Buch ohne Handel ab 2017: Börsenverein macht Buchhandel.de zum Projektmuseum

buchhandel-macht-dichtWer den lokalen Buchhändler seiner Wahl auch bei Online-Käufen unterstützen möchte, hat es bald wieder etwas schwerer: denn auf der Buy-local-affinen Buchhandelsplattform Buchhandel.de gibt’s ab 31. Januar 2017 zwar noch Titelinfos aus dem VLB, aber keine Bücher oder E-Books mehr zu erwerben. Damit entfällt auch die Möglichkeit, beim Shoppen eine der mehr als 800 Partnerbuchhandlungen als Bezugsadresse anzugeben.

Nach Libreka schon die zweite Pleite

Die von der Börsenvereins-Tochter MVB betriebene Plattform war 2014 als Nachfolge-Projekt des glücklosen Endkundenportals Libreka an den Start gegangen — schaffte es jedoch genauso wenig, genügend Umsatz zu generieren, zuletzt lag das Jahresergebnis bei nur mageren 600.000 Euro. Nachdem ein letzter Rettungsversuch in den letzten Monaten fehl schlug, zogen die Betreiber nun erneut den Stöpsel. Damit scheitert wohl auch endgültig der Plan der Buchhandels-Lobbyisten, mit Bordmitteln eine unabhängige Branchen-Adresse im Web zu schaffen, die gegen Amazon bestehen kann.

Wie schafft man mehr Sichtbarkeit?

Die unabhängigen Buchhhändler werden sich somit auch in absehbarer Zukunft zwischen zwei Wegen entscheiden müssen: entweder sie investieren herzhaft in eine eigene Verkaufsplattform, oder sie übernehmen ein Whitelabel-Baukastensystem, wie es u.a. von Barsortimentern (Libri, KNV) oder Mittelständlern wie SoftLevel Communication („Buchhandelsweb.de“) angeboten wird. Am eigentlichen Problem freilich ändert sich nichts: zwischen den Großen mehr virtuelle Sichtbarkeit für die Kleinen zu schaffen bleibt eine Herausforderung…

(via Buchreport.de)

Lokale (Buch-)Kaufkraft stärken: Buy-Local und buchhandel.de kooperieren

buchhandlung-finden„Global klicken. Lokal kaufen“, so lautet das gutmenschige Motto vieler Initiativen, die den Einzelhandel fit für das E-Commerce-Zeitalter machen wollen. Wäre ja schön, wenn die Kundenströme weder auf der grünen Wiese vor der Stadt noch bei Amazon versickern, sondern z.B. in die Bücherstube um die Ecke gelenkt werden, respektive deren Website. „Online-Einkäufe müssen nicht am stationären Handel vorbeigehen“, meint auch Martin Riethmüller von der mittelständischen Discoverability-Kampagne BUY LOCAL. Und weiß zugleich: „Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Unternehmen gut im Netz zu finden sind“. Sind sie das denn!?

Es gibt nichts, was es nicht gibt

Ich hab’s mal versucht: Tatsächlich sind bei BUY LOCAL auch ein paar Buchhändler aktiv, die „Fachgeschäfts-Suche“ von buylocal.de ergibt im Großraum Berlin immerhin fünf Buchbox!-Filialen und eine Handvoll sonstiger Bücherstuben, deren Webpräsenzen es theoretisch erlauben würden, dort Bücher oder sogar E-Books zu erwerben, wenn man es denn unbedingt wollen würde. Besonders toll ist das aber alles nicht, bundesweit sind ohnehin gerade mal 150 Buchhandlungen vertreten. Was wohl ein Grund sein mag, das BUY LOCAL nun mit Buchhandel.de kooperiert.

Die von der Börsenvereinstochter MVB betriebene Plattform versteht sich als DIE übergreifende, unabhängige E-Commerce-Plattform der Buchbranche. „Wer seine Bücher über buchhandel.de kauft, unterstützt bewusst seinen Buchhändler vor Ort, ohne dabei auf die Vorteile des zeit- und ortsunabhängigen Online-Shoppings verzichten zu müssen“,so Burkhard Schwetje, Produktmanager buchhandel.de bei der MVB.

