[e-book-review] Simple Stories zur Banalität des Normalen (Hanna Lemke, „Gesichertes“)

e-book-review hanna lemke gesichertes e-bestseller_pixelio_robson.gif„Gesichertes“ präsentiert die Berliner Autorin Hanna Lemke im gleichnamigen Erzählband – lakonische Notizen aus dem Interim zwischen Jugend und Erwachsenwerden. Doch auch simple Stories können es in sich haben, weiß man seit Ingo Schulzes Sampler „Simple Storys“. Technisch sind Hanna Lemkes Streifzüge zwischen Clubs, Kneipen, Wohngemeinschaften & Jobs auf der Höhe der Zeit – man kann sie via textunes als iPhone-App herunterladen. Wie es inhaltlich aussieht, verrät unser Rezensent Ralph Gerstenberg.

Leben im Interimszustand: Die Welt der Twenty-Somethings

Hanna Lemke ist so ziemlich das Gegenteil von Helene Hegemann. Sie veröffentlicht ihr Debüt mit Ende zwanzig, also in einem Alter, in dem das hierzulande Jungschriftstellerinnen normalerweise zu tun pflegen, sie lächelt offen auf ihrem Autorinnenfoto – kein Haar im Gesicht – und sie beschreibt das, was man als eine in Wuppertal geborene und nun in Berlin lebende Autorin, die zwischendurch am Leipziger Literaturinstitut studiert hat, nun mal kennt: die Welt der Twentysomethings, die sich in Bars und Kneipen treffen, oft zuviel trinken, miteinander rumziehen und in einer Art Interimszustand leben – noch nicht wirklich bereit, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, nicht mehr unbedarft genug, einfach ihre Jugend zu genießen.

Gesichertes Einkommen & anderweitiges

Die Ich-Erzählerinnen nehmen Jobs an, die sie nicht verstehen, spüren die Anziehungskraft von Frauen und Männern, denen sie begegnen, und versuchen so etwas wie Beziehungen aufrecht zu erhalten oder aufzubauen – zu Liebhabern, zu Freunden, zu Geschwistern. Oft reden sie kaum miteinander, wie Georg, der vom Geld seiner Eltern lebt und vom Vater am Telefon gefragt wurde, ob er inzwischen „anderweitig ein gesichertes Einkommen“ hätte. „“Und was hast du gesagt?“, fragte ich. Georg antwortete nicht. „Das fand ich nett, wie der das gesagt hat“, sagte er nur. „Anderweitig ein gesichertes Einkommen.““

Woher den Erfahrungsstoff für gute Geschichten nehmen?

Doch, es gibt in den Geschichten durchaus gelungene Passagen. Auch wie der wortkarge Boris eine eingespielte Freundesclique erst analysiert und dann als Katalysator deren Reduzierung vorantreibt, ist schön beobachtet und lakonisch beschrieben. Allerdings fehlt es den Geschichten an Tragik, an Fallhöhe, an Relevanz. Sie beschreiben abgesicherte Welten, in denen das Weiterkommen vielleicht noch etwas unsicher ist, junge Leute, die ein bisschen einsam sind und ein bisschen was ausprobieren, bis sie irgendwann die sicheren bürgerlichen Bahnen einschlagen werden. Auch stilistisch bieten diese Stories nicht viel, nur die übliche Reduktion und das nicht zu Eindeutige – Dinge, die man in Leipzig lernt. Angesichts dieser Prosa spürt man ein Dilemma, in dem junge, wohlbehütet aufgewachsene Autoren und Autorinnen heutzutage stecken: Woher den Erfahrungsstoff für gute Geschichten nehmen und nicht stehlen? Und man ist fast geneigt, der Methode Hegemann zuzustimmen: Lieber eine geborgte Erfahrung als die Banalität des Normalen!

Autor & Copyright: Ralph Gerstenberg

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Hanna Lemke,
Gesichertes (2010)
E-Book/ iPhone-App (textunes), 9,99 Euro
Hardcover (Kunstmann-Verlag) 17,90 Euro

Bild: Pixelio/Robson

Wiedersehen mit Kurt Wallander: Henning Mankells Krimi-Serie erscheint komplett als E-Book

mariagatan-mankell-wallander bestseller e-book.gifGute Nachricht für Krimi-Freunde: Kommissar Kurt Wallander kommt auf den E-Reader. Mit „Mörder ohne Gesicht“, „Die Hunde von Riga“ und sieben weiteren Folgen bringt dtv die gesamte Serie des schwedischen Bestseller-Autors Henning Mankell als E-Book im epub-Format heraus. Mit 8,99 Euro pro Band sind die Krimis immerhin fast einen Euro günstiger als die Taschenbuch-Version. Falls zwischendurch die Augen ermüden sollten: Bis auf „Mittsommermord“ gibt es alle Mankells mittlerweile auch als Hörbuch-Download.

Kurt Wallander ist ein Kommissar in der Midlife-Crisis

Hört man den Namen Kurt Wallander, hat man schnell ein Bild vor Augen – doch ist es Kenneth Branagh, Rolf Lassgård oder Krister Henriksson? Viele Teile der von Henning Mankell in den 90er Jahren gestartete Roman-Serie sind nämlich bereits drei mal verfilmt worden, vom ZDF, von der BBC und als Koproduktion der ARD & des schwedischen Fernsehens. Die Mariagatan in Ystad ist für Wallander-Fans schon so etwas geworden wie die Londoner Baker-Street für die Anhänger von Sherlock Holmes. Doch nicht nur in Ystad selbst, in der gesamten Region Schonen machen sich mittlerweile viele Touristen auf die Spuren des fiktiven Krimi-Heldens. Das eigensinnige Original lernt man jedoch immer noch am besten in den Romanen selbst kennen. Bereits in „Mörder ohne Gesicht“ begegnet man einem grüblerischen, introvertierten Kriminalkommissar, der geradewegs in die Midlife-Crisis steuert. Komplettiert wird das Bild von der abwesenden Ex-Frau, einer pubertierenden Tochter und dem kauzigen Vater Wallanders, der als Hobbymaler immer wieder den selben Sonnenuntergang auf die Leinwand bannt.

