Washington Post nutzt Amazon-Daten für erste „umfassende“ Bestseller-Liste

wapo-nutzt-amazon-datenDie Washington Post nutzt für ihre Bestseller-Liste Fiction/Nonfiction ab jetzt auch Daten von Amazon – und verspricht den Lesern damit die bisher „umfassendsten“ Literatur-Rankings.
Hmmm, was ist die Nachricht hinter dieser Nachricht? Zunächst einmal sicherlich: hier wurde der Workflow zwischen zwei Unternehmen optimiert, die beide Jeff Bezos gehören. Was als Tatsache schon mal so wichtig ist, dass es bereits als Hinweis auf den Bestsellerlisten-Landingpages erscheint. Dazu wird erklärt, die Amazon-Daten enthielten „qualified borrows of books read through Amazon’s digital subscription program“, also „Buchausleihen aus Amazons digitalen Abo-Programmen“ (d.h. Prime Reading und Kindle Unlimited).

Bradbury importiert, Heliograf fabuliert

Wie da genau optimiert wurde, kann man einer Pressemitteilung der WaPo entnehmen — eine neue Software namens „Bradbury“ erleichtert das Erstellen und Syndizieren von Bestseller-Listen, indem Daten aus verschiedenen Quellen automatisch importiert werden können. Auch neue Themenlisten lassen sich mit „Bradbury“ leicht erstellen, etwa eine Liste aller Neuzugänge, der am längsten in der Liste präsenten Autoren, Genre-spezifische Listen etc. Die Storytelling-App Heliograf wiederum kann zudem aus dem Vergleich von Listendaten eine wöchentliche Kurzzusammenfassung in Textform liefern, was etwa besonders schnell aufsteigende Titel, neue Zugänge oder bisherige Performance eines Titels betrifft.

Neue „Most read“-Liste zu 100% made by Amazon

Während die traditionellen Listen nur mit Amazon-Daten erweitert wurden, und wie bisher auch Informationen des Brancheninformationsdienstes Nielsen Bookscan enthalten, gibt es mit der nationalen „Most read“-Liste auf wapo.com sowie der „Most Read Bookd D.C.“-Liste nun aber auch noch zwei komplett von Amazon übernommene Rankings. Dazu wird der Hinweis angezeigt: „Amazon Most Read lists rank titles by the average number of daily Kindle readers and Audible listeners each week. (…) The Post has no editorial influence on these lists.“

„Zum ersten Mal gibt es eine reale Bestseller-Liste“

Ist das alles nun gut oder schlecht? Kommt darauf an. Zum einen gab es sicherlich noch nie eine so realistische Marktschau: „The Washington Post’s lists are probably the first to accurately reflect what people are reading, and not what some New York book editor thinks is worth reading“, urteilt The Digital Reader mit einem süffisanten Verweis auf die eher fiktiven Bestseller-Listen der New York Times. Zum anderen spiegelt die neue Liste natürlich auch die übermächtige Marktposition von Amazon auf dem US-Buchmarkt und den Einfluss von Jeff Bezos auf die Washington Post wider.

Aber immerhin, wir haben jetzt genauere Daten. Und das ist ja am Ende – auch hier hat The Digital Reader recht — „still better than a kick in the teeth“. Oder, wie wir Norddeutschen sagen, besser als ein Loch im Kopf.

Branchen-Umgehungsstraße: Amazon-Imprints beherrschen die Top 20 im US-Kindle Store

us-kindle-store-dominiert-von-amazon-imprintsTja, nicht umsonst nennt man es „Disintermediation“: im US-Kindle Store wurden die Top 20 der letzten sechs Monate von firmeneigenen Imprints dominiert – zwischen Januar und Juni ganz vorne dran waren Titel von Labeln wie Lake Union, Thomas & Mercer, Little A oder AmazonCrossing (mit „Hangman’s Daughter“ derzeit an der Spitze). Das berichtet Publishers Weekly — und wirft zum Vergleich einen Blick auf die den gesamten (Print-)Buchmarkt abdeckende „NPD Bookscan“-Bestsellerliste – wo fast schon naturgemäß keine Amazon-Imprints auftauchen, da Amazon-Titel jenseits des Amazon-Portals nicht verkauft werden (abgesehen wiederum von Amazons eigener Book Store-Kette).

