Ich wär so gerne stationär… Bitteschön: Amazon Books ist in den USA die achtgrößte Buchhandelskette

amazon-books-in-seattleFrohes Neues Jahr! Für den Start gleich mal eine doppelt positive Nachricht: „Nein, Amazon ist noch immer nicht unter den fünf größten Buchhandelsketten“. Das gilt nicht nur für die USA, auf die diese Headline von The Digital Reader gemünzt ist, sondern auch für Deutschland. Denn hier hat Amazon Books überhaupt noch keine eigenen Läden. Und selbst wenn in 2018 in Berlin, München, Hamburg oder sonstwo welche entstehen sollten, wird zumindest in den nächsten vier, fünf Jahren wohl eine solche Klarstellung hierzulande nicht nötig sein. (Es sei denn, Droege International verkauft Weltbild zwischenzeitlich doch an Jeff Bezos…)

Im Jahr 2017 mussten mehr als 400 Filialen schließen

In den USA ist die Sache dagegen nicht ganz so einfach, dort hat das Unternehmen bereits 16 eigene Buchläden an den Start gebracht, was in der darbenden Buchbranche dann zwar nicht für die Top Fünf, aber immerhin für die Top Ten reicht. Entstanden war die anderslautende „Fake News“ interessanterweise im Sommer 2017 durch Publishers Weekly, nachdem eine ganze Reihe von Ketten schließen musste, die u.a. Bücher verkauften, neben Book World auch die Family Christian Stores sowie Hastings Entertainment, insgesamt mehr als 400 Filialen.

Platz vier für Bezos? Hier irrte die New York Times…

Am Ende schrieben dann aber auch die Top Checker von der New York Times: „Here is one way to measure the upheaval in bookselling: Replacing Book World as the fourth-largest chain, Publishers Weekly says, will be a company that had no physical presence a few years ago.“ Zum Glück gibt’s ja Nate Hoffelder, und der hat noch mal nachgezählt: Nein, es gibt neben Barnes & Noble, Books-a-Million und Halfprice Books auch noch recht ansehnliche Ketten namens Deseret Books, Lifeways, Hudson Bookseller sowie Seagull Books. Fazit: Amazon erreicht in den USA „nur“ Platz acht.

Abb.: Amazon.com, Filiale in Seattle

Fehlende Megaseller, fehlende Tage: Buchhandel unzufrieden mit Weihnachtsgeschäft, Online-Handel frohlockt

xmas-shopping-2017Am Ende fehlte nicht nur ein Mega-Bestseller, es fehlten kalendertechnisch schlicht auch genügend Werktage zwecks Geschäftsöffnung: im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete der Buchhandel in der Weihnachtssaison 2017 ein leichtes Minus von 0,3 Prozent, berichtet das Börsenblatt. Grundlage für diese Zahl ist eine Stichprobe, für die das Zentralorgan bundesweit rund 50 Buchhandlungen befragt hatte.

Onlinehandel bei 12 Prozent Umsatzanteil

Auch insgesamt fällt im Einzelhandel die Weihnachtsbilanz eher gemischt aus, so der Handelsverband Deutschland (HDE) — wie eine Umfrage des Verbandes zeigt, sind gerade die Erwartungen kleinerer Händler nicht erfüllt worden, während größere Unternehmen und der Onlinehandel (siehe auch die jährliche Jubelmeldung von Amazon) frohlocken. Insgesamt gab’s im November und Dezember ein Ergebnis von 94,5 Milliarden Euro, was ein Umsatzplus von drei Prozent bedeutet – Onlineanteil: 12 Milliarden Euro, bzw. 12,7 Prozent.

