Weihnachten als Digital-Ritual: Im Web geshoppt, im Web verkloppt

geschenke-kauf-im-webEs gilt zwar nicht nur zur Weihnachtszeit, dann aber erst recht: die Deutschen sind im Laufschritt zu einer Nation der Online-Shopper und Online-Schenker mutiert. Sieben von zehn Bundesbürgern — so meldet der IT-Branchenverband Bitkom — wollten zum Fest 2016 Geschenke per Mausklick oder Fingertipp erwerben, noch vor zwei Jahren waren es erst 49 Prozent. Jeder fünfte möchte in diesem Jahr zwecks Bescherungs-Material sogar überhaupt kein physisches Ladengeschäft mehr betreten. Das nützt natürlich vor allem den großen Online-Portalen, doch der Einzelhandel hält wacker dagegen, z.B. mit Hybrid-Initiativen wie GenialLokal oder BuyLocal

Im Schnitt 1.280 Euro pro Jahr online

Der Trend zum Shopping via PC, Smartphone oder Tablet treibt natürlich auch die Durchschnittswerte in Sachen Online-Handel kräftig nach oben, das zeigt der Blick auf die vergangenen zwölf Monate: Über das ganze Jahr gaben die Deutschen 2016 laut Bitkom im Schnitt bereits 1.280 Euro pro Nase für Internet-Einkäufe aus, die Hardcore-Fraktion, zu der jeder sechste von uns gehört, sogar mehr als 2.500 Euro.

Digital-Gutscheine oft bevorzugt

Das Digitale ernährt das Digitale: Immer öfter sind auch die Geschenke selbst mehr oder weniger virtuell — 80 Prozent der Käufer wollten es dieses Mal so machen. Besonders beliebt sind dabei etwa geldwerte Gutscheinen für Online-Shops, Prepaid-Karten für Mobiltelefone oder Geschenk-Abo für Streaming-Dienste à la Netflix, Spotifiy oder Amazon Prime. Was wiederum zu Lasten von Bewegtbild-Datenträgern wie DVD und BluRay geht.

Personalisierung digital verwirklicht

Zugleich liegen aber auch anfassbare, personalisierte Geschenke weiter voll im Trend — wie man sie im Internet zum Beispiel auf Marktplätzen wie Dawanda.de oder etsy.com findet. Nicht zuletzt bieten natürlich auch Technologien wie 3D-Druck die Möglichkeit an, ganz und gar individuelle Unikate nach eigenen Entwürfen herzustellen, zum Beispiel selbst designten Schmuck.

Geschenke online wieder verkaufen

Kaum sind die Weihnachtstage vorbei, wird so manches Geschenk gleich wieder verkauft, auch das immer öfter online: jeder Dritte deutsche Konsument, so die BITKOM, plane in diesem Jahr, sich des festlichen Krempels via Amazon, eBay oder Flohmarkt-Apps wie Shpock wieder zu entledigen. Ob man dort am Ende auch die ziselierten Filament-Ohrringe aus dem 3D-Drucker wieder loswird?

Bitkom-Studie: Zahl der E-Book-Leser stagniert – liegt’s am erhöhten Mehrwertsteuer-Satz?

jeder-vierte-deutsche-liest-ebooksSind es die hohen Preise von traditionell verlegten E-Books? Liegt es an der fehlenden Haptik? Am miesen Layout? Jedenfalls dümpelt die Zahl der bekennenden Digitalbuch-Leser zwischen Aachen und Zittau seit 2014 bei 24 bis 25 Prozent der Bevölkerung, meldet der IT-Branchenverband Bitkom im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse. Ein paar Veränderungen hat die aktuelle Umfrage im Bitkom-Auftrag aber schon messen können. So nennt das E-lesende Bevölkerungsviertel in diesem Jahr erstmals als wichtigstes Lesegerät den klassischen E-Reader (46 Prozent) knapp vor Smartphone (41 Prozent) und weit vor dem Tablet (24 Prozent).

