Marketing by Absence: Buchbranche boykottiert Amazon-Autor Timothy Ferriss & tappt in PR-Falle

Timothy Ferriss darf man getrost einen „Überflieger“ nennen – der Silicon-Valley-Unternehmer betreibt „nebenberuflich“ einen der populärsten Business-Blogs der USA, doziert an Universitäten, betätigt sich als Schulreformer, außerdem hält der geniale Autodidakt einen Weltrekord im Tango-Tanzen und amtierte zeitweise als nationaler Champion im Kickboxen. Vor allem aber ist Ferriss ein Evangelist der eigenen Effizienz. Davon zeugen Bestseller wie „Die vier Stunden Woche“, „Der vier Stunden Körper“, und neuerdings auch „Der vier Stunden Meisterkoch“. Zu den Geheimnissen seines Erfolgs gehört – siehe „Vier Stunden Woche“ — das Prinzip „Management by Absence“. Mit anderen Worten: Wer sich rar macht, steigert den Wert der eigenen Arbeit.

„Banned by 700+ bookstores nationwide!“

Das gilt auch in punkto Distribution: Während Ferriss die ersten beiden Bestseller über normale Verlage vermarktete, wählte er für den „The 4-Hour Chef“ Amazons neues Eigen-Label New Harvest. Und löste mit dieser Wahl sozusagen einen Skandal mit Ansage aus. Denn die von Amazon selbst verlegten Bücher werden in den USA von der Buchhandelskette Barnes&Noble wie auch Independent-Buchhandlungen boykottiert – und somit fast nirgendwo vor Ort zu kaufen sein. Ein Grund für den „4-Hour-Boykott“ von seiten der Gutenberg-Galaxis: immer mehr E-Books von Amazon werden exklusiv im Kindle-Store verkauft. Ein ebenso wichtiger Grund: Amazons Schritt in Richtung Online-Verlagsbuchhandlung wird als strategische Bedrohung der traditionellen Buchhandels- und Verlagsstrukturen gesehen.

Zusätzliches Marketing über BitTorrent

Um PR braucht sich Ferriss nun nicht mehr zu kümmern. Die Vorabberichterstattung zum Buch-Start am 20. November brachte den Titel „4-Hour Chef“ auf alle Titelseiten. Gerade deshalb sorgt der 4-Stunden-Coup von Ferriss für umso mehr Verdruss, und für so manchen Vorab-Verriss: denn mit dem umtriebigen Bestseller-Autor als weithin sichtbarer Galionsfigur könnte Amazons neues Imprint New Harvest bald auch andere Edelfedern zum Seitenwechsel motivieren. Auch mit Online only lässt sich viel Geld verdienen, erst recht bei Tantiemen von 50 Prozent und mehr. Natürlich wäre Ferriss nicht Ferriss, wenn er nicht trotzdem noch zusätzliche Wege finden würde, sein neues Buch am klassischen Buchhandel vorbei zu vermarkten: Leseproben und exklusives Multimedia-Material bringt der Autor über das Filesharing-Netzwerk BitTorrent unters Volk. Außerdem werden Probe-Kapitel des „4-Hour Chef“ in die E-Book-Versionen seiner bisherigen Titel aufgenommen.

Abb.: Timothy Ferriss/Flickr