Bücher.de vom eigenen Erfolg überrascht: Umsatz stabil bei 56 Mio. Euro

buecher-de-vom-erfolg-ueberraschtUnd dann war da noch: Bücher.de. Richtig, die gibt’s ja auch noch (nicht zu verwechseln mit buch.de, siehe unten). Als nach der Weltbild-Pleite das große Aufräumen in der Branche begonnen hatte, landete das Portal zu 100 Prozent bei Weltbild. Durch die Trennung von Hugendubel, das online nun neben dem eigenen Portal auf ebook.de setzt, war für 2016 eigentlich ein Rückgang um zehn Prozent erwartet worden, nun bescherte der allgemeine Online-Boom aber auch Bücher.de ein ganz leichtes Umsatz-Plus von 0,2 Prozent.

Bessere Usability und Präsenz bei ebay & Co.

Das Unternehmen selbst führt den Erfolg auf diverse Faktoren zurück, darunter verbesserte Usability der Shop-Plattform insbesondere für mobile Endgeräte, die Integration in reicheweitenstarke Marktplätze von ebay über rakuten bis zu Amazon (!), effizientere Arbeit im Affiliate-, SEO- und Social Media-Bereich, aber auch den Sortimentsausbau im Buch- („Modernes Antiquariat“) wie Non-Book-Bereich („Games“, „Elektronik“, „Deko&Wohnen“). Schön für die Konzernmutter Weltbild — denn geht es Bücher.de gut, kann die Webpräsenz zur Querfinanzierung via Darlehen genutzt werden.

Und was macht eigentlich Buch.de?

Ach ja, und was mach der Namensvetter Buch.de? Die inzwischen vollständig zu Thalia gehörende Plattform weist seit 2013 keine eigenen Umsätze mehr aus, zuletzt befanden sich die Einnahmen stark im Sinkflug, möglicherweise bewegen sie sich mittlerweile auf dem Niveau von Bücher.de. Aber bemerkenswerterweise existieren beide Plattformen auch weiterhin — die Geschichte von buch.de reicht sogar zurück bis 1998, die von Bücher.de bis 1999. Beides sozusagen lebende Fossilien der frühen Online-Phase des deutschen Buchhandels.

(via excitingcommerce.de)

Thalia setzt auf eigenen E-Reader – und bald auch auf ein Closed-Shop-Modell?

closed-shop-ifa-thalia-reader-e-store-e-ink-e-bookThalia auf den Spuren von Amazon? Die Buchhandelskette will ab Oktober einen eigenen E-Reader verkaufen. Dabei handelt es sich technisch angeblich um eine komplette Neuentwicklung. Bisher setzte Thalia auf Lesegeräte von Sony, wie sie auch bei Buchhandelsportalen wie libri oder buch.de erhältlich sind. Vorgestellt werden soll der Thalia-Reader erstmals auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) Anfang September. Begleitet wird die Reader-Premiere von einer neuen Website zur „Zukunft des Lesens“ sowie einer PR-Tournee durch ausgewählte Thalia-Filialen.

