereifter Stimme aufgestellt hat“. Für den stationären Buchhandel seien diese spannenden Entdeckungen aus der Independent-Schmiede eine Bereicherung. Bewertungen sowie die Leseproben zum Siegertitel und den neun verbleibenden Shortlist-Nominierungen sind auch weiterhin unter www.selfpublishing-preis.de/shortlist zugänglich.

Jurypreis:

Madeleine Puljic,
„Noras Welten / Durch den Nimbus“
376 Seiten
Taschenbuch: 12,99 Euro
E-Book: 2,99 Euro

Publikumspreis:

Monika Pfundmeier,
„Blutföhre“
468 Seiten
Taschenbuch: 13,90 Euro
E-Book: 6,99 Euro

Oasis, Epos, Saga & Co.: E-Reading-Roundup zur Frankfurter Buchmesse

buchmesse-ereading-roundupPünktlich zur Buchmesse erscheinen nicht nur Bücher, sondern auch neue E-Reader & E-Book-Abos. In diesem Oktober legen die großen Anbieter sich mächtig ins Zeug: Amazon Deutschland bringt mit der zweiten Generation des Kindle Oasis eine überarbeitete Version des High-End-Lesegerätes an den Start, wasserdicht, mit hochauflösenden 7-Zoll-Display (300ppi) und Audio-Features (Bluetooth-Schnittstelle für Kopfhörer/Boxen, Audible-Anbindung). Das nur 194 Gramm leichte Gerät hat eine Rückseite aus Aluminium und kann dank Schnelllade-Funktion in zwei Stunden aufgeladen werden. Sofern E-Book- und Hörbuchversion eines Titels bereitstehen, kann man nahtlos von der Lektüre zur Audioversion wechseln. Das neue Gerät wird in zwei Versionen angeboten: mit 8 GB Speicher kostet es 230 Euro, mit 32 GB Speicher zahlt man 260 Euro bzw. 320 Euro (WLAN/3G).

Tolino Epos trifft Tolino Select

Die Tolino-Allianz schafft ebenfalls mehr Platz auf dem Display: mit dem Tolino Epos dürfen die deutschen Buchhändler nun mit einen fast acht Zoll (7,8 Zoll) großen E-Reader auftrumpfen, die Auflösung beträgt 1872×1404 Pixel (entspricht 300ppi). Das 260 Gramm leichte Gerät hat 6 GB Speicher und kommt mit SmartLight-Feature, d.h. die „Farbtemperatur“ wird dank warmweißen und kaltweißen LEDs automatisch je nach Tages- oder Nachtzeit angepasst. Wie zuvor der Tolino Vision 4 HD ist auch das neueste Modell der Tolino-Allianz dank Nanoversiegelung wasserdicht. Für nie versiegenden Lesestoff sorgt nicht nur die Möglichkeit, via Onleihe ausgeliehene E-Books auf dem Epos zu lesen — zeitgleich zur Reader-Premiere ist auch das neue E-Book-Abo „Tolino Select“ gestartet. Monat für Monat stellen die Tolino-Kuratoren vierzig Titel zur Auswahl, von denen man bis zu vier ausleihen kann.

Legimi bringt E-Book-Abo auf Pocketbook Lux

Ein Reader-Angebot komplett mit E-Book-Abo (bzw. umgekehrt) macht derzeit Pocketbook in Kooperation mit dem polnischen Unternehmen Legimi: wer für monatlich 17,99 Euro ein Zwei-Jahres-Abo für die E-Book- & Hörbuch-Flatrate abschließt, erhält den PocketBook Touch Lux 3 mit vorinstallierter Legimi-App „kostenlos“ dazu. Sind Titel sowohl als E-Book wie als Hörbuch verfügbar, kann man nahtlos hin- und herwechseln. Auch nicht schlecht: Für einen Euro mehr, also 18,99 Euro pro Monat erhält man statt Touch Lux 3 den „offenen“ Android-Reader InkBook Prime.

Bookchoice lindert die Qual der Wahl

Unlimitierter Zugang zu Millionen Büchern (im Fall von Legimi: zehntausenden) wollen E-Book-Abos in der Regel bieten, überfordern damit viele Leser, Stichwort: Paradox of Choice. Nicht nur die Tolino Allianz setzt deswegen auf Limitierung und Kuratierung. Die niederländische Plattform Bookchoice stellt ihren Kunden monatlich werden den Kunden acht ausgewählte E-Books und Hörbücher zur Auswahl. Seit Oktober ist Bookchoice nun auch für deutsche Leser nutzbar.

