Nook Tablet bald in Deutschland? Barnes & Noble eröffnet Berliner Zentrale

Kommt das Nook Tablet von Barnes & Noble noch vor Amazons Kindle Fire in Deutschland an? Durchaus möglich – denn momentan verdichten sich die Hinweise auf eine Präsenz der größten US-Buchhandelskette im E-Book-Business des alten Kontinents. Erst im Dezember 2011 war Barnes & Noble bei der Amsterdamer Handelskammer registriert worden und hatte Verhandlungen mit dem niederländischen Barsortimenter Centraal Bookhuis aufgenommen. Anfang März rührte Barnes & Noble dann auf der London Book Fair die Werbetrommel für den Nook. Nun ist offenbar Deutschland an der Reihe: Nach Informationen von Buchreport hat das US-Unternehmen vor wenigen Tagen die Barnes & Noble Digital Media GmbH angemeldet. Sitz der Firma ist mitten in Berlin in einem repräsentativen Geschäftsgebäude am Potsdamer Platz.

Thalia als deutscher Vertriebspartner?

Während Barnes&Noble in Großbritannien wohl mit der Buchhandelskette Waterstones kooperieren dürfte, ist hierzulande Thalia als potentieller Partner im Gespräch. Der finanziell kriselnde Buchhändler mit Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz könnte mit den Nook Tablets dem E-Reader- und E-Book-Geschäft neuen Schwung verleihen – bei den Marktanteilen liegt Thalia deutlich hinter Amazon und Apples iBook-Store. Barnes & Noble wiederum wurde auf dem Tablet-Markt deutlich von Apple und Amazon abgehängt. Die Expansion nach Europa würde dabei helfen, den Abstand zu verkürzen. Über das Filialnetz der zweitgrößten deutschen Buchhandelskette hätte Barnes & Noble im Vertrieb vor Ort zudem einen strategischen Vorteil gegenüber dem reinen Online-Handel mit Kindle & Co.

Kopf an Kopf-Rennen zwischen Nook und Fire

Die Zeit ist allerdings knapp. Mit dem angekündigten Launch der Kindle-Touch-Modelle hat Amazon ab April auch in Deutschland bereits die gesamte Modellpalette im E-Ink-Bereich am Start. Als Schlussstein der Offensive bleibt nur noch der Marktstart des Kindle-Fire-Tablets. Einigt sich Barnes & Noble schnell genug mit deutschen Vertriebspartnern und E-Book-Lieferanten, könnte uns jedoch in der Liga der Lese-Tablets ein interessantes Kopf-an-Kopf-Rennen bevorstehen. Schon seit längerem wird der US-Store von Barnes & Noble durch das Börsenvereins-Portal Libreka mit deutschen Titeln versorgt. Technisch sind sich Kindle Fire und das neue Nook Tablet ähnlich, vom Chipsatz bis zur Android-Oberfläche. In den USA wird die Basisversion des Nook-Tablets mit 199 Dollar zum selben Preis angeboten wie das Konkurrenzprodukt von Amazon. Außer dem Nook-Tablet hat Barnes & Noble noch das ältere Nook Color sowie mit dem Nook Touch einen E-Ink-Reader mit Touch-Screen im Angebot.

(via Buchreport & TechCrunch)

Barnes&Noble kommt nach Europa – als erstes in die Niederlande?

Schon seit einiger Zeit plant Amazons größter Konkurrent den Sprung nach Europa. Viele Beobachter gingen bisher davon aus, der zweitgrößte US-Buchhändler würde die erste Dependance jenseits des großen Teichs in Großbritannien errichten. Wie ereader.nl berichtet, könnte es nun aber auf dem Kontinent noch schneller gehen – zwar nicht in Deutschland, dafür aber in den Niederlanden. Seit Dezember ist B&N schon offiziell bei der holländischen Handelskammer registriert und verhandelt inzwischen mit dem Barsortimenter Centraal Bookhuis über die Lieferbedingungen für elektronische Lektüre. Strategisch würde dieser Schritt durchaus Sinn machen, denn Amazon ist auf dem niederländischen Markt noch gar nicht präsent. Gibt man Amazon.nl im Browser ein, wird man in Richtung der britischen Website umgelenkt. Frau Antje und Herr DeVries kaufen ihre E-Books, DVDs und Musik bisher vor allem bei bol.com, sonstigen Hausrat bei Wehkamp.