Pricing & Kindle Unlimited als Erfolgs-Faktoren

Soweit, so gut. Interessanterweise sah aber auch die Kindle-Bestsellerliste in der ersten Jahreshälfte 2016 ganz anders anders als als die aktuelle Liste, es waren weit weniger Amazon-Imprints gelistet — auf Anfrage von PW betonte eine Amazon-Sprecherin allerdings, dass weder die „Zählweise“ noch die Art der Promotion in Sachen Eigen-Imprints sich zwischenzeitlich verändert habe. Was bleibt also als Ursache für den Durchmarsch der Eigengewächse übrig? Angeblich folgendes: „Diese Titel werden attraktiv bepreist und sind Teil von erfolgreichen Lese-Angeboten wie Prime Reading und Kindle Unlimited“.

Kein klassischer Online-Buchhändler

Was mal wieder zeigt: Ein normaler Online-Buchhändler ist Amazon schon lange nicht mehr, der Store fungiert eher als eine High-Speed-Umgehungsstraße, die nicht nur den traditionellen Buchhandel, sondern gleich auch noch die klassischen Verlage links liegen lässt – wobei man neben den Eigen-Imprints ja auch noch die sehr erfolgreichen Self-Publishing-Titel zählen muss. Die Printversionen all dieser via Amazon produzierten Bücher tauchen natürlich auch sehr prominent in Amazons eigenen Buchläden auf, mit denen nun ebenfalls Schritt für Schritt eine Parallelstruktur zur traditionellen Branche geschaffen wird…

(via Publishers Weekly)

Abb.: Derzeitige Nr. 4 der US-Kindle-Charts (Verlag: Amazon Imprint Thomas & Mercer)

USA: E-Books stürmen Bestseller-Liste – kaum noch Print-Bücher in Top 50

Zum Jahresanfang werden die Bestseller-Listen in den USA erneut vom „Post-Weihnachts-Syndrom“ überrollt. Wie USA Today berichtet, haben E-Books die Print-Titel aus der Bestseller-Liste der Tageszeitung fast komplett verdrängt: „The latest list, based on sales data from Dec. 26 to Jan. 1, shows a remarkable burst of digital book sales after e-readers were unwrapped as gifts — for 42 of the top 50 titles, the e-book editions were the most popular format“. Traditionell werden in den USA die Weihnachtsgeschenke am 25. Dezember ausgepackt – und das heißt: es werden auch unzählige mobile Gadgets eingeschaltet, mit denen sich digitale Güter herunterladen lassen. Einen vergleichbaren „Christ-Kindle“-Effekt auf die Bestseller-Liste gab es bereits nach Weihnachten 2010. Unter den Top 50 der meistgekauften Titel befanden sich neben Paperback- und Hardcoverausgaben plötzlich 19 E-Books. Der nächste E-Book-Boom wurde dann im Sommer 2011 verzeichnet. Unmittelbar nach dem Start der neuen Kindle-Reader-Modelle war mit 25 E-Book-Titeln exakt die Hälfte der Top 50 elektronisch.

Der starke Anstieg nach Weihnachten wird vor allem auf den Erfolg von Amazons Fire-Tablet zurückgeführt – Forrester Research zufolge wurden seit dem Launch am 16. November 2011 bereits mehr als 5 Millionen Geräte verkauft. Nur einen Tag später, am 17. November, brachte Amazons Hauptkonkurrent Barnes&Noble das neue Nook Tablet in den Handel. Von diesem ebenfalls mit Android betriebenen Siebenzoller wurden bis dato geschätzte zwei Millionen Exemplare verkauft. Eine wichtige Rolle kommt zudem auch Apple zu – Santa Claus hat potentiellen Leserinnen und Lesern in den USA auch Millionen iPads der zweiten Generation beschert. Dem Analysten Michael Norris von Simba Information zufolge liest in den Vereinigten Staaten bereits jeder fünfte Erwachsene elektronische Bücher, entweder auf E-Ink-Displays oder auf dem Touch-Screen eines Tablets oder Smartphones.