Buchhandel.de als Best Practice

Tatsächlich überzeugt das Buchhandel.de-Konzept schon eher, nicht nur was das Frontend angeht: denn hier sind mittlerweile 850 Buchhändler eingebunden, Buchbestellungen können also in vielen Fällen auf buchhandel.de zugunsten einer Buchhandlung vor Ort abgewickelt werden, ohne dass man deren zumeist schrecklichen White-Label-Shop-Systeme nutzen muss oder auf eine schnöde E-Mail-Bestellung angewiesen bleibt.

Damit in Zukunft nun alles etwas besser wird, sind bereits 80 Buchhändler parallel auf BUY LOCAL und Buchhandel.de aktiv, insbesondere verlinken sie auch in Richtung der MVB-Plattform. „Ziel beider Initiativen ist es, die Auffindbarkeit im Netz für Mitgliedsunternehmen aus dem stationären Handel zu steigern“, proklamiert die zu diesem Anlass herausgegebene Pressemitteilung. So könne man von „wachsenden E-Commerce-Umsätzen profitieren“.

Hoffen wir mal, dass die kleinen Buchhändler genügend loyale Kunden haben, die sich wirklich die Mühe machen, sie online zu finden (z.B. via buchhandlung-finden.de von buchhandel.de-Partner Vorsicht Buch!), bevor sie den Daumen senken… und auf dem Tablet den Bestellknopf bei Amazon, Thalia oder Hugendubel antippen.

Affiliate für lau: Buchhandel.de hofft auf Blogger – Provisionen gibt’s nicht

Wie schafft man eine unabhängige Branchen-Plattform für den Buchhandel, die gegen Amazon bestehen kann? Wie es nicht geht, hatte die Börsenvereins-Tochter MVB mit dem Projekt Libreka vor längerer Zeit schon mal ausprobiert. Seit Herbst 2014 wird unter buchhandel.de ein neuer Anlauf in Richtung Endkunde gemacht – derzeit noch in der Betaphase. Grafisch aufgehübscht, technisch auf der Höhe der Zeit, und mit einem klaren Ziel: die virtuelle Kundschaft soll beim Online-Shoppen von Büchern und E-Books den Buchhändler vor Ort unterstützen können.

Kooperationspartner gesucht

Als Kooperationspartner hofft der Börsenverein neben Buchhandlungen (derzeit ca. 500), Verlagen und Bibliotheken dabei zukünftig auch auf Blogger. Einfaches Verlinken auf Titel aus dem Gesamtkatalog mit mehr als zwei Millionen Produkten ist für Website-Betreiber durch das Einfügen der ISBN-Nummer bereits jetzt möglich (nach dem Muster http://www.buchhandel.de/buch/ISBN). Ähnlich wie Buchhändler es schon jetzt auf ihrer Website machen können, sollen Blogger demnächst aber auch Buchcover-Dateien in ihre Blogs einbinden können.

Warum sie das tun sollen, ist natürlich eine ganz andere Frage, denn ein allgemeines Affiliate-Programm ist bisher offenbar nicht geplant. Während die Partnerbuchhändler den Buchlinks ihre MVB-Kennummer zur Identifizierung hinzufügen, um auf diesem Wege z.B. beim E-Book-Verkauf Provisionen von bis zu 20 Prozent zu erhalten, gehen die Blogger in der bisherigen Planung leer aus.

Nicht nur Amazon macht’s besser

Nicht nur Amazon, sondern auch große deutsche Buchhändler wie Thalia, Weltbild oder Osiander sorgen dagegen schon lange mit Affiliate-Programmen dafür, dass mehr potentielle Kunden von anderen Websiten aus auf ihre Portale gelockt werden. Das Affiliate-Programm von Amazon ist dabei besonders beliebt – lässt es sich doch äußerst einfach einrichten und benutzen.

Hier könnte auch die Chance für buchhandel.de liegen, denn ob das Konzept der Branchenplattform am Ende aufgeht, hängt von der realisierbaren Endkunden-Reichweite ab – und genau daran ist bekanntlich Libreka gescheitert. Das Nachfolge-Konzept ist laut MVB-Geschäftsführer Ronald Schild ohnehin nur als „Ergänzung zu den individuellen Shops der Buchhändler“ gedacht. Doch irgendwoher muss der Traffic ja auch in diesem Fall kommen…

Abb.: Sameer Vasta/Flickr (cc)