Echte Avantgarde ist B&N aber nicht. Denn der Wandel der digitalen Buchhandels-Landschaft hat schon eingesetzt. Seit Dezember 2011 startete der kanadische E-Book-Händler Kobo einen niederländischen E-Store. Kobo-Reader mit niederländischer Menüführung werden bei unseren Nachbarn auch vor Ort in den Filialen der Buchhandelskette Libris BLZ verkauft. Für die Nachzügler heißt es also eher: dabei sein ist alles. In den nächsten Monaten könnten nun wohl auch die ersten Nook-Reader bzw. Nook-Tablets offiziell über den Ladentisch gehen. Gerade der Nook Color ist als sieben Zoll-Android-Gerät schärfster Konkurrent von Amazons Fire Tablet. Auch das wird aber womöglich bald in den Niederlanden zu haben sein – denn dem Telegraaf zufolge will Amazon wohl bis zum Sommer 2012 ebenfalls eine Website mit „.nl“-Domain starten. Die Marktpräsenz bleibt in der ersten Phase offenbar rein virtuell – abgewickelt werden sollen die Warenlieferungen vorerst über Amazon-Logistikzentren in Deutschland und Großbritannien.

Abb.: Flickr/Andrew B47

Erster „Gratis“-E-Reader: Barnes&Noble koppelt Nook Touch mit NYT-Abo

Barnes&Noble bietet den WiFi-Reader Nook Touch ab sofort kostenlos an. Doch natürlich gibt’s dabei auch einen Haken: Das Sonderangebot gile nur, wenn man zeitgleich ein elektronisches Abo der New York Times für ein Jahr abschließt. Pro Monat fallen dafür 19,99 Dollar an. Die Standardversion des 6-Zoll großen E-Ink-Readers mit Touch-Screen kostet normalerweise 99 Dollar. Auch das mit Farb-Display ausgestattete Nook Color wird über ein vergleichbares Subskriptions-Modell angeboten – zusammen mit einem NYT-Jahresabo kostet das Lese-Tablet statt 199 Dollar dann nur noch 99 Dollar.

„Unsere Kunden lieben es, jeden Morgen die Zeitung automatisch auf den Nook geliefert zu bekommen, und sie jederzeit und überall lesen zu können“, so Jonathan Shar, der bei B&N den digitalen Zeitungskiosk managt. Tatsächlich ist der „Digital Newsstand“ für viele Kunden die zentrale Eintrittskarte in das elektronische Ökosystem der größten US-Buchhandelskette. Der Marktanteil ist in diesem Bereich sogar größer als etwa der von Apple. Die aktuellen Kombiangebote für Newsjunkies wurden anlässlich der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas vorgestellt und gelten bis Anfang März. Finanziert werden sie offenbar von Buchhandelskette und Zeitung gemeinsam.

Zusätzlich zum Content auf den Nook-Geräten haben die Abonnenten auch kostenlosen Zugang zum kompletten Webangebot der New York Times. Regelmäßige Leser werden dort seit Anfang 2011 mit einem „metered access“-Modell zur Kasse gebeten – wer öfter vorbeisurft, muss die Seiten gegen eine monatliche Gebühr freischalten. Subkriptionsmodelle zur (Quer-)Subventionierung von Lesegeräten wurden in der E-Reader-Branche schon seit längerem diskutiert. Konkurrent Amazon setzt bisher auf Werbeeinblendungen auf dem Kindle-Display, um die Reader-Modelle mit deutlichen Rabatten anzubieten. Kostenlose Kindles gab es bisher allerdings nicht – doch das könnte sich bald ändern. Nach dem Vorstoß von Barnes&Noble dürfte nun wohl ein ähnliches Modell des Online-Buchhändlers zu erwarten sein.