Geschenkgutscheine immer beliebter

Zu den beliebtesten Geschenken zählten in diesem Jahr Bücher, Spielwaren und Bekleidung. Auch Sportartikel, Kosmetik und Drogeriewaren waren stark nachgefragt. Auch die Untentschiedenen ließen sich nicht lumpen: Neben Bargeld lagen nicht selten auch Geschenkgutscheine auf dem Gabentisch: nach HDE-Schätzungen wurden im Weihnachtsgeschäft rund drei Milliarden Euro Umsatz mit dem Verkauf von Gutscheinen erzielt. Das wiederum dürfte für den Handel erst recht ein Grund zur Freude sein — werden doch viele Gutscheine gar nicht eingelöst.

(via boersenblatt.net & einzelhandel.de)

Abb.: Diego Russo/cc-by-2.0

Generation iBrain macht mobil: Bald 50% Online-Anteil im Buchhandel?

ibrains-shoppen-stark-onlineWie stabil ist die Buchbranche? Der bei wenigen Prozent dümpelnde E-Book-Marktanteil in Deutschland wirkt als Beruhigungspille, ebenso der noch recht niedrige Umsatzanteil des Online-Handels, der im Buchhandel weniger als ein Fünftel beträgt. Doch dabei wird es nicht bleiben, warnt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) — sie hat nämlich die Kaufgewohnheiten der unterschiedlichen Altersgruppen verglichen. Die schlechte Nachricht für den Buchhandel: im Non-Food-Sektor geht der Umsatzanteil des E-Commerce von Generation zu Generation steil nach oben. Das Geld der Babyboomer wandert noch zu 80 Prozent in den stationären Handel, bei den „iBrains“, also den Unter-20-jährigen, sind es nur noch 60 Prozent.

iBrains & Smartphone-Transzendenz

Kein Wunder, denn für die iBrains gilt: 100 Prozent Smartphone-Ausstattung, 100 Prozent tägliche private Nutzung. Jetzt könnte man sagen: Okay, mehr geht nicht. Doch die GfK hat hier nochmal eine perspektivisch beunruhigende Botschaft in petto: „Bei den iBrains geht es schon nicht mehr um das Smartphone, denn das hat jeder. Sie werden in Kürze neue Devices vorantreiben.“ Mit anderen Worten: der Anteil der Online-Einkäufe dürfte durch neue Geräte-Technologie bald noch weiter steigen, die Sättigung in der Smartphone-Ausstattung alleine ist keine Limit für weiteres Wachstum (Ein aktuelles Beispiel: die Bestellung per Sprachbefehl via Echo-Konsole/Alexa). Außerdem können natürlich die älteren Generationen in ihrem Verhalten noch nachziehen.

Krise in Sicht trotz E-Book-Flaute?

Manche Experten malen auf dieser Basis schon ein komplettes Spaltungs-Szenario an die Wand: in gar nicht so ferner Zukunft könnte der Marktanteil von Online-Einkäufen hierzulande die 50 Prozent-Grenze knacken. Für die Buchbranche wäre das natürlich eine besonders bittere Pille: Selbst wenn die Mehrheit der Deutschen weiter gedruckte Lektüre bevorzugen sollte — auf den Weg in die Buchhandlung werden sich viele zukünftig möglicherweise nicht mehr machen.

(via pubiz.de)

Der Leser als Reader: „tolino books“ bringt ausgewählte Self-Publishing-Titel gedruckt in Buchhandlungen

tolino-books-startetAusgewählte Titel von Indie-Autoren auch gedruckt in die Buchhandlung bringen – das versprach Tolino Media schon beim Start der Selfpublishing-Plattform im Frühjahr. Seitdem ist einiges passiert: das Tolino-Team hat 30 bereits als E-Book veröffentlichte Texte in eine Longlist aufgenommen, aus der Buchhändler von Thalia, Hugendubel, Weltbild sowie Sortimenter und Einkäufer eine Shortlist von zehn Selfpublishing-Romanen erstellten, darunter „Kalter Zwilling“ (Catherine Shepherd), „Der 1. Mann“ (Nika Lubitsch) und „Tödliche Saat“ (Elke Bergsma).