E-Ink inklusive: Nutzer setzen auf mehrere Lesegeräte

Wobei die meisten Befragten aber erklärtermaßen synchron auf mehreren Geräten schmökern. Was im Umkehrschluss auf eine interessante Tatsache verweist: obwohl theoretisch eigentlich jeder Smartphone-Besitzer E-Books lesen könnte, scheint die reale Bereitschaft zur elektronischen Lektüre stark davon abzuhängen, ob man einen E-Reader besitzt oder nicht.

Wer mehr E-Leser möchte, muss also auch weiterhin möglichst viele E-Ink-Displays unter die Leute bringen – eine Strategie, die z.B. mit besonders günstigen Basis-Modellen arbeiten kann. Ein besonderes Potential schlummert dabei immer noch bei der Generation Ü-50: während ein Drittel der jungen Leser elektronisch schmökert, sind es bei den Älteren bis 65 nur 23 Prozent, bei den Senioren mit mehr als 65 Jahren sogar nur schlappe 7 Prozent.

Generation Ü 50 hat höchsten E-Book-Nachholbedarf

Ob für die E-Book-aversen Senioren auch das Pricing eine Rolle spielt? Unattraktiv hohe Kosten — u.a. verursacht durch den erhöhten Mehrwertsteuersatz auf E-Books — macht jedenfalls die Bitkom-Studie für die Stagnation mitverantwortlich. Insgesamt wohl eher zu unrecht, denn schließlich werden E-Books von Self-Publishern trotzdem zu sehr niedrigen Preisen angeboten, und viele Verlage bepreisen ihre E-Books bewusst so nah wie möglich an den Print-Versionen.

Außerdem gibt es ja weitere Alternativen, um an günstige Lektüre zu kommen — laut Bitkom-Studie leiht jeder vierte E-Book-Leser sich Titel in öffentlichen Bibliotheken aus, 13 Prozent sind schon bei Flatrate-Anbietern wie Skoobe unterwegs, und 14 Prozent lesen Gratis-E-Books.

Mobil macht mobil: Bitkom prophezeit Smartphone- & App-Boom ohne Ende

bitkom-sagt-smartphone-und-app-boom-vorausPünktlich zur IFA in Berlin prophezeit Bitkom einen erneuten Verkaufsrekord bei Smartphones: mehr als 25 Millionen Geräte werden bis Ende 2015 in Deutschland verkauft, so der IT-Branchenverband unter Berufung auf Marktforschungs-Daten von EITO und GfK. Der Umsatz steige auf 9 Milliarden Euro, das ist schon fast so viel, wie mit klassischer Unterhaltungselektronik erzielt wird – dort werden 10 Milliarden Euro erwartet, der Markt geht mit Minus 3 Prozent leicht zurück.

Tablets wachsen auch, aber langsamer

Fast schon traditioneller Wachstumstreiber bei Mobilgeräten bleiben auch Tablets. Mehr als 7 Millionen Geräte werden bis Ende 2015 über den Ladentisch gehen, und einen Umsatz von 7 Milliarden Euro einbringen. Das Wachstum hat sich allerdings auf knapp 2 Prozent verlangsamt. Klassische E-Reader werden in der aktuellen Prognose nicht erwähnt – sie dürften wohl 2015 bei knapp 1,5 Millionen verkaufter Geräte liegen (2014: 1,2 Millionen).

Senkrechtstarter Smartwatch

Ein echter Senkrechtstarter sind derzeit Wearables, also Geräte, die direkt am Körper getragen werden, vom Fitness-Armband bis zur Smartwatch. Den Prognosen zufolge wird der Absatz für dieses Jahr bei insgesamt 1,72 Millionen Geräten liegen und Umsätze von 240 Millionen Euro bringen. Nur etwa ein Drittel der verkauften Geräte sind Smartwatches, sie erzielen aber zwei Drittel des Umsatzes.

