[Aktuelles Stichwort] Im Grundsatz erschöpft: Keine Second Hand E-Books trotz „First Sale Doktrin“?


[Dieser Artikel ist eine Preview aus: „das große e-book & e-reader abc“, das mehr als 200 aktuelle Stichwörter von Adobe-ID bis Zweifinger-Zoom enthält. Es ist digital und gedruckt im Oktober 2014 bei ebooknews press erschienen – Tipp: zum Einführungspreis bestellen und vier Euro sparen!]

Die First-Sale-Doktrin, im deutschen Recht „Erschöpfungsgrundsatz des Urheberrechts“ genannt, definiert die Möglichkeiten des Kunden, eine gekaufte Ware zu gebrauchen, insbesondere auch das Recht zum Wiederverkauf als gebrauchte Ware. Bei physischen Produkten wie z.B. Büchern ist die Sache klar: werden sie rechtmäßig in Verkehr gebracht, „erschöpft“ sich das Verbreitungsrecht der Rechteinhaber mit dem Verkauf. Auf dieser Grundlage hat sich auch online ein reger Handel mit gebrauchten Büchern etabliert (siehe >>Antiquariat). Bei digitalen Produkten wie etwa Spielesoftware, Musik-Dateien oder E-Books stößt der Second-Hand-Handel dagegen bisher auf juristische Hindernisse. Die Content-Industrie möchte verhindern, dass ihre Produkte nach dem Erstverkauf erneut online etwa zwischen den Konsumenten (Consumer-to-Consumer, c2c) gehandelt werden können.

Der Bundesgerichtshofs hat bereits im Jahr 2000 geurteilt, der Erschöpfungsgrundsatz könne nicht grundsätzlich ausgehebelt werden. In vielen Fällen wird der Wiederverkauf etwa von E-Books deswegen durch Nutzungsbeschränkungen oder Lizenzbestimmungen ausgeschlossen, denen der Käufer vor dem Erwerb zustimmen muss.

Der Europäische Gerichtshof stellte zudem 2012 fest, dass gebrauchte Software grundsätzlich weiterverkauft werden darf, unabhängig davon, wie sie erworben wurde (z.B. via Download). In Folge des Urteils entstehen neue Geschäftsmodelle: so expandierte etwa das Unternehmen ReDigi nach Europa. Auf der gleichnamigen Plattform können Nutzer digital gekaufte Musik weiterverkaufen. In Zukunft sollen auf diese Weise auch Software, Hörbücher und E-Books aus zweiter Hand gehandelt werden. Amazon hat bereits 2009 ein Patent angemeldet, das um einen “elektronischen Marktplatz gebrauchter digitaler Objekte” kreist und explizit auch den Weiterverkauf von E-Books ermöglichen würde.

Eine individuelle gesetzliche Grundlage gibt es in Deutschland für den Second-Hand-Handel mit E-Books bisher nicht. Lobbyorganisationen wie der Börsenverein halten deswegen den Erschöpfungsgrundsatz bei elektronischer Lektüre für nicht anwendbar, Verbraucherschützer gehen davon aus, das man beim Download von E-Books durchaus Eigentum erwirbt, das man weiter verkaufen darf. Ein letztinstanzliches Urteil aus dem Jahr 2014 hat bestätigt, dass in Deutschland der Wiederverkauf von E-Books in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen ausgeschlossen werden kann.


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Ersatzverkehr in Richtung E-Werk: Buchmarkt-Überblick in Fahrplan-Optik [Infografik]

Jedes Jahr wieder präsentiert der Börsenverein zusammen mit GfK Mediacontrol aktuelle Zahlen zum Buchmarkt – diesmal auch erstmals mit einem ausführlichen Kapitel zum Thema E-Books. Wer sich einen schnellen Überblick zur Lage der E-Reading-Nation verschaffen möchte, muss sich aber gar nicht durch Dutzende Tabellen zu betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, Produktion und Preisentwicklung fressen. Denn gerade ist eine großformatige Infografik mit dem Titel „Buchmarkt in Zahlen“ erschienen, die als „Fahrplan“ durch den Datendschungel dienen soll. Vier Linien kann man dort verfolgen: die Leser (blau), die Buchproduktion (rot), den Umsatz (grün) und das Themenfeld E-Books (gelb).

Von den Messehallen zum Platz der Umsätze

So kann man zum Beispiel an der Station „Messehallen“ über die Höhe der Bücherstapel vergleichen, wie groß der Anteil der Belletristik an der Gesamtzahl der produzierten Bücher ist (erstaunlich klein). An der Station „Flughafen“ dagegen kommen Übersetzungen in Deutschland an (recht oft) oder gehen von hier aus auf die Reise (nicht ganz so oft). An der Station „Platz der Umsätze“ wiederum wächst ein Wolkenkratzer in die Höhe (der Buchmarkt mit 9,2 Mrd. Euro pro Jahr), daneben stehen eher flache Hütten (z.B. Musikmarkt: 1,4 Mrd. Euro, Games: 1,9 Mrd. Euro).

