„Die Frage ist nicht ob, sondern wann“: 2018 erste Amazon Läden in Berlin, Hamburg oder München?

amazon-flagship-store-bald-auch-in-berlinHat Amazon.de-Chef Ralf Kleber jetzt wirklich etwas qualitativ neues gesagt? „Amazon will Läden in Deutschland eröffnen“, lautete Anfang der Woche die angebliche Breaking-News — wie man’s in Zeiten der galoppierenden Medienkonzentration eben so macht — vorab und prominent über alle Kanäle verbreitet als „sagte XY in einem Interview mit der Funke Mediengruppe“. Nicht ob, sondern wann sei die Frage, las man ebenso schon vorab. Im kompletten Wortlaut des Interviews, welches dann u.a. in der Berliner Morgenpost abgedruckt wurde, kam dann noch die schwurbelige Ergänzung hinzu: „Und die Frage [des Wann] ist immer am schwierigsten zu beantworten“. Das war’s.

Experimente auf dem Auslandsmarkt Nummer Eins

Nichts genaues weiß man nicht, könnte man also auch sagen — denn dass irgenwann nach den Experimenten mit Buchläden in den USA auch in Deutschland eine Buchhandlung mit Amazon-Logo aufmachen würde, schien ja schon seit geraumer Zeit klar zu sein (nämlich spätestens seit Ende 2015, siehe unten). Ebenfalls ist klar, dass Amazon auch den wichtigsten Auslandsmarkt für diverse Experimente nutzt: Aufbau eigener (Express-)Lieferlogistik bis vor die Haustür, innerstädtische Depots (in Berlin zum Beispiel am Ku-Damm-Karree), Packstationen — hierzulande läuft schon eine Menge, gerade in den großstädtischen Testregionen Berlin, Hamburg und München.

Letzte Etappe auf dem Weg in Richtung Multichannel

Steigt Amazon dann tatsächlich demnächst ins stationäre Geschäft ein, wird nur noch das lang erwartete finale Mosaiksteinchen in eine längst offenbare Multichannel-Strategie eingefügt. Der klassische Handel stehe immer noch für 90 bis 95 Prozent des Handesumsatzes, so Kleber gegenüber der Morgenpost (tatsächlich liegt der Online-Anteil im Einzelhandel laut HDE bei knapp zehn Prozent), und man werde sich nicht dem verschließen, was der Kunde wolle. Mit anderen Worten: am Ende wird Amazon genau das machen, was alle anderen eben auch machen, siehe die Multichannel-Strategien der großen Buchhandelsketten.

Klasssischer Buchhandel kann genial lokal schon längst…

Nur das Amazon eben aus der Richtung Online kommt, nicht aus der Richtung Vor-Ort-Handel — und natürlich eigene Filialen als Teil der Umgehungsstrategie vorbei an klassischen Verlagen und klassischem Buchhandel nutzen wird. Parallel spielen aber inzwischen auch große Ketten wie Thalia, aber auch Verbünde wie Genialokal die Stärke von Digital plus Lokal aus, etwa durch das Reservieren bzw. Bestellen und Abholen von Büchern in Filialen.

„Berlin wäre ein Top-Kandidat für einen Amazon-Laden“

Bleibt die Frage: wo wird Amazon die erste deutsche Buch- (&Reader Tablet-, etc.)handlung eröffnen? Das verriet Kleber schon in seinem Vorweihnachts-Interview vom 7. Dezember 2015 gegenüber dem Tagesspiegel: „Berlin wäre ein Top-Kandidat für einen Amazon-Laden“, orakelte der Deutschland-Chef des Unternehmens damals. Und fügte hinzu: „In keiner anderen deutschen Stadt haben wir in so vielen Bereichen investiert, sind wir so breit vertreten und haben wir so viel vor.“

Abb.: Amazon.com, Seattle

Schmutziger Hauptstadt-Deal: Hugendubel kontrolliert Buchbeschaffung der Berliner Zentral- und Landesbibliothek

zlb-berlin-wird-hugendubelisiertMal ehrlich: wenn’s darum geht, welche Bücher in den Regalen der öffentlichen Bibliotheken in Ihrer Stadt stehen sollen — würden Sie die dafür notwendigen Einkaufs-Entscheidungen einem Unternehmen wie Amazon überlassen? Nein? Nun, in Berlin ist etwas vergleichbares gerade passiert. Im Zentrum des Skandals steht lediglich ein anderer prominenter Großbuchhändler — nämlich Hugendubel (zum Unternehmen gehört übrigens auch ebook.de).

Profite im Blick: Es geht um 2,2 Mio. Euro pro Jahr

Wie letzte Woche bekannt wurde, sollen in der Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) nicht mehr Fach-Lektoren die endgültigen Ankaufsentscheidungen treffen, sondern Mitarbeiter der dafür eigens mit mehr Personal aufgestockten Firmentochter „Hugendubel Fachtinformation“. Geliefert werden die jährlich mehr als 30.000 Bücher und 2.400 DVDs und CDs natürlich auch von Hugendubel, es geht um ein Volumen von 2,2 Mio. Euro.