Die Deutschen sind App-Aficionados

25 Millionen Smartphones, 7 Millionen Tablets, fast 2 Millionen Wearables – die Phalanx neuer Geräte vergrößert am Ende natürlich auch den Hunger der Deutschen nach mobilem Content: Erstmals werden in diesem Jahr laut Bitkom wohl mehr als eine Milliarde Euro mit Apps für Smartphones, Tablets und Smartwatches umgesetzt.

Und zwar eher indirekt – denn die meisten Apps können kostenlos heruntergeladen werden. 75 Prozent der Umsätze werden im Anschluss an den Download über In-App-Shopping generiert, nur 15 Prozent direkt über den Kaufpreis. Werbung in Apps sorgt für weitere 12 Prozent der Erlöse.

Abb.: Glenn3095 (Public Domain/cc-0)

Fifty Shades of Self-Publishing: Indie-Literatur nicht bei allen Lesern beliebt

bitkom-studie-self-publishing-in-deutschlandSelf-Publishing von E-Books kommt an, was man u.a. daran sieht, dass sich jetzt auch der BITKOM mit dem Thema beschäftigt. In einer aktuellen BITKOM-Studie wurden LeserInnen vom IT-Branchenverband zum Thema Indie-Literatur befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Jeder fünfte Nutzer (18 Prozent) von E-Books gab dabei an, bereits Texte von Self-Publishing-Autoren gelesen zu haben, jeder zehnte (11 Prozent) hat sogar schon Texte selbst publiziert. Die Grenzen zwischen „Autor“ und „Leser“ scheinen sich also immer stärker zu verwischen.

Manche vermissen Qualitätskontrolle

Die Meinungen in punkto Self-Publishing sind aber durchaus zwiespältig: ein Drittel der Indie-Leser denkt, dass der Markt durch die selbst verlegten Titel „größer und vielfältiger“ wird und freut sich über niedrige Preise, immerhin ein Viertel findet dank KDP & Co. mehr Bücher, die dem persönlichen Geschmack entsprechen und erkennt eine „intensivere Beziehung zwischen Lesern und Autoren“. Jedoch trauert ein ein Viertel der Befragten auch der Qualitätskontrolle durch die Verlage hinterher. 15 Prozent kritisieren gar, dass durch Self Publishing „zu viele schlechte Bücher“ auf den Markt kommen.

Wer Print liest, lebt fern vom Indie-Trend

Die Wahrnehmung des Phänomens Self-Publishing überhaupt scheint aber auch stark von der Mediennutzung abzuhängen. Online kommt man kaum an den Indies vorbei: „Unter den hundert meist verkauften E-Books, kommt gut die Hälfte von Self Publishern“, so Timm Hoffmann, Bereichsleiter Digital Media beim BITKOM. Am Bücherregal läuft das anders: laut Umfrage kennen zwar 87 Prozent der E-Leser den neuen Trend zum selbst verlegten Buch, bei den Freunden gedruckter Lektüre sind es aber nur 52 Prozent. Was vielleicht auch daran liegt, dass viele ursprünglich selbst publizierte Mega-Seller wie „50 Shades of Grey“ längst einen Verlag gefunden haben, bevor sie in die Buchhandlungen kommen.

Abb.: David Blackwell/Flickr (cc-by-nd-2.0)

Lucy Luders Erbinnen: Smartphone laut BITKOM beliebtestes Lesegerät – vor allem bei Frauen

„E-Book-Nutzer setzen auf Smartphones“, titelte BITKOM im Vorfeld der Leipziger Buchmesse. Tatsächlich soll bereits jeder siebte Leser in Deutschland täglich auf dem Smartphone schmökern, bei den 14- bis 29jährigen ist es bereits jeder fünfte. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung, die der Hightech-Branchenverband zusammen mit dem AKEP (Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein) durchführen ließ. Nimmt man nur die E-Book-Leser, sind Smartphones ganz vorn: 60 Prozent lesen auf dem Mini-Display, das Laptop dagegen nutzen 57 Prozent, Desktops nur jeder Dritte. Tablets und E-Reader scheinen mit 29 bzw. 25 Prozent weit abgehängt. Von „überraschenden Ergebnissen“ schreibt AKEP-Sprecher Steffen Meier im Buchreport-Blog, denn dass sich Smartphones zum „Lesegerät der Zukunft“ mausern, hätten die meisten Verlage nicht im Fokus.