Auf dem Ideenfeld blüht schon was

Um zu den Facts & Figures zum Thema E-Books zu gelangen, muss man leider zu Fuß gehen – denn an der gelben Linie zwischen den Stationen „Ideenfeld“ und „E-Werk“ wird noch gebaut. Immerhin blüht auf der Brache hinter dem Bauzaun schon etwas: 13,2 Mio. E-Books wurden 2012 verkauft, was einem Marktanteil von 2,4 Prozent entspricht. Auch das E-Werk hat noch nicht ganz so viel zu tun – schließlich bieten erst knapp 53 Prozent der Verlage überhaupt E-Books an, die Zahl der E-Book-Käufer wird auf 2,4 Millionen geschätzt.

Datenkompendium „Buchhandel in Zahlen“ ab August

Wer zudem wissen möchte, wie die Stadt mit der größten Buchhandeldichte heißt, wo die meisten Verlage sitzen oder wie die Deutschen am liebsten lesen, kann die PDF-Version der Infografik kostenlos bei der Marketingtochter des Börsenvereins MVB herunterladen, das Plakat (z.B. zum Aufhängen in der Buchhandlung) gibt’s zum Preis von 2,90 pro Stück beim MVB-Service livendo. Das komplette Datenkompendium „Buch und Buchhandel in Zahlen 2012“ erscheint im August, und soll dann sowohl gedruckt wie auch als E-Book zum Einheitspreis von 39,50 Euro erhältlich sein.

„E-Books überschreiten Schwelle zur Marktrelevanz“ – Börsenverein legt aktuelle Zahlen vor

Der Marktanteil von E-Books in Deutschland wächst rasant – seit 2010 hat er sich glatt verdoppelt, meldet der Börsenverein des deutschen Buchhandels. Das Wachstum findet jedoch von niedrigem Niveau aus statt. Die gedruckten Bücher in Deutschland dürfen somit immer noch behaupten: „Wir sind die 99 Prozent“. Denn E-Books (ohne Fach- und Schulbücher) haben erst jetzt ein Prozent Marktanteil erreicht. Für Börsenvereins-Vorsteher Alexander Skipis haben E-Books damit immerhin „die Schwelle zur Marktrelevanz überschritten“. Ein Zeichen für das Erreichen des Mainstreams sei auch, dass der E-Book-Markt „älter, weiblicher und viellesender“ werde, ergänzt Steffen Meier, Sprecher des Arbeitskreises elektronisches Publizieren. Bleibt nur ein Problem: den „derzeitigen Rückstand auf dem Markt kompensieren“ können E-Books in Deutschland nicht, so Börsenvereins-Vorsteher Skipis. Der Gesamtumsatz im deutschen Buchhandel sank nämlich um 1,4 Prozent.

„Geringe E-Book-Nachfrage“ im Buchhandel?

Besonderen Nachholbedarf beim Verkauf von E-Books und E-Readern hat naturgemäß der stationäre Buchhandel: hier dümpelt der Umsatzanteil auch weiterhin im niedrigen einstelligen Bereich. Als Begründung dafür wird die geringe Nachfrage angeführt. Weitaus besser bei der Erzeugung von Nachfrage scheinen dagegen die großen Portale zu sein: aktuellen GfK-Zahlen zufolge hat Amazon hierzulande inzwischen 1,6 Millionen Kindle-Reader absetzen können, Weltbild soll immerhin mehrere hunderttausend Lesegeräte unter das Volk gebracht haben. „Der Durchbruch für das E-Book kam im Weihnachtsgeschäft. Und im Januar und Februar ist das Geschäft ohne den sonst üblichen Rückgang auf diesem hohen Niveau weitergelaufen“, so Weltbild-Geschäftführer Driever kürzlich gegenüber dem Focus.

Viele Titel noch immer nicht elektronisch lieferbar

Überhaupt konnte der Online-Handel 2011 laut Börsenverein mit fünf Prozent ein sattes Plus verzeichnen, doch auch das Direktgeschäft von Verlagen nahm leicht zu. Ingesamt haben beide Vertriebsformen inzwischen einen Marktanteil von knapp einem Drittel. Ein wichtiges Standbein dürften im Online-Geschäft dabei in Zukunft elektronische Bücher ausmachen: so erwarten die Verlage nicht umsonst für 2015 einen durchschnittlichen Umsatzanteil der E-Books von 17 Prozent. Bis dahin müssen sie allerdings noch ihre Hausaufgaben machen. Denn nur 42 Prozent der Neuerscheinungen sind bisher als E-Book erhältlich, die Backlist ist erst zu 30 Prozent elektronisch lieferbar. Mal ganz abgesehen vom übertriebenen Pricing – nach Wahrnehmung des Börsenvereins sind Bücher insgesamt sogar immer noch viel zu billig.