Hintergrund: Bibliothek hat Personalmangel

Berlin hat ja schon eine Amerika-Gedenkbibliothek (für Nicht-Berliner: sie bildet zusammen mit der Berliner Stadtbibliothek seit 1995 die ZLB). Braucht die Stadt nun statt dessen nur noch eine große Hugendubel-Gedenkbibliothek? Hintergrund des aktuellen Skandals sind anstrebte Personaleinsparungen — die bisher als Lektoren eingesetzen Bibliothekare sollen sich in Zukunft auch und vor allem um die Beratung und Betreuung der Besucher kümmern sollen.

Frei zugängliches Wissen für alle bedroht

Damit steht ein bewährtes Modell vor dem Aus: „herausragendes Merkmal der ZLB war bisher immer ein von fachlich spezialisierten Lektoren ausgewählter und gepflegter Buch- und Medienbestand, der alle Wissensgebiete auf allen Niveaus umfasste, vom einführenden Ratgeber bis zum wissenschaftlichen Werk für die Laienspezialisten“, heißt es in einer ver.di-Pressemitteilung. Ziel sei es gewesen, „eine Sammlung aufzubauen, zu erweitern und zu aktualisieren, die alle Aspekte des publizierten Wissens allen Bürgerinnen und Bürgern in einer Universalbibliothek frei zugänglich macht“.

„Verlagerung von Kompetenzen an die Wirtschaft“

Die Auswahl der Bücher werde nun aber „nahezu komplett an die Privatwirtschaft übergeben“, kritisiert die Dienstleistungsgewerkschaft — während die ZLB versucht, zu dementieren: immerhin würden ja „Einkaufsprofile“ noch von den bisherigen Lektoren erstellt. Der ZLB-Personalrat legt den Finger aber gleich wieder zurück auf die Wunde: wenn die endgültige Auswahl bei Hugendubel passiere, sei das nichts anderes als eine mit Steuergeldern finanzierte Verlagerung von Kompetenzen an die Wirtschaft.

(via Neues Deutschland & ver.di Berlin-Brandenburg)

Onleihe für Bewegtbild: Filmfriend.de bietet Video-Streaming für Nutzer öffentlicher Bibliotheken

filmfriendBücherfreunde gehen in die Bibliothek, Filmfreunde in die Videothek? Nein, das muss nicht sein. Mit „Filmfriend“ ging kürzlich ein interessanter Video-Streaming-Dienst speziell für deutsche Bibliothekskunden an den Start. Sozusagen die Onleihe für Bewegtbilder. Gestartet ist der Dienst zunächst im Berliner Raum. Registrierte BibliotheksnutzerInnen (Jahresgebühr in Berlin: 10 Euro) können sich einfach über ihre Nutzernummer anmelden und derzeit über 500 Spielfilme, Dokumentationen, Serien und Kinderfilme ansehen, schwerpunktmäßig handelt es sich um deutsche und europäische Produktionen. Das Angebot soll laufend erweitert werden.

Parallelzugriff verhindert Wartezeit

Der Zugriff geschieht als unbegrenzter Parallelzugriff, es treten also keine Wartezeiten auf. Unterstützt werden PC, Mac, Google Chromecast, Apple TV und Android-Mobilgeräte. Auch eine App für iOS soll es zu einem späteren Zeitpunkt geben. Das FilmfriendPortal wurde gemeinsam vom Projekt „Digitale Welten“ des Bibliotheksverbundes VÖBB und der filmwerte GmbH (Babelsberg) entwickelt und kann auch durch andere Bibliotheken im Bundesgebiet, in Österreich und der Schweiz lizensiert werden.

Registrierung via VÖBB-Ausweisnummer

„Filmfriend“ ist sozusagen die öffentliche Antwort auf Netflix, Prime Video & Co.: die Plattform bietet hochwertige Filme, einfache Handhabung und ein modernes, werbefreies Design. Die Nutzung ist zugleich deutlich anonymer als bei kommerziellen Streaming-Anbietern: denn für die Registrierung ist nur die VÖBB-Ausweisnummer notwendig. Zwecks Jugendschutz wird das Alter der Nutzer allerdings ebenfalls überprüft.

Abb.: Screenshot filmfriend.de

Bio-Milch & Basilikum-Pistou, ultraschnell: Prime Now kooperiert in Berlin mit stationärem Handel

prime-now-in-berlin-kooperiert-mit-stationaerem-handelPrime Now in Kooperation mit dem stationären Handel? Ist das noch klassische Disintermediation, oder schon wieder etwas neues? Wahrscheinlich ein bisschen von beidem. Bisher arbeitete Amazon auf dem Testmarkt Berlin ja nur mit lokalen Lieferdiensten zusammen, um Waren aus dem eigenen Logistikzentrum „ultraschnell“ (O-Ton Amazon) auszuliefern. Bei Biolebensmitteln und Delikatessen geht das Unternehmen nun einen Schritt weiter – es kooperiert mit dem Bio-Sortimenter Basic sowie dem Kochbedarfs-Spezialisten Kochhaus.

Gegen Aufpreis in 60 Minuten

Wie bei Prime Now gewohnt werden die Waren dann im City-Bereich innerhalb einer Stunde ausgeliefert, wenn man 6,99 Euro Zusatzgebühr draufzahlt, oder etwas langsamer, dafür aber „kostenlos“ im Rahmen der normalen Prime-Mitgliedschaft, wenn man im Tagesverlauf ein bestimmtes zweistündiges Zeitfenster auswählt.