Neuer Nook von Barnes&Noble: E-Ink, Touch-Screen, Android

Barnes&Noble hat dem klassischen Nook ein Facelifting verpasst – statt Dual-Screen gibt’s jetzt nur noch E-Ink, dafür aber mit Touch-Screen. Mit an Bord ist das Social-Reading-Feature „Friends“, bekannt durch die Nook-App für Tablets & Smartphones. Der neue Nook hält deutlich länger durch als der alte: B&N verspricht eine Akkulaufzeit von zwei Monaten. Unter der Haube des 6-Zoll-Gerätes werkelt Android 2.1 – ein absolutes Novum bei E-Ink-Geräten. Nicht nur technisch ist das Gerät eine Attacke auf Amazon. Mit 139 Dollar liegt der WiFi-fähige Reader auch preislich Kopf an Kopf mit dem Kindle. Der neue Nook kommt am 10. Juni in den Handel, ein offizieller Vertrieb in Deutschland ist allerdings nicht geplant.

Neue Doppelstrategie: LCD oder E-Ink

Keine Dual-Screen-Kompromisse mehr! Barnes&Noble setzt nun auf eine klare Doppelstrategie: es gibt das sieben Zoll große Nook Color mit LCD, und ab sofort den Nook Touch mit 6 Zoll großem E-Ink-Display. Damit scheint sich die Kombination von kontraststarkem Pearl-E-Ink und auf Infrarot-Abtastung basierendem Touch-Screen endgültig als neuer Standard durchzusetzen. Nur einen Tag zuvor hat Kobobooks ein vergleichbares Gerät gelauncht, bei Sony gibt es diese Features bereits seit mehr als einem Jahr. Gleichzeitig wird das Angebot bei B&N aber auch verschlankt – denn ein 3G-Modell ist offenbar nicht geplant.

Jetzt wird’s unfair: „37 Knöpfe weniger als beim Kindle“

Vom äußeren gleicht sich die neue E-Ink-Klasse immer stärker den Tablets an – außer einem Home-Button ist keine einzige Taste mehr zu sehen. Das wurde bei der Präsentation auch gleich der Konkurrenz unter die Nase gerieben: „Kindle 3 has 38 buttons. That’s 37 more than the all-new Nook“, ätzte B&N-Chef William Lynch. Ein Großteil davon geht natürlich auf die Rechnung der Qwerty-Tastatur, die bei Touch-Screengeräten virtuell auf’s Display kommt. Das spart zudem Platz, kein Wunder, dass das neue Nook gleich 10 Prozent kürzer ist als das K3. Man könnte noch hinzufügen: Mit 212 Gramm ist es auch noch knapp dreißig Gramm leichter.

Software-Innovationen: “Pageturning, Battery Life, Social Areas“

Aus Sicht von B&N sind die drei größten Innovationen des Gerätes: schnelle Seitenwechsel, lange Akkulaufzeit und die Social Reading Funktionen. Zum echten „Pageturner“ wird das Gerät durch einen schnellen 800Mhz-Prozessor und das neue Betriebssystem. Die lange Akkulaufzeit ist natürlich ein Durchschnittswert, dabei wird mit einer Lesedauer von lediglich 30 Minuten pro Tag gerechnet. Social Reading wird bei B&N tatsächlich groß geschrieben, neben der „Friends“-App gibt’s demnächst mit mynook.com auch ein eigenes Internetportal, auf dem man auf das persönliche Lesenetzwerk von überall her zugreifen kann. Die „Personalisierung“ des Nooks selbst macht aber auch Fortschritte: von jetzt an kann man eigene Bilder als Screensaver nutzen.

Vorerst kein deutsches Nook geplant

Wie beim Kindle wird Wert gelegt auf individuelles Seitenlayout: sechs Schriftfonts und sieben Schriftgrößen sind wählbar. Besonders interessant am neuen Nook ist natürlich das Android-Betriebssystem. Zusätzlich Apps wie beim Nook Color will B&N zwar erklärtermaßen nicht anbieten. Man darf aber gespannt sein, wann es den ersten Hack des neuen Nook gibt. Durch das „Rooten“ des Nook Color konnte man ja sogar die Kindle App zum Laufen bringen. Auch ungehackt könnte der Nook Touch auf dem deutschen Markt sicher ein echter Hingucker sein. Doch leider tritt B&N bei der Internationalisierung – anders als Amazon und neuerdings auch Kobobooks – zur Zeit noch stark auf die Bremse.