Bereits im letzten Jahr verdoppelten E-Books in den USA ihren Marktanteil von 10 auf 20 Prozent . Angesichts der aktuellen Entwicklung könnte dieser Anteil in den nächsten zwei bis drei Jahren auf 50 Prozent anwachsen. Gerade im Bereich von günstigen Taschenbüchern („Mass Market Paperbacks“) verzeichnete die Print-Branche im letzten Jahr zweistellige Rückgänge. Das Beispiel Barnes&Noble zeigt jedoch auch die Abhängigkeit vom jeweiligen Vertriebsmodell – die größte US-Buchhandelskette verzeichnete im Weihnachtsgeschäft erstmals ein leichtes Plus beim Absatz gedruckter Lektüre. Offenbar gelang es durch „Nook Boutiques“ genannte Verkaufszonen üfr E-Reader bzw. Tablets und kostenloses W-LAN in den mehr als 700 Filialen insgesamt mehr Kunden anzusprechen als zuvor. Profitiert haben dürfte das Unternehmen aber auch von der Pleite der zweitgrößten US-Buchhandelskette Borders.

Deutsche E-Book-Hitparade: Mediacontrol legt erstmals elektronisches Bestseller-Ranking vor

mediacontrol_e-book-charts_bild_rike_pixelio-deSpot on für die deutschen E-Book-Charts: Erstmals hat Mediacontrol ein repräsentatives Bestseller-Ranking für Deutschland vorgelegt. Die von der GfK-Tochter präsentierten Top 5 bieten einige Überraschungen – denn sie decken sich kaum mit den Verkaufscharts großer Portale von Apple, Libri oder Libreka. Ab Oktober soll es nun einmal pro Monat eine E-Book-Hitparade geben. Zunächst bleibt aber festzuhalten: Der E-Book-Handel in Deutschland hat offenbar endlich eine messbare Größenordnung erreicht.

Vom Filesharing zum Klingelton: Mediacontrol zählt Downloads aller Art

„Die erste deutsche E-Book-Hitparade ist da!“, titelte ein Berliner Boulevardblatt heute. Tatsächlich hat die GfK-Tochter Mediacontrol in den Siebziger Jahren mal mit Musik-Charts angefangen. Später kamen dann Computer-Spiel-Charts, Klingelton-Charts und schließlich sogar Filesharing-Charts dazu. Wie wichtig mittlerweile das Internet für Bestseller-Listen ist, zeigt ausgerechnet die gute alte Hitparade selbst. Dort zählen nämlich seit 2007 nicht nur verkaufte Tonträger, sondern auch digitale Downloads. Für E-Books fehlte ein einheitliches Ranking bisher allerdings – Portale wie libri, Buch.de oder iBooks haben jeweils ihre eigenen Charts produziert. So hieß Deutschlands meistverkauftes E-Book im Sommer 2010 wahlweise „Eine Billion Dollar“, „Die Dreizehnte Stunde“ oder „30 Minuten Twitter“. Ist aber alles falsch, sagt jetzt Mediacontrol. Der wahre Sieger ist nämlich Andreas Franz‘ Krimi „Letale Dosis“, gefolgt von Tony Jauds „Hummeldumm“ und Kate Mortons „Verborgenem Garten“. Wie viele E-Books verkauft wurden, sagt Mediacontrol allerdings nicht. Auch über das Zustandekommen der aktuellen Top 5 wird bis auf weiteres nichts verraten. Klar ist nur: ab Oktober wird es eine regelmäßige E-Book-Hitparade geben. Das will jedenfalls Buchreport von Mediacontral erfahren haben.

Bisher war das E-Book-Business zu klein, um verlässliche Daten zu liefern

Zuletzt hatte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zusammen mit dem Branchenverband Bitkom Mitte 2009 ein paar Zahlen zum E-Book-Markt in Deutschland veröffentlicht. Demnach waren in der ersten Jahreshälfte 65.000 E-Books verkauft worden, bei einem Umsatz von mehr als 600.000 Euro. Das war nicht viel im Vergleich zu 4 Millionen Euro, die im selben Zeitraum mit 420.000 verkauften Hörbüchern umgesetzt wurde. Und offenbar auch nicht genug, um überhaupt seriöse Schätzungen zuzulassen – für das zweite Halbjahr verzichtete die GfK auf konkrete Zahlen und hielt es auch bisher so. Doch der Umsatz mit E-Books zieht mittlerweile nicht nur in den USA, sondern auch im Leseland Deutschland kräftig an. Daran haben nicht nur die bisher verkauften E-Ink-Lesegeräte ihren Anteil, sondern in besonderem Maß wohl auch Apples neues Tablet. Man darf also auf den Herbst gespannt sein. Die neue Ordnung der Bestsellerlisten könnte dann endgültig lauten: Hardcover, Paperback, Hörbuch, E-Book.

Bild: Pixelio/Rike