Abb.: Flickr/carolitajohnson

Copy&Paste bei Gutenbergs Erben: Wie das Börsenblatt einmal bei E-Book-News abschrieb

Es war nur eine kurze Meldung zu Amazons europäischer Print-On-Demand-Offensive, die man seit Freitag mittag auf Boersenblatt.net lesen konnte (siehe Screenshot) – trotzdem sorgte sie bei E-Book-News für einiges Erstaunen. Denn ein übersetztes Zitat aus Amazons ursprünglich auf englisch verfasster Pressemitteilung kam uns merkwürdig bekannt vor: es stammte aus einem ausführlichen E-Book-News-Artikel zum selben Thema, der einige Stunden vorher online gegangen war. Auch der auf das Zitat folgende Satz stammte von E-Book-News, allerdings war die Erwähnung von „bösen Verwertern“ getilgt worden. Offenbar hatte die Redaktion von boersenblatt.net einen kompletten Absatz per Copy&Paste übernommen, daraus eine Meldung kompiliert und sich so auch die Übersetzung der Pressemitteilung gespart.

Grundsätzlich nichts schlimmes, denn E-Book-News stellt die meisten Artikel – anders als das Zentralorgan des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels – unter eine Creative-Commons-Lizenz (cc-by-nc). Allerdings setzt die Lizenz zwingend die Nennung des Urhebers voraus, und gilt nur für nicht-kommerzielle Verwendungszwecke. Auf Anfrage kann natürlich auch für kommerzielle Verwendung ein „Waiver“ erteilt werden, oder man handelt ein Honorar aus. Gerade die Gralshüter von Gutenberg-Galaxis, geistigem Eigentum und Urheberrecht sollten das wissen. In der Logik des Börsenvereins dürfte Copy&Paste ohne Erlaubnis doch eigentlich gleichauf liegen mit einem Ladendiebstahl in der Buchhandlung.

Somit stand die Frage im Raum: Was tun, wenn man den Börsenverein beim Klauen erwischt? Eine Unterlassungserklärung verschicken, inklusive Schadensersatzforderung und Anwaltsgebühren in moderater dreistelliger Höhe? E-Book-News hat zunächst ganz einfach die Kommentarfunktion von boersenblatt.net genutzt und auf den Lapsus hingewiesen. Die Reaktion war jedoch ebenso merkwürdig wie vielsagend. Denn nun wurde ganz einfach das Amazon-Zitat mit einem Backlink auf E-Book-News versehen und der zuvor mit kopierte Halbsatz „so die Amazon-Tochter in einer Pressemitteilung“ ersetzt durch „schreibt E-Book-News“. Danach begann der Rest des Copy-Paste-Zitates. E-Book-News hat in einem erneuten Kommentar auf boersenblatt.net auf die Verschlimmbesserung hingewiesen.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt fragten wir uns natürlich auch: warum schreiben die Kollegen vom Börsenblatt die gerade mal neunzeilige Meldung nicht noch einmal komplett from scratch und vor allem in eigenen Worten? Am Samstag erhielten wir dann als Reaktion auf unseren zweiten Kommentar einen Anruf vom Börsenblatt. Die Copy&Paste-Meldung sei von einem Volontär verfasst worden, der seinen Fehler eingesehen habe. Neben einer Entschuldigung bekamen wir auch die Zusicherung, die Meldung werde in der derzeitigen Form aus dem Netz genommen, man wolle Anfang nächster Woche noch einmal ganz neu berichten. Gute Idee! Damit ist die Sache dann auch für uns erledigt. Allerdings werden wir dem Börsenblatt eine Honorarforderung in Höhe von 25 Euro schicken. So viel sollte das Urheberrecht dann doch wert sein.

„Liro Ink“ voll auf Draht: Börsenverein setzt auf E-Ink-Reader ohne WLAN

Funktioniert fast wie ein WLAN-Reader, braucht aber ein Kabel: mit dem „Liro Ink“ startet die Börsenvereins-Tochter MVB einen neuen Low-Cost-Reader, diesmal mit E-Ink-Display. Der 6 Zoller im abgerundeten, schwarzen Gehäuse ist kein Unbekannter – es handelt sich um eine „rebrandete“ Version von TrekStors „Pyrus“, der bereits auf der letzten Leipziger Buchmesse präsentiert wurde. Anders als das exklusiv über Buchhandlungen vertriebene Low-Cost-Tablet “Liro Color” wird man den „Liro Ink“ unter anderem Namen somit auch im Elektronikfachhandel beziehen können. Im Buchhandel selbst soll der „Liro Ink“ für 69 Euro zu haben sein.

Mit 4 Gigabyte Speicher, einem Gewicht von knapp 200 Gramm und einer Auflösung von 600 mal 800 Pixel ist der Liro Ink durchaus mit anderen aktuellen E-Readern vergleichbar. E-Books shoppen über die MVB-Plattform Libreka! kann man allerdings nur, solange eine USB-Verbindung zu einem PC mit Internet-Anschluss besteht. Bedient wird der Liro Ink über Richtungs- und Auswahlbuttons direkt unter dem Display, am linken und rechten Gehäuserand befinden sich zudem Umblätter-Tasten. Lesen lassen sich mit dem Reader neben E-Books im epub- und PDF-Format auch HTML, RTF und TXT-Dateien. Bei der Lektüre stehen fünf Zoomstufen zur Verfügung. Die Menüführung ist international, wählbar ist u.a. auch Deutsch.