Breiteres Sortiment, größere Reichweite

Offenbar ist das ein gewinnbringender Deal für beide Seiten, Amazon vergrößert das Sortiment, die Händler ihre Reichweite. „Die schnelle Lieferung mit Prime Now ist für unser Unternehmen eine tolle Option, um weitere Kunden schnell zu erreichen und unsere Bekanntheit zu steigern“, zitiert die Amazon-Pressemitteilung Ramin Goo, den Geschäftsführer von Kochhaus. Basic-Vorstand Stephan Paulke fügt dem noch hinzu, man könne nicht nur mehr Kunden als zuvor erreichen, sondern auch noch „besondere Lieferoptionen“ bieten.

Amazons Doppelstrategie wird fortgesetzt

Letzlich folgt Amazon dabei der schon bisher eingeschlagenen Strategie: erst eigene Service-Plattformen bzw. Logistik-Netzwerke für den eigenen Bedarf aufbauen (siehe z.B. Amazon Web Services), im zweiten Schritt dann diese Leistungen auch für Dritte als Partner öffnen. Nur bei Verlagen bzw. beim Buchhandel hat das bisher nicht so richtig geklappt. Doch selbst das scheint mittlerweile denkbar…

(via onlinehaendler-news.de)

Global & Beta mit spitzen Klammern: Die Macht ist stark im E-Book-Code

global-und-betaBerlin ist nicht nur Start-Up-Hub in Sachen E-Reading-Apps, auch viele E-Book-Autoren und E-Book-Verlage haben sich die Hauptstadt als Wahlheimat ausgesucht. Ihre gemeinsame Sprache ist der „E-Book-Code“ — was die elektronischen Bücher jenseits der Semantik zusammenhält, ist weltweit gültiger Markup-Code in spitzen Klammern. Wie stark ist die Macht im Code, was macht er mit uns, was wir mit ihm, wie international tickt das e-publizistische „Spree Valley“? Auf dem Berliner „Stadtsprachen Festival“ wird am 2. November 2016 darüber auf einem eigenen Panel („Global und Beta“) diskutiert — mit dabei: die Berliner Verlegerinnen-Autoren Kathrin Passig (Techniktagebuch u.a.), Nikola Richter (mikrotext), Gregor Weichbrodt (0x0a/Frohmann) sowie Ansgar Warner (E-Book-News=Icke).

Global & Beta – Die Anthologie: out now!

Bereits jetzt ist bei Mikrotext das kostenlose E-Book „Global und Beta“ erschienen (epub/mobi/PDF) — mit Beiträgen der obigen Teilnehmer, aber auch mit literarischen Interventionen von vier jungen AutorInnen mit Berlinbezug: Assaf Alassaf, ein syrischer Autor, erzählt von der Zwickmühle, frei in die Welt hinein auf Facebook zu schreiben, und zugleich die besten Ideen an Old School-Medien verkaufen zu wollen. Asal Dardan, iranisch-stämmig, Berlin-sozialisiert, in Schweden lebend, denkt über das Internationale am E-Book nach. Der aus Guatemala stammende Netzpoet Alan Mills (lebt in Berlin & Wien) betrachtet Facebook-Texte mit Kafkas Augen. Chloe Zeegen (Berlin/London) verbindet in ihrem assoziativ-philosophischen Text digitale Heilsversprechen mit biblischer Prophezeiung.

Live-Panel, oder: Pong is not dead

Das E-Book ist zwar schon da, bleibt aber Work in Progress: nach dem „Global & Beta“-Panel wird nämlich noch das Gesprächsprotokoll hinzugefügt. Live mitverfolgen kann man das Panel am 2. November 2016 ab 19.30 in der Blogfabrik (Oranienstraße 185, 10999 Berlin). Der Eintritt ist frei, die Veranstalter bitten aber um vorherige Anmeldung via Eventbrite. Das Besondere an der Diskussion ist übrigens: Sie wird keinen Moderator haben, jeder Teilnehmer bereitet für jeden Fragen vor, die dann im Pong-Style hin und her erörtert werden.

Eine Woche Prime Now in Berlin: Bücher bisher eher Nebensache

prime-now-in-berlin-startetMit großem Tamtam ist Amazons Sofortlieferdienst „Prime Now“ in der letzten Woche auch in Berlin gestartet: vom vorgeschobenen Logistik-Lager am Kudamm aus sind die Kuriere nun in der Hauptstadt unterwegs. Da man via Prime Now-App bekanntlich nicht nur Gemüse, Saft oder Taschentücher bestellen kann, sondern auch Taschenbücher oder Kindle-Reader, hat der neue Service Buchbranche & Feuilleton nicht kalt gelassen: “Bücher im Zwei-Stunden-Takt – Amazons neuer Angriff auf die Buchläden” titelte z.B. dradio Kultur schon im April. Doch wie real ist die Bedrohung tatsächlich?

Bluhms Blick ins Kudamm-Lager

Gedruckte Lektüre in 120 Minuten oder sogar 60 Minuten zum Leser zu bringen, das schafft bisher niemand, nicht zuletzt, weil es auch ziemlich teuer ist. Detlev Bluhm vom Berliner Landesverband des Börsenvereins war deswegen gleich mal vor Ort am Kudamm-Karree, unterhielt sich mit Amazon-Sprecher Stephan Eichenseher, und fasste seine Eindrücke auf dem Bookbytes-Blog so zusammen: „Das Angebot an Büchern ist bescheiden (…), Unterhaltung und Bildung spielen bei Prime Now offenbar eine untergeordnete Rolle“. Für den stationären Buchhandel sei Prime Now vorerst nur von geringer Relevanz. Zumindest bisher. Und mehr Bücher am Kudamm zwischenzulagern, das würden wohl schon die hohen Mietpreise verhindern.