„Self-Publishing mit hoher Qualität“

Diese Tolino-Top 10 kommt nun ab Mitte November als Sonderpräsentation unter dem Label tolino books in den Buchhandel vor Ort. „Wir gehen damit einen neuen Weg, weil wir überzeugt sind, dass im Selfpublishing Bücher mit hoher Qualität entstehen“, so Jördis Schulz, Director tolino Publishing bei tolino media. Man glaube daran, dass diese Titel „eine interessierte Leserschaft auch im stationären Handel erreichen können“.

tolino media übernimmt Lektorat & Cover-Design

Ganz dem Zufall überlassen möchte man die Sache aber wohl nicht – ähnlich wie bei vergleichbaren Programmen von Amazon wurde noch einmal ein Menge Arbeit in Layout von Cover und Text gesteckt: man habe „mit Lektoren und Grafikern zusammengearbeitet“, um Printversionen zu erstellen, die sowohl Buchhändler wie auch Kunden überzeugen würden.

Regelmäßige Reihe, produziert von einem Verlag

In Zukunft solle aus dem Pilotprojekt eine regelmäßige Reihe werden: „Es braucht nur eine entsprechende Organisation. Daher würden wir das Projekt gerne mit einem Verlag weiterführen“, so Schulz weiter. Die zehn Auftakt-Titel der tolino Books kann man schon auf der Frankfurter Buchmesse in die Hand nehmen – am tolino media-Stand (Halle 3.0, J35) werden am 17.10. auch viele der Autoren präsent sein.

Die ersten zehn tolino Books:

  1. Kalter Zwilling (Catherine Shepherd)
  2. Der 1. Mann (Nika Lubitsch)
  3. Tödliche Saat (Elke Bergsma)
  4. Sylter Wolken (Sarah Mundt)
  5. Hot Dogs zum Frühstück (Elke Becker)
  6. Snow Angel (Izabelle Jardin)
  7. I‘m dreaming of You (Claire O´Donoghue)
  8. Flammenherz (Petra Röder)
  9. Sturmfänger (Jasmin Romana Welsch)
  10. Die Rückkehr des Sandmanns (Markus Ridder)

„Buchhandel sollte flexibler auf Self-Publishing-Trend reagieren“ – Sönke Schulz (tredition) im Interview

Soenke-Schultz-TreditionQuo vadis, Self-Publishing – welche Fähigkeiten muss man mittlerweile als erfolgreicher Autor mitbringen? Wie wichtig ist Marketing? Welche Dienstleistungen überlässt man besser Profis? Diese und weitere Fragen stellen wir im Vorfeld des Self-Publishing Days 2015 den dort präsenten Ausstellern. Heute im Interview: Sönke Schulz, Mitgründer und Geschäftsführer von tredition. Das 2006 gegründete Unternehmen hat sich auf Verlags- und Publikations-Dienstleistungen für Autoren, Verlage und weitere Medienschaffende spezialisiert, insbesondere das Optimieren von Auflagenmanagement, Vertrieb und Abrechnungswesen.

E-Book-News: Self-Publisher müssen viele Dinge beherrschen, die über das bloße Schreiben hinausgehen. Was sind die wichtigsten Qualifikationen, die man im Jahr 2015 mitbringen sollte?

Sönke Schulz: Die wichtigsten Qualifikationen sind aus unserer Sicht die folgenden: Professionalität und hoher Anspruch, Marktkenntnis aufbauen, Marketinggespür und Kommunikationskompetenz, und nicht zuletzt Ausdauer.