Nook Touch Specs


Display

6 Zoll Pearl-E-Ink/Touch-Screen,
600×800 Pixel, 16 Graustufen

Gewicht:

212 Gramm

Schnittstellen

Mikro-USB, WLAN

Interner Speicher

2 Gigabyte intern, max. 32 Gigabyte extern (SD-Karte)

E-Book-Formate

epub, PDF

Besondere Features

„Friends“ (Social-Reading-App), LendMe-Funktion

Preis

139 Dollar (Barnes&Noble)

Barnes&Noble: E-Books werden US-Buchbranche innerhalb von 24 Monaten dominieren

barnes-noble-e-book-markt-umwaelzung-in-24-monatenBarnes & Noble rechnet offenbar innerhalb von 24 Monaten mit dem völligen Umkippen des US-Buchmarkts von Print zu E-Book. „Das Buch-Business verändert sich radikaler und schneller als es bei Filmen, Musik oder Zeitungen der Fall ist, denn hier geht es um eine Frage von Monaten“, äußerte sich B&N-Manager Marc Parrish am letzten Wochenende auf der GigaOm Big Data-Konferenz in New York, und wagte dann eine konkrete Prognose: „In den nächsten 24 Monaten wird sich die Branche komplett umwälzen.“

Trotz Nook & Co: Marktposition von B&N bröckelt

Für die mehr als 700 Filialen der größten US-Buchhandelskette verheißt das nichts gutes. Das Unternehmen hat zwar viel Geld in die Entwicklung von E-Readern wie zuletzt dem Nook Color gesteckt. Doch die Verluste in den Buchhandlungen vor Ort lassen sich durch E-Book-Downloads bei weitem nicht ausgleichen. Den verbleibenden Börsenwert von B&N (weniger als 1 Mrd. Dollar – im Vergleich zu 57 Mrd. im Fall von Amazon) dürften Prophezeiungen wie die von Parrish natürlich nicht gerade steigern. Auch die Suche nach einem Käufer für das angeschlagene Unternehmen wird wohl noch schwieriger werden. Vielleicht ein Grund, warum Parrish die konkrete Zeitangabe inzwischen wieder zurückgezogen hat. Doch ob das was nützt? Die von Parrish auf der GigaOM präsentierten Marktdaten scheinen das Untergangsszenario für die Gutenberg-Galaxis eindeutig zu bestätigen.

Größter Profiteur der Umwälzung ist natürlich Amazon

Denn schon für 2011 erwarten die Analysten von Forrester & Gartner, dass bis zu 35 Prozent der US-Leser einen E-Reader besitzen, bis Ende des Jahres sollen sage und schreibe 18 Millionen Lesegeräte über den Ladentisch gehen. Die Nachfrage in punkto E-Books könnte dadurch bald die nach gedruckten Büchern übersteigen. Größter Profiteur ist dabei natürlich Amazon – und damit genau derjenige Player, der den Stein mit der Entwicklung des Kindle-Readers überhaupt erst ins Rollen gebracht hat. Von der ausgelösten Lawine bleibt das Unternehmen als reiner Onliner aber verschont, statt unrentabler Ladenflächen betreibt es schließlich nur hocheffiziente Logistikzentren und Webserver. Und so mancher, der in Zukunft das (Print-)Buch zum E-Book sucht, wird per Mausklick auf amazon.com einkaufen. Vielerorts wohl alleine schon deshalb, weil es vor Ort gar keinen Buchhändler mehr gibt.