Letzteres kann kaum überraschen, doch kommen die Zahlen selbst wirklich aus heiterem Himmel? Ich denke nicht, denn wer regelmäßig die BITKOM-Daten studiert, wusste eigentlich schon längst: Smartphones sind die am weitesten verbreitete mobile Plattform – alleine im Jahr 2013 wurden hierzulande 26 Millionen iPhones, Androiden und sonstige Geräte verkauft. Nimmt man noch die 22 Millionen abgesetzten Smartphones aus 2012 hinzu, ist rein rechnerisch schon die gesamte Kernbevölkerung mit solchen Ad-hoc-Lesegeräten ausgestattet. Dagegen gingen im letzten Jahr „nur“ 8 Millionen Tablets und nicht einmal eine Million klassischer E-Ink-Reader über den Ladentisch.

Überhaupt hat ja das Mobiltelefon die ersten echten E-Book-Hypes ausgelöst, siehe den Erfolg der „Keitei“-Literatur in Japan zu Beginn der Nuller Jahre bzw. den kurz darauf einsetzenden Boom der Handy-Romane in Deutschland. Heldinnen wie Oliver Bendels studentische Detektivin „Lucy Luder“ kamen schon um das Jahr 2007 auf die Displays der Tastentelefone. Vergessen darf man auch nicht: der Über-Reader namens Kindle war ursprünglich eine hybride Mischung aus PDA und Blackberry, denn Amazon-Chef Jeff Bezos verpasste dem Gerät gleich in der ersten Generation eine Mobilfunkkarte. E-Literatur bekam schon damals den „Alway-Online“-Status. Was natürlich auch den Einkauf von neuem Lesestoff besonders komfortabel machte – und Vorbild war für das Tablet als Allround-Shopping-Plattform.

Vorangetrieben wurde schon der Handyroman-Boom durch Leserinnen. Auch bei der mobilen Lektüre auf dem Touchscreen sind sie nun ganz vorne: Frauen lesen E-Books auf dem Smartphone laut BITKOM fast doppelt so häufig wie Männer (16 Prozent statt 9 Prozent). Bei der Beliebtheit der Genres steht Belletristik ganz oben, vielleicht nicht ganz zufällig gefolgt von speziell für das Mini-Display aufbereiteten Reiseführern – die man ja auch noch on the Go schnell auf das Smartphone laden kann, wenn man schon im Zug oder Flughafen-Lounge sitzt. Für Steffen Meier ein klarer Hinweis auf den wachsenden Stellenwert der Plattform Mobiltelefon für die Verlagswelt: „Wenn E-Books die Vorteile der Lesegeräte nutzen und keine reinen Print-Digitalisate sind, findet sich auch ein Markt. Zudem können hier auch kürzere Reportagen, Fan-Fiction etc. ohne großes finanzielles Risiko ihr Publikum finden.“

Abb.: Flickr/Ayanami_No03 (cc)

Und Steve Ballmer hat doch recht: PC laut BITKOM-Studie wichtigstes E-Lesegerät

Und Steve Ballmer hat doch recht – das wichtigste Lesegerät ist immer noch der (Windows-)PC. Eine aktuelle Bitkom-Studie im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse scheint das erneut zu belegen: Desktop, Laptop oder Netbook werden von drei Viertel der E-Book-Leser als genutztes Gerät genannt. Knapp die Hälfte schmökert via Smartphone, während Tablet und E-Reader bei knapp 20 Prozent liegen. Doch ganz so weit her ist es mit der angeblichen PC-Dominanz dann doch nicht – zum einen, weil damit wohl vor allem Fachbücher im PDF-Format gelesen werden. Einen anderen Grund nennt der Hightech-Branchenverband selbst: drei Viertel der „Computer-Leser“ übertragen ihre E-Books via PC auf mindestens ein weiteres Gerät. Kollege Rechner fungiert also also vor allem als zentraler Verschiebebahnhof für elektronischen Content, unterstützt durch Verwaltungssoftware wie Calibre.