  • Professionalität und hoher Anspruch:

Bei stetig steigenden Titelzahlen im Buchmarkt wachsen Konkurrenz und Leseransprüche gleichermaßen. Es ist deshalb unverzichtbar, dass ein Buch inhaltlich überzeugt und konzeptionell und stilistisch anspruchsvoll umgesetzt ist. Dazu gehört ein professionelles Coverdesign ebenso wie ein aussagekräftiger Klappentext und natürlich einwandfreie Rechtschreibung und Grammatik. Und immer gilt: Nur wer wirklich etwas zu sagen hat, wird auch erhört. Je weniger austauschbar eine Geschichte ist, desto größer die Chance, Aufmerksamkeit zu erlangen und Interesse zu wecken.

  • Marktkenntnis aufbauen:

Wie viele Neuerscheinungen gibt es pro Jahr auf dem Buchmarkt? Welchen Stellenwert hat das e-Book im Umsatzgefüge? Welche Thementrends bilden sich heraus? Für Self-Publisher ist es wichtiger denn je geworden, sich über die Entwicklungen auf dem Buchmarkt zu informieren und diese in ihren Entscheidungen in Betracht zu ziehen. Wer sich beispielsweise vor Augen führt, dass der Großteil des Buchumsatzes in Deutschland nach wie vor auf gedruckte Bücher entfällt, wird sich vernünftigerweise dagegen entscheiden, sein Buch nur als E-Book zu publizieren.

  • Marketinggespür und Kommunikationskompetenz:

Wer sich Gehör verschaffen will, muss seine Zielgruppe gut kennen und herausfinden, über welche Plattformen diese am besten zu erreichen ist; immer mehrgleisig fahren und so die Auffindbarkeit des eigenen Buches erhöhen (klassische Medien ebenso kontaktieren wie Blogs, soziale Netzwerke nutzen); sukzessive eine Kontaktwelt aufbauen und den Erfahrungsaustausch mit anderen Autoren bzw. den Meinungsaustausch mit den Lesern suchen.

  • Ausdauer:

Bei über 90.000 Neuerscheinungen pro Jahr in Deutschland ist die Herausforderung, das Leserinteresse auf das eigene Buch zu lenken, enorm. Deshalb gilt für alle Maßnahmen, die Autoren und Dienstleister ergreifen, um ein Buch bekannt zu machen: Nicht frühzeitig die Flinte ins Korn werfen, sondern die Vermarktungsmaßnahmen selbstkritisch hinterfragen, neue Ideen entwickeln und ausprobieren und dabei den persönlichen Kontakt suchen. Vielleicht ist die Bereitschaft des Cafés um die Ecke, eine Lesung abzuhalten, größer als gedacht? Oder es finden sich spezielle Themenportale im Internet, die offener sind für eine Buchvorstellung als ein klassischer Buchblog? Es gibt keinen Marketingansatz, der es nicht wert ist, ausprobiert zu werden.

Self-Publisher machen nicht alles selbst, sie brauchen bei manchen Dingen externen Sachverstand. In welchen Bereichen sind solche Dienstleistungen besonders wichtig?

Das A und O ist ein professioneller Vertrieb. Je weitreichender ein Buchtitel im Buchmarkt erhältlich ist, desto größer ist die Chance, von potenziellen Lesern entdeckt zu werden. Der Vertrieb im gesamten Buchhandel (stationär und online, als gedrucktes Buch und als E-Book) ist also ein wesentlicher Erfolgsfaktor für jedes Buch. Da es dafür individueller Verträge mit einer Vielzahl von Handelspartnern bedarf, ist das für den einzelnen Autoren kaum zu leisten. tredition hat es sich seit jeher zum Ziel gesetzt, jedem Buch seinen Markt zu erschließen und die Verkaufschancen zu maximieren, daher ist der flächendeckende Vertrieb in Deutschland und international eine Dienstleistung, von der jeder tredition-Autor profitiert. Davon abgesehen gilt: Jeder Autor sollte selbstkritisch seine eigenen Stärken und Schwächen bzw. sein Know-how bewerten und auf dieser Basis entscheiden, in welchen Bereichen er Dienstleistungen in Anspruch nehmen sollte, dazu gehören vor allem ein professionelles Lektorat, grafische Tätigkeiten für Illustrationen, Cover oder komplette Buchumschläge, Übersetzungstätigkeiten.