Mankell bringt das internationale Verbrechen in die schwedische Provinz

Ganz in der Tradition der Sozio-Krimis von Maj Sjöwall und Per Wahlöö wählt Mankell ein realistisches Setting. Der Ermittler und sein Team sind am ganz normalen Polizeialltag angelehnt. Wallander ist kein Philip Marlowe – als alleinerziehender Vater in der Midlifecrisis ist er weit entfernt vom klassischen Typus des Hardboiled Hero. Die brutalen Gewaltverbrechen, mit denen die Ystader Polizei konfrontiert wird, haben jedoch eindeutig Thriller-Qualität. Es geht gleich zu Anfang um die Themen Migration, Menschenhandel und Mafia. Gesellschaftsdarstellung und Gesellschaftskritik gehen dabei Hand in Hand. Das ist gerade aus heutiger Sicht besonders spannend. Denn Mankell beginnt die Wallander-Serie in der unmittelbaren Nachwendezeit. Die bringt auch für Skandinavien viel Veränderung. Die Öffnung der Grenzen und das Wohlstandsgefälle zu Osteuropa stellt die schwedische Provinz vor ganz neue Probleme. Eins davon ist die wachsende Kriminalität. In „Die Hunde von Riga“ ermittelt Wallander under cover im Baltikum, nachdem in Schweden ein mysteriöses Rettungsboot mit zwei toten Letten angetrieben wurde. In Riga wird der schwedische Kommissar in einen Machtkampf zwischen Anhängern der alten und der neuen Ordnung verwickelt. Noch internationaler und zugleich noch politischer wird es dann in „Die weiße Löwin“ – denn es geht um die Vorbereitung eines Attentats auf Nelson Mandela. Der Attentäter wird in Schweden von einem ehemaligen KGB-Agenten für seine Aufgabe trainiert, doch Wallander kommt der Sache auf die Spur. Ein paralleler Handlungsstrang erzählt von den Ermittlungen eines südafrikanischen Staatsanwalts, der ebenfalls versucht, die Verschwörung aufzudecken.

Serienmörder und Cyberterroristen – auch der späte Wallander hat es in sich

Wallander meistert zwar jedes dieser Abenteuer, besser gesagt, er überlebt sie, psychisch und gesundheitlich geht es mit ihm jedoch bergab. Geplagt von Depressionen und Alkoholexzessen quittiert er in der Folge „Der Mann der lächelte“ sogar kurzzeitig den Dienst. Der Tod eines befreundeten Anwalts bringt ihn dann jedoch auf die Spur eines Falles, in dem es um Wirtschaftskriminalität geht. Seit Ende der Neunziger Jahre kommt ein neues Element in den Mankellschen Krimi-Kosmos – sowohl bei „Die falsche Fährte“ wie auch „Die fünfte Frau“ geht es um Mordserien und die dazugehörigen Serienmörder. Der sozialkritische Touch jedoch bleibt erhalten – beide Fälle kreisen um das Thema der Mißhandlung von Frauen und Zwangsprostitution. In beiden Fällen werden die Morde interessanterweise von Täterinnen begangen, die sich für die Mißhandlungen rächen wollen. Ein männlicher Serienmörder in Frauenkleidern steht dagegen dann im Mittelpunkt von „Mittsommermord“, dem siebten Teil der Wallander-Serie. Mit „Die Brandmauer“ kommt Mankells Serie dann auch technisch in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts an – mit dem Titel ist nämlich eine „Firewall“ gemeint. Wallander und seine Kollegen ermitteln gegen eine Gruppe von Cyber-Terroristen, die mit gezielten Attacken auf Internet-Server das weltweite Finanzsystem lahmlegen wollen. Die „Brandmauer“ erschien 2001 und blieb Wallandes letzter Fall – bis auf weiteres hat Mankell den inzwischen auch noch an Diabets erkrankten Helden in Pension geschickt. Dafür kam jedoch ein Jahr später „Wallanders erster Fall“ heraus. Der Band enthält fünf Kurzgeschichten, in denen man den späteren Kommissar u.a. als einfachem Streifenpolizist im Malmö des Jahres 1969 kennenlernen kann, der auf eigene Faust beginnt, einen Mordfall aufzuklären.

iBooks vs. Kindle-App: Wie man auf dem iPad am besten liest

ibooks ipad e-book bestseller.gifNach dem iPad-Start in den USA sind schon mehr als 700.000 Geräte im Umlauf – und damit auch 700.000 potentielle E-Reader. Doch wie liest man auf Apples Tablet am besten – mit iBooks oder mit der Kindle-App? Preislich unterscheiden sich die E-Books aus dem Apple- und Amazon-Universum kaum. Doch die beiden Apps bieten unterschiedlichen Lesekomfort – und unterschiedliche technische Möglichkeiten. Im Moment leistet die Kindle-App mehr – ein E-Book lässt sich mit ihr auf verschiedenen Geräten lesen, vom iPhone bis zum PC.

Kampf der Giganten: iBooks kann 90.000 E-Books bieten, Kindle für das iPad sogar das Fünffache


Ausgerechnet am Osterwochenende wurde der Buch-Branche ein ganz besonderes Ei ins Nest gelegt: Apples Tablet verkauft sich in den USA sogar noch besser als zuvor das iPhone. Anders als in Deutschland geplant ist der iPad-Moment auf der anderen Seite des Atlantiks zugleich von Anfang an ein iBooks-Moment. Apples iTunes für Bücher ist gut gefüllt: dank der Zusammenarbeit mit Project Gutenberg gibt es etwa 30.000 kostenlose E-Book-Klassiker im epub-Format. Apples Big Deal mit den wichtigsten US-Verlagen hat iBooks zudem 60.000 kommerzielle Titel beschert, zumeist zum Preis von 9,99 bis 14,99 Dollar. Um die Kaufentscheidung zu erleichtern, kann von jedem Titel eine Leseprobe heruntergeladen werden. Auch für E-Comics ist gesorgt, etwa durch die iPad-App von Marvel. Die meisten Titel bringt aber eindeutig Amazons „Kindle for iPad“-App an Bord – sie bietet nämlich eine Auswahl von mehr als 450.000 E-Books. Doch welche App sollte man benutzen?