Als besonderes Incentive erhalten Liro Ink-Käufer einen kostenlosen E-Book-Download, dabei können sie wählen zwischen T.C. Boyles „Wenn das Schlachten vorbei ist“, Taavi Soininvaaras „Schwarz“ sowie „Generation Doof“ von Stefan Bonner & Anne Weiß. Außerdem sind auf dem Reader bereits zehn Leseproben vorinstalliert. Für den Buchhandel lohnt sich nicht allein der Verkauf des Lesegerätes selbst, den MVB zum Einkaufspreis von 53,35 Euro anbietet. Für jedes über den Liro Online-Shop heruntergeladene E-Book winkt zudem eine Provision von 20 Prozent. Die Auslieferung des Liro Ink-Readers an den Buchhandel startet Mitte Mai.

Fehlstart ins Weihnachtsgeschäft: Liro Color verspätet sich, Rückrufaktion für iRiver HD

Pleiten, Pech und Pannen haben schon einige Reader-Projekte in Deutschland geplagt. Nun hat es pünktlich zum Weihnachtsgeschäft das Lese-Tablet Liro Color wie auch den „Google Reader“ iRiver Story erwischt. Die Auslieferung des Liro Color verzögert sich wegen Lieferschwierigkeiten eines asiatischen Zulieferers um wenige Tage, wie die Börsenvereinstochter MVB laut buchreport mitteilte. In manchen Buchhandlungen wird das Gerät somit erst in der zweiten Dezemberwoche erhältlich sein. Noch ärgerlicher ist die Situation für Buchhändler, die über den Barsortimenter KNV den „Google Reader“ iRiver Story HD verkaufen. Da der integrierte Online-Shop nicht richtig funktioniert, startete KNV eine großangelegte Rückrufaktion. Da inzwischen die zweite, fehlerfreie Charge angekommen ist, werden die Lesegeräte im Laden ganz einfach gegen ein neues Exemplar ausgetauscht.

Die Tücke steckt oft im Detail

„Vaporware“ nennt man Geräte, von denen nichts bleibt als heiße Luft aus PR-Maschinen. Der legenädre txtr-Reader war so ein Fall. Erst verspätete er sich immer wieder – offiziell aus technischen Gründen – dann wurde er irgendwann sang- und klanglos beerdigt. Andere Geräte wie etwa das WePad kommen zwar in Umlauf, können die in sie gesetzten Erwartungen aber nicht im geringsten befriedigen, und werden vom PR-Coup zum PR-Desaster. Vaporware zumindest sind zum Glück für die Buchbranche weder der Liro Color noch der iRiver Story HD. Letzterer wird im Rahmen der Rückrufaktion von KNV zwar als „hochmoderner eBook-Reader mit ausgefeilter Technologie“ bezeichnet. Doch „trotz einer intensiven Testphase“ stellten sich die Fehler leider erst nach der Auslieferung heraus. Ähnlich wie schon bei Oyo I oder LumiRead liegt die Tücke eben oft im Detail, wenn Geräte von Drittherstellern übernommen werden. Eine Alternative ist jedoch nicht in Sicht: anders als große Player wie Amazon oder Barnes&Noble auf der anderen Seite des Atlantiks können sich die eher mittelständisch geprägten Buchhandels-Unternehmen in Deutschland keine In-House-Entwicklung von Lesegeräten leisten.

PR-GAU: Von wegen „Lesen leichgemacht“

Einfache Lieferschwierigkeiten wie beim Liro Color sind dabei noch das kleinere Übel. Im Fall des ansonsten technisch hochwertigen iRiver Story HD ist es die Zuordnung zwischen integriertem E-Store und der jeweiligen Buchhandlung, in der das Gerät gekauft wurde, die nicht funktioniert. Für das von KNV gewählte Beteiligungs-Konzept in Form von Provisionen für das drahtlose E-Book-Shopping war das natürlich katastrophal. Der direkte Umtausch scheint aber immer noch der beste Weg zu sein, um für Abhilfe zu sorgen. Libri wie auch Thalia haben sich in der Vergangenheit eine Menge Ärger mit Firmware-Updates eingehandelt, die mehr Probleme schufen, als sie eigentlich lösen sollten. Die Akzeptanz des elektronischen Lesens wird durch solche Pannen bestimmt nicht gefördert – vor allem, da man nach den Early Adopters jetzt auf Kunden zielt, die nicht mit technischen Details genervt werden möchten. KNV vermarktet den iRiver Story HD online ausgerechnet über die Website „lesen-leicht-gemacht.de“.

Vernetztes Lesen, verletzte Privatsphäre?

