5 schwarze Schwäne für die Big 5: Shatzkins düstere Prognose für den US-Buchmarkt

mike-shatzkinVom Zeitpunkt her überraschend, mit extremen Auswirkungen, nicht direkt vorhersehbar, aber im Nachhinein gut erklärbar — das zeichnet ein „Black Swan Event“ aus. Droht der US-Buchbranche in nächster Zeit solch ein Ereignis? Momentan scheint die Situation der großen Verlage (auch als „Big Five“ bekannt) stabil, doch Branchen-Guru Mike Shatzkin zufolge könnte sich das jederzeit ändern — die schwarzen Schwäne scharren sozusagen schon mit den Hufen. Im einem Interview für das wöchentliche Podcast „Kindle Chronicles“ nannte Shatzkin jetzt sogar fünf solcher Umbruch-Szenarien.

  1. Amazon schluckt einen der verbliebenen Großverlage, was dem bisherigen Boykott von Amazon-Titeln durch Barnes & Noble und die unabhängigen Buchhändler wohl ein Ende bereiten dürfte.
  2. Barnes & Noble blutet noch schneller aus und geht pleite — womit die „Big Five“ auf einen Schlag 10 bis 15 Prozent ihres Absatzmarktes verlieren würden.

  3. Amazon beschleunigt den Roll-Out eigener stationärer Buchhandlungen — und eröffnet nach den ersten Erfahrungen in diesem Sektor plötzlich hunderte Läden pro Jahr.

  4. James Patterson und ein knappes Dutzend weiterer Autoren eröffnen einen unabhängigen „Verlag der Autoren“, nach dem Vorbild der von Schauspielern 1919 gegründeten „United Artists“. Auch mit einem solchen Schritt dürften sich die Spielregeln für die „Big Five“ drastisch verändern.

  5. Amazon Publishing versammelt die Mehrheit der neuen Bestseller-Autoren im Rahmen der eigenen Imprints, die „Big Five“ im Kampf um die Edelfedern der Zukunft mehr oder weniger leer aus.

Dass alle fünf Schwarzen Schwäne durch die Branche flattern, ist wohl mittelfristig eher unwahrscheinlich, doch die eine oder andere schwarze Feder dürfte man sehen, die von Shatzkin genannten Szenarien klingen sehr realistisch…

(via teleread.org)

List der Unvernunft, oder: Wie sich die „Big Five“ selbst aus dem E-Book-Markt katapultieren

unit-sales-trend-20160110Haben sich die großen US-Verlage mit übertriebenem E-Book-Pricing im Kindle Shop selbst um Marktanteile gebracht zugunsten der günstigeren Self Publishing-Titel? Sieht ganz so aus. Die Seattle Times brachte kürzlich eine interessante Analyse zum Thema „Agency Modell“, also der 2014 von den „Big Five“ durchgesetzten Möglichkeit, Endkundenpreise im Kindle Store selbst zu bestimmen und dies nicht mehr — wie zuvor — Amazon zu überlassen („Wholesale-Modell“).

Print wiederbelebt, E-Books gekillt

Mittlerweile berichteten große Publisher wie Hachette, so die Seattle Times, nicht nur von schrumpfenden Umsatzanteilen von E-Books, sondern auch über neues Wachstum bei Print: die Kunden kaufen in vielen Fällen angesichts hoher Digital Preise dann doch lieber die gedruckte Version.

Auch der „Gesamtmarkt“ für E-Books schrumpft, dokumentierte zuletzt der Branchenverband „Association of American Publishers“ (AAP) — doch diese Zahlen für 2015 betreffen wohlgemerkt nur klassische Verlagstitel. Amazon — in den USA bei weitem der wichtigste Marktplatz für elektronische Bücher — verzeichnet starkes Umsatzwachstum bei E-Books aus firmeneigenen Imprints wie auch Self-Publishing-Titeln.

E-Book-Markt hat sich um 180 Grad gedreht

Das hohe E-Book-Pricing der „Big Five“ von Hachette bis Simon & Schuster habe letztlich dazu geführt, die Machtverhältnisse auf den Kopf zu stellen, so die Seattle Times unter Berufung auf Hugh Howeys aktuelle Marktanalyse auf dem „Author Earnings“-Blog.

Dort liest man nämlich: „Die Big Five verkaufen jetzt weniger als ein Viertel aller E-Books auf Amazon, während die Indies stramm auf einen Anteil von 45 Prozent zumarschieren.“ („The Big 5 now account for less than a quarter of ebook purchases on Amazon, while indies are closing in on 45%“).

Ein klassischer Fall von „We told you so!“

Was mal wieder zeigt: selbst wenn Amazon auf die Wünsche der traditionellen Verlage eingeht (vgl. Kopierschutz & die Closed-Shop-Problematik), heißt der Gewinner am Ende dann doch wieder Amazon. Weil’s dabei um die üblichen beratungsresistenten Verdächtigen geht, darf man hier wohl getrost auch von der „List der Unvernunft“ sprechen…