iBooks sieht nicht nur gut aus, es ist auch ideal zum Lesen unter der Bettdecke


ibooks virtuelles bücherregal e-book bestseller ipad.gifWas „Eye Candy“ betrifft, bietet iBooks eindeutig ein bisschen mehr. Wechselt man vom iBooks Store zur Bibliothek, hat man ein virtuelles Bücherregal vor Augen. Grafisch hat sich Apple dabei eindeutig von der Classics App für iPhone und iPod Touch inspirieren lassen. Wählt man ein Buch aus, wird es wie von Geisterhand aus dem Regal genommen, geöffnet und gezoomt. Apples Tablet macht auf Gutenberg-Mimikry: ähnlich wie bei der Classics-App ist auch beim iPad das Umblättern grafisch animiert. Besonders bibliophil ist die Leseansicht im Querformat – dann werden nämlich jeweils zwei gegenüberliegende Seiten gezeigt. Fontgröße und Fontfamilie lassen sich wählen (im Lieferzustand: Baskerville, Cochin, Palatino, Times New Roman and Verdana). Auch die Helligkeit des Touchscreens kann man regulieren. Besonders komfortabel ist auch das Hinzufügen von DRM-freien E-Books. Ähnlich wie bei Musiktiteln werden sie am Desktop-Computer bzw. Laptop einfach per Drag & Drop in den iTunes-Ordner verschoben und erscheinen dann nach der nächsten Snychronisation auf dem iPad. Wer allerdings Bestseller wie Dan Browns „Lost Symbol“ und ähnliche Pageturner aus dem Hause Random House lesen möchte, wird mit iBooks nicht glücklich – denn mit der Bertelsmann-Tochter wurde Apple bisher nicht handelseinig.

In-App-Shopping von E-Books ist für Apples Konkurrenz auf dem iPad nicht erlaubt


kindle ipad e-book bestseller.gifWechselt man zur Kindle-App, wird man dagegen auch in Sachen Dan Brown fündig – allerdings ist Amazons E-Book-Store ja schon ein bisschen länger am Markt. Das Angebot ist überwältigend – „iBooks is still a ghost town compared to Amazon’s Kindle store“, klagte zu recht der Silicon Alley Insider. Doch der Rummel hat seine Kehrseite. Verzichten muss nämlich auf den Augenschmaus des virtuellen Bücherregals. Immerhin, das Umblättern ist animiert. Wechselt man auf das Querformat, hat man aber keine Doppelseite vor sich, sondern eine Einzelseite mit mehr Weißraum am Rand. Der Schriftfont lässt sich leider nicht ändern, Schriftgröße und Helligkeit allerdings schon. Am ärgerlichsten ist wohl der umständliche Shopping-Prozess. Um Kindle-E-Books zu kaufen, muss man die App verlassen und via Browser die Amazon-Seite besuchen. Schuld daran ist allerdings nicht Amazon, sondern Apple – das sogenannte „In-App“-Shopping von digitalen Gütern ist nämlich wie auf dem iPhone auch auf Apples Tablet nicht erlaubt. Trotzdem gibt es momentan noch gute Gründe, statt iBooks die Kindle-App zu nutzen. Wer nämlich seine E-Book-Bibliothek auf mehreren Lesegeräten nutzen möchte, kommt bei DRM-geschützten Titeln mit iBooks nicht sehr weit. Die Kindle-App dagegen läuft auf so unterschiedlichen Endgeräten PC, Mac, iPhone oder Blackberry – und lässt sich synchronisieren. Was einmal gekauft wurde, landet also auf allen verkindleten Geräten. Bliebe noch die Preisfrage: Was macht man, wenn man Dan Brown auf dem iPad lesen will, aber auf Amazons Kindle-App verzichten möchte? Ganz einfach: man installiert die Kobo-App. Der unabhängige E-Book-Store mit Sitz in Kanada bietet mittlerweile auch schon mehr als 2 Millionen Titel an – und konnte pünktlich zum Start des Tablets verkünden: „We’re Apple approved!“.

„Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“: Stephenie Meyers neuer Roman ab Juni kostenlos im Netz

Stephenie Meyer Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl Bestseller E-Book Twilight.gifDer Lese-Sommer wird blutig: am 5. Juni startet Stephenie Meyers neuer Vampir-Roman „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“. Untertitel: „Das kurze zweite Leben der Bree Tanner“. Das englische Original wird man sogar ab 7. Juni für einen Monat kostenlos online lesen können. Lange Zeit zum Verschnaufen bleibt danach allerdings nicht: bereits am 15. Juli kommt dann der dritte Teil der Twilight-Serie auf die deutschen Kinoleinwände.

Das kurze Leben von Bree Tanner dauert jetzt immerhin 200 Seiten

Kurz war das Leben von Bree Tanner bisher auf jeden Fall. Im dritten Band von Stephenie Meyers Vampir-Saga „Bis(s) zum Abendrot“ beschränkte es sich auf zehn Seiten. Bree gehört zur Armee aus neugeborenen Vampiren, die gegen die Romanheldin Bella und ihre Freunde zu Felde ziehen – und bezahlt das sehr schnell mit ihrem untoten Leben. In „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“ wird diese Randfigur nun selbst zur Hauptdarstellerin, denn Stephenie Meyers neuestes Buch ist aus Brees Perspektive erzählt. Für die Bestseller-Autorin kam die Entwicklung zum 200-Seiten-Roman selbst überraschend: „Als ich 2005 mit der Arbeit begann, war es einfach ein Versuch, der mir helfen sollte, die andere Seite von ‚Bis(s) zum Abendrot‘ zu verstehen. Ich dachte, daraus könnte vielleicht eine Kurzgeschichte werden, die ich auf meine Website stellen würde. Doch der Text wurde viel länger als zunächst geplant, so dass schließlich ein Roman daraus entstanden ist.“ Teile des Bree Tanner-Plots sind auch in das Drehbuch für die Verfilmung von „Eclipse – Bis(s) zum Abendrot“ eingeflossen, der Mitte Juli in die Kinos kommt.

Kostenlos online lesen: „I wanted to be able to offer it to my fans for free“

Ähnlich wie bei Stephen Kings Roman „Die Arena“ starten deutsche und englische Version zum selben Zeitpunkt. Hierzulande können Print-Buch und E-Book ab dem 1. April beim Carlsen Verlag zum Preis von 15,90 Euro vorbestellt werden. Auch „Bis(s) zum ersten Sonnenstrahl“ dürfte wohl ein Bestseller werden – bereits die ersten vier Bände der Twilight-Serie haben sich alleine in Deutschland mehr als 7,5 Millionen mal verkauft. Wer bis zum 7. Juni wartet, kann jedoch Bree Tanners kurzes Leben auch kostenlos lesen. Denn Stephenie Meyer stellt die englische Version für einen Monat lang frei zugänglich ins Internet. “Since this story had always been an extra for me, I wanted to be able to offer it to my fans for free. You all have bought a ton of my books, and I wanted to give you this story as a gift”, begründet Meyer auf ihrem Blog die auf dreißig Tage befristete Gratis-Aktion. Meyers Verleger war mit diesem Schritt von Anfang an einverstanden. Als Marketing-Methode für den Printsektor haben sich kostenlose E-Books schließlich bereits bewährt – und so überrascht es kaum, dass man vorsorglich schon mal 1,5 Millionen Exemplare von „The Short Second Life of Bree Tanner“ drucken ließ.