Aus Nolim wird Saga: Lesen wie in Frankreich

Last not least: Nur sechs Zoll, dafür aber ausgefeiltes Design mit integriertem Cover bietet der neue Bookeen Saga, die Deutschland-Version des in Frankreich populären „Nolim“-Readers. Technisch mag der 6-Zoller nichts neues bieten, dafür soll ihn die äußere Form „buchähnlicher“ machen und durch die neue Haptik & Optik neue Leser für das E-Reading begeistern.

Provokationen mit Zukunft: Die erste monatliche Phantastik-Bestenliste ist da

phantastik-bestenlisteEine First-Contact-Story aus nigerianischer Perspektive, ein chinesischer Sternenkriegs-Thriller, aber auch ein verstiegener Techno-Roman von Diethmar Dath oder eine fantasievolle Migrations-Parabel von Mohsin Hamid: Die erste Phantastik-Bestenliste von PAN eV & Literaturschock ist da, und gibt eine Menge interessanter Leseempfehlungen ausgewählter ExpertInnen. Ab jetzt sollen Monat für Monat weitere Bestenlisten folgen, der Start wurde nicht zufällig im Buchmesse-Monat Oktober angesetzt.

Phantastik von Nnedi Okorafor bis Dietmar Dath

Phantastik-Bestenliste Oktober 2017:

  1. Nnedi Okorafor: Lagune
  2. Jay Kristoff: Nevernight. Die Prüfung
  3. Becky Chambers: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten
  4. V. E. Schwab: Vier Farben der Magie
  5. Andreas Brandhorst: Omni
  6. Cixin Liu: Die drei Sonnen
  7. Mohsin Hamid: Exit West
  8. T. S. Orgel: Sturm aus dem Süden
  9. Daniel Illger: Skargat. Der Stern der Mitternacht
  10. Dietmar Dath: Venus siegt

(Die komplette Liste inkl. Kurzinfos gibt’s hier).

Was gehört überhaupt alles zur Phantastik?

Die Phantastik-Bestenliste solle „eine Provokation schaffen, welche Literatur alles zur Phantastik gehört“, so Diana Menschig vom Phantastik-Autoren-Netzwerk im zeitgleich gestarteten monatlichen Phantastik-Podcast. Die Bestenliste ist wohlgemerkt eine reine Auswahl-Liste, keine Bestseller-Liste. „Mir ist wichtig, dass wir Bücher finden, die auch in zehn Jahren noch so zeitlos sind wie heute“, betont Susanne Kasper von Literaturschock, Hauptverantwortliche der Phantastik-Bestenliste.

Autoren-Netzwerk steht auch Indies offen

Der Auswahl-Jury gehören mehr als ein Dutzend Literaturkritiker, Journalisten, Blogger und Buchhändler an. Mit der Bestenliste will das PAN eV ihrem Ziel näherkommen, der deutschsprachigen Phantastik eine besser vernehmbare Stimme auf dem Literaturmarkt zu verleihen. Die Mitgliedschaft im 2015 gegründeten Autoren-Netzwerk steht mittlerweile übrigens auch Self-Publishern offen.

Kindle Storyteller Award startet zum zweiten Mal — HarperCollins verlegt Gewinnertitel

kindle-storyteller-award-2016-startetNeues Jahr, neuer Publishing-Partner: zum zweiten Mal findet in diesem Sommer der Kindle Storyteller Award statt — das Gewinner-Buch wird diesmal von HarperCollins gedruckt und verlegt, nachdem die anfängliche Kooperation von Amazon und dem deutschen Publikumsverlag Bastei Lübbe gescheitert ist. Dazu kommen 10.000 Euro Preisgeld und ein Marketing-Paket im Wert von 20.000 Euro. Die Titel der fünf Finalisten werden zudem von der Amazons-Tochter Audible als Hörbuch veröffentlicht.

Ausgewählte Printversionen auf #fbm16 präsentiert

Teilnehmen am „KSA“ können alle Indie-Autoren, die ihr bislang unveröffentlichtes Buch – egal welches Genre – zwischen 15. Juni und 15. September über die Kindle Direkt Publishing-Plattform (KDP) mit dem Suchstichwort „kindlestoryteller2016 hochladen“. Um im Rahmen des Awards neben dem Hochladen eines Titels bei KDP auch die Produktion einer Printversion via Createspace zu pushen, hat Amazon angekündigt, zehn ausgewählte Print-Titel des Wettbewerbs auf der Frankfurter Buchmesse zu promoten.