Bücher bei Prime Now nur Nebensache

Schaut man in der Prime Now-App nach, merkt man schnell: Wie an anderen Prime-Now-Standorten auch wird das auf 500 Titel begrenzte Bücher-Angebot von Amazons Beliebtheits-Algorithmen bestimmt, was dann auch in Berlin abgesehen von ein paar Belletristik-Bestsellern zu einer sehr eklektisch bis absurd wirkenden Auswahl von Ratgebern, Sachbüchern und Gesetzestexten führt. Ähnlich wurde es ja schon von Branchenbeobachtern aus den USA und Großbritannien berichtet. Ob Amazon da noch mal nachjustiert, bleibt abzuwarten.

WELT hat Whisky bestellt

Viel wichtiger für das Unternehmen ist die Lieferung von Lebensmitteln und Verbrauchsartikeln — wo Amazon zukünftig ja sogar auf Eigenmarken setzt. Wer hungert oder wen es dürstet, wird die Express-Lieferung auf jeden Fall besonders zu schätzen wissen. „Büromaterial am Arbeitsplatz, Lebensmittel für den Feierabend, Geburtstagsgeschenk für Freunde“ schlägt Amazon selbst als Use-Case vor. Die WELT hat sich testweise via Prime Now eine Flasche Whisky bestellt, in den Postleitzahl-Bezirk 10179 alias Berlin-Mitte — insofern auch für mich interessant, denn das Medienbüro Mitte logiert ebenfalls in diesem „Premiumgebiet“ für 60-Minuten-Lieferungen.

Prime Now-App trackt Super Dario

Bei der „WELT“ dauerte es genau 39 Minuten, bis das flüssige Büromaterial eintraf — und das war nicht mal eine Überraschung. Die WELT schreibt: „Kaum ist die Bestellung abgeschickt, piepst das Smartphone: Eine SMS von Amazon, dass sich ein gewisser Dario um den Auftrag kümmert und innerhalb von einer Stunde da sein wird. Klickt man auf den Link in der SMS, bewegt sich auf dem Berliner Stadtplan auf einmal langsam ein blauer Punkt – von Charlottenburg aus – auf die Zustelladresse zu: Dario ist schon auf dem Weg.“

Dario transportierte den Glenfiddich übrigens in diesem Fall nicht auf einem „elektrisch angetriebenen Lastenfahrrad“, sondern per Auto, denn die von Amazons PR-Abteilung zum Start von Prime Now ausführlich ins Rampenlicht gestellten Drahtesel waren zumindest am ersten Tag noch gar nicht einsatzbereit…

„Kunde soll die Wahl haben“: Amazon erwägt Flagship-Bookstore in Berlin

amazon-flagship-store-bald-auch-in-berlinAmazons Einstieg ins stationäre Geschäft – siehe Seattle –– soll offenbar kein Einzelfall bleiben: mittlerweile erwägt der nicht-mehr-nur Online-Händler sogar, eine erste Buchhandlung in Berlin zu eröffnen. Das legt Amazon-Deutschlandchef Ralf Kleber in einem heute veröffentlichten Interview mit dem Tagesspiegel nahe: „Berlin wäre ein Top-Kandidat für einen Amazon-Laden“, so Kleber. „In keiner anderen deutschen Stadt haben wir in so vielen Bereichen investiert, sind wir so breit vertreten und haben wir so viel vor.“ Das gedruckte Buch sei immer noch ein wichtiges Standbein für das Unternehmen, und man wolle dem Kunden die Wahl überlassen, ob er offline oder online einkauft.

Deutschland ist Amazons wichtigster Auslandsmarkt

Doch Berlin als Standort direkt nach dem gerade erst eröffneten Flagship Store in Seattle – wie wahrscheinlich ist das wirklich? Tatsächlich ist Deutschland mit einem zweistelligen Milliarden-Umsatz (2014: 11,9 Mrd. Dollar) für Amazon insgesamt der wichtigste Auslandsmarkt, im Versandhandel mit Büchern machten die Amerikaner mit ihrer deutschen Online-Dependance letztes Jahr einen geschätzten Umsatz von 2,4 Mrd. Dollar. Da könnte also auch offline einiges gehen… Zumal klar ist: Ähnlich wie beim Testballon in Seattle könnte Amazon auch hierzulande auf jede Menge Kundendaten zurückgreifen, um ein maßgeschneidertes Angebot aus tatsächlichen und potentiellen Bestsellern zusammennzustellen.

Hauseigene Imprints würden profitieren

Auch die Bücher der hauseigenen Amazon-Imprints könnte man mit Hilfe eines eigenen Filialnetzes wohl reibungsloser in den stationären Buchhandel bringen – zuletzt hatte schon der Aufdruck „Kindle Storyteller Award“ auf dem nicht einmal von Amazon selbst, sondern von Bastei Lübbe produzierten Titel „Paradox“ für einen Aufschrei in der Branche gesorgt, manche Buchhändler weigerten sich sogar, das Buch in ihr Programm aufzunehmen. Vielleicht zu früh gefreut: neben der Umarmung beherrscht Amazon eben auch die Umgehung traditioneller Strukturen perfekt.

