BookRix-Community wird Bastei Lübbes neue Casting-Allee

Bastei Lübbe braucht immer neue Schreibtalente, am besten in Serie – und dabei war der Marktführer im Bereich E-Book-Belletristik schon bisher sehr erfinderisch: der Autor für den digitalen Serienroman „Apocalypsis“ etwa wurde kurzerhand gecastet. Damit der Nachschub am Stoff, aus dem die Genre-Träume gestrickt werden, auch zukünftig nicht ausgeht, hat sich Bastei Lübbe nun eine ganze Casting-Allee zugelegt: das Kölner Medienunternehmen sicherte sich die Mehrheit an BookRix, einer der größten deutschen Self-Publishing-Communities mit mehr als 500.000 registrierten Mitgliedern.

Autorenwettbewerb soll neue Talente scouten

Passenderweise soll als erstes ein großangelegter Autorenwettbewerb stattfinden: Man werde „gemeinsam nach den besten Newcomer-Autoren 2014 suchen“, so Lübbe-Vorstandschef Thomas Schierack. Natürlich bedeutet die Beteiligung an Bookrix mehr als nur Casting. Denn zugleich erhält der Publikumsverlag nun den direkten Draht zu einer vorwiegend jungen und kommunikationsfreudigen Leserschaft, die sich auf der Facebook-ähnlichen Plattform um ihre Lieblings-Autoren und Genres versammelt. Der auf populäre Genres spezialisierten Kölner folgen mit der effektiven Kombination von Social Reading, Self-Publishing und Talent-Scouting einem Branchentrend – so ähnlich macht es bereits DroemerKnaur mit der Self-Publishing-Plattform Neobooks (Claim: „Bestseller von heute und morgen entdecken“): auch dort erhalten Indie-Autoren die Chance, über einen internen Wettbewerb im regulären Verlagsprogramm zu landen.

Das beste aus beiden Welten

Letztlich bieten solche Plattformen das Beste aus beiden Welten. Das sieht auch Bookrix-Gründer & CEO Gunnar Siewert so: bei der Partnerschaft mit Bastei würden sich (Autoren-)“Unabhängigkeit und die klassischen Kernkompetenzen eines Verlages optimal ergänzen“. Schon bisher konnte man via BookRix elektronische Bücher nicht nur innerhalb der Community teilen, sondern sich auch für die Distribution über den Buchhandel entscheiden. Insgesamt wurden bereits 6.500 Titel ausgeliefert, von denen es drei sogar in die Top 10 von Amazons Kindle-Shop schafften. 2014 plant BookRix, die Marke von einer Million verkauften E-Books zu überschreiten.

Self-Publishing mit Vorschuss: „BookRix Selected“ fördert ausgewählte Indie-Autoren

Self-Publishing bietet nicht nur attraktive Tantiemen, sondern auch größtmögliche Freiheit. Das hat jedoch auch seinen Preis: Auf den klassischen Verlags-Vorschuss mussten Indie-AutorInnen bisher jedoch verzichten. BookRix will nun das beste aus beiden Welten verbinden – die Münchner Self-Publishing-Plattform kündigt an, ausgewählte Talente mit einer Vorfinanzierung zu fördern: „Mit dieser finanziellen Unterstützung liefern wir den Autoren sozusagen einen Vertrauensvorschuss und die Sicherheit sich auf das nächste Projekt konzentrieren zu können“, so BookRix-Gründer Gunnar Siewert. Das „BookRix Selected“ genannte Programm beinhalte zugleich eine intensive Autoren-Betreuung: „Um den Autor optimal aufzubauen, begleitet ihn das BookRix-Team im gesamten Bucherstellungsprozess und steht ihm mit Rat und Tat zur Seite“.

Bei der Auswahl geeigneter Autoren vertraut BookRix auf das „Stimmungsbild und Gespür der Leser“ – die BookRix-Community ist inzwischen auf mehr als 500.000 Mitglieder angewachsen. Ähnlich macht es bereits Amazon – spezielle Förderprograme wie etwa „Amazon Encore“ oder „Amazon Crossing“ werten auf der Suche nach Talenten die Leserrezensionen und Buchbewertungen aus.

Während der Online-Händler mit seinen vielen Imprints jedoch längst zum Verlag mutiert, schlägt BookRix einen etwas anderen Kurs ein: „Wir stehen nach wie vor für die Grundsätze des Self-Publishings, wie die Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit all unserer Autoren. Folglich gibt es auch keine Restriktionen unsererseits, wie es bei traditionellen Verlagen oft der Fall ist“, beteuert Siewert. „Wir möchten vielmehr fließende Grenzen schaffen und uns mit diesem Programm in der Mitte des Marktes positionieren“.

Klappt das, dürfte wohl tatsächlich etwas ganz neues entstehen, denn auch manche Self-Publishing-Plattformen wie etwa NeoBooks (gegründet von Droemer-Knaur) setzen bisher schließlich darauf, dass erfolgreich ausgescoutete Indie-Autoren am Ende einen Verlagsvertrag in der Tasche haben. Die Zukunft – das zeigt der aktuelle Vorstoss von BookRix – könnte dagegen mitten zwischen Amazon und den Traditionalisten liegen, jenseits der alten und neuen Gatekeeper.