Das Tablet der toten Dichter: iBooks integriert Public-Domain-Bibliothek von Project Gutenberg

ipad-project-gutenberg e-book bestseller.gifPunktsieg für Apple – wenige Tage vor dem iPad-Start in den USA wird ein weiterer Content-Deal publik: mit der Integration der Public-Domain-Bibliothek von Project Gutenberg stehen den Nutzern von Apples neuem Tablet mehr als 30.000 E-Book-Klassiker im epub-Format umsonst zur Verfügung. Sparen können iPad-Besitzer offenbar auch bei Bestsellern – viele Top-Titel der US-Rankinglisten gibt es in der Launch-Phase zum Kampfreis von 9,99 Dollar.

Willkommen im E-Book-Club der toten Dichter: 30.000 Gratis-Klassiker für iBooks


Willkommen im E-Book-Club der toten Dichter – mit Apples jüngstem Coup wird das iPad nach Informationen von AppAdvice zum Entreebillet zur klassischen Weltliteratur. Zumindest in den USA, wo iBooks von Anfang an zur Grundaustattung des heißbegehrten Tablet-PCs gehören wird. Möglich macht das Apples Entscheidung, auf den Branchenstandard epub zu setzen – auch die Klassiker von Project Gutenberg gibt es seit einiger Zeit in diesem Format. Deutsche Leser sollten sich allerdings nicht zu früh freuen. Nicht nur, weil iBooks hierzulande erst später starten wird. Denn es geht wohlgemerkt nicht um das „Projekt Gutenberg“, sondern die internationale Variante. Dort findet man zwar auch knapp 700 deutsche Klassiker. Doch der Löwenanteil – mehr als 26.000 Titel – betrifft englischsprachige Titel.

NYT-Bestseller für 9,99 Dollar: Apple bietet Amazon beim E-Book-Pricing kräftig Paroli


Die Nase vorn hat die Apple-Kundschaft jenseits des Atlantiks auch beim Pricing kommerzieller E-Book-Titel. Bei den meisten elektronischen Versionen von Bestsellern etwa aus der New York Times-Auswahlliste hat Steve Jobs etwa für Schwellenpreise gesorgt, die mit Amazon auf Augenhöhe sind. Und das bedeutet: es gibt diese E-Books für 9,99 Dollar. Das überrascht natürlich, denn die großen US-Verlage hatte Apple ja gerade mit dem Versprechen ins Boot geholt, bessere Margen zu garantieren als Amazon. Doch zumindest für die Markteinführung des neuen Tablets wird nun offenbar eine offensive Niedrigpreis-Politik gefahren. Aus deutscher Perspektive bleibt auch diese Episode der E-Book-Wars nur ferner Schlachtendonner – die Buchpreisbindung sorgt nach dem iPad-Launch für Ruhe an der Pricing-Front. Erfreulich für die Verlage – ärgerlich für die Leser, und letztlich auch für Apple. Denn iBooks ist eben als das iTunes für Bücher ausgelegt, ähnlich wie bei iPhone und iPod Touch soll günstiger Content als Kaufanreiz für die Hardware fungieren. Die Auswahl hierzulande wird wohl etwas anders aussehen: entweder 25 Euro für den neuen Sci-Fi-Thriller von Frank Schätzing hinlegen, oder Jules Vernes Reise zum Mond gratis lesen.

[e-book-review] Per Weltraumfahrstuhl ins Jahr 2025: Frank Schätzings Sci-Fi-Thriller „Limit“

schaetzing-bestseller-limit-bestseller-science-fiction-thriller.gifSeit 1969 weht die amerikanische Flagge auf dem Mond – doch der Erdtrabant gehört der ganzen Menschheit. So will es das Weltraumrecht. Doch was wäre, wenn man auf dem Mond einen neuen Rohstoff entdecken würde, wertvoller als Erdöl? Genau dieses Szenario wählt Frank Schätzing für seinen aktuellen Bestseller „Limit“, der im Jahr 2025 spielt. Auf der Jagd nach dem Isotop Helium-3 kämpfen Konzerne aus den USA und China um die Macht zwischen Himmel und Erde – mit allen Mitteln. Frank Schätzings Sci-Fi-Thriller ist jetzt auch medial in der Zukunft angekommen – es gibt ihn ab sofort als E-Book.

„Gesamtkunstwerk aus Bestseller, Show und Weltrettung“


Ein „Gesamtkunstwerk aus Bestseller, Show und Weltrettung“ nannte die taz kürzlich Frank Schätzings Marketing-Konzept. Tatsächlich muss man seinen neuesten Roman nicht unbedingt mehr selbst lesen. Mit „Limit Live“ tourt Deutschlands erfolgreichster Schriftsteller nämlich quer durch das Leseland. Das Multi-Media-Spektakel ist eine Art szenischer Lesung und Wissenschafts-Show. Schätzing geht es mit seinen Romanen um nichts weniger als die Zukunft der Menschheit. Bereits sein letzter Bestseller war eine Mischung aus Sci-Fi und Öko-Thriller – der „Schwarm“ führte die Leser allerdings nicht in den Weltraum, sondern in ein Universum der etwas anderen Art – nämlich die Tiefsee. Nun geht es also auf den Mond, doch letzlich geht es um den blauen Planeten und dessen wachsenden Energiebedarf. Erdöl ist im Jahr 2025 längst überflüssig geworden – stattdessen setzt man auf Kernfusion. Der nuklearen Brennstoff namens Helium-3 wird auf dem Mond von automatischen Schürfrobotern abgebaut.