Kindle-App läuft auf dem Nook Color: ein 5-Minuten-Android-Hack

kindle-on-nook-color Eigentlich ist das Nook Color von Barnes&Noble ja ein preisgünstiges Android-Tablet – doch viele Funktionen sind deaktiviert worden, so etwa die Möglichkeit, über den Android Marketplace neue Apps zu installieren. Mit einem recht simplen Trick kann man dieses Problem nun offenbar umgehen – und sogar die Kindle-App zum Laufen bringen. Ausführlich beschrieben wird das sogenannte „Rooting“-Verfahren via SD-Karte bei nookdevs.com, einen Erfahrungsbericht gibt’s auf dem inoffiziellen Kindle-Blog . Von der Aktualisierung des Android-Systems auf dem Nook bis zur lauffähigen Installation der Kindle-App sollen angeblich nur 5 Minuten vergehen… Wie CrunchGear schreibt, dürfte dieser Hack bei B&N für Migräne sorgen – bei Amazon aber wohl für Frohlocken, hat sich die Zahl der verfügbaren Plattformen doch nun um ein weiteres Tablet erhöht, während auf dem Kindle-Reader selbst der Branchenstandard epub weiterhin außen vor bleibt.

Thalia setzt auf eigenen E-Reader – und bald auch auf ein Closed-Shop-Modell?

closed-shop-ifa-thalia-reader-e-store-e-ink-e-bookThalia auf den Spuren von Amazon? Die Buchhandelskette will ab Oktober einen eigenen E-Reader verkaufen. Dabei handelt es sich technisch angeblich um eine komplette Neuentwicklung. Bisher setzte Thalia auf Lesegeräte von Sony, wie sie auch bei Buchhandelsportalen wie libri oder buch.de erhältlich sind. Vorgestellt werden soll der Thalia-Reader erstmals auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) Anfang September. Begleitet wird die Reader-Premiere von einer neuen Website zur „Zukunft des Lesens“ sowie einer PR-Tournee durch ausgewählte Thalia-Filialen.

„Es handelt sich um einen dezidierten E-Reader, nicht um ein Tablet-PC“

Die Muse des Theaters scheint bei dieser E-Reader-Premiere Pate zu stehen: Der Thalia-Reader kommt, so viel ist klar. Doch bis zur Premiere auf der IFA erhält die Buchhandelskette den dramaturgischen Spannungsbogen aufrecht. So bleibt etwa ungewiss, auf welcher technischen Basis der neue Thalia E-Reader produziert wird. Klar ist bisher nur, dass es um ein E-Ink-Gerät geht. Das Börsenblatt will von einer Thalia-Sprecherin erfahren haben, es handele sich „um einen dezidierten E-Reader und nicht um einen Tablet PC nach Vorbild des iPad“. Damit die E-Book-Strategie der zweitgrößten deutschen Buchhandelskette aufgeht, dürfte es sich wohl um ein vernetztes, also mindestens WiFi-fähiges Gerät handeln – denn das garantiert den direkten Draht zum Content. Sowohl Amazons Kindle wie auch der Nook von Barnes&Noble gründen ihren Erfolg unter anderem auf den unmittelbaren Zugang zum Lesestoff. Nicht umsonst wirbt Amazon mit dem Slogan: „Get books in 60 seconds“. Bei der Realisierung des vernetzten Lesens kann das in Hamburg ansässige Unternehmen auf die Erfahrungen mit Buch.de setzen – Thalia hält nämlich 60 Prozent des Internet-Buchhandelsportals. Als hilfreich für den Geräteabsatz dürfte sich natürlich auch das deutschlandweite Filialnetz von Thalia erweisen.

Deutsche E-Book-Händler setzen bisher maximal auf Rebranding

Im stationären Buchhandel ist Thalia seit Jahren für einen recht hemdsärmeligen Verdrängungswettbewerb bekannt. Mit der E-Reader-Offensive betritt die Buchhandelskette jedoch völliges Neuland – ein mit dem Closed-Shop-System von Amazon oder Barnes&Noble vergleichbares Geschäftsmodell gibt es in Deutschland bisher nicht. E-Book-Portale von Verlagen wie auch Buchhandelsketten setzen hierzulande nicht nur gemeinsam auf den epub-Standard, sie bieten auch eine ganze Reihe von Lesegeräten unterschiedlicher Hersteller an. Hier und da gab es zwar Rebranding, wie etwa bei der „Weltbild-Edition“ des Hanvon N516, doch das beschränkte sich auf leicht modifizierte Firmware-Versionen. Die Lektüre von E-Books war insofern für deutsche Kunden vergleichsweise komfortabel – denn wo man einen epub-Titel gekauft hat, war egal, lesen konnte man ihn auf mehr als einem Dutzend E-Ink-Geräten von Bookeen oder Bebook bis zu Pocketbook und Sony. Wenn Thalia nun versuchen würde, das Steuer komplett herumzureißen, wäre das Unternehmen wohl nicht gerade von der Muse geküsst.