Mit der Produktion eines Buches ist es nicht getan, es muss sich ja auch verkaufen. Welche Rolle spielt das Marketing im Self-Publishing-Sektor?

Marketing ist neben dem flächendeckenden Vertrieb eines Buches unverzichtbar, um für entsprechende Leseraufmerksamkeit zu sorgen. Einmal abgesehen von der besagten Vielzahl der Neuerscheinungen, mit denen ein Autor um die Lesergunst konkurriert, steht jedes Buch auch zunehmend im Wettbewerb mit anderen Medien. Die Herausforderungen an die Vermarktungsarbeit steigen also. Als Self-Publishing-Dienstleister lässt tredition Autoren mit dieser wichtigen Aufgabe nicht alleine. Jedes bei tredition veröffentlichte Buch wird mit individuellen Marketingmaßnahmen beworben. Dazu gehört eine individuelle Pressemitteilung, Social Media und Blog Marketing sowie der kostenlose Versand von Rezensionsexemplaren an Journalisten. Ebenso sorgen wir mit Maßnahmen der Suchmaschinenoptimierung dafür, dass jedes Buch sehr gut im Internet auffindbar ist.
Auf dieser Basis können Autoren mit eigenen Marketingmaßnahmen aufbauen. Meist ist es ein Mix verschiedener Aktivitäten, ob Social Media, Pressearbeit oder Veranstaltungen, die idealerweise ineinandergreifen und auf das Thema abgestimmt sein sollten. Wichtig ist dabei die frühzeitige Planung. Idealerweise sollten beim Schreiben des Buches bereits erste Marketingideen mitgedacht werden.

Der klassische Buchhandel ist für viele Self-Publisher noch ein unentdecktes Land. Wie lässt sich das zukünftig ändern?

Hier sind Autoren, Self-Publishing-Dienstleister und der Buchhandel gleichermaßen gefragt, neue Ansätze für die Zusammenarbeit zu entwickeln. Unser Eindruck ist, dass eine wachsende Anzahl an Buchhändlern ausgewählte Self-Publishing-Titel als Bereicherung für das eigene Sortiment erachtet. Eine große Rolle spielen dabei der regionale Bezug des Buches und der Aktualitätswert des Themas. Ein Beispiel ist das bei tredition erschienene Fußball-Quizbuch „Der Weg zum vierten Stern“,das sich inhaltlich auf die Fußball-WM 2014 bezieht und aufgrund dieses populären Themas einen Platz auf den Präsentationstischen des Buchhandels eroberte.
Abgesehen von solchen Einzelerfolgen, die Autoren selbst stark beeinflussen können, wäre es wünschenswert, wenn mehr Buchhändler für Marketingkooperationen mit Self-Publishing-Dienstleistern offener werden würden. Was spricht gegen einen Präsentationstisch mit Titeln unabhängiger Autoren oder eine Lesungsreihe mit Self-Publishern aus der Region? Das böte die Chance, den eigenen Status als der Buchhändler vor Ort zu unterstreichen und Kunden zu binden. Davon können alle Beteiligten nur profitieren.
Die Einkaufsmodalitäten des Buchhandels bezüglich Remissionsrecht, Zahlungszielen und Rabatten sind nur schwer mit der Veröffentlichungsweise im Self-Publishing vereinbar. Wenn Buchhändler Self-Publishing als Chance erkennen, neue Umsatzquellen zu erschließen, ist auch eine größere Flexibilität bei den Geschäftsgepflogenheiten gefragt.

Momentan geht der Trend in Richtung Flatrate-Lektüre und E-Book-Abo. Welche Herausforderungen bringt das für die Autoren, aber auch für die Selfpublishing-Dienstleister?