Kein Wunder, dass Smartphones unter den alternativen Lesegeräten dann ganz vorne liegen – schließlich nutzt ja auch schon über die Hälfte der Deutschen die multifunktionalen Touch-Screen-Gadgets. BITKOM zufolge dürften jedoch Tablets in der Beliebtheit der Lesegeräte bald gleichziehen, alleine im Jahr 2013 werden hierzulande voraussichtlich 8 Millionen Stück verkauft, gegenüber „nur“ 800.000 E-Readern. Die schnell wachsende Zahl an potentiellen Lesegeräten erzeugt offenbar auch deutlich mehr Akzeptanz für das E-Book: der Anteil von E-Book-Nutzern unter der lesenden Bevölkerung soll mittlerweile schon bei 29 Prozent liegen. Selbst 27 Prozent der E-Book-Skeptiker können sich der BITKOM-Studie zufolge vorstellen, „in Zukunft digitale Bücher zu lesen“.

Als deutlichsten Beleg für das Erreichen des Massenmarkts darf man wohl demographische Details zu Alter und Geschlecht werten – Unterschiede bei der E-Lese-Präferenz zwischen Männern und Frauen sind kaum noch feststellbar, genausowenig zwischen den Generationen, wenn man sich die 14- bis 49jährigen anschaut. Geringere E-Lese-Aktivität der über 50-Jährigen, vor allem aber der über 65-Jährige begründet die BITKOM-Studie mit der „deutlich geringeren Internetnutzung dieser Altersklasse“. Irgendwie muss man ja auch an die E-Books herankommen – und für zwei Drittel der Leser führt der Weg immer noch über die Web-Portale von Amazon, Thalia oder Weltbild. Bisher shoppt dagegen nur ein Fünftel E-Books in den vorinstallierten E-Stores auf Kindle, Tolino & Co. Doch auch Direktmarkting kann sich lohnen – 8 Prozent kaufen Lektüre direkt beim Autor, 6 Prozent auf Verlagsportalen.

Muss man E-Books aber überhaupt en detail kaufen wie früher das Buch im Laden? Immer mehr Nutzer würden diese Frage verneinen: „Neben dem Kauf etablieren sich alternative Nutzungsformen für elektronische Bücher“, so BITKOM-Vizepräsident Achim Berg. 17 Prozent der Anwender versorgen sich via Onleihe in öffentlichen Bibliotheken, 15 Prozent nutzen kommerzielle Verleihmöglichkeiten wie etwa die Skoobe-App. Ebenso hoch im Kurs stehen kostenlose Downloads von Klassikern, etwa über das Project Gutenberg. Kommen am Ende vielleicht auch noch Piraten ins Spiel? Die leichte Verfügbarkeit von E-Books gilt jedenfalls als das wichtigste Argument für den Gebrauch. Außerdem weiß BITKOM: „Insgesamt nutzen 49 Prozent der E-Book-Leser Alternativen zum Kauf einzelner Dateien.“

Abb.: BITKOM-Grafik

Tablet essen E-Reader auf: Wachstum bei E-Ink fällt von 200 auf 20 Prozent

Der Tablet-Boom wirkt auch in Deutschland als Wachstumsbremse für klassische E-Reader: bis Ende 2013 steigt der Absatz bei E-Ink zwar um 22 Prozent auf 832.000 Geräte, prognostiziert der IT-Branchenverband BITKOM, doch im Vorjahr schnellten die Verkaufszahlen noch um satte 200 Prozent in die Höhe. Ursprünglich war auch für 2013 noch ein rasches Wachstum auf bis zu 1,4 Millionen verkaufte E-Reader erwartet worden – angesichts des großen Erfolgs von iPad, Kindle Fire & Co. mussten die Marktforscher diese Zahl nun offenbar deutlich nach unten korrigieren. Bei Tablets dagegen gilt momentan die Devise „The sky is the limit“ – insgesamt werden bis Dezember wohl 8 Millionen Flachrechner über den Ladentisch gehen.