Es war einmal, lange bevor das elektronische Papier erfunden wurde. Da verblüffte ein Berliner Autor sein Publikum mit einer Anekdote über New Yorker Bibliotheksangestellte, die im Dienst Schusswaffen tragen. Nicht beim Wandeln zwischen den Regalen, aber im Außendienst, wenn sie bei säumigen Ausleihern an der Haustür klingeln. Nur eine Räuberpistole? Zusammen mit dem E-Book-Trend scheinen neuerdings die rauen Sitten aus Alphabet City auch in unser Leseland einzuwandern. Die Umsätze mit gedruckten Medien bröckeln, und die Buchbranche schießt sich auf die Leser ein. Statt ihr Geld brav in die Buchhandlung zu tragen, klicken die elenden Subskribenten sich durch dubiose Download-Portale auf der Suche nach kostenlosen Raubkopien. Motiviert werden sie dabei nicht nur durch überhöhte E-Book-Preise und lästiges Digital Rights Management, vulgo: Kopierschutz. Viele Titel aus der Backlist werden offiziell in elektronischer Form oft noch gar nicht angeboten.

Die Verleger und Bouquinisten rufen: „Haltet den Dieb!“

Was Lesern recht und billig erscheint, empfinden die Anbieter als Schlag ins Kontor. Glaubt man einer aktuellen Studie zur digitalen Content-Nutzung, wurden hierzulande im Jahr 2010 knapp 14 Millionen elektronische Bücher illegal heruntergeladen. Bei 23 Millionen E-Book-Downloads insgesamt sind das zwei Drittel der Gesamtmenge. Hat also die „Napsterisierung“ der Gutenberg-Galaxis begonnen? Verleger und Bouquinisten rufen schon: „Haltet den Dieb!“ So etwa Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Bei der Vorstellung der oben genannten Studie im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse postulierte Skipis: „Ohne Aufklärung und gegebenenfalls Sanktionen für illegales Verhalten funktioniert der E-Book-Markt auf Dauer nicht“. In die Pflicht nehmen will man etwa die Provider – sie sollen die Netzaktivitäten der User stärker überwachen und gegebenenfalls Warnhinweise einblenden.

Mit auf dem Podium saßen Vertreter des Bundesverbandes Musikindu­strie sowie des Lobbyverbandes „Gesell­schaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen“. Gebrannte Kinder des Medienwandels, sollte man meinen. Mit allen Mitteln kämpfte die Unterhaltungsindustrie erst gegen das Kopieren und Brennen von CDs und DVDs, dann gegen das Downloaden von MP3s. Doch was haben Digital Rights Management, einschüchternde Anzeigenkampagenen oder die Androhung von Netzsperren gebracht?

„Wer nur noch Kunden verklagt, hat kein Geschäftsmodell mehr“

Vor allem wohl eine Erkenntnis, die Matt Mason in seinem Klassiker „The Pirate’s Dilemma“ so formuliert: „If suing customers [d.h. das Verklagen von Kunden] becomes central to a company or industry’s business model, then the truth is that that company or industry no longer has a competitive business model.“

Mason führt auch gleich selbst vor, wie man es besser machen kann.Vermarktet hat er die Printversion seines Buches (Unterttitel: „How Youth Culture reinvents Capitalism“) nämlich mit einer E-Book-Version, bei der man den Preis selbst bestimmen kann, angefangen bei 0 Cent. Auf ähnliche Weise haben auch selbstbewusste Autoren wie Paul Coelho oder Cory Doctorow es geschafft, die Verkaufszahlen ihrer gedruckten Werke in die Höhe zu treiben. „Piracy isn’t a threat, it’s an opportunity“, schlußfolgert Matt Mason.

Doch auch aus ganz anderen Gründen ist das Für und Wider in Sachen Kopierschutz bei E-Books ein Streit um Gutenbergs Bart. Bei Musikfiles und Hörbüchern wird der Verkauf en détail längst durch monatliche Flatrates abgelöst. Selbst das Wort „Download“ klingt angesichts von Streaming aus der Rechnerwolke antiquiert. Wohin die literarische Reise geht, zeigt ein Blick auf Amazons neues Fire-Tablet. Elektronische Bücher sind hier nur noch eine weitere drahtloseContentsäule neben Musik und Video. Tendenziell sogar kostenlos. Für Premiumkunden plant der Online-Buchhändler bereits einen Gratis-Verleihservice.

Funktioniert vernetztes Lesen ohne verletzte Privatsphäre?

Anstelle der Urheberrechtsdebatte müssen wir eigentlich eine ganz andere Diskussion führen – wie kann in Zukunft vernetztes Lesen ohne eine verletzte Privatsphäre stattfinden? Welche Lektüre zu Hause im Regal steht, wusste früher allenfalls die Stasi, die bei Verdächtigen konspirativ Buchrücken fotografierte. Die Bibliothek in der Rechnerwolke registriert nun sogar, wieviele Seiten wir lesen, welche Passagen wir markieren und mit Freunden teilen.