(via Buchreport)

Abb.: Amazon.com, Seattle

Henry Palmer ist kein Killer: Ralph Gerstenberg, Ganzheitlich sterben [Leseprobe]

ganzheitlich-sterbenMit Ralph Gerstenbergs „Ganzheitlich sterben“ erscheint nun der zweite Teil der Henry-Palmer-Trilogie bei ebooknews press, dem Verlagslabel von E-Book-News. Ein Berlin-Krimi aus einer Zeit, in der noch mit D-Mark bezahlt wurde und am Friedrichshain Wagenburgler statt Townhäusler residierten. Henry Palmer ist mittendrin: Erst arbeitet er als mobiler Pizza-Lieferant für „Bella Italia“. Dann heuert er bei der Detektei Patricia Courtois an. Doch schon nach der ersten Nacht als Gelegenheitsschnüffler wird Henry von der Kripo verdächtigt, ein Mörder zu sein. War er nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Offenbar, denn plötzlich gerät er auch noch ins Fadenkreuz eines Profi-Killers. Die Polizei ist keine Hilfe, wieder einmal muss Henry Palmer den Fall mit seinen eigenen Methoden entwirrren. „Ich wollte keinen Kommissar als Hauptfigur, weil mich die Beschreibung von polizeilicher Ermittlungsarbeit literarisch nicht besonders gereizt hat“, so Ralph Gerstenberg im Interview über Henry Palmer. „Und einen Privatdetektiv fand ich im Berlin der neunziger Jahre nicht besonders realistisch. Dann doch lieber jemand, der durch verschiedene Jobs und seinen Freundeskreis mit Verbrechen konfrontiert wird und wider Willen ermitteln muss“. Unsere Leseprobe führt direkt an den ersten Plotpoint von “Ganzheitlich sterben“ – mehr verrät die Leseprobe im Kindle Store.