Das einzige Argument für ein Closed-Shop-Modell wäre ein 99-Euro-Reader

Denn die verhältnismäßig große Freiheit im E-Leseland Deutschland dürfte jeder exklusiven Expansionsstrategie enge Grenzen setzen – so steht wohl kein proprietäres E-Book-Format wie bei Amazons Kindle-Books zu befürchten. Denkbar wäre allerdings ein Alleingang beim Kopierschutz, ähnlich wie bei Barnes&Noble. Die US-Buchhandelskette verkauft ihre E-Books im epub-Format nämlich mit einem eigenen Kopierschutz, der nicht mit dem von Adobe gelieferten Branchenstandard ADEPT kompatibel ist. Somit kann man diese E-Books nur auf dem Nook-Reader lesen. Immerhin ist das B&N-System halboffen – denn umgekehrt lassen sich DRM-geschützte E-Books aus „fremden“ E-Stores durchaus auf dem Nook lesen. Wahrscheinlich ist jedoch auch diese Variante nicht, denn in den USA können Amazon wie auch Barnes&Noble ihre Closed-Shop-Systeme den Lesern mit Niedrig-Preisen schmackhaft machen. Die deutsche Buchpreisbindung verhindert solche Strategien allerdings, zudem ist das E-Book-Angebot bei Thalia bzw. Buch.de auch inhaltlich identisch mit dem anderer Plattformen, etwa Libri. Der einzige Weg, deutsche Kunden in die Content-Einbahnstraße zu locken, bestünde im Discount beim Gerätepreis. Doch traut sich Thalia am Ende wirklich, so etwas wie einen WiFi-fähigen 99-Euro-Reader anzubieten, hart an der Grenze oder sogar unterhalb des Herstellungspreises?

E-Books wälzen US-Buchbranche um – Barnes&Noble vor der Übernahme

barnes-noble-e-book-nookDer Umbruch in der amerikanischen Buchbranche beschleunigt sich: Nun erwägt Barnes&Noble eine Übernahme durch potentielle Investoren. Die größte US-Buchhandelskette mit über 770 Filialen kämpft mit steigenden Kosten und sinkendem Börsenwert. Investitionen in einen E-Book-Store und die Vermarktung des E-Readers Nook konnten daran nichts ändern – auch auf diesem Sektor hat Konkurrent Amazon die Nase vorn. Deswegen zogen die wichtigsten Aktionäre nun die Notbremse.

Die Zeit für „Brick&Mortar“-Shops scheint abzulaufen

Ob aufwärts oder abwärts: die Entwicklung der Buchbranche in den USA verläuft in beiden Richtungen äußerst rasant. Zu den größten Absteigern der Branche gehören mit Barnes&Noble sowie Borders ausgerechnet die beiden größten „Brick&Mortar“-Buchhändler. Der B&N-Flagship-Store an der Fifth Avenue, gegründet im Jahr 1932, mag noch so viel Glamour verbreiten. Insgesamt sind die Filialen aus Stein und Mörtel zum Klotz am Bein geworden. Die Leser shoppen immer öfter ganz woanders – vor allem bei Amazon. Der unaufhaltsame Aufstieg des in Seattle beheimateten Online-Riesen wird durch Brick&Mortar-Ballast nicht gebremst. Das erst 1994 gegründete Unternehmen hat heute einen Börsenwert von 57 Mrd. Dollar. Barnes&Noble ist dagegen nur noch schlappe 900 Millionen Dollar wert. Auch Borders musste kräftig Federn lassen, im letzten Jahr verbuchte der mit 170 Filialen zweitgrößte US-Buchhändler Verluste im dreistelligen Millionenbereich. Noch vor wenigen Jahren wurde spekuliert, Borders könnte von Barnes&Noble geschluckt werden. Nun gelten beide als Übernahmekandidaten – und 60.000 Angestellte bangen um ihre Arbeitsplätze.