Die neue Energiequelle ist den Ölkonzernen ein Dorn im Auge


Trotz Kernfusion, Mondstation und energiesparendem Weltraumfahrstuhl (!) ist jedoch eins geblieben: die Rivalitäten großer Mächte. Ausgetragen werden sie jedoch nicht mehr zwischen Nationen, sondern zwischen Großkonzernen und Kartellen. Auf dem Mond kommen sich somit die wirtschaftlichen Interessen amerikanischer und chinesischer Investoren in die Quere. Außerdem ist die neue Energiequelle den darbenden Ölkonzernen ein Dorn im Auge. Die Welt bewegt sich somit auch 2025 hart am Limit: Erst droht ein Krieg zwischen den USA und China, dann mischen sich Agenten der mysteriösen Organisation „Hydra“ zwischen Weltraumtouristen, um die Infrastruktur auf dem Mond mit einer Mini-Nuke zu zerstören. Unter ihnen ist der Multimilliardär und Großinvestor Carl Hanna. Zu den Gegenspielern auf der Erde gehört Owen Jericho, ein Privatdetektiv aus Shanghai, der den Auftrag bekommt, die verschwundene Cyber-Dissidentin Yoyo zu finden. Im Rahmen der Ermittlungen kommt Jericho mehr oder weniger zufällig der Mond-Verschwörung auf die Spur. Doch wird die Zeit reichen, ein neues Ground Zero auf dem Mond zu verhindern?

Als Autor schätzt Schätzing Details: Von geopolitischen Zusammenhängen bis zum Sex in der Schwerelosigkeit


Schätzing liefert wieder einmal eine spannende Story, die locker über 1300 Seiten trägt. Doch für den eigentlichen Flavor der Geschichte sorgt ähnlich wie in „Der Schwarm“ der detaillierte technischen Hintergrund. „Ich habe ein Jahr lang nur recherchiert und dann zwei Jahre geschrieben, währenddessen aber weiter Recherchen betrieben“, so Schätzing im Interview mit dem Magazin „Büchermenschen“. Dabei ging es hauptsächlich um „Raumfahrttechnologie, aber auch geopolitische Zusammenhänge, Energiewirtschaft, die Historie und Entwicklung Chinas und so spaßige Sachen wie Sex in der Schwerelosigkeit“. Gegenüber dem gedruckten Buch enthält das E-Book übrigens eine Handvoll Bonus-Material. Darunter eine kurze Erläuterung der zentralen Handlungsschauplätze auf Erde und Mond, eine Charakterisierung der wichtigsten Romanfiguren, Frank Schätzings persönliche Lektüretipps sowie zehn Zeichnungen, die während der Arbeit am Roman entstanden sind.

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Frank Schätzing,
Limit (März 2010)
Kiepenheuer & Witsch
E-Book/epub, 25,99 Euro

[e-book-review] Vook mit Vampir: Anne Rices Gothic-Romance „Rampling Gate“ als multimediale iPhone-App

vook-mit-vampir-anne-rices-gothic-romance-rampling-gate-als-multimediales-ebookWas Vampire betrifft, so kommt Anne Rice gleich nach Bram Stoker: der britische Schriftsteller hat mit „Dracula“ die untoten Blutsauger zur modernen literarischen Figur gemacht – doch seine amerikanische Kollegin machte sie in ihren „Vampire Chronicles“ erstmals zu „lebensechten“ Romanhelden. Mit „The Master of Rampling Gate“ präsentiert Vook nun eine multimedial aufbereitete Kurzgeschichte von Anne Rice, die einen guten Einblick in das Erfolgsrezept der Bestseller-Autorin ermöglicht: die E-Book-App für iPhone & iPod Touch wird von Video-Sequenzen begleitet, in denen neben Rice selbst Gothic-Experten und Literaturkritiker zu Wort kommen.

Rampling Gate, oder: Vampir-WG wider Willen

„Anne Rice hat unseren Blick auf den Vampir verändert“, so die Gothic-Forscherin Suze Quiroz, „es gab vorher keine Erzählung aus der Ich-Perspektive, man hat nichts über die Gedanken des Vampirs erfahren, nichts über seine Lebensgeschichte, darüber, wie er zum Vampir geworden ist“. Nicht umsonst heißt Anne Rices berühmtester Roman „Interview mit einem Vampir“. Im Jahr 1976 erschien der spätere Bestseller zum ersten Mal – und zahlreiche weitere folgten. Mittlerweile haben sich das gute Dutzend von Vampirromanen aus der Feder von Anne Rice weltweit mehr als 100 Millionen mal verkauft. Während die Romane um die Vampire Louis und Lestat in New Orleans und Umgebung spielen, ist die Kurzgeschichte „The Master of Rampling Gate“ näher am klassischen, europäischen Gothic Horror. Die Vook-Version bietet eine schöne Gelegenheit, auf iPhone oder iPod Touch nicht nur in die Story selbst hineinzuschauen, sondern sich auch anzuhören, was die Schriftstellerin selbst darüber zu sagen hat. Vielleicht ist das sogar die beste Nutzung der Kombination von Video und E-Book – Autoren können ihren Lesern in Zukunft auf ganz neue Weise entgegentreten.

Von der klassischen Gothic-Formel zur Vampir-Romanze

Die beste Zusammenfassung von „Rampling Gate“ bleibt im Vook so auch Anne Rice selbst vorbehalten: „Es ist eine separate Geschichte, in der es um ein Landhaus in England geht, das von einem Vampir beherrscht wird, und die junge Frau, die das Haus erbt, weiß zu Anfang nichts davon“, bringt es die Autorin in der ersten Videosequenz auf den Punkt. „Ich wollte die klassische Gothic-Formel nutzen – das verwunschene Haus, das unschuldige Mädchen, und ich wollte einen Vampir hinzufügen, so dass es am Ende zu einer Vampir-Romanze wird.“ Ähnlich wie bei den Vampire Chronicles wird der Vampir nicht als Monster gezeigt, sondern als ein Wesen mit Gefühlen, mit einer Lebensgeschichte. Zugleich hat das Spukhaus wohl auch etwas mit Anne Rice selbst zu tun – denn manche Texte hat sie unter dem Pseudonym „Anne Rampling“ veröffentlicht. Die junge Erbin von Rampling Gate will Schriftstellerin werden, und hat gerade ihr erstes Manuskript beendet. Zu den ersten Lesern gehört ihr blutsaugender Mitbewohner… Wie es bei den Video-E-Books von Vook zum Standard gehört, gibt es neben einigen erläuternden Clips – etwa zu den Themen „Gothic Style“ oder über das New Orleans von Anne Rice – auch bei „Rampling Gate“ im Text zahlreiche Hyperlinks, die zu weiteren Informationen im Internet führen. Die sehr schön gestaltete App kann man zur Zeit im App Store für 79 Cent bekommen, zum gleichen Preis gibt’s bei vook.com aber auch die Web-Version. Ein Graus ist eigentlich nur, dass es Vooks nicht auf deutsch gibt. Der Berliner Anbieter textunes hat immerhin schon mal die Kombination von E-Book & Hörbuch ausprobiert – doch Buch plus Video scheint für die Buchmacher im Leseland offenbar noch eine Art Horrorvorstellung zu sein. Zu unrecht!