Ralph Gerstenberg, Ganzheitlich sterben

Zu viel Aufregung für einen schönen Tag
Als ich das Bella Italia betrat, sah ich sofort die Anspannung in Dmitris Gesicht. Er kniff die Augen zusammen, als würde er plötzlich von der Sonne geblendet, schwang mit erstaunlicher Behändigkeit seinen kompakten Körper um die Tresenecke und kam schnurstracks auf mich zu gelaufen. Stone, mein Wochenendvertreter, der eigentlich Oliver Steinke hieß und Soziologie studierte, saß schon am Personaltisch und baute eine Konstruktion aus Bierdeckeln – die in sich zusammenfiel, als Dmitri, wie von der Tarantel gestochen, daran vorbei fegte. Grußlos schob er mich in die Küche, wo Charlie Pizzateig knetete und Maria Servietten faltete. Als ich herein kam, unterbrachen sie ihre Tätigkeiten und starrten mich an. Ich nickte ihnen zu. Maria erwiderte zaghaft meinen Gruß. Charlie begann wieder, seinen Teig zu bearbeiten, ohne mich jedoch aus den Augen zu lassen. Keiner sagte etwas.
“Was ist los, ihr seht mich an, als hätte ich jemanden umgebracht?” Einer musste ja damit anfangen, das Eis zu brechen.
“Hast du?”, fragte Dmitri ernsthaft.
Ich war der Einzige, der über seine Schlagfertigkeit lachte. “Wie habt ihr das rausbekommen?”
Dmitris Gesicht, auf dem winzige Schweißtropfen glänzten, wurde plötzlich rot, eine Ader, die schräg über seine Stirn lief, trat deutlich hervor. Mühsam beherrscht, sagte er: “Die Polizei war heute Vormittag hier, ein Hauptkommissar Röntsch von der Mordkommission. Er hat nach dir gefragt.”
“Röntsch?” Der Name war mir nicht unbekannt. Als meine Freundin Hannah vor anderthalb Jahren aus ihrem Frankfurter Exil zurückgekehrt war, hatte es einige Schwierigkeiten mit ihrem Gatten gegeben, einem zwielichtigen Advokaten, der von einer abgetakelten Unterweltgröße dazu erpresst worden war, Kinderfilme zu produzieren – solche, die nicht im Nachmittagsprogramm liefen. Die Geschichte fand damals kein sehr appetitliches Ende. Hannahs Angetrauter hatte sein Arbeitsverhältnis und alle anderen Probleme gelöst, indem er seinen Boss erschoss und sich anschließend selbst die Pistole in den Mund steckte. Hannah war dabei gewesen, als er auf den Auslöser drückte – und ich auch. Soweit ich mich erinnern konnte, hatte Röntsch – damals noch Kommissar – mir unbedingt den Mord an einer polnischen Frau anhängen wollen, die in meiner Wohnung getötet worden war. Ich hatte zwar kein Motiv gehabt, aber mein Alibi war äußerst dünn gewesen.
“Also, wen soll ich diesmal umgebracht haben?”, fragte ich in die Runde.
Dmitri starrte mich entgeistert an. Maria konnte ihr Erstaunen ebenfalls nicht verbergen, selbst Charlie, sonst stets Inbegriff buddhistischer Selbstbeherrschung, vergaß wieder für einen Augenblick, seinen Teig zu kneten.
“In der vergangenen Nacht ist ein Mann ermordet worden, in Prenzlauer Berg. Hast du noch keine Nachrichten gehört?” Dmitri sah mich forschend an.
“Nee, ich hab‘ ausgeschlafen und bin gleich hierher gefahren. Dass das Radio im Panda nicht funktioniert, brauche ich dir ja wohl nicht zu sagen.”
“Anstrengende Nacht, was?”
“Was meinst du, wie der Kerl sich gewehrt hat!” Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, dass mein Humor im Augenblick nicht besonders gut ankam.
“Der Hauptkommissar sagte, dein Name stand im Terminkalender des Toten. Außerdem wäre mehreren Nachbarn der Fiat Panda aufgefallen, in dem ein Mann, auf den deine Beschreibung passt, nachts vor der Tür gewartet hätte.”
Jetzt war ich an der Reihe, verblüfft zu sein. “Niemeyer ist tot?”
“Sie haben versucht, dich zu Hause zu erreichen. Dann sind sie hierher gekommen. Einer der Nachbarn hat sich die Aufschrift des Pandas gemerkt.”
“Und mein Name stand in seinem Terminkalender?”
Dmitri wischte sich den Schweiß von der Stirn. Dann nickte er und fragte: “Wozu brauchtest du das Auto, Henry?”
Röntsch hatte sich nicht geändert. Er war schon damals äußerst fix gewesen, wenn es darum ging, Verdächtigungen unter die Leute zu bringen. Ich senkte den Blick und plötzlich erschien mir die ganze Szene vollkommen unwirklich. Ich stand in der Küche eines Pseudo-Italieners, in der ein Vietnamese Pizzateig knetete, und wurde verdächtigt, einen Mord an einem Mann begangen zu haben, den ich nur ein einziges Mal in meinem Leben gesehen hatte – nachts in einem Treppenhaus. Ich erinnerte mich an den starren Blick Niemeyers, die weit aufgerissenen Augen, als stünde er seinem Mörder gegenüber. Ich hätte laut und deutlich einen einfachen Satz mit einer eindeutigen Aussage sagen können: Ich habe ihn nicht umgebracht. Doch die Situation war zu irreal.
Es klingt verrückt, aber vielleicht war meine Verunsicherung in diesem Moment so groß, dass ich sogar selbst anfing, an meiner Unschuld zu zweifeln. Nicht dass ich wirklich daran geglaubt hätte, Niemeyer getötet zu haben, aber meine Gewissheit, es nicht getan zu haben, war irgendwie erschüttert. Wenn das die Tatsachen waren, wenn es stimmte, dass Niemeyer tot war und mein Name in seinem Terminkalender stand, dann gab es dunkle Stellen, Fragen, auf die ich keine Antwort wusste. Worauf hatte ich mich eingelassen? Vor wem fürchtete sich Niemeyer, als er mir gegenüberstand?
Der Boden unter meinen Füßen begann zu schwanken. Ich stützte mich auf die Spülmaschine, schaute in Dmitris Gesicht und zuckte mit den Schultern. Zu mehr war ich im Augenblick nicht in der Lage.
Dmitri gab Maria ein Zeichen, woraufhin sie mit Bestecken und Servietten die Küche verließ – nicht ohne mir vorher einen besorgten Blick zuzuwerfen. Er holte eine Flasche Ouzo aus dem Schrank, schraubte den Verschluss auf und reichte sie mir. Ich kam mir vor wie ein Ertrinkender, dem ein Rettungsring zugeworfen wurde. Als der Schnaps in meiner Speiseröhre brannte und ich den Anisgeschmack auf der Zunge spürte, ging es mir besser. Ich hatte noch nichts gegessen, der Alkohol stieg mir sofort in den Kopf.
“Sollst du Röntsch anrufen?”, fragte ich.
Dmitri nickte.
“Lass mich mit ihm sprechen.”

(Weiterlesen)

Copyright Leseprobe: ebooknews press

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Ralph Gerstenberg, Ganzheitlich sterben
(Henry-Palmer-Trilogie Teil 2)
E-Book (epub/Kindle) 2,99 Euro
Taschenbuch 8,90 Euro

Coverbild: Matthias Rhomberg/Flickr (cc-by-2.0)

grimmlachmund-titelseite-ebook
Ralph Gerstenberg, Grimm und Lachmund
(Henry-Palmer-Trilogie, Teil 1)
E-Book (epub/Kindle) 2,99 Euro
Taschenbuch 8,90 Euro

Coverfoto: Nordsprotte/Flickr (cc-by-2.0)

Was bleibt vom Start-Up-Hub Berlin? 10 hauptstädtische E-Lese-Pioniere im Schnell-Check

berlin-startup-hub-was-bleibtEgal ob man die produzierten Titel zählt oder die Verlage selbst: Berlin ist und bleibt Deutschlands wichtigste Verlagsstadt. Seit einigen Jahren avancierte die Hauptstadt zudem zum wichtigsten Start-Up-Hub im E-Reading-Sektor. Neben E-Book-Only-Verlagen à la Mikrotext oder Shelff und neuen Online/offline-Buchhandlungen à la Ocelot wurden an der Spree auch jede Menge innovative Apps und Business-Konzepte rund um das elektronische Buch an den Start gebracht. Doch in letzter Zeit häufen sich die Hiobsbotschaften: ob txtr, Readmill oder Dotdotdot – immer mehr Pioniere der ersten Stunde geben den Geist auf. Wer ist noch da, wer ist schon weg? Höchste Zeit für eine kleine Bestandsaufnahme…


Dotdotdot

Das von Thomas Schinabeck und drei Partnern gegründete Startup aus Berlin-Mitte bastelte seit 2012 an einer universalen Lese-App, die Elemente von Später-Lese-Apps wie Pocket oder Instapaper mit Social Reading-Apps à la Readmill kombinierte, wobei sowohl Langtexte aus dem Web wie auch E-Books gleichberechtigt nebeneinander stehen sollten. Ähnlich wie Readmill wurde diesem Konzept aber durch Chat-Apps wie What’s App, vor allem aber auch dem Boom der Flatrate-Apps mit vergleichbaren Social-Reading-Elementen das Wasser abgegraben. Ende März 2015 wird der Service eingestellt.