Aufgrund der wachsenden Anzahl an Self-Publishing-Titeln und der Konvertierung von Backlist-Titeln durch traditionelle Verlage wird sich die Anzahl lieferbarer E-Books in den kommenden Jahren vervielfachen. Das niedrige Preisniveau von E-Books – gerade im Bereich Self-Publishing – führt dazu, dass bei steigender Titelanzahl der Ertrag pro Titel deutlich sinken wird.
Durch Flatrate- und Abomodelle werden Verkaufspreis- und Umsatzniveau von E-Books zusätzlich gedrückt. Die Folge: Jeder Autor, jeder Dienstleister und jeder Verlag verdient künftig immer weniger pro E-Book. Es ist also keinesfalls ökonomisch sinnvoll, das eigene Buch ausschließlich als E-Book herauszugeben und auf die gedruckte Ausgabe zu verzichten. Zumal sich das E-Book eher als Ergänzung, denn als Substitut für das gedruckte Buch zu etablieren scheint.
tredition ermöglicht es aufgrund der oben beschriebenen Entwicklungen jedem Autor, sein Buch zugleich als Paperback, Hardcover und E-Book herauszugeben. Für jede E-Book-Veröffentlichung gilt aufgrund der oben beschriebenen Entwicklungen: Dem Käufer muss die Suche nach dem gewünschten Titel erleichtert werden, um die Verkaufschancen in einem immer dichter besetzten Markt zu erhöhen. Dienstleister können dies anhand der Metadaten positiv beeinflussen. Zugleich stehen Händler und E-Book-Shops in der Pflicht, die Titelsuche komfortabler zu gestalten.
Flatrate-Angebote sind im übrigen vornehmlich von belletristischen Titeln geprägt und weniger von Sach- und Fachbuchtiteln. Self-Publishing hingegen bietet gerade Fachbuchautoren hervorragende Möglichkeiten, schnell, unkompliziert und zu niedrigen Kosten Fachwissen an die Leserschaft zu bringen, die für diesen Mehrwert auch eine entsprechende Preisbereitschaft mitbringt.

Welche Themen werden Sie den Teilnehmern des SPDay15 in Münster näherbringen?

Die Vermarktung des eigenen Buches wird einen wichtigen Schwerpunkt unseres Workshops bilden. Self-Publisher erfahren, von welchen Marketingleistungen sie bei tredition profitieren und welche Erfolgsfaktoren für eigene Marketingmaßnahmen gelten. Beispiele für Marketingstrategien erfolgreicher tredition-Autoren regen dabei die eigene Kreativität an und sind wertvoll für die eigene Werbeplanung. Nach dem Workshop werden die Teilnehmer zudem mit wichtigem Know-how rund um die Buchveröffentlichung ausgestattet sein. Was ist bei der Auswahl eines Dienstleisters zu beachten? Wie lässt sich ohne grafische Vorkenntnisse ein Buchumschlag gestalten? Was ist bei der Formatierung des Buchblocks zu beachten? Abgerundet wird der Workshop mit Know-how über den Buchmarkt als wertvolle Entscheidungsgrundlage für die eigenen Publikations- und Marketingstrategien.

„Fit für den Buchmarkt“? Warum Buchhändler bei E-Books (doch) auf verlorenem Posten stehen

nicht-wirklich-fit-fuer-den-buchmarktDer Buchreport will Buchhändlern offenbar Mut machen und propagiert, der Handel mit Büchern könne “fit für den E-Book-Markt” werden. Der Artikel in Form eines Interviews mit einem saarländischen Buchhändler ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie eine vom technischen Fortschritt und dem mit ihm einhergehenden Strukturwandel betroffene Branche sich selbst Sand in die Augen streut.

Die Frage ist nicht mehr „ob“, sondern „wann“

E-Books sind das Ende des klassischen Buchhandels, wenn sie sich erst einmal auf breiter Front durchgesetzt haben werden. Die entscheidende Frage für den deutschen Buchmarkt lautet diesbezüglich deshalb nicht mehr “ob”, sondern nur noch “wann”.