[e-book-review] „Meconomy“ statt „Ich-AG“: E-Book-Ratgeber für Deutschlands kreative Klasse

meconomy-e-book-bestseller-markus-albersBestseller-Autor Markus Albers setzt auf Direkt-Publishing: sein neues Buch„Meconomy“ erscheint bei textunes exklusiv als E-Book. Wie passend – schließlich formuliert der ehemalige Vanity-Fair-Redakteur darin das Selbständigkeits-Credo der bundesdeutschen Creative Class. Beim Personal Branding macht ihm jedenfalls niemand was vor: Sony liefert den neuen E-Reader PRS 300 Pocket Edition mit „Meconomy“ als Give-Away aus.

Der pragmatische Grund für die Variante E-Book-Only: Geschwindigkeit

Man könnte Markus Albers den deutschen Chris Anderson nennen. Ähnlich wie bei Andersons Bestseller „Free“ ist mit dem Erscheinen von„Meconomy“ die grundsätzliche These des Buches bereits bewiesen. Wenn auch mit etwas anderen Mitteln. Dem Chefredakteur des Wired-Magazins ging es darum, die Marketing-Möglichkeiten von zeitweise kostenlos angebotenen E-Books zu demonstrieren. Das Buch des ehemaligen Vanity-Fair-Redakteur Albers gibt es zwar nicht umsonst – doch dafür wohl als ersten Titel eines prominenten deutschen Autors nur in elektronischer Form. Lesen kann man „Meconomy“ im epub-Format oder via textunes-App auch auf iPhone und iPod Touch. Dieser Ansatz stützt auch ganz praktisch die These vom mobilen, flexiblen und selbstbestimmte Arbeiten der Digital Natives. In den Worten des Autors: „Das Buch erscheint als E-Book, gerade weil es davon handelt, dass wir heute viele klassische Institutionen nicht mehr brauchen, sondern Dinge heute selbst in die Hand nehmen können. Ich suche mir meine Leser selbst, ohne großen Verlag oder Buchhandlungen im Rücken“. Es gab jedoch noch einen pragmatischeren Grund für die Variante E-Book-Only: Geschwindigkeit. „Mein Verlag hätte bis zum kommenden Herbst gebraucht – also fast ein Jahr. Die Thesen sind aber jetzt aktuell.“ Eine Print-Ausgabe ist natürlich für später nicht ausgeschlossen. Vom Preis-Leistungsverhältnis her dürfte aber die E-Book-Ausgabe aus Autorensicht unübertroffen bleiben: „Mich hat das Buch bisher einen niedrigen vierstelligen Betrag gekostet. Dafür verdiene ich pro verkauftem Exemplar zwischen 4 und fast 10 Euro“, so Albers auf schreibermag.de. Um den „Break even-Point“ zu erreichen, müsse er etwa 300 bis 500 Exemplare verkaufen: „Danach ist alles Gewinn“.

Parallel zum E-Book wurde die Website Meconomy.me freigeschaltet

Doch was machen überhaupt Journalisten, die ein Sachbuch schreiben wollen? Ganz einfach – sie führen Interviews mit Leuten, die sich auskennen. Für Meconomy hat Albers insgesamt 20 Experten für die Arbeitswelt der Zukunft interviewt, darunter PR-Blogger und Unternehmensberater Klaus Eck, Glücksforscher Wolff Horbach und den Social-Media Experten Johannes Kleske. Und nicht zu vergessen natürlich: Wired-Chefredakteur Chris Anderson. Auf der parallel zum E-Book-Start freigeschalteten Webseite meconomy.me kann man diese Gespräche ausführlich nachlesen. Vorangestellt sind dem Buch zehn Thesen zur neuen Arbeitswelt. „Wir verbringen nicht mehr den Großteil unseres Lebens in Büros. Dieser veränderte Arbeitsalltag ergibt sich vor allem durch technologische Neuerungen und durch sie kristallisieren sich auch alternative Berufsfelder heraus. Weil Wissen, Fähigkeiten und Geschäftsmodelle immer schneller veralten, müssen wir uns permanent neu erfinden“, heißt es da etwa in These Nummer Drei.

Easy Economy, das hieß ganz einfach: weniger Zeit im Büro verbringen, bessere Work-Life-Balance

Wer Albers Bestseller „Morgen komm ich später rein“ schon kennt, dem wird das nicht wirklich neu vorkommen. Denn was dort mit dem Etikett „Easy Economy“ versehen wurde, ging schon in dieselbe Richtung: „Wir arbeiten hart. Wir arbeiten lang. Wir arbeiten im Büro. Freizeit ist ein exotisches Fremdwort. Dabei wissen wir ganz genau, dass uns jenseits des Alltagstrotts die besten Ideen kommen. Immer mehr Angestellte haben daher das Gefühl, außerhalb ihres Büros effizienter zu arbeiten“. Das war Mitte 2008 – Albers hatte da längst seinen Arbeitsplatz als Managing Editor der deutschen Ausgabe von Vanity Fair gegen das Leben als freier Autor eingetauscht. Den Lesern versprach er dagegen eher einen Mittelweg zwischen den Extremen: also weder jeden Tag Nine-to-Five-Job noch den Sprung in die komplette Unabhängigkeit. Easy Economy, das hieß ganz einfach: weniger Zeit im Büro verbringen, mehr Spaß, mehr Freizeit, eine bessere Work-Life-Balance. Doch dann kam die Finanz- und Wirtschaftskrise. Und plötzlich war alles gar nicht mehr easy…