Aktueller Status: In Abwicklung


epubli

Das 2007 gegründete Tochternunternehmen der Verlagsgruppe Holtzbrinck ist seit 2010 im Web mit der Self-Publishing-Plattform epubli.de präsent und gehört neben Books on Demand zu den wichtigsten deutschen Print-On-Demand-Anbietern. Mittlerweile sorgt epubli parallel zum Vertrieb der Printtitel im Buchhandel auch für die E-Book-Distribution, inklusive der Verbreitung via Flatrate-Apps.

Aktueller Status: aktiv, auf Expansionskurs


Kohlibri

Internet-Versandbuchhandel mit Sitz in Prenzlauer Berg, gegründet 1998 vom Berliner Buchhändler René Kohl, zunächst vor allem als Partnerbuchhandlung für Verlage, inzwischen erweitert durch E-Books, spezielle Angebote für Kids und Partnershops für Angebote wie „Psychologie Heute“. Mission Statement: „Spezialbuchhandlung für außergewöhnliche Publikationen“.

Aktueller Status: aktiv, Expansion in Non-Book-Bereich


Log.Os

basisdemokratisch organisiertes, offenes Plattformkonzept für die Buchbranche, das sich als „Betriebssystem für Literatur“ versteht. Zu den Gründern gehören Volker Oppmann, Katja Splichal und Marcel Diel. Als unabhängiger, stiftungsbasierter Dienstleister soll Log.Os Contentanbieter und Contentkosumenten auf Augenhöhe zusammenbringen.
Derzeit wird vom Log.Os-Förderverein die Gründung der Wirtschaftstochter log.os GmbH & Co. KG vorbereitet, die ab April den weiteren Aufbau der Plattform übernehmen wird, Sitz der Log.Os-Zentrale ist Berlin-Kreuzberg.

Aktueller Status: aktiv, auf Suche nach Finanzierung & strategischen Partnern


Ocelot

gegründet 2012 vom Berliner E-Book-Experten und Buchhändler Frithjof Klepp, Mission Statement: „not just another Bookstore“, kombiniert hippe Mitte-Buchhandlung mit handverlesenem Angebot, Barista und Zugang zur Bezirksbibliothek mit unabhängig entwickeltem Webshop. Die Buchhandlung in der Brunnenstraße bot von Anfang an eine tolle Location, veranstaltete interessante Lesungen und Kulturevents, genoss großes Medienecho. Doch ganz alleine ließ sich das Projekt auf Dauer offenbar nicht stemmen, zudem gab es erhebliche Probleme mit dem Launch des Web-Shops.

Aktueller Status: insolvent, Räumungsverkauf bis Mitte März


PaperC

Die bereits 2008 gegründete E-Book-Plattform aus Berlin-Friedrichshain setzte anfangs auf ein Flatratekonzept für wissenschaftliche Fachliteratur und ermöglichte das kostenpflichtige Kopieren einzelner Seiten. Inzwischen ist der Kern des Geschäftsmodells das zeitlich begrenzte Mieten oder Kaufen von E-Books bzw. E-Book-Bundles, die auch mobil online oder offline gelesen werden können. Das Angebot soll zukünftig auch um belletristische Titel erweitert werden, über Selfpublishing-Plattformen werden auch Indie-Titel in den Katalog eingespeist.

Aktueller Status: Aktiv, auf Expansionskurs


Readmill

Der schwedische Startup-Unternehmer Henrik Berggren findet: Bücher haben mehr verdient als bloße Status-Updates bei Facebook und Twitter, und Leser brauchen einen festen Ort zum Gedankenaustausch. Berggrens Lösung dafür hieß bis 2014: „Readmill“ – eine offene Plattform, in der alle Social Reading-Ströme zusammenfließen sollten. Seit 2011 wurde diese Idee nach einem kurzem Ausflug ins Silicon Valley mehrere Jahre lang in Berlin-Mitte verfolgt. Doch 2014 war Schluss: der US-Cloudanbieter DropBox schnappte sich für 8 Millionen Dollar Readmills Technologie, die App wurde eingestellt, das Entwicklerteam jettete zurück nach San Francisco.