Bei E-Readern bzw. Tablets von Amazon, Apple oder Sony geht etwa die Electronic Frontier Foundation schon jetzt davon aus, dass solche Daten nicht nur gesammelt, sondern nach geltendem Recht an Dritte weitergegeben werden, darunter auch Strafverfolgungsbehörden, Geheimdienste und andere Regierungsbehörden (vgl. den E-Book Buyer’s Guide to E-Book Privacy)

Doch auch Verlage und Buchhandel in Deutschland mischen beim vernetzten Lesen kräftig mit, sie betreiben E-Stores und verkaufen drahtlos funkende Lesegeräte. Bisher gehörte die Buchbranche zu den wichtigsten Garanten der Informationsfreiheit. Die Entstehung der bürgerlichen Öffentlichkeit wäre ohne sie gar nicht denkbar gewesen. Welche Rolle will sie zukünftig spielen? Eins sollte klar sein: Pistolen im Halfter passen zu Gutenbergs Erben genausowenig wie die Kragenspiegel der Tscheka.

[Eine gekürzte Version dieses Kommentars ist am 13. Oktober auf The European und Der Standard erschienen]

Low-Cost-Tablet „Liro Color“: Börsenverein wagt sich ins E-Reader-Business

Die Buchbranche gerät ins Tablet-Fieber: mit dem Liro Color präsentiert die Börsenvereins-Tochter MVB in den Frankfurter Messehallen einen WiFi-Reader mit Farb-LCD und Touch-Screen. Das zum Preis von 99 Euro exklusiv über Buchhandlungen vertriebene Gerät sieht aus wie eine Low-Cost-Version des Nook Color – und tatsächlich verbirgt sich hinter dem von Trekstor produzierten 7-Zoller ein Android-Betriebssystem. Der integrierte E-Store speist sich aus dem Angebot des MVB-Portals Libreka. Ähnlich wie bei den E-Readern von Libri oder KNV basiert auch das Liro-Konzept auf der Umsatzbeteiligung des stationären Buchhandels – bei jedem drahtlos geshoppten E-Book fallen für den Bouquinisten um die Ecke 20 Prozent Provision an. Auf dem E-Reader sind bereits drei kostenlose E-Books im epub-Format vorinstalliert: Léon und Louise (Alex Capus), Kleiner Mann – was nun? (Hans Fallada) sowie Ein unmoralisches Sonderangebot (Kerstin Gier). Verkaufsstart des Liro Color ist Mitte November, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft.

Auf den Spuren des Nook Color

Amazon auf Augenhöhe begegnen will der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, und setzt statt E-Ink auf Farbe, Touch-Screen und WiFi. Die Strategie erinnert an Barnes&Noble: in den USA konnte die Buchhandelskette mit dem sieben Zoll-Tablet Nook Color dem Hauptkonkurrenten einiges an Marktanteilen abtrotzen. Schon alleine optisch ist der Liro Color allerdings nicht wirklich auf Augenhöhe mit solchen High-End-Gadgets: die Display-Auflösung ist mit 800×480 Pixeln deutlich niedriger als beim Nook Color (1024×600) – für die Lektüre von E-Comis etwa ist das ein wenig mager. Vermissen werden viele Nutzer auch wohl die Möglichkeit, Videos abzuspielen. Inhaltlich ist das Angebot ebenfalls eingeschränkter als bei B&N oder Amazon – denn mit dem Content von Libreka im Hintergrund stehen ausschließlich E-Books im Angebot. Schon jetzt sind auf dem Kindle-Reader dagegen auch Zeitungen und Magazine abonnierbar, spätestens mit dem Start des Fire- Tablets dürften weitere Angebote zur Verfügung stehen.

Identisch mit dem angekündigten Weltbild-Tablet?

Ähnlich wie Weltbild mit dem Trekstor eBook Player 3.0 versucht der Börsenverein potentielle Käufer vor allem beim Pricing zu überzeugen – mit 99 Euro werden die meisten E-Ink-Reader inklusive der Kindle Keyboard-Modelle deutlich unterboten. Allerdings handelt es sich beim Liro Color eher um die De-Luxe-Version des Weltbild-Readers, der als Abspielgerät für E-Books und Musikfiles einen eher mittelprächtigen Eindruck hinterlässt (siehe unser Testbericht). Aus strategischer Sicht macht das Angebot der Börsenvereins-Tochter MVB natürlich Sinn – bisher fehlte schließlich für Libreka eine eigene Geräte-Plattform. Wie exklusiv der Verkauf des Liro Color über den Buchhandel wirklich läuft, bleibt im übrigen abzuwarten. Denn interessanterweise hat Weltbild pünktlich zur Buchmesse angekündigt, zum Weihnachtsgeschäft ebenfalls ein Tablet zum Preis von 99 Euro auf den Markt zu bringen.