Auch Meconomy wendet sich an die digitale Bohème

Ging es vorher um eine Option unter vielen, wird die Selbständigkeit nun zum Rettungsanker. „Meconomy“ ist eine trotzige Antwort auf die Krise: „Wir müssen nicht nur unser Leben stärker in die Hand nehmen, wir können es auch“. Allerdings können nicht alle Menschen „global mobil“ werden und dank „Personal Branding“ im weltweiten Wettbewerb um Arbeitskräfte mithalten. Man braucht eine „gute Ausbildung, Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, kulturelle Offenheit, Neugier und Glauben an die eigenen Fähigkeiten“. Mit anderen Worten: „Meconomy“ wendet sich ähnlich wie Holm Friebes und Sascha Lobos Manifest „Wir nennen es Arbeit“ an die „digitale Bohème“.
Allerdings sind die Zwischentöne deutlich düsterer geworden – es geht nicht nur um Potentiale, sondern auch um ein potentielles Problem. Die neue Arbeitswelt, so prophezeit Albers wohl nicht ganz unberechtigt, wird die Gesellschaft in der Mitte spalten. Und bei allem Zweckoptimismus: selbst ob die Mehrheit der neuen Selbständigen rein ökonomisch am Ende wirklich besser dasteht als vorher, ist eher zweifelhaft. Übersetzt man ein hippes Wort wie „Meconomy“ mal wieder zurück ins Deutsche, kommt man der momentanen Realität für die Mehrheit der „Arbeitskraft-Unternehmer“ wohl etwas näher – und diese Realität heißt „Ich-AG“.

Ist Deutschland wirklich auf die Creative Class vorbereitet?

Doch das sieht Albers letzlich auch so – um die Chancen der „Meconomy“ zu nutzen, werden wir nicht nur hart arbeiten müssen, wir werden auch hart an unseren Fähigkeiten arbeiten müssen. Zum Glück gibt’s aber genügend technische Hilfmittel – fortbilden kann man sich mittlerweile auch per Youtube oder iTunes. Und wie gewohnt gibt Albers selbst auch einige Tipps zum Thema „Lifehacking“ und „GTD“ („Getting Things Done“). Eigentlich sollte man so etwas schon in der Schule lernen. Doch leider ist unser Bildungswesen ist mit dem Schritt zum Life long learning noch etwas überfordert. Deutschland scheint nicht wirklich darauf vorbereitet zu sein, dass bald mehr als ein Drittel der Arbeitnehmer zur Kreativen Klasse gehören, wie es der US-Sozialwissenschaftler Richard Florida prognostiziert. Das zeigt sich auch beim Thema Absicherung: Nur mit der kleinen, feinen Künstlersozialkasse kommt man wohl nicht weiter. Der „Sozialstaat für die Generation Facebook“ braucht eine flächendeckende Lösung – Albers denkt da wie viele andere an das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens. Doch was ist mit dem Versprechen, nicht nur machen zu können, was man will, sondern vor allem auch, wann und wo man will? Das gilt bis auf weiteres nur in den Ballungsgebieten. Bis auch das flache Land vom Breitband-Internet profitieren kann, werden noch ein paar Jahre ins Land ziehen. Die Unter-Dreißigjährigen müssen sich aber trotzdem keine Sorgen machen, den Zug zur Meconomy zu verpassen: „Interessanterweise scheint sich die etwas ältere Generation der zwischen 30- und 45-jährigen die neuen Arbeitsprinzipien schneller anzueignen“, schreibt Albers. Und bietet auch hier selbst das beste Beispiel – schließlich ist er Jahrgang 1969.

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Markus Albers,
Meconomy. Wie wir in Zukunft arbeiten werden,
und warum wir uns jetzt neu erfinden müssen.

textunes (2010), Preis: 9,90 Euro (epub)

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Markus Albers,
Morgen komm ich später rein. Für mehr Freiheit in der Festanstellung.
Campus Verlag (2008), Preis: 16,10 Euro (epub)

[e-book-review] Unterm King-Dome – „Die Arena“ von Stephen King startet parallel als E-Book & Print

stephen king under the dome simon&schuscher e-book bestseller.gif„Eine Menge Bäume werden durch meine Hand sterben“ – so kündigte Stephen King Ende 2008 seinen neuen Roman an. Tatsächlich ist „Under the Dome“, zu deutsch „Die Arena“ mit mehr als 1000 Seiten sein bisher zweitlängstes Buch. In dem Sci-Fi-Thriller schließt eine mysteriöse Energiekuppel die amerikanische Kleinstadt Chester’s Mill hermetisch von der Außenwelt ab – in kurzer Zeit brechen Chaos und Anarchie aus. Wer erfahren möchte, wie die Einwohner die Krise bewältigen, muss allerdings kein schlechtes Umweltgewissen haben. Denn „Arena“ ist auch in Deutschland parallel als Print-Version und als E-Book erschienen.

Unterm King-Dome bricht das Chaos aus

Jeder Autor erschafft seine eigene Welt, mit eigenen Gesetzen, und betrachtet sie wie durch eine Käseglocke. Stephen King geht in „Die Arena“ aber einen Schritt weiter – denn die Bedingungen des Experiments sind selbst den Figuren deutlich. Eine Energiekuppel schließt plötzlich eine amerikanische Kleinstadt von der Außenwelt ab. Sie erweist sich als undurchdringlich. Selbst das von Barack Obama herbeigerufene US-Militär schafft es nicht, die Menschen im King-Dome zu befreien. Schnell bricht das Chaos aus, die Guten und die Bösen stehen sich gegenüber, wie man es schon aus älteren Texten des Horror- und Sci-Fi-Meisters gewöhnt ist, etwa „The Stand – Das letzte Gefecht“. In „Under the Dome“ ist die Ursache der Katastrophe allerdings nicht menschengemacht – es steckt eine außerirdische Intelligenz dahinter. Was die Menschen unter der Kuppel tun, hat jedoch viel mit ihnen selbst zu tun. Der korrupte Stadtrat Jim Rennie sieht seine Chance gekommen, zusammen mit dem maliziösen Polizeichef Peter Randolphs greift er nach der Macht. Auf der Seite mit den weißen Hüten schart man sich um den Irak-Veteran Dale Barbara und die Journalistin Julia Shumway.