„Es handelt sich um einen dezidierten E-Reader, nicht um ein Tablet-PC“

Die Muse des Theaters scheint bei dieser E-Reader-Premiere Pate zu stehen: Der Thalia-Reader kommt, so viel ist klar. Doch bis zur Premiere auf der IFA erhält die Buchhandelskette den dramaturgischen Spannungsbogen aufrecht. So bleibt etwa ungewiss, auf welcher technischen Basis der neue Thalia E-Reader produziert wird. Klar ist bisher nur, dass es um ein E-Ink-Gerät geht. Das Börsenblatt will von einer Thalia-Sprecherin erfahren haben, es handele sich „um einen dezidierten E-Reader und nicht um einen Tablet PC nach Vorbild des iPad“. Damit die E-Book-Strategie der zweitgrößten deutschen Buchhandelskette aufgeht, dürfte es sich wohl um ein vernetztes, also mindestens WiFi-fähiges Gerät handeln – denn das garantiert den direkten Draht zum Content. Sowohl Amazons Kindle wie auch der Nook von Barnes&Noble gründen ihren Erfolg unter anderem auf den unmittelbaren Zugang zum Lesestoff. Nicht umsonst wirbt Amazon mit dem Slogan: „Get books in 60 seconds“. Bei der Realisierung des vernetzten Lesens kann das in Hamburg ansässige Unternehmen auf die Erfahrungen mit Buch.de setzen – Thalia hält nämlich 60 Prozent des Internet-Buchhandelsportals. Als hilfreich für den Geräteabsatz dürfte sich natürlich auch das deutschlandweite Filialnetz von Thalia erweisen.

Deutsche E-Book-Händler setzen bisher maximal auf Rebranding

Im stationären Buchhandel ist Thalia seit Jahren für einen recht hemdsärmeligen Verdrängungswettbewerb bekannt. Mit der E-Reader-Offensive betritt die Buchhandelskette jedoch völliges Neuland – ein mit dem Closed-Shop-System von Amazon oder Barnes&Noble vergleichbares Geschäftsmodell gibt es in Deutschland bisher nicht. E-Book-Portale von Verlagen wie auch Buchhandelsketten setzen hierzulande nicht nur gemeinsam auf den epub-Standard, sie bieten auch eine ganze Reihe von Lesegeräten unterschiedlicher Hersteller an. Hier und da gab es zwar Rebranding, wie etwa bei der „Weltbild-Edition“ des Hanvon N516, doch das beschränkte sich auf leicht modifizierte Firmware-Versionen. Die Lektüre von E-Books war insofern für deutsche Kunden vergleichsweise komfortabel – denn wo man einen epub-Titel gekauft hat, war egal, lesen konnte man ihn auf mehr als einem Dutzend E-Ink-Geräten von Bookeen oder Bebook bis zu Pocketbook und Sony. Wenn Thalia nun versuchen würde, das Steuer komplett herumzureißen, wäre das Unternehmen wohl nicht gerade von der Muse geküsst.

Das einzige Argument für ein Closed-Shop-Modell wäre ein 99-Euro-Reader

Denn die verhältnismäßig große Freiheit im E-Leseland Deutschland dürfte jeder exklusiven Expansionsstrategie enge Grenzen setzen – so steht wohl kein proprietäres E-Book-Format wie bei Amazons Kindle-Books zu befürchten. Denkbar wäre allerdings ein Alleingang beim Kopierschutz, ähnlich wie bei Barnes&Noble. Die US-Buchhandelskette verkauft ihre E-Books im epub-Format nämlich mit einem eigenen Kopierschutz, der nicht mit dem von Adobe gelieferten Branchenstandard ADEPT kompatibel ist. Somit kann man diese E-Books nur auf dem Nook-Reader lesen. Immerhin ist das B&N-System halboffen – denn umgekehrt lassen sich DRM-geschützte E-Books aus „fremden“ E-Stores durchaus auf dem Nook lesen. Wahrscheinlich ist jedoch auch diese Variante nicht, denn in den USA können Amazon wie auch Barnes&Noble ihre Closed-Shop-Systeme den Lesern mit Niedrig-Preisen schmackhaft machen. Die deutsche Buchpreisbindung verhindert solche Strategien allerdings, zudem ist das E-Book-Angebot bei Thalia bzw. Buch.de auch inhaltlich identisch mit dem anderer Plattformen, etwa Libri. Der einzige Weg, deutsche Kunden in die Content-Einbahnstraße zu locken, bestünde im Discount beim Gerätepreis. Doch traut sich Thalia am Ende wirklich, so etwas wie einen WiFi-fähigen 99-Euro-Reader anzubieten, hart an der Grenze oder sogar unterhalb des Herstellungspreises?