Am Ende bleiben 5 Finalisten im Rennen

Nach Ablauf der Einreichungsfrist bis 15. September 2016 wird jedes Buch auf der Grundlage seiner Beliebtheit bei Kunden (z.B. Verkäufe oder Bewertungen) bewertet und es werden fünf Finalisten ausgewählt. Aus deren Reihe kürt dann die hochkarätig besetzte Jury (u.a. mit Christian Ulmen, Poppy J. Anderson & Astrid Korten) den oder die Gewinnerin. Die Preisverleihung findet am 20. Oktober im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt.

Vorsicht, Buchhandel…

Letztes Jahr wurden bei Kindle Storyteller mehr als 1.000 Titel eingereicht, erster Gewinner des Awards wurdePhillipp P. Peterson mit seinem Sci-Fi-Roman „Paradox – Am Abgrund der Ewigkeit“. Die bei Bastei Lübbe verlegte Printversion sorgte dann allerdings für Ärger im stationären Buchhandel — viele Buchhändler störten sich am Cover-Aufdruck „Kindle Storyteller“, manche weigerten sich sogar, den Titel ins Programm zu übernehmen.

Digital hat Potential: Jeder vierte liest E-Books – jeder zweite kann es sich vorstellen

jeder-vierte-liest-ebooksIm Vorfeld der Frankfurter Buchmesse wurden mal wieder zahlreiche aktuelle Statistiken zum Thema E-Book vorgestellt – besonders interessant ist dabei eine Meldung der Bitkom: dem IT-Branchenverband zufolge lesen bereits 25 Prozent der Bundesbürger digitale Bücher, und mehr als ein Drittel derjenigen (35 Prozent), die es bisher noch nicht tun, können sich ebenfalls vorstellen, E-Books zu konsumieren.

Nutzer sind nicht automatisch auch Käufer

Das klingt nach viel Potential: Schaffen es Buchhändler und Bibliothekare, auch diejenigen zu motivieren, die bisher noch abwarten, aber grundsätzlich dem neuen Medium gegenüber aufgeschlossen sind, könnte zukünftig sogar jeder zweite Bundesbürger zur Population der E-Leser gehören. Ob sie tatsächlich auch zu den E-Book-Käufern gehören oder sich sogar einen E-Reader anschaffen, ist natürlich ein ganz andere Frage…

Zahl der E-Book-Nutzer wächst nur noch langsam

Kleines Problem dabei ist ohnehin: E-Books sind zwar schon jetzt „fester Bestandteil der digitalen Medienwelt und erreichen ein Massenpublikum“, wie es Bitkom-Vize Achim Berg ausdrückt. Doch zugleich fällt auf, dass die Zahl der aktiven E-Book-Nutzer in Deutschland nur noch sehr langsam steigt, in den letzten 12 Monaten gab es lediglich einen Zuwachs um einen Prozentpunkt auf die jetzt gemeldeten 25 Prozent.

Senioren lesen kaum E-Books

Bei den 14 bis 29jährigen sind bereits ein Drittel (32 Prozent) vom neuen Medium überzeugt und konsumieren ihre Lektüre auch digital, auch bei den 30 bis 64 jährigen ist der Anteil noch ähnlich hoch. Doch in der Altersgruppe ab 65 Jahren liegt die Nutzung mit 11 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Was wohl auch daran liegt, dass die häufigsten Lesegeräte Laptop (41 Prozent) und Smartphone (38 Prozent) sind, die vor allem von Jüngeren eingesetzt werden.

Einen dedizierten E-Ink-Reader nutzt dagegen nur ein Drittel der Leser. Und aus dieser Nische kommt das klassische Lesegerät wohl auch nicht mehr heraus: Nach Bitkom-Prognosen werden im laufenden Jahr 25,6 Millionen Smartphones und 7,7 Millionen Tablets, aber nur 600.000 E-Reader in Deutschland verkauft.

Flatrates als neuer Wachstumstreiber?

Neue Attraktivität könnte das elektronische Lesen durch Kauf-Alternativen wie Onleihe oder kommerzielle Flatrates erhalten: Bereits die Hälfte der befragten Leser macht von solchen Möglichkeiten Gebrauch, sowohl die E-Book-Ausleihe aus Bibliotheken wie auch Abo-Modelle à la Kindle Unlimited oder Skoobe verzeichnen starke Zuwächse.