„Wir wollen dein Buch, nicht dein Geld“: BookRix startet kostenlose E-Book-Distribution

Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse hat BookRix an der Preisschraube gedreht: wer über die populäre E-Book-Community publiziert, muss in Zukunft keine Distributionskosten mehr bezahlen. Self-Publisher, die ihre E-Books nur im BookRix-Store anbieten, durften bisher 4,99 Euro berappen. Die internationale Distribution via Amazon, iBookStore, Thalia etc. schlug dagegen mit 19,99 Euro zu Buch. „Wir haben erkannt, dass Autoren kostenlosen und unkomplizierten Zugang zu den Online-Stores brauchen, um einen freien eBook-Markt mitgestalten zu können“, sagt Gunnar Siewert, CEO und Mitgründer des Unternehmens. Ohnehin verzichten auch bereits einige Mitbewerber auf zusätzliche Gebühren. Das neue Motto bei BookRix lautet dementsprechend: „Wir wollen Dein Buch, nicht Dein Geld“. Allen Autoren, die zuvor für die Distribution bezahlt haben, wird das Geld zurückerstattet.

Am Buchverkauf selbst verdient die 2008 gegründete Plattform natürlich auch weiterhin mit – denn das ist schließlich der Kern digitaler Distributionsmodelle: beim Vertrieb via Amazon & Co. bekommen Autoren aber immerhin 43 Prozent Tantiemen heraus, über den BookRix-Store selbst sogar 55 Prozent. Zum Vergleich: Amazons KDP-Programm schüttet direkt 70 Prozent Tantiemen aus, ähnlich sieht es bei Kobos Writing Life-Plattform aus. Für viele Self-Publisher ist die BookRix-Plattform selbst dabei oft sogar das wichtigste Standbein – mit mehr als einer halben Million Mitgliedern und mehr als 130.000 hochgeladenen E-Books liegt sie deutschlandweit an der Spitze.

Zum Erfolgsrezept gehört vor allem ein großes Angebot von kostenlosen Titeln aus der Self-Publishing-Community – das Hochladen von Gratis-E-Books war nämlich auch bisher schon kostenlos. Im Unterschied zu anderen Anbietern lassen sich bei BookRix bisher keine fertigen E-Books hochladen. Stattdessen setzt die Plattform auf einen so einfach wie möglich zu bedienenden Online-Editor, der automatisch epubs generiert. Neben E-Books und Comics ermöglicht BookRix auch den Upload von Audiobooks, zudem nutzen viele Verlage die Plattform zum Einstellen von Leseproben. Abgerundet wird das BookRix-Angebot in Zukunft durch Print-On-Demand – bis Ende 2012 soll nach Angaben des Unternehmens ein entsprechener Service starten.

Abb.: Screenshot BookRix

„Wir sehen uns als Aufklärer für Autoren“: BookRix-Gründer Gunnar Siewert im Interview

„Web your Book“ ist das Motto der BookRix-Community – sie soll so etwas sein wie das MySpace für Autoren, eine Möglichkeit, sich mit den Lesern zu vernetzen und Texte zu promoten. Die 2008 gegründete Plattform setzt seit neuestem auch auf kollaboratives Schreiben. Mit einer SocialBook-App entstehen via Twitter oder Facebook gemeinsam Werke von beliebig vielen Teilnehmern. Eine Trennung zwischen Profis und Amateuren gibt es bei BookRix nicht. Mittlerweile umfasst die Community 240.000 registrierte Nutzer weltweit und bietet mehr als 50.000 kostenlose E-Books an, mit ganz unterschiedlicher Qualität. Manche frönen hier nur ihrem Hobby, für andere ist es das Sprungbrett zur Autorenkarriere in einem klassischen Verlag. Mit dem Schreiben Geld verdienen konnte man bei BookRix bisher nicht. Zukünftig sollen Autoren ihre Werke aber auch direkt via BookRix als kommerzielle Print- oder E-Book-Version in den Buchhandel bringen können. E-Book-News sprach während der Leipziger Buchmesse mit BookRix-Gründer und Geschäftsführer Gunnar Siewert.

„Für uns ist jeder ein Autor – wie gut, entscheiden die Leser“

„Für uns ist jeder ein Autor. Für uns gibt es diese elitäre Haltung nicht, dass ein Autor gewisse Dinge haben muss, sondern jeder, der in der Lage ist eine Geschichte zu schreiben, ist für uns ein Autor, und die Leser entscheiden dann, ob er das gut gemacht hat.“

„Jeder spricht über die Veränderungen für Verlage, aber niemand über die Veränderungen für Autoren. Wir sehen uns da als Aufklärer, und sagen, ihr Autoren habt Rechte, ihr könnt die Menschen erreichen, nutzt das einfach.“

„Kreativität ist, wenn viele Leute an den Dingen arbeiten“

„Ein Buch ins digitale Format zu bringen ist eine Innovation, aber nicht zwingend kreativ. Was uns interessiert hat am Social Book sind die kreativen Möglichkeiten die entstehen, wenn viele Leute an den Dingen arbeiten. Natürlich führt nicht jede Sache sofort zu Höchstleistungen, insofern sind wir hier in einem Lernprozeß. Irgendwann hat mich jemand gefragt: Wann ist das Social Book denn fertig? Da habe ich gesagt: Solange es Menschen gibt – nie.“

„[Zum Thema SocialBook & Urheberrecht:] Man kann Innovationen nicht auf juristischen Fundamenten bauen. Sondern: die Juristerei folgt in der Regel dem realen Leben. Der erste Verlag, der ein SocialBook verkaufen will, wird eine Lösung finden.“