Per Smartphone-App direkt auf’s Ohr: BookBeat bietet mobiles Hörbuch-Abo

bookbeats-hoerbuch-aboErst Schweden, Finnland und Großbritannien, dann Deutschland: BookBeat, Bonniers Abo-Service für digitale Hörbücher geht nun auch — später als angekündigt — hierzulande an den Start: die App steht ab sofort für iOS– und Android-Nutzer zur Verfügung. Für monatlich 14,90 Euro können BookBeat-Nutzer unbegrenzt Hörbücher streamen oder für die Offline-Lauschüre downloaden, die ersten zwei Wochen lang kann man das neue Angebot gratis testen.

Zum Start „tausende“ Hörbücher im Angebot

Das Spektrum von Bonniers Audio-Abo ist einstweilen noch überschaubar, BookBeat spricht von „tausenden“ Hörbüchern und Hörspielen in deutscher und englischer Sprache. Das Bonnier-Startup hat also eine Art Soft-Launch hingelegt, will Nutzererfahrungen sammeln, die Apps optimieren und den Katalog sukzessive durch Kooperationen mit weiterne Verlagen erweitern. Bisher sind 50 große und kleine Publisher mit im Boot. Auch das für den hiesigen Markt zuständige Team soll noch ausgebaut werden.

Audible ist in Deutschland Marktführer

Anders als bei E-Book-Abos ist der Markt für Hörbuch-Abos in Deutschland noch überschaubar, neben dem zu Amazon gehörenden Marktführer Audible mit mehr als 100.000 Titeln tummeln sich diverse kleinere Akteure mit vergleichweise begrenzten Katalogen. Letzter Neuzugang war Legimi – der polnische Flatrate-Anbieter bietet neben E-Books auch 15.000 Hörbücher, teilweise kann man in der Legimi-App flexibel zwischen E-Book- und Audio-Version hin- und herwechseln.

(via boersenblatt.net)

„Es geht einfacher“: Auch Random House verzichtet auf hartes DRM

random-house-setzt-auf-soft-drmEndlich ist es soweit: Adobe Digital Editions ist von den Top 3 der deutschen Publishing-Landschaft auf’s Abstellgleis geschoben worden. Erst letzten Monat hatte nach Bonnier auch die Holtzbrinck Publishing Group den Verzicht auf hartes Digital Rights Management (DRM) verkündet – nun wollen sich plötzlich auch die Bertelsmänner dem neuen Marktstandard namens Digitales Wasserzeichen anschließen.

Watermarking ab Oktober

Um den Umgang mit E-Books zu erleichtern, ermögliche die Verlagsgruppe Random House ihren Vertriebspartnern ab 1. Oktober, E-Books „auch mit Soft-DRM“ anzubieten, heißt es in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung. Zu den 45 Buchverlagen unter dem Dach der Verlagsgruppe gehören u.a. Blanvalet, DVA, Heyne, Goldmann und Luchterhand.

„Erhöht die Kundenzufriedenheit“

„Wir wollen das Interesse am digitalen Lesen weiter fördern und es Lesern möglichst einfach machen, E-Books zu lesen“, erklärt Frank Sambeth, CEO der Verlagsgruppe. Der Verzicht auf den harten Kopierschutz erleichtere Lesern wie auch Vertriebspartnern den Umgang mit E-Book-Dateien und erhöhe die Kundenzufriedenheit.

„Softes DRM ist Branchenkonsens“

Mit der Umstellung auf das digitale Wasserzeichen „schließen wir uns einem immer breiter werdenden Branchenkonsens an“, so Sambeth weiter. Random House zufolge bleibt ein Schutz gegen Missbrauch aber auch weiterhin notwendig – mit Hilfe von Soft DRM und weiteren Maßnahmen werden man auch in Zukunft „aktiv gegen Urheberrechtsverstöße“ vorgehen.

Abb.: Fen Labalme (cc-by-2.0)

„Kompliziert und zwecklos“: Verlagsgruppe Bonnier verzichtet auf harten Kopierschutz

bonnier-verzichtet-auf-hartes-drmGute Nachrichten für E-Book-Leser: die Bonnier Media Deutschland GmbH wird ab 1. Juli auf den Einsatz von hartem Kopierschutz verzichten. Für den Abschied der Branche von Adobe Digital Editions dürfte das ein zentraler Meilenstein sein, zählt doch die deutsche Sparte des schwedischen Bonnier-Konzerns neben Bertelsmann und Holtzbrinck zu den Top 3 der hiesigen Buchmacher. Statt Adobe Digital Editions setzen die zu Bonnier gehörenden Verlage wie Piper, Ullstein oder Carlsen nun auf das Digitale Wasserzeichen. Ähnlich machen es bereits die großen Publikumsverlage Dumont, dtv und Bastei Lübbe.

„Hartes DRM schützt nicht vor Piraterie“

Die von Bonnier-Chef Christian Schumacher-Gebler in der offiziellen Pressemitteling angeführten Gründe sind mal wieder aus der klassischen „WE TOLD YOU SO!“-Kiste gegriffen: hartes DRM sei für die Kunden lästig („Leser muss sich auf komplizierte Weise anmelden“, „kann E-Book nur auf registrierten Geräten lesen“), außerdem schütze es nicht vor E-Book-Piraterie („relativ einfach zu umgehen“, „Zahl illegaler Downloads richtet sich nicht nach Härte des Kopierschutzes“, „Bestseller tauchen in Tauschbörsen überproportional auf“).