Aktueller Status: eingestellt, Know-How fließt in DropBox-Produktentwicklung


textunes-App

entwickelt vom gleichnamigen Kreuzberger Startup, mauserte sich textunes seit dem Start 2008 zur beliebtesten mobilen E-Lese-App, anfangs für iPhone und iPod Touch, später auch für Android-Geräte und Tablets, zu den Features gehörten u.a. Social Reading-Elemente, animiertes Umblättern und Video-Buchtrailer. 2011 wurde textunes von der Buchhandelskette Thalia geschluckt, als „Thalia-App“ hat sich bis heute viel vom Look&Feel der ursprünglichen App erhalten. Geschäftsführer und Mitgründer Volker Oppmann ist ausgestiegen und widmet sich jetzt dem Projekt Log.Os

Aktueller Status: verkauft, unter neuem Namen weiter aktiv


txtr

Als txtr 2008 an den Start ging, wollte das Startup aus Berlin-Mitte “zentrale Anlaufstelle für alle lesenswerten Dokumente im Netz” sein und elektronische Lektüre auf Kindle & Co bringen. Kurz darauf wurde mit dem Projekt txtr-Reader sogar ein veritabler “Kindle Killer” mit beachtlichen technischen Features in Stellung gebracht. Doch haarscharf vor dem Marktstart wurde der Kindle Killer selbst gekillt. txtr selbst blieb in Sachen E-Reading am Ball, zum Beispiel mit der txtr-App und E-Reading-Dienstleistungen im B2B-Bereich. Zwischendurch gab’s auch noch mal einen Mini-Hype um einen Low-Cost-Reader namens Beagle. Mit der Plattform Blloon (sprich: Balloon) wagte txtr Berliner zuletzt den Einstieg in die umkämpfte Flatrate-E-Lesezone.

Aktueller Status: insolvent


Xinxii

Die 2008 von Andrea Schober gegründete Self-Publishing-Plattform mit Sitz in Berlin-Mitte gehört inzwischen zu den führenden Anbietern in Deutschland, derzeit wird die Plattform von mehr als 10.000 AutorInnen genutzt, mehr als 20.000 Titel wurden veröffentlicht. Neben der Publikation von E-Books und Hörbüchern auf Xinxii selbst wird auch die Distribution angeboten.

Aktueller Status: aktiv, auf Expansionskurs

Abb.: amira_a/Flickr (cc-by-2.0)

#supportocelot – Berlins coolste Buchhandlung braucht Eure Hilfe

Haben Ocelote soviele Leben wie das Axolotl? Viele Leseratten in Berlin-Mitte hoffen das in diesen Wochen sehr – denn ausgerechnet die hippe Buchhandlung Ocelot steckt in der Krise: erst vor knapp zwei Jahren war Gründer & Inhaber Frithjof Klepp angetreten, um in den Räumen einer ehemaligen Schlecker-Filiale zu zeigen, wie Buchhandel 2.0 funktioniert. Mit cooler Innenarchitektur und Corporate Design, Barista, selbst entwickeltem Webshop, und vor allem natürlich ausgesuchten, schönen Büchern. Zusätzlicher Hingucker: durch eine Hintertür gelangt man direkt in die Räume der Stadtteilbibliothek Philipp Schaeffer.

„Weiterentwicklung blieb auf der Strecke“

Das Medienecho war von Anfang an riesengroß, selbst bei „normalen“ Lesungen kam schon mal ein Fernsehteam, auch überregional avancierte Ocelot zu einer Marke, und wurde immer als erstes genannt, wenn es um die Zukunft des stationären Buchhandels ging (siehe auch das E-Book-News-Interview). Doch vor Ort gab es auch unerwartete Startschwierigkeiten – z.B. mit dem Launch des Online-Shops, der nach juristischen Auseinandersetzungen noch einmal komplett neu aufgebaut werden musste.

Anstrengend war die Arbeit für den letztlich als Einzelunternehmer angetretenen Gründer obendrein – was sich mittelfristig ebenfalls bemerkbar machte, nicht nur durch krankheitsbedingte zusätzliche Personalkosten: „Das Tagesgeschäft war so arbeitsintensiv, dass manche Energien, die für die Weiterentwicklung des Geschäftskonzepts notwendig gewesen wären, gefehlt haben“, musste Klepp gegenüber Buchreport eingestehen.

Als im Oktober die Finanzlücke zu groß geworden war, zog Klepp die Notbremse ziehen und meldete beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz an – immerhin mit dem Ziel der Unternehmenssanierung. „Kurzfristig braucht der Laden eine mittlere fünfstellige Summe. Dann könnten wir das erwartbar gute Weihnachtsgeschäft bestreiten. Mittelfristig bedarf es etwas mehr, um Ocelot nachhaltig auf stabile Füße zu stellen“, so der Ocelot-Betreiber. Neben potentiellen Investoren sind also in den kommenden Wochen auch die Kunden gefragt.

„Weniger Amazon-Tiger, mehr Ocelot!“

Tatkräftige Hilfe bekommt Frithjof „Fritte“ Klepp bereits vom harten Kern der Ocelot-Crowd – seine UnterstützerInnen haben die Facebook-Seite „Rettet das Ocelot“ eingerichtet, und möchten mit medienwirksamen Aktionen auf sich aufmerksam machen, am morgigen Samstag z.B. mit einem Ocelot-Flashmob. Ab 16 Uhr heißt es in der Brunnenstraße 181: Ocelot-Masken (PDF zum Ausdrucken hier) aufsetzen und durch den Laden schleichen. Und danach natürlich auch: Kaffee trinken, Bücher kaufen.

Außerdem gibt es den ganzen Samstag über eine Statement-Aktion: Vor Ort werden Fotos gemacht, mit einem persönlichen Text ergänzt und über Facebook, Tumblr & Co. verbreitet. Apropos soziale Medien: Via Twitter kann man auch unter dem Hashtag #supportocelot für die bedrohte Spezies aus Berlin-Mitte Flagge zeigen.