Ein Display ist nicht genug: neue Dual-Screen-Reader von Barnes&Noble und Spring Design

Die Welt der E-Reader wird bunter – dank Dual-Screen-Technik. Gerade hat die us-amerikanische Buchhandelskette Barnes&Noble ein Gerät vorgestellt, der E-Ink und (Farb-)LCD vereint. Das unter dem Namen „Nook“ vertriebene Lesegerät kommt in den USA für 259 Dollar in den Handel. Fast zeitgleich präsentierte Spring Design einen ähnlichen Dual-Screen-Reader mit 3,5-Zoll-LCD Display. Beide Geräte sind WiFi-fähig und können drahtlos E-Books herunterladen.

Mit dem Nook kann man E-Books auch „ausleihen“ – für maximal zwei Wochen


Dual-Screen E-Reader Barnes Noble Nook.gifMan nehme einen 6-Zoll-Reader mit E-Ink-Display und füge am unteren Ende einen halben iPod Touch hinzu: dann hat man – inklusive WiFi-Fähigkeit – ungefähr alles beisammen, was Barnes&Noble in seinen neuen „Nook“-Reader gepackt hat. Unter anderem dient das schmale LCD-Display zum Darstellen von Buch-Covern. Das neue Multimedia-Erlebnis geht allerdings zu Lasten des Akkus: während man bisher mit E-Ink-Geräten Wochen bis Monate schmökern konnte, macht der Nook Barnes&Noble zufolge nach spätestens zehn Tagen intensiver Beanspruchung endgültig schlapp. Technisch scheint der E-Reader ansonsten aber ausgereift zu sein: so kann man etwa Passagen in E-Books markieren, Anmerkungen machen und Wörter im eingebauten Dictionary nachschlagen. Besonders pfiffig: E-Books kann man jetzt auch „ausleihen“, in dem man Freunden aufs Handy oder auf den Laptop eine Kopie schickt, die zwei Wochen lang lesbar sein soll. Das Gerät ist eine deutliche Kampfansage an Amazons E-Reader Kindle – Barnes&Noble hat schließlich nicht nur einen gut ausgebauten E-Book-Store, sondern auch zahlreiche Filialien, über die nun auch der Nook verkauft werden kann.

Spring Design setzt auf Googles „Android“ – und bietet sogar Smartphone-Funktionalität

Dual-Screen E-Reader Spring Design Alex.gifBis es farbige E-Ink-Displays geben wird, die es in punkto Geschwindigkeit mit LCD-Technik aufnehmen können, wird es noch etwas dauern. Doch was nützt die schnellsteVerbindung zwischen WiFi-Reader und E-Book-Store, wenn das Verkaufs-Portal langsam und farblos daherkommt? Das dürfte der Hauptgrund für den Griff der Geräteindustrie in die technische Trickkiste sein. Barnes&Noble ist nicht allein: mit dem „Alex“ von von Spring Design ging diese Woche ein weiteres Gerät an die Öffentlichkeit, dessen LCD-Display mit 3,5 Zoll sogar noch etwas größer ausfällt als beim „Nook“. Eine weitere Besonderheit: es ist der erste E-Reader mit Googles „Android“-Oberfläche. Theoretisch dürfte er sogar „Smartphone“-Funktionalität besitzen – etwa für Voice-over-IP-Telefonate. Doch besonders wichtig scheint den Machern die Multi-Media-Dimension zu sein: „Diese E–Book-Leseerfahrung könnte eine ganz neue Industrie entstehen lassen, sie gibt Sekundär-Autoren die Chance, zusätzlichen Content herzustellen, der mit dem Buchtext verlinkt wird – jetzt kommen Audio, Video und Anmerkungen in die Bücher“ sagte dazu Priscilla Lu, Vorstandsvorsitzende von Spring Design. Außerdem könnten die Leser selbständig Web-Resourcen nutzen, um zusätzliche Informationen zum Buch zu erhalten.

PlasticLogic punktet: Barnes&Noble liefert E-Books, AT&T das Funknetz

plasticlogic-e-readerEr ist nicht nur leicht und flexibel, sondern bietet ein riesiges Display: der neue E-Reader von PlasticLogic hat das Zeug zum nächsten große Ding der E-Book-Branche — allerdingst erst 2010. Für Nachrichten sorgt das Gerät schon jetzt. Zuletzt wurden zwei neue Details bekannt: AT&T stellt in den USA das Funknetz für das WiFi-fähige Gerät bereit, Barnes&Noble sorgt für den Content.

Dank Touchscreen lassen sich mit dem PlasticLogic-Reader Dokumente auch bearbeiten

Das Display des PlasticLogic-Reader ist sogar noch größer als das des Kindle DX: es misst 8.5 mal 11 Zoll (amerikanisches „letter-size“, entspricht in etwa dem Standard DINA4). Produziert wird es in einer Fabrik in Dresden. Der neue Reader zielt mit seinem Format auf Business-Kunden, die Dokumente in voller Größe lesen und bearbeiten wollen. Das Touchscreen macht nicht nur eine intuitive Bedienung möglich — ähnlich wie beim iPod Touch oder beim iRex E-Reader — sondern auch die Bearbeitung. Neben Markierungen lassen sich über eine eingeblendete Tastatur kleine Textnotizen in die Dokumente einfügen.

Das Letter-Size-Display eignet sich gut für die Darstellung von Zeitungsseiten

Erfreut über das große Display dürften auch viele Zeitungsverlage sein: sie können ihren Content zukünftig in einem Format darstellen, das einer normalen Zeitungsseite nahe kommt. Das bietet auch bessere Vermarktungschancen für Anzeigen. Last not least: Bücher lesen kann man mit dem PlasticLogic-Reader natürlich auch. Der Buchhandels-Multi Barnes&Noble hat vor kurzem angekündigt, in seinem jüngst eröffneten E-Book-Store ab 2010 E-Books speziell für den PlasticLogic-Reader anzubieten. Bis dahin werden von der neuen Barnes&Noble-E-Reader-Software lediglich iPhone, iPod Touch und diverse Smartphones als mobile Plattform unterstützt.

Barnes&Noble attackiert Amazon: Preise für E-Books purzeln

Das Verlagshaus Barnes&Noble bläst zur Attacke: kein E-Book im Online-Shop von eReader.com kostet mehr als 12,95 Dollar, alle neu erscheinenden E-Books gibt es ab jetzt für 9,95 Dollar oder weniger. Außerdem sind sämtliche New York Times-Bestseller nun für einen einstelligen Betrag zu haben. Durch ein spezielles Rabattprogramm sinken die Preise sogar noch weiter: 15% der Kaufsumme wird beim nächsten Kauf eines Barnes&Noble-Titels angerechnet. Der Hintergrund der Rabattschlacht: Erst vor wenigen Monaten ist der eReader-Shop Betreiber Fictionwise von Barnes&Noble übernommen worden. Das Umsteuern in der Preispolitik hat natürlich ein klares Ziel: Amazon. Denn Amazons noch relativ teurer E-Reader Kindle wird den Kunden vor allem durch den niedrigen Einheitspreis für E-Books von — genau: — 9,95 Dollar schmackhaft gemacht. (mehr …)