Buchhändler gegen hartes DRM

Eine Rolle spielt für Bonnier auch die Anti-DRM-Haltung vieler Buchhändler, die immer wieder von frustrierten Kunden berichteten und durch die Selbsteinmauerung mit Adobe Digital Editions Wettbewerbsnachteile gegenüber Amazon befürchteten: „Mit dem Verzicht auf hartes DRM unterstützen wir alle Handelsteilnehmer gleichermaßen und schaffen etwaige Wettbewerbsbarrieren ab“, so Schumacher Gebler. Gerade der unabhängige Buchhandel werde davon besonders profitieren.

Watermarking als kundenfreundliche Lösung

Das digitale Wasserzeichen sei eine „kundenfreundliche“ Lösung, ergänzt werde die für den Nutzer nicht sichtbare Markierung der E-Book-Datei durch eine „prägnante Seite mit Warnhinweisen“ als „zusätzlicher psychologischer Effekt, der an die Sorgfaltspflicht der Leser appelliert“. Auch die „ohnehin intensiven Maßnahmen zur Entdeckung und Verfolgung von Urheberrechtsverstößen“ wolle man weiter ausbauen und vorantreiben.

Abb.: Paul Downey (cc-by-2.0)

Liefersperre im Provisionskampf mit Verlagen: Amazon als Gazprom der Buchbranche?

J K Rowling hat’s erwischt, den Kinderbuch-Autor James Patterson, aber auch Jeff Bezos‘ inoffiziellen Biografen Brad Stone: die Printversionen ihre Bücher sind im Amazon-Store plötzlich nur mit langen Verzögerungen lieferbar bzw. nicht vorbestellbar, was sich natürlich auch auf das Bestseller-Ranking auswirkt. Doch persönlich nehmen (außer vielleicht Brad Stone) sollten sie und viele andere Betroffene das nicht – denn Hintergrund ist „nur“ ein Machtkampf zwischen dem weltgrößten „Everything Store“ und einigen großen Verlagen, insbesondere Hachette und Bonnier. Zu letzterer Gruppe gehören auch Piper, Ullstein und Carlsen, so dass auch deutsche Titel betroffen sind. Strategisches Ziel: von bisher 30 Prozent will Amazon die Verkaufprovision für E-Books auf 40 bis 50 Prozent erhöhen.

„Amazon is holding books and authors hostage on two continents“, kommentierte der NYT-Bitsblog – und auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels spricht von „Erpressung auf dem Rücken von Kunden und Autoren“. Eigentlich sind natürlich vor allem die Verlage betroffen, denn Amazon besitzt ja kein Monopol auf den Verkauf gedruckter Bücher, und die Verlags-Autoren wiederum erhalten auch bei E-Books nur einen geringen Teil des Umsatzes. Falls der nun noch kleiner werden sollte, hätte Amazon aber doppelt gewonnen – denn dann würde für noch mehr Literaten der Anreiz steigen, ihre Bücher bei Amazon-Labels verlegen zu lassen oder das Kindle Direkt Publishing-Programm zu nutzen.

Die Lobbyisten der Gutenberg-Galaxis fordern zusätzlich zur Buchpreisbindung für E-Books nun ein „neues Kartellrecht im digitalen Markt“, also eine Art „Lex Amazon“. Der Online-Riese sieht die Sache naturgemäß deutlich sportlicher, der Konflikt wird in einem offiziellen Diskussionbeitrag im Kunden-Forum als alltäglicher Vorgang im marktwirtschaftlichen Wettbewerb bezeichnet (Diskutiert werden darf in diesem Thread aber nicht…). Letztlich gehe es darum, möglichst günstige Preise für die Kundschaft zu ermöglichen: „When we negotiate with suppliers, we are doing so on behalf of customers. Negotiating for acceptable terms is an essential business practice that is critical to keeping service and value high for customers in the medium and long term“.

Außerdem wird die Auswirkung der Liefersperre mit Gazprom-verdächtiger Jovialität kleingeredet: „If you order 1,000 items from Amazon, 989 will be unaffected by this interruption“. Und süffisant wird noch ergänzt, man könne ja im Amazon-Store in vielen Fällen auch eine gebrauchte Fassung von Drittanbietern erwerben, oder das jeweilige Buch gerne im Online-Shop eines Mitbewerbers kaufen. Schließlich schlägt Amazon sogar vor, gemeinsam mit Hachette einen Sonderfonds für darbende Autoren aufzulegen, deren Tantiemen von dem aktuellen Streit betroffen seien. So habe man das ja auch 2010 bei einer ähnlichen Auseinandersetzung mit Macmillan gemacht (es ging um E-Book-Pricing). Ein interessanter Hinweis: Damals dauerte es nämlich gerade mal eine knappe Woche, bis Amazon die Liefersperre wieder aufhob – und auf die Forderungen des Verlags einging.

Abb.: flickr/Kodomut (cc-by-2.0)