Doch betrachten wir die Argumente, mit denen laut buchreport der Buchhandel die Zukunft wird meistern können:

  1. Beratungs-Argument: “Die Kunden wollen Beratung… und suchen Sicherheit bei ihrem Buchhändler”. Das ist reine Augenwischerei, denn längst schon hat der Buchhandel den Überblick über die (gedruckte) Publikationsflut verloren. Bei über 100.000 Neuerscheinungen pro Jahr und einer Backlist, die über alle Verlage hinweg der Dimension “unendlich” nahe kommen dürfte, bedarf das Empfehlungs- bzw. Medien-Management der Zukunft effizienterer Methoden als der simplen Beratung durch einzelne Köpfe. Die Rezensionen auf Amazon zeigen im Ansatz, wohin die Entwicklung führen wird, Social Networks wie Facebook werden ihren Teil dazu beitragen.
  2. Mehrwert-Argument: Eigentlich nur eine Variation zu Argument Nr. 1, wobei hier auf verschiedene Erscheinungsformen und Varianten eines Werkes (E-Book, Hörbuch, gedruckte Ausgabe…) abgehoben wird. Auch hier nur Augenwischerei, denn im Zweifel wird der elektronische Shop einen einzelnen Titel in allen seinen digitalen Varianten anbieten können, nicht aber der Buchhändler, der schon aus Platzgründen nicht zu jedem gedruckten Buch auch das Hörbuch vorrätig halten kann.
  3. Empfehlungs-Argument: “Empfehlung für Kunden, denen Großdruck nicht mehr reicht: E-Books eignen sich auch für Menschen, die nur noch ganz große Buchstaben lesen können”. Ein Verzweiflungsargument, anders lässt sich dieser Satz nicht interpretieren. Am Ende kämen demnach nur noch die Beinahe-Blinden zum Buchhändler, weil sie die elektronischen Bookstores nicht mehr bedienen können, aber auf E-Books doch nicht verzichten wollen?
  4. Elektronik-Argument: Vollends absurd wird es, wenn der Buchhändler zum Ratgeber (und Verkäufer?) bei der Auswahl des passenden E-Book-Readers mutieren soll. Das derzeit wohl populärste Gerät dieser Gattung, das iPad von Apple, kann man online (Apple, Amazon…) sowie in einem der Apple Stores bzw. in ausgewählten Elektronik-Fachmärkten kaufen. Daran dürfte sich so bald nichts ändern, denn E-Books werden nicht nur auf E-Book-Readern gelesen, sonder auch auf Smartphones, Notebooks bzw. Desktop-Rechnern. Es gibt also nicht den “einen” E-Book-Reader (in unterschiedlichen Ausgaben), sondern eine ganze Phalanx an Geräten, die in diese Rolle schlüpfen kann und die schon im Elektronik-Fachhandel (online und stationär) samt Zubehör angemessen präsentiert wird. Der Buchhändler, der in diesen schnelllebigen Markt einsteigt, kann sich damit nur zwischen alle Stühle setzen.
  5. Verleger-Argument: Schließlich könne der Buchhandel bei vergriffener Regional-Literatur als Verleger, entweder von E-Books, oder über Print on Demand Umsatz machen. Von den technischen Vorbedingungen dieses Arguments einmal abgesehen, dürfte kaum ein Buchhändler auf dieser Schiene nennenswerte Umsätze machen und damit die langfristige Prosperität seines Betriebes sichern können.

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Desinvestieren, so lange es noch geht

Im Ergebnis bleibt von der Argumentation nichts übrig. Der entscheidende Punkt ist, dass der Buchhandel seine Rolle als Intermediär verlieren wird, weil E-Book-Reader über ihren Anschluss an das Internet ihren eigenen Shop schon in sich tragen.

