Wer Visionen hat, soll zum Kiosk gehen: Das Grundgesetz wird als Bookazine zum Bestseller

Grundgesetz-als-BookazineAm 23. Mai 2019 heißt es: Happy Birthday, Grundgesetz – und zwar zum siebzigsten Geburtstag. Die Würde des Menschen ist unantastbar, so beginnt dieser Klassiker, doch wo gibt es eigentlich ein Grundgesetz, das man gerne anfasst? Derzeit am Kiosk: Medienunternehmer Oliver Wurm und Designer Andreas Volleritsch haben schon vor einigen Wochen unsere Verfassung ansehnlich gelayoutet, mit Grafiken und Zusatzinformationen ergänzt als „Bookazine“ bundesweit in den Vertrieb gebracht — die gesamte Auflage beträgt 100.000 Exemplare. Mit großem Erfolg: im Bahnhofsbuchhandel gehen die 124 konstitutionellen Seiten zum Preis von zehn Euro weg wie geschnitten Brot, eine Zusatzauflage von weiteren 60.000 Stück wird rasch nachgedruckt.

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Self-Publishing via Presse-Grosso

Was wohl auch daran liegt, das nicht alle Exemplare der Erstauflage am Point-of-Sale gelandet sind: Zur Refinanzierung wurde nicht auf Anzeigen gesetzt, sondern auf die Unterstützung via Vorverkauf – 70 ausgewählte Unternehmen, Stiftungen und Verbände haben Hefte für ihre Klientel geordert. Hilfreich bei der Anbahnung dieses „Self-Publishing-Projekts“ (nämlich ohne Verlag im Hintergrund) waren wohl auch Wurms Media-Erfahrungen u.a. als Bildzeitungs-Redakteur, Panini-Städte-Alben-Produzent und nicht zuletzt ein erfolgreicher Vorlauf mit dem Kiosk-Vertrieb des Neuen Testamentes in Magazinform (siehe bibelalsmagazin.de), anlässlich des Ökumenischen Kirchentags 2010.

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Einmal Zeitung, einmal Verfassung bitte

Interessanterweise ist das Projekt auch 100 Prozent Print-only, und wirkt zudem noch unterstützend für andere Papierprodukte: aus dem Bahnhofsbuchhandel wird nämlich auch von einer „hohen Quote von Koppelkäufen“ berichtet, etwa Nachrichtenmagazine oder überregionale Tages- und Wochenzeitungen. Eins geht aber dann doch online: die Bestellung von einzelnen Heften, sie ist über die Landing-Page dasgrundgesetz.de möglich (ohne Aufpreis, also für zehn Euro inkl. Versandkosten).

(via meedia.de)

SHIFT reloaded: Daniel Hölys „Bookazine“ zum zweiten Mal am Kiosk

SHIFT_Cover_web_750#wirhabengenug lautet der Titel der zweiten Ausgabe des Gesellschaftsmagazins SHIFT, das ab heute bundesweit im Buchhandel an allen Bahnhöfen und Flughäfen zum Verkauf ausliegt – und sich mit dem Thema Wohlstand beschäftigt. Wie passend: Kam die erste Ausgabe des Magazins „für Hirn & Herz“ noch per Crowdfunding-Kampagne zustande, hat es die aktuelle SHIFT schon etwas besser. „Wir wollen eben kein One Shot sein, sondern ein Longshot“, so Chefredakteur Daniel Höly. „Trotzdem war Crowdfunding für uns eine essenzielle Erfahrung – vor allem, um eine Beziehung zu unseren Lesern aufzubauen.“

Die neue SHIFT enthält insgesamt 20 Artikel von 19 Autoren, sowie vier sogenannte „Bonustracks“ – also Artikel, die ausschließlich online erscheinen und thematisch die gedruckt Ausgabe ergänzen. Die Anbindung an die Online-Lesercommunity macht auch schon die Titelseite deutlich: auf dem Cover prangt der Hashtag #wirhabengenug – eine ausdrückliche Einladung zur begleitenden Netzdebatte.

Mit dem handlichen Format erinnert SHIFT stark an ein Buch, daher auch die Bezeichnung „Bookazine“, eine Mischung aus Buch und Magazin. „Schon bei der ersten Ausgabe haben viele Leser wegen des kompakten iPad-Formats und der hochwertigen Haptik SHIFT als ‚Buch‘ bezeichnet, obwohl es eigentlich viel mehr ein Magazin ist“, erklärt Höly diesen Begriff. „Warum also nicht das Beste aus beiden Welten vereinen?“

Insofern passt es wohl auch, dass SHIFT in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse mit einem eigenen Stand (Halle 4.1 A34) vertreten ist. „Die Buchmesse ist für uns natürlich eine tolle Gelegenheit, um SHIFT einem breiten Publikum vorzustellen“, so Höly.