Liro Color (TrekStor TrekPad)


Display

7 Zoll TFT-Touch-Screen, 800×480 Pixel, Farbdarstellung

Akkulaufzeit:

ca. 7 Stunden

Schnittstellen

WLAN, Mikro-USB, SD-Karteneinschub, Kopfhörerbuchse

Interner Speicher

2 GB, erweiterbar auf 32 GB (extern)

E-Book-Formate

epub (DRM), PDF (DRM), text

Multimedia-Formate

MP3, WMA etc. (Audio), JPG, GIF etc. (Bilder)

Text-Funktionen

5 Schriftgrößen sowie Zoom-Funktion

Weitere Features

Audio-Player

Preis

Preis: 99,99 Euro (ab Mitte Nov. 2011)

Illegale E-Book-Downloads: Börsenverein setzt auf Überwachen & Strafen

Die meisten E-Books werden in Deutschland nicht im E-Store gekauft, sondern illegal erworben: 14 Millionen elektronische Bücher wurden 2010 bei Filehostern heruntergeladen – das entspricht bei 23 Millionen E-Books insgesamt knapp 60 Prozent aller Downloads. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie zur digitalen Content-Nutzung (DCN), die Anfang der Woche gemeinsam von Buchhandel, Musikindustrie und dem Lobby-Verband GVU vorgestellt wurde. Zugleich konnte die Studie mit Absatzzahlen aufwarten. So wurden 2010 hierzulande ungefähr 2 Millionen E-Books gekauft, was 0,5 Prozent Marktanteil bedeutet. Die weitaus größere Zahl illegaler Downloads gefährdet die kulturelle Vielfalt, glaubt der Börsenverein des deutschen Buchhandels – und ruft die Politik zum Handeln auf.

„Ohne Sanktionen funktioniert E-Book Markt nicht“

„Auch eine gute Ange­botsstruktur schützt vor illegalem Download nicht“, betonte bei der Vorstellung der DCN-Studie Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Die Zahlen seien „für den jungen E-Book-Markt erschreckend“. Zu den Auswirkungen von hohen Preisen und hartem Kopierschutz auf das abweichende Nutzerverhalten äußerte sich Skipis nicht. Eine Lösung des Problems sieht der Börsenverein dagegen in verstärkter staatlicher Überwachung der Internetkommunikation sowie von Zwangsmaßnahmen, die in anderen Ländern von Verwarnungen bis hin zu lebenslangen Netzsperren reichen: „Ohne Aufklärung und gegebenenfalls Sanktionen für illegales Verhalten funktioniert der E-Book-Markt auf Dauer nicht“, so Skipis.

Rapidshare bei Lesern besonders beliebt

Wenn E-Books und Hörbücher über Filesharing heruntergeladen werden, überwiegt die Nutzung von One-Click-Sharehostern wie Rapidshare. 42 Prozent aller E-Book-Downloader haben 2010 durchschnittlich 18 E-Books aus dem Netz illegal heruntergeladen. Beliebt ist der Studie zufolge aber – anders als im Musikbereich – auch der Austausch von E-Book-Dateien via E-Mail. Etwas geringer ist die Filesharing-Praxis beim Hörbuch/Hörspiel: hier haben 23 Prozent aller Hörbuch-Downloader durchschnittlich 9 Exemplare  illegal heruntergeladen, das entspricht 6 Millionen Stück. Überraschend gering ist dabei die Schnittmenge derjenigen, die sowohl legale als auch illegale Angebote nutzen: bei E-Book Downloadern liegt sie bei 6 Prozent, bei Hörbuch-Downloadern bei 5 Prozent.

Nutzer glauben an Wirksamkeit von Verwarnungen

Vergleichbare Untersuchungen der französischen Netzüberwachungs-Behörde Hadopi zeigten allerdings vor kurzem auch, dass gerade die Gruppe der stärksten Filesharing-Nutzer auch am meisten Geld für Bezahl-Inhalte ausgibt. Doch egal ob gute Kunden oder nicht – in Frankfreich wurden bereits Millionen Verwarnungen an das digitale Lese- und Hörpublikum verschickt. Schützenhilfe für entsprechende Maßnahmen durch die Bundesregierung holen sich unsere um traditionelle Geschäftsmodelle fürchtenden Content-Verwerter ironischerweise bei den delinquenten Massen selbst. Befragt zur Wirksamkeit von Gegenmaßnahmen, glaubten 57 Prozent, dass Personen, die illegal Medieninhalte anbieten oder herunterladen, ihr Handeln nach einer Verwarnung einstellen würden. Bei den aktiven Usern von Filesharing-Diensten gingen sogar 81 Prozent davon aus, dass ein Warnmodell das illegale Anbieten und Herunterladen urheberrechtlich geschützter Inhalte verhindern könnte.