Bush&Cheney im Reagenzglas: Ein literarisches Post-Nine-Eleven-Experiment

Schon zweimal hatte King das „Projekt Käseglocke“ erfolglos abgebrochen, das erste Mal in den Siebzigern als reißerisches Fragment „The Cannibals“, später mit dem schließlich beibehaltenen Titel „Under the Dome“. Erst nach 2001, in der Welt des „War on Terror“, wagte er einen dritten Versuch. „Die Arena“ als psychologisches Experiment hat tatsächlich sehr viel mit der staatlich verordneten Schock-Therapie nach dem 11. September zu tun: „Manchmal sind genau die falschen Leute in dem Moment an der Macht, wenn man eigentlich genau die richtigen Leute brauchen würde“, so King zu seiner Inspiration. Die bösen Gegenspieler im Roman formte er bewusst nach äußerst realen Vorbildern: „Ich habe die Bush-Cheney-Dynamik genommen und sie auf die Verhältnisse einer Kleinstadt eingedampft“, so King zur Figurenkonstallation. Die ganze Welt unter einer Glasglocke, das hat allerdings für King zugleich auch einen ökologischen Aspekt: „Es ist doch so: letztlich leben wir alle unter der Kuppel. Wir haben nur diesen einen blauen Planeten, mehr nicht.“ Die Überlebenschancen des American Way of Life sind allerdings gemessen am Roman auch in dieser Hinsicht nicht groß. Nur eine kleine Minderheit überlebt das Experiment – am Ende wird „under the dome“ schlicht die Luft knapp.

Rabattschlacht in den USA: den neuen Stephen King als Hardcover gibt’s für 9 Dollar

Erfreulicherweise ist Kings neuer Roman nicht nur auf englisch und deutsch zum selben Zeitpunkt gestartet, sondern auch in Deutschland vom ersten Tag an als E-Book lieferbar. Das hat aber seinen Preis – das E-Book kostet 24,99 Euro, gegenüber der Hardcover-Ausgabe spart man knapp knapp zwei Euro. In den USA haben die Leser dagegen vom Preiskampf zwischen Amazon, Wal-Mart und anderen Playern profitiert – kostet ein Hardcover normaler um die 25 Dollar, endete die Rabattschlacht für King (und andere Autoren) bei knapp 9 Dollar, und das bei einigen Anbietern sogar versandkostenfrei. Auf die E-Book-Ausgabe müssen die amerikanischen Leser sogar noch bis Weihnachten warten – Simon&Schuster hat den Start der Kindle-Ausgabe (Preis: 7,99 Dollar9 bis auf den 24. Dezember verschoben.

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Stephen King, Die Arena,
(Engl.: „Under the Dome“; Heyne Verlag, November 2009)
Preis: 24,99 Euro (epub)

[e-book-review] Impfung gegen den Dumpfsinn-Virus? Michael Jürgs & die medialen „Seichtgebiete“

jurgs-seichtgebiete-verbloden-e-book-bestseller_bild_pixelio_jenzig71Nach den „Feuchtgebieten“ nun die „Seichtgebiete“? Auch Sachbuchautor Michael Jürgs will offenbar einen Skandal anzetteln – mit einer ebenso schonungslosen wie unterhaltsamen Kritik der Unterhaltungsmedien. Gebasht werden nicht nur die „Blöden“, die durch Talkshows und Dschungelcamps stolpern, sondern auch die „Blödmacher“ in den Agenturen, Redaktionen und Sendeleitungen. Ganz so blöd kann das Buch nicht sein – es steht seit Wochen in den Bestseller-Listen.

Das E-Book als Impfstoff? Der „Dumpfsinn“-Virus, so Jürgs, bedroht uns alle

Sind wir gerade dabei, hemmungslos zu verblöden? Michael Jürgs muss es wissen – er kommt vom Fach. Der ehemalige Tempo-Chefredakteur und Talkshow-Moderator ist aber zugleich ein medialer Renegat – vom leichten und seichten ist er längst in die Sparte der Hochkultur gewechselt. Der Grass-Biograf und seriös gewordene Sachbuchautor hat nun die „Seichtgebiete“ unserer Medienwelt besichtigt. Jene Orte, wo für das soziale und geistige Prekariat „gezotet und gequotet“ wird, „pralle Prolo-Möpse“ wackeln und „Bohlen unterm Teppich pupst“. Dank einem Berliner Historiker gibt es dafür mittlerweile ja einen Sammelbegriff – das „Unterschichtenfernsehen“. Doch der „Dumpfsinn-Virus“, so befürchtet Jürgs, bedroht uns alle – fast so wie die Schweinegrippe. Mit den „Seichtgebieten“ will er uns deswegen alle immunisieren – in dem er in seinem Buch die Blöden lächerlich macht. Mit einer klugen Taktik – denn denn um Gehör zu finden, darf man sich nicht als Oberlehrer der Nation aufführen. „Operation Klugscheißer“ ist abgeblasen. Stattdessen setzt Jürgs auf „sprachgewaltige, laufstarke Guerillataktik“. Wenn man die Blöden aus dem Dschungelcamp befreien will, muss man die Blödmacher eben auf unterhaltsame Weise lächerlich machen.

Jürgs ist nicht blöd – die angestrebte Quote hat das Buch zumindest erreicht

„Populäre Formate klauen und listig mit anderen Inhalten füllen“ – genau das ist Jürgs mit den „Seichtgebieten“ tatsächlich auch gelungen. Im ruppigen Stil einer nachmittäglichen Freak-TV-Show werden Formate und Institutionen vorgeführt: Privatsender & öffentlich rechtliche, der Dudelfunk, die Yellow Press sowie die globale Sudelmaschine namens Internet. Nicht zu vergessen die persönlich Veranwortlichen: Prominente, Politiker, Eliten, und natürlich auch: Journalisten. Alle bekommen ihr Fett weg. Die Sätze sind kurz wie in einem TV-Manuskript, die Begriffe mundgerecht, die Sprache schäumt über wie Brausepulver. Das mag alles Teil der Entlarvungs- Strategie sein, doch am Ende fragt man sich, ob das wirklich so aufgeht. Sind die „Seichtgebiete“ noch ein Teil der Lösung, oder selbst schon ein Teil des Problems? Immerhin nutzen sie ja genau das, was sie kritisieren, als wirkungsmächtiges Sprungbrett, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Jürgs ist nicht blöd, so viel steht fest. Die angestrebte Quote hat das Buch erreicht – es rangiert seit Wochen unter den Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste. Mit der E-Book-Version könnte man rein technisch ohne Probleme die ganze Nation gegen Verblödung impfen. Doch ob die Pandemie sich ausgerechnet mit diesem Cocktail aufhalten lässt!?

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Michael Jürgs, Seichtgebiete. Warum wir hemmungslos verblöden,
(C. Bertelsmann 2009)
Preis: 12,95 Euro (epub)

Bild: Pixelio/Jenzig71