Mit dem Nook-Reader wollte B&N dem Kindle Paroli bieten – nur wenige Monate vor dem iPad-Hype

Doch nicht nur der Kostendruck beim Vor-Ort-Verkauf macht Barnes&Noble Probleme – auch die kräftigen Investitionen ins E-Book-Business belasten die Bilanzen. Mit der Übernahme des Online-Portals Fictionwise stieg B&N Anfang 2009 ins E-Book-Business ein, im Sommer des Jahres folgte dann ein eigener B&N-Store für elektronische Bücher. Abgerundet wurde der Verstoß in das E-Book-Geschäft durch den Launch eines E-Readers namens Nook. Der Dual-Screen-Reader setzt einerseits auf E-Ink für hohen Lesekomfort, andererseits auf ein LED-Farb-Touchscreen für bequemes Online-Shoppen per W-LAN oder UMTS. Mit zusätzlichen Funktionen wie etwa der Möglichkeit, E-Books auszuleihen, aber auch der Unterstützung des epub-Standards bietet der Nook tatsächlich einen gewissen Mehrwert gegenüber Amazons Kindle. Doch Amazons Vorsprung auf dem E-Book-Sektor ist schwer aufzuholen. Momentan deckt das Imperium von Jeff Bezos 70-80 Prozent des elektronischen Buchmarktes in den USA ab. Der Start des Nook im November 2009 kam außerdem etwas spät, denn kurz darauf brach bekanntlich schon der mediale Hype um das iPad los, mit dem Apple konsequent auf LED-Technik setzte. Doch B&N will die Nook-Karte weiter ausspielen – in den Filialen sollen ab September spezielle In-Door-Shops nur für den Dual-Screen-E-Reader eröffnen.

Freiheit für den Kindle: Fictionwise liefert E-Books für Amazons E-Reader

Schluß mit dem „Closed Shop“-System: Amazons Kindle kann zukünftig auch mit Content aus dem E-Book-Store der Barnes&Noble-Tochter Fictionwise gefüllt werden. Im neuen Kindle-Bookstore gekaufte Titel lassen sich sogar direkt – via „Mail-to-Kindle“-Funktion – auf die Lesegeräte übertragen. Insgesamt tragen etwa 15.000 E-Books im Katalog des E-Stores nun den Zusatz „Kindle Compatible (Mobi)“ – DRM-geschützte Titel sind allerdings nicht darunter.

Barnes&Noble hat nun einen Fuss in der Tür zur Kindle-Welt

Endlich mehr Lesestoff für Amazons Kindle:die Abhängigkeit der Kindle-Nutzer von Amazons E-Store schrumpft, zumindest ein bisschen. Lesen lassen sich nur E-Books und E-Mags ohne DRM-Schutz – bei Fictionwise auch „Multiformat“-E-Books genannt. Nicht ohne Grund: bei Büchern ohne Kopierschutz konnte man dem Kunden schon bisher eine Vielzahl verschiedener Wahlmöglichkeiten anbieten: das Spektrum reicht von Microsofts .lit über freies epub bis zu PalmDoc- und Rocketbook-Format. Hinzugekommen ist nun ganz einfach noch Amazons angepasstes Mobipocket-Format. Besonders aufregend ist das Angebot im neuen „Kindle-Bookstore“ nicht – doch zumindest hat Barnes&Noble nun  einen schmalen Fuss in der Tür zur Kindle-Welt. Für die Übertragung der Dateien auf den Kindle gibt es zwei Möglichkeiten: via USB-Port vom Desktop-Rechner oder drahtlos. Der WiFi-Weg läuft über die individuelle E-Mail-Adresse des Kindles, die bei Amazon zum Standard gehört. Schon bisher wurde dieser Kommunikationskanal für Sonderdienste genutzt, etwa die Möglichkeit, PDF-Dokumente in ein für den Kindle lesbares Format zu konvertieren. Der einzige Nachteil gegenüber der USB-Variante: Amazon kassiert pro angefangenem Megabyte 15 Cent Gebühren. Noch einfacher wäre es natürlich, wenn Amazon auf den