Das retardierende Moment, das dem klassischen Buchhandel noch etwas Zeit verschafft, ist der kulturelle Wandel, den die neue Technik mit sich bringt und den nicht alle Altersgruppen der Bevölkerung uneingeschränkt bwz. mit gleicher Geschwindigkeit nachvollziehen werden.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das aber kein gutes Argument für Investitionen. Der kluge Händler sollte deshalb eher an das Desinvestieren denken, so lange es noch geht:

  1. Marktbereinigung: In den nächsten 10 Jahren könnte jede zweite Buchhandlung aufgeben müssen. Darüber entscheiden dürfte der Standort: Je besser die Lage, desto eher wird sich ein Betrieb halten können.
  2. Vertragslaufzeiten: Langfristige Miet- oder Kreditverträge sind ein Klotz am Bein, wenn es gilt flexibel zu werden. Buchhändler sollten Abhängigkeiten von langfristigen Bindungen langsam aber sicher reduzieren.
  3. Alternative Konzepte: Bücher allein bringen es nicht mehr, helfen kann unter Umständen die Erweiterung des Sortiments um Produkte, die sicher vor der Digitalisierung sind. Zu viel Hoffnung sollte man darauf aber nicht setzen, wie ein vorurteilsfreier Blick auf die generelle Lage des Einzelhandels in unseren Innenstädten zeigt.

Am Wichtigsten aber scheint mir, dass sich der Buchhandel gedanklich frei macht von den ständigen Einflüsterungen seiner Verbände, der Verlage und anderer Akteure, die stets das hohe Lied der Buchkultur singen und nicht müde werden, die Bedeutung des Buchhandels zu betonen. Das alles wird dem einzelnen Händler nicht helfen, wenn seine Zahlen nicht mehr stimmen und seine Hausbank oder schon der Insolvenzverwalter vor der Tür stehen.

“Fit für den E-Book-Markt” ist deshalb nicht das Mantra für den Buchhandel, sondern für Kinder und Jugendliche, denen vermittelt werden muss, dass es neben Spielen und Videos auf ihren elektronischen Geräten auch noch die Gattung “Buch” gibt und dass Lesen bildet.

Autor & cc-Lizenz: Matthias Schwenk
Originalbeitrag ist am 28.3.2011 erschienen auf bwlzweinull.de

Direkte Deals mit Star-Autoren: Macht Amazon Verlage überflüssig?

direkte-deals-mit-star-autoren_macht-amazon-verlage-uberflussig_bild_pixelio_oliver_klasWozu braucht man eigentlich noch Verlage? Nicht nur E-Books werden schon jetzt online beworben und verkauft, Print-On-Demand macht die Lagerhaltung von gedruckten Büchern überflüssig, und zur Produktion eines E-Books braucht man bestenfalls noch einen Layouter. Das Magazin Fastcompany hat auf dieser Grundlage ein Schreckenszenario entworfen — aus Sicht der Verlage, wohlgemerkt. Was wäre, wenn Amazon direkte Deals mit Bestseller-Autoren wie Dan Brown aushandeln würde? Die Rechnung würde so aussehen: kein Vorschuß mehr, dafür eine höhere Gewinnbeteiligung. (mehr …)

Gutenberg 2.0: Buchhandel startet E-Book-Business auf Libreka.de

E-Books verkaufen sich immer besser. In vielen englischsprachigen Ländern werden zweistellige Zuwachsraten verzeichnet. Nicht nur Anbieter wie Amazon legen zu, auch viele Verlage wie etwa Random House machen ihre Umsätze zunehmend mit elektronischer Lektüre. Jetzt hat auch der deutsche Buchhandel die Zeichen der Zeit erkannt: schon im März könnte der Buchhandel zum E-Book-Handel werden, besser gesagt: zur Download-Plattform. Auf dem Portal Libreka.de will man nämlich pünktlich zur Leipziger Buchmesse die schon länger geplante E-Commerce-Funktion freischalten. (mehr …)