Doch immerhin – die Tage von E-In-Lesegeräten scheinen noch nicht gezählt zu sein: „Reine E-Reader haben sich als eigenes Marktsegment etabliert, weil sie vor allem den Viel-Lesern Vorteile wie lange Akkulaufzeiten und einen besonders augenfreundlichen Bildschirm bieten“, so BITKOM-Vizepräsident Achim Berg im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse. Der Durchschnittspreis für E-Reader liegt dem Branchenverband zufolge hierzulande bei 97 Euro, und damit nur 2 Euro niedriger als im Vorjahr. Weit entfernt von diesem Niveau sind Tablet-PCs nicht mehr – die Hälfte der Modelle ist laut BITKOM schon für weniger als 200 Euro zu haben. Immer bessere Display-Auflösungen machen die LCD-Bildschirme der Tablets zudem deutlich augenfreundlicher als früher.

Nicht ganz unschuldig am langsamer wachsenden E-Reader-Geschäft sind natürlich auch Smartphones – für das Lese-App-Ökosystem von Amazon, Kobo & Co. spielen sie eine mindestens ebenso wichtige Rolle. Im Jahr 2013 werden in Deutschland sage und schreibe 26 Millionen der multifunktionalen Mini-Mobilgeräte verkauft, schätzt BITKOM – nimmt man hier noch die 22 Millionen abgesetzten Smartphones aus 2012 hinzu, ist rein rechnerisch schon die gesamte Kernbevölkerung mit solchen Ad-hoc-Lesegeräten ausgestattet. In Millionen von Haushalten dürfte das elektronische Lesen mittlerweile sogar schon abwechselnd auf Tablet, Smartphone und E-Reader stattfinden – fehlt eigentlich nur noch das universelle Ladekabel.

Abb.: BITKOM-Grafik

BITKOM: Jeder Fünfte bevorzugt E-Books – zumindest theoretisch

Woraus besteht ein gutes Buch? Drei Viertel der Deutschen sind sich da immer noch ziemlich einig: aus Papier! Doch ein wachsende Minderheit von 18 Prozent (was immerhin 12,6 Mio Menschen entspricht) hält dagegen: E-Books bevorzugt, lautet ihre Devise. Das berichtet der Hightech-Verband BITKOM auf Grundlage einer repräsentativen Umfrage, die im Umfeld der Leipziger Buchmesse veröffentlicht wurde. „E-Books kommen aus der Nische und werden zu einem Massenphänomen für die breite Bevölkerung“, so BITKOM-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. Neben der zunehmenden Zahl von verfügbaren Titeln trage dazu auch die wachsende Gerätebasis bei: nach BITKOM-Prognosen sollen alleine im Jahr 2013 bis zu 1,4 Millionen klassische E-Reader sowie mehr als 5 Millionen Tablets verkauft werden.

Zahl der E-Book-Käufer noch gering

Das klingt nach großem Potential – das aber vom Buchhandel auch erstmal ausgeschöpft werden muss. Der Marktanteil von E-Books lag im Jahr 2012 laut aktuellen GfK-Zahlen erst bei knapp über drei Prozent. Auch die Zahl der tatsächlichen E-Book-Käufer ist noch sehr niedrig: laut Bowker lag sie in der ersten Jahreshälfte 2012 in Deutschland bei unter 10 Prozent der Bevölkerung, in den USA dagegen schon bei fast 60 Prozent. Besondere Hoffnungen darf die Branche auf die technikaffine Generation der unter 50-jährigen setzen: zwischen Pubertät und Midlife-Crisis liegt die Rate der E-Book-Präferenz bei etwa einem Viertel der Bevölkerung. Was für den deutschen Markt im Vergleich zu anderen Ländern aber sehr auffällt: die 14- bis 29jährigen sind den 30- bis 49jährigen nur um ein Prozent voraus (25 Prozent vs. 24 Prozent). Wäre das anders, würde man auch Action-Adventures wie Grand Theft Auto als E-Books werten?