Digitale Immigranten aus der Gutenberg-Galaxis

Der Schulterschluss zwischen dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels und dem Bundesverband Musikindustrie kommt zumindest terminlich nicht überraschend – schließlich beginnt in dieser Woche die Internationale Funkausstellung (IFA) in Berlin. Hier spielen im Konzert der digitalen Medien auch E-Books und E-Reader neuerdings eine wachsende Rolle. Strukturell kann man beide Branchen allerdings kaum vergleichen. Schon alleine von der Masse her nicht: 14 Millionen illegalen Buch-Downloads standen im vergangenen Jahr 185 Millionen geraubte Musikdateien gegenüber, von mehr als 80 Millionen ruchlos konsumierten Kino-Filmen und TV-Serien mal ganz zu schweigen. Außerdem hat die Musik-Branche längst aus dem ungleichen Kampf gegen Otto Normalkopierer gelernt – was sich etwa am Verzicht auf Kopierschutz und niedrigen Preisen bis hin zu Flatrate-Angeboten zeigt. Die digitalen Immigranten aus der Gutenberg-Galaxis dagegen setzen immer noch auf kompliziertes Digital Rights Management, das viele Leser nachhaltig vergrault. Uneingeschränkt benutzerfreundliche E-Books gibt’s bisher leider nicht bei Libri, Thalia oder Amazon, sondern nur beim Filehoster.

Online-Versand bringt Buchhandel ins Umsatzplus – E-Books werden weiter durch hohe Preise ausgebremst

hohe-preise-bremsen-e-books.gifDer deutsche Buchhandel boomt. Zumindest im Vergleich zu den USA. Trotz Wirtschaftskrise gab es hierzulande im Jahr 2009 ein leichtes Umsatzplus von 0,8 Prozent, teilte diese Woche der Börsenverein mit. Die Association of American Booksellers (AAP) musste dagegen für den selben Zeitraum ein Minus von 1,8 Prozent vermelden. Ohne den dreistellig wachsenden E-Book-Markt wäre das Minus in den USA allerdings doppelt so groß ausgefallen. Im Deutschland verhindern überhöhte E-Book-Preise dagegen ähnliche Effekte.

Die „apothekerhafte Schwerfälligkeit“ der Buchhändler erschwert das Geldverdienen

„Das Buch ist Ware, wer sie verkauft, muss warenkundig sein, so wie der Rayonchef der Strumpfabteilung des Warenhauses viel von Strümpfen wissen muss“, schrieb vor fast hundert Jahren Kurt Tucholsky den deutschen Buchhändlern ins Stammbuch. Doch eine gewisse „apothekerhafte Schwerfälligkeit“ erschwere der Branche das Geldverdienen. Da hat sich inzwischen einiges getan – zumindest bei Print-Büchern. So kann etwa der Internet-Versandhandel ein Umsatzplus von mehr als 15 Prozent vermelden. Die Sortimenter halten sich wacker mit einem Marktanteil von knapp 50 Prozent. Auch die Verlage konnten beim Direktverkauf leicht zulegen. Bei digitaler Ware ist es aber offenbar mit der Kundigkeit des Buchhandels nicht sehr weit her. Zwar sprach Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder bei der Vorstellung der Wirtschaftszahlen für 2009 davon, „auf die laufende Medienrevolution zu antworten und sie zu nutzen“. Gleichzeitig bestand er aber darauf, dass allen heutigen Formaten, ob Papier oder digital, „allemal ein Buch als Prinzip zugrunde“ liege.

Börsenverein rechnet mit „breiten Nutzung von E-Books in fünf bis sechs Jahren“

Nun ist gegen Männer mit Prinzipien nichts zu sagen – wenn es denn die richtigen Prinzipien sind. Aber in diesem Fall gehören dazu leider auch Apothekerpreise bei E-Books. 40 Prozent der elektronischen Titel kosten nach einer Umfrage des Börsenvereins gleich viel oder sogar mehr als das gedruckte Buch. In Kombination mit nutzerunfreundlichem Digital Rights Management (DRM) bremst man ganz bewusst die Entwicklung des elektronischen Lesens in Deutschland aus. Vor allem zwei Faktoren bleiben ungenutzt – die Möglichkeit massenhaften Absatzes bei niedrigen Preisen, aber auch die Möglichkeit maximaler Reichweite durch Gratis- oder Freemium-Modelle. So machte etwa Amazon in den USA durch konsequente Low-Price-Politik elektronische Bücher zum Umsatzmotor einer ganzen Branche. Im Jahr 2009 überholten E-Books dort sogar das Hörbüch-Segment. Mit einer breiten Nutzung von E-Books in Deutschland rechnet der Börsenverein dagegen erst „in fünf bis sechs Jahren“! Das klingt allerdings eher nach einer „Self Fulfilling Prophecy“. Denn anders als in den Jahren zuvor sind nun erstmals günstige E-Reader unterhalb der 100 Euro-Schwelle in Sicht. Der Eintritt in den Massenmarkt könnte eigentlich sofort stattfinden. Damit das Leseland nicht den Anschluss verliert, sollten die Buchhändler sich also lieber nicht ihre eigene Untätigkeit durch Marktstudien bestätigen lassen, sondern in Sachen E-Books lieber Tucholsky beherzigen. Der hatte bereits vor mehr als siebzig Jahren eine dezidierte Meinung zum Pricing: „Macht unsre Bücher billiger! Macht unsre Bücher billiger! Macht unsre Bücher billiger!“