Abb.: David Goehring (cc-by-2.0)

Und Steve Ballmer hat doch recht: PC laut BITKOM-Studie wichtigstes E-Lesegerät

Und Steve Ballmer hat doch recht – das wichtigste Lesegerät ist immer noch der (Windows-)PC. Eine aktuelle Bitkom-Studie im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse scheint das erneut zu belegen: Desktop, Laptop oder Netbook werden von drei Viertel der E-Book-Leser als genutztes Gerät genannt. Knapp die Hälfte schmökert via Smartphone, während Tablet und E-Reader bei knapp 20 Prozent liegen. Doch ganz so weit her ist es mit der angeblichen PC-Dominanz dann doch nicht – zum einen, weil damit wohl vor allem Fachbücher im PDF-Format gelesen werden. Einen anderen Grund nennt der Hightech-Branchenverband selbst: drei Viertel der „Computer-Leser“ übertragen ihre E-Books via PC auf mindestens ein weiteres Gerät. Kollege Rechner fungiert also also vor allem als zentraler Verschiebebahnhof für elektronischen Content, unterstützt durch Verwaltungssoftware wie Calibre.

Kein Wunder, dass Smartphones unter den alternativen Lesegeräten dann ganz vorne liegen – schließlich nutzt ja auch schon über die Hälfte der Deutschen die multifunktionalen Touch-Screen-Gadgets. BITKOM zufolge dürften jedoch Tablets in der Beliebtheit der Lesegeräte bald gleichziehen, alleine im Jahr 2013 werden hierzulande voraussichtlich 8 Millionen Stück verkauft, gegenüber „nur“ 800.000 E-Readern. Die schnell wachsende Zahl an potentiellen Lesegeräten erzeugt offenbar auch deutlich mehr Akzeptanz für das E-Book: der Anteil von E-Book-Nutzern unter der lesenden Bevölkerung soll mittlerweile schon bei 29 Prozent liegen. Selbst 27 Prozent der E-Book-Skeptiker können sich der BITKOM-Studie zufolge vorstellen, „in Zukunft digitale Bücher zu lesen“.

Als deutlichsten Beleg für das Erreichen des Massenmarkts darf man wohl demographische Details zu Alter und Geschlecht werten – Unterschiede bei der E-Lese-Präferenz zwischen Männern und Frauen sind kaum noch feststellbar, genausowenig zwischen den Generationen, wenn man sich die 14- bis 49jährigen anschaut. Geringere E-Lese-Aktivität der über 50-Jährigen, vor allem aber der über 65-Jährige begründet die BITKOM-Studie mit der „deutlich geringeren Internetnutzung dieser Altersklasse“. Irgendwie muss man ja auch an die E-Books herankommen – und für zwei Drittel der Leser führt der Weg immer noch über die Web-Portale von Amazon, Thalia oder Weltbild. Bisher shoppt dagegen nur ein Fünftel E-Books in den vorinstallierten E-Stores auf Kindle, Tolino & Co. Doch auch Direktmarkting kann sich lohnen – 8 Prozent kaufen Lektüre direkt beim Autor, 6 Prozent auf Verlagsportalen.

Muss man E-Books aber überhaupt en detail kaufen wie früher das Buch im Laden? Immer mehr Nutzer würden diese Frage verneinen: „Neben dem Kauf etablieren sich alternative Nutzungsformen für elektronische Bücher“, so BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. 17 Prozent der Anwender versorgen sich via Onleihe in öffentlichen Bibliotheken, 15 Prozent nutzen kommerzielle Verleihmöglichkeiten wie etwa die Skoobe-App. Ebenso hoch im Kurs stehen kostenlose Downloads von Klassikern, etwa über das Project Gutenberg. Kommen am Ende vielleicht auch noch Piraten ins Spiel? Die leichte Verfügbarkeit von E-Books gilt jedenfalls als das wichtigste Argument für den Gebrauch. Außerdem weiß BITKOM: „Insgesamt nutzen 49 Prozent der E-Book-Leser Alternativen zum Kauf einzelner Dateien.“

Abb.: BITKOM-Grafik

„Geld im Tausch gegen nichts“: Von elektronischen Büchern, trockenem Wasser und anderen Fabelwesen

buchmesse-e-book-frankfurt-federico-heinz-gnuE-Books sind eine Erfindung der Verlage, meint der Argentinier Federico Heinz, offizieller Sprecher der GNU-Organisation. Eigentlich müsste man von elektronischen Archiven sprechen, die weitaus mehr bieten als ein normales Buch. Zwecks Vermarktung würden die Möglichkeiten jedoch weitestgehend eingeschränkt – nicht nur durch Kopierschutz. Wir dokumentieren anlässlich der Frankfurter Buchmesse hier Federico Heinz‘ Plädoyer, die Kontrolle über das E-Book – und damit über den Zugang zur Kultur – wieder an die Gesellschaft zurückzugeben.

Denkst Du an ein Buch, oder an ein Werk?

Stopp: Bevor du weiterliest, denke schnell an ein Buch! – Wahrscheinlich wirst du an irgendeinen Buchtitel gedacht haben, an etwas im Stile von Hundert Jahre Einsamkeit, Das Kapital oder vielleicht sogar an ein Handbuch der Kraftfahrzeugelektronik. Diese wie viele andere denkbare Antworten sind so vernünftig wie inkorrekt: Sie bezeichnen keine Bücher, sondern einen Roman, eine wissenschaftliche Abhandlung und ein Handbuch. Wir verwechseln hier das Werk mit dem Buch, zwei Wesen, deren Natur und Zweckbestimmung gänzlich voneinander unterschieden sind. Diese Konfusion ist bestimmten Interessen durchaus förderlich, weshalb es die Mühe lohnt, jener vorzubeugen und das Verhältnis zwischen den beiden Termini zu klären.

Der Zweck eines Buches ist die Vermarktung des Werkes

Ein „Werk“ ist das Produkt des Intellekts und immaterieller Natur. Ein jedes unterscheidet sich vom anderen und ist in individueller und künstlerischer Weise gestaltet. Der Aufwand, der für seine Herstellung benötigt wird, fällt in eins mit dem Zeitaufwand des Schreibenden, und sehr häufig hat es nur einen einzigen Autor (unter der stillschweigenden Voraussetzung, diejenigen nicht mitzuzählen, die dieser gelesen hat). Das Werk ist unauflöslich mit seinem Urheber verknüpft und ist ein Mittel, „dem Leser Ideen mitzuteilen“. Die Natur der „Bücher“ unterscheidet sich hiervon deutlich. Es handelt sich um Gegenstände, die man anfassen kann, um industrielle Massengüter, die in einer Auflage von Tausenden oder Millionen von Exemplaren produziert werden. Um den komplexen Vorgang ihrer Produktion, ihres Vertriebs und ihrer Vermarktung zu finanzieren, bedarf es einer erheblichen Kapitalinvestition. Das Buch und seine kommerzielle Verwertung sind dem Autor entzogen. Nicht selten muss er erleben, dass der Verlag sein Werk dem Vergessen anheim gibt, wenn er auf diesem Weg den hächsten Gewinn auf die getätigte Investition realisieren kann. Letztlich ist der Zweck des Buches lediglich, als Mittel zu dienen, „um Werke zu vermarkten und an den Konsumenten zu bringen“.

Der Preis hängt nicht von der Qualität des Werkes ab

Doch dies nur im Prinzip. Der industrielle und kapitalintensive Charakter der Buchherstellung und -vermarktung führt zu einer Verzerrung dieser Idee, sodass heute eher die Werke ein Mittel des Buchverkaufs sind als umgekehrt. Das Werk ist nur ein Vorwand, um dem Publikum einen weiteren rechteckigen Stapel industriell bedruckten und gebundenen Papiers zu verkaufen. Denn in Wirklichkeit produziert und verkauft der Verlagsbuchhandel genau das, das Buch, den Gegenstand und nicht das Werk, welches ein bloßer „Input“ seiner wirtschaftlichen Aktivität ist. Von einem Buch, welches ein populäres Werk enthält, werden mehr Exemplare verkauft als von einem anderen, das ein weniger bekanntes Werk zum Inhalt hat. Aber der Preis, den der Leser zahlen muss, hängt nicht von der Qualität des Werkes ab, sondern von den physischen Eigenschaften des Objekts: von Papierqualität, Druck, Einband. Eine Paperbackausgabe wird immer weniger kosten als ein Hardcover mit der gleichen Seitenanzahl, ganz unabhängig vom gedruckten Inhalt.

“Im Prinzip wäre ein elektronisches Buch ein digitales Archiv“

Nachdem wir die Natur des Buches als industrielles Massengut identifiziert haben, bekommt der Name „elektronisches Buch“, der uns bis vor Kurzem so leicht über die Lippen ging, einen problematischen Klang. Wie kann ein Buch elektronisch sein, wenn das Wesen des Buches darin besteht, berührbar, industriell gefertigt und von begrenzter Zahl zu sein? Warum sollten wir an dem Wort „Buch“ festhalten, wenn dies im Namen von etwas geschieht, das das Buch selbst zum Verschwinden bringt? Im Prinzip wäre ein elektronisches Buch nichts anderes als ein digitales Archiv, in das ein Werk eingeschrieben wird. Es handelt sich um keinen Gegenstand, und es bedarf weder einer Infrastruktur noch größerer Kapitalinvestitionen, um es herzustellen und zu verbreiten. Sobald das erste Exemplar eines Werkes in digitaler Form auf einem Datenträger vorliegt, verursacht die Herstellung weiterer Kopien und ihre Verfügbarmachung in P2P-Netzwerken keine nennenswerten Kosten mehr. Die digitale Form erlaubt Nutzungsweisen, die das Buch nicht bietet. Das Wiedergabegerät kann das gewünschte Werk auf verschiedene Weise für Leser zugänglich machen: Blinde kännen es in Blindenschrift lesen oder sich über Lautsprecher vorlesen lassen; sehbehinderte Menschen kännen die Schriftgröße verändern oder das Erscheinungsbild auf andere Weise ihrem Handicap anpassen; Personen, die besondere ästhetische Ansprüche stellen, kännen für die Lektüre des Textes Schrift und Layout nach ihrem Gusto auswählen; Studierende und Forschende kännen den Text mit Tools bearbeiten und durchforsten, die die Papierform nicht zulassen würde.

Geld im Tausch gegen nichts. Die beste aller Welten!

Diese digitalen Archive „elektronische Bücher“ zu nennen ist ungefähr genauso logisch, als würde man Jumbojets als „Dreiräder mit Flügeln“ bezeichnen. In beiden Fällen wird etwas beschrieben, dem zugleich eine grobe Unterschätzung zugrunde liegt. Diese Unterschätzung kommt den Verlagen durchaus gelegen: In Begriffen von „elektronischen Büchern“ zu denken, schränkt unsere Vorstellungskraft in Bezug auf das, was wir von ihnen eigentlich erhoffen könnten, gravierend ein. Wenn der Verlagsbuchhandel von E-Books spricht, redet er tatsächlich weder von Werken noch von digitalen Archiven, er benutzt schlicht und einfach die einzige Sprache, die ihm gegeben ist: die von Verkaufseinheiten. Angesichts der Perspektive, dass seinen Produkten ein entscheidender Bedeutungsverlust als Träger von Werken droht, sucht er verzweifelt nach Mechanismen, die es ihm ermäglichen, „etwas“ in einer Welt zu verkaufen, in der seine Dienste nicht mehr unerlässlich, sondern im besten Fall nur noch ein Luxus für die Liebhaber des Gegenstandes Buch sind.

Erst durch den Kopierschutz wird das Werk zum E-Book

Mit Gewitztheit und getreu der unternehmerischen Maxime, die Krise als Chance zu begreifen, treten die Verleger die Flucht nach vorne an. So entstand das E-Book als ein Produkt mit minimalen Herstellungs- und Vertriebskosten, das nie vergriffen ist, ohne vorrätig gehalten werden zu müssen, und das unendlich oft verkauft werden kann. Geld im Tausch gegen nichts. Die beste aller Welten! Das einzige Hindernis bei der Verwirklichung dieser Vision des unternehmerischen Nirwanas ist die Tatsache, dass die Netzwerke der Informatik potenziell jeden in einen Verleger verwandeln. Damit die Idee funktioniert, muss also zunächst dafür gesorgt werden, dass man als Einziger in der Lage ist, das Produkt zugänglich zu machen. Auf irgendeine Weise muss die Veröffentlichung wieder zu einer kapitalintensiven Investition werden. Für die Verlage ist ein in digitaler Form vorliegendes Werk – mit all seinen Vorteilen und Möglichkeiten – also kein E-Book. Um ein solches zu werden, muss es so programmiert sein, dass der Zugang zu ihm nur über den Gebrauch von Geräten und Software-Programmen möglich ist, die von den Verlagen selbst kontrolliert werden.

Für die Verlage geht es um die Kontrolle über den Kulturbetrieb

Ein E-Book bietet also nicht nur weniger Vorteile als ein simples digitales Archiv, es bietet sogar weniger Möglichkeiten als ein traditionelles Buch aus Papier. Ein Papierbuch kann man ausleihen, in einer öffentlichen Bibliothek anfordern, und man kann es lesen, ohne dass jemand davon Kenntnis erhält. Und es ist selbst dann noch verfügbar, wenn der Verlag pleite gegangen ist, was ein E-Book nicht überleben würde: Wenn der Server abgeschaltet wird, ist das Buch nicht mehr verfügbar. Es handelt sich um zwei verschiedene Wege, die man nicht miteinander verwechseln darf. Auch wenn sie vom selben Ausgangspunkt starten, führen sie doch zu unterschiedlichen Zielen. Die E-Books, wie sie die Verlagsindustrie versteht, sind lediglich ein Mittel, das erdacht wurde, um die Kontrolle über den Kulturbetrieb und den Zugang zu Kultur weiter in den eigenen Händen zu behalten. Glücklicherweise bieten uns die digitalen Netze und Archive genügend Möglichkeiten, diese Zugangssperren zu umgehen und die Kontrolle der Gesellschaft zurückzugeben.

Autor: Federico Heinz, veröffentlicht unter Creative Commons Lizenz by-nc-sa

Entnommen aus: Argentina Copyleft! Neue Spielregeln für das digitale Zeitalter? Ein Blick nach Argentinien, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung (2010)

Wenn Literatur zu Content wird: Frankfurter Buchmesse 2010 startet digitale Offensive

buchmesse-frankfurt-2010-content-e-book-e-readerE-Books sind in den Frankfurter Messehallen längst keine unbekannte Größe mehr. Ein Novum ist jedoch die Kooperation zwischen der Buchmesse und dem Branchenverband BITKOM. Wo Literatur immer mehr zu Content wird, sucht offenbar die Gutenberg-Galaxis nun den Schulterschluss mit der digitalen Medien- und Kreativbranche. Während man auf den „Frankfurt Hot Spots“ etwa die neuesten Lesegeräte ausprobieren kann, treffen unter dem Motto „StoryDrive“ Vertreter aus der Verlagswelt,- Filmbranche sowie Musik- und Gamesindustrie zusammen. Die Frankfurter Buchmesse 2010 läuft vom 5. bis 10. Oktober.

Buchmesse heißt: Know-How für die Content-Vermarktung

Erst kamen die Hörbücher, dann E-Books. Elektronische Literatur hat sich auf dem deutschen Buchmarkt etabliert. Nach PDFs für den Wissenschafts-Bereich wird nun dank epub auch der Unterhaltungssektor zum Geschäftsfeld. „Wir rechnen damit, dass nach Fachliteratur, Sachbüchern und Infotainment auch digital publizierte Belletristik für die Leser zunehmend interessant wird“, so BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Einen wichtigen Grund sieht der Verband der deutschen IT-Branche im aktuellen Tablet-Boom. Nach BITKOM-Berechnungen werden bis Ende 2010 hierzulande rund 500.000 Tablet-PCs verkauft. Gleichzeitig wächst bei den Kunden das Interesse am Kauf von elektronischer Lektüre. Um die Kooperation zwischen Buch- und Hightech-Branche zu verbessern, haben BITKOM und die Frankfurter Buchmesse die digitale Initiative „Frankfurt SPARKS“ ins Leben gerufen. Dabei geht es um die Lesegeräte, aber auch um Content im weiteren Sinne. „Der Bedarf an Inhalten ist so groß wie nie – und die Frankfurter Buchmesse steht für Inhalte. Keine andere Messe bietet derartiges Know-how für den Rechteverkauf und die Produktion und Vermarktung von Content“, so Buchmesse-Direktor Jürgen Boos auf der Vorschau-Pressekonferenz.

Hotspots für Hardware, StoryDrive für cross-mediales Erzählen

Für die Freunde des elektronischen Lesens dürften vor die Halle 8 interessant sein. Am „Devices Hot Spot“ etwa kann man nicht nur die Geräte selbst ausprobieren, sondern auch in Kontakt mit den Firmen treten, die Betriebssysteme, Vertriebsplattformen und Softwaredienste entwickeln. Spannend für E-Book-Autoren dürfte aber auch der „Literature & Special Interest Hot Spot“ in Halle 3.1 sein. Dort werden Portale, Plattformen und webbasierte Dienstleistungen für die Buchcommunity vorgestellt – etwa für den Bereich Self- und Social-Publishing. „Frankfurt StoryDrive“ versteht sich dagegen als Treffpunkt der internationalen Medien- und Entertainmentwelt. Im Mittelpunkt steht weniger die Hardware sondern das Erzählen an sich: „StoryDrive richtet sich an alle, deren Welt sich um gute Geschichten dreht – und die mit Geschichten Welten schaffen“, so die Organisatoren. Neben einer eigenen Cross-Media-Konferenz finden die Branchenvertreter unter dem Label „StoryDrive“ auch einen Handelsplatz für Medienrechte („Film&Media Rights Center“).

„Wir wollen die Welt jenseits von Papier und Tinte sehen!“

Die Zukunft des Erzählens ausloten will auf der Buchmesse aber auch ein „Crowdsourcing“- Wettbewerb in Zusammenarbeit mit der webbasierten Kreativ-Community Jovoto. „Es gibt eine Welt jenseits von Papier und Tinte, und die wollen wir sehen“, heißt es auf der Startseite des Projekts. Möglich ist alles, vom Video über Apps bis zum Computerspiel. Einsendeschluss ist der 30. September. Hundertprozentig virtuell ist die Frankfurter Buchmesse aber noch nicht. Zum Glück. „Der Hunger nach Wirklichkeit wird größer, je digitaler unser Leben wird“, meint wohl zu Recht Buchmesse-Direktor Jürgen Boos. Neben dem Content auf Displays oder zwischen Buchdeckeln treffen auf der Frankfurter Buchmesse deswegen auch in diesem Jahr Autoren und Leser aufeinander. Live erleben kann man in den Messehallen etwa Weltliteraten wie Jonathan Franzen oder Bret Easton Ellis, ebenso aber deutsche Größen wie Richard David Precht oder Wladimir Kaminer.

Sci-Fi zur Buchmesse: Smarte Plakate schicken drahtlos Leseproben aufs Handy

interaktives-plakat-von-stroer-bringt-per-bluetooth-leseproben-auf-das-handyIm Umfeld der Buchmesse werden interaktive Plakate getestet: zu den auf der Werbefläche dargestellten Bestsellern aus der Spiegel-Liste können sich Passanten per Bluetooth Leseproben auf das Handy laden – bei zwei Drittel aller Mobiltelefone soll das aktuell funktionieren. Hinter dem Pilotprojekt stehen die Zeitschrift Buchreport sowie der Außenwerbe-Spezialist Ströer. Die sogenannten City-Light-Poster stehen hauptsächlich an gut besuchten Nahverkehrsstationen.

Werden Bücher zum Poster-Child der handygestützten Einkaufskultur?

Das Buchmarketing der Zukunft setzt auf drahtlose Kommunikation: nach Angaben von Ströer wurde bereits deutschlandweit ein Bluetooth-City-Netz an 300 der meist frequentierten Nahverkehrsstationen aufgebaut. Das Unternehmen vermarktet europaweit rund 280.000 Werbeflächen. Erste Tests in Verbindung mit den City-Light-Postern liefen seit 2008 mit Musik und Filmtrailern. Der Service braucht kein Internet und ist für die Teilnehmer kostenfrei. Etwa sechzig Prozent der derzeitigen Mobiltelefone sollen die jetzt angebotenen Leseproben herunterladen können. Von der Leseprobe bis zum Buchkauf per Handy ist der Weg nicht mehr weit: die Bluetooth-Schnittstelle liefert auf Wunsch in Zukunft auch ein mobiles Shopping-Portal. „Bücher werden sicher das dynamischste Segment des Einkaufs per Handy sein“, schätzt Jaroslav Zajicek, Leiter strategisches Marketing bei Ströer. Möglich wäre sowohl der Download eines E-Books oder MP3-Hörbuchs auf das Handy, aber natürlich auch die drahtlose Bestellung der Papierversion. Zum Start gibt es nach Angaben von Buchreport z.B. Leseproben von Stephenie Meyer („Bis(s) zum Abendrot“, Carlsen), David Nicholls („Zwei an einem Tag“, Kein & Aber) und William Paul Young („Die Hütte“, Allegria). Allerdings sind nicht alle Titel der Bestseller-Liste mit dabei – die entsprechenden Bücher mit digitalen Probierhäppchen sind auf den interaktiven Plakaten entsprechend gekennzeichnet.