Silversurfer lieben Papier

Doch immerhin: die über 65jährigen wohnen dagegen noch zu 95 Prozent in den gedruckten Letternwüsten der Gutenberg-Galaxis, in der Kontaktzone zwischen Spätadoleszenz und Silversurfern (50 bis 64 Jahre) bevorzugen 84 Prozent Papier. Als Grund für die kulturkonservative Haltung der Älteren nennt BITKOM die vergleichweise geringe Zahl der Internetnutzer in Generation Ü 65 – knapp zwei Drittel der Pensionäre sind offiziell offline. Allerdings bleibt fraglich, wie verlässlich solche Angaben in Zeiten des Smartphones eigentlich noch sind. Sicher scheint auf jeden Fall: von den Vorteilen des elektronischen Lesens könnten gerade die Silversurfer besonders profitieren: erst vor kurzem hatte eine empirische Lesestudie der Universität Mainz gezeigt, dass Senioren auf den hellen und kontraststarken Displays von Tablets deutlich besser lesen können als auf Papier.

Abb.: flickr/thekellyscope (cc)

Deutscher E-Reader-Boom: Umsatzwachstum von 163 Prozent, 800.000 verkaufte Geräte

Jedes Jahr das Gleiche: „Der Markt für E-Reader und E-Books steht vor dem Durchbruch“, posaunen die Branchenverbände regelmäßig im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse – wie diesmal etwa der BITKOM (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien). Die gemeldeten Absatzzahlen für Lesegeräte lassen allerdings vermuten, dass elektronische Lektüre tatsächlich den Massenmarkt erreicht hat: so sollen bis Ende 2012 satte 800.000 E-Reader verkauft werden, was einem Zuwachs von 247 Prozent gegenüber 2011 entsprechen würde. Der Umsatz steigt dabei um 163 Prozent auf 78 Millionen Euro. Im Jahr 2013 soll der Absatz im Leseland sogar auf 1,4 Millionen E-Reader emporschnellen. BITKOM-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder führt die explodierenden Verkaufszahlen auf die „Kombination aus preiswerten Geräten und attraktiven Inhalten“ zurück.

Rein zahlenmäßig haben Tablets und Smartphones den E-Reader allerdings längst abgehängt: bis Ende des Jahres 2012 werden in Deutschland mehr als 2 Millionen Tablets und mehr als 23 Millionen Smartphones über den Ladentisch gehen, schätzt der Branchenverband BITKOM. Nicht zufällig legt angesichts der boomenden Geräte-Basis für mobile Lektüre auch der Umsatz mit E-Books rasant zu: alleine in den ersten sechs Monaten von 2012 verdoppelte sich ihr Marktanteil. Betrachtet man nur den nationalen Markt für digitalen Download-Content, scheint der Massenmarkt sogar längst erreicht zu sein: neben Musik, Games, Software und Filmen kann sich der Umsatzanteil von elektronischen Büchern mit 11 Prozent bzw. 40 Millionen Euro durchaus sehen lassen.

Noch attraktiver wären die Inhalte natürlich, wenn das E-Book-Pricing dem Trend beim E-Reader-Pricing folgen würde – der geht nämlich deutlich nach unten: der Durchschnittspreis brandneuer Lesegeräte liegt aktuell nur noch bei 97 Euro, mithin 24 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Die E-Book-Preise schmelzen dagegen weitaus langsamer: Kostete im vergangenen Jahr ein digitales Buch noch durchschnittlich 9,56 Euro, sank dieser Betrag in den ersten sechs Monaten von 2012 lediglich auf 8,64 Euro. Der optimale Preis für E-Books liegt Branchenkennern zufolge bei 5 Euro – bisher bleibt das Durchbrechen der magischen Schwelle jedoch vor allem experimentierfreudigen Self-Publishing-Autoren vorbehalten.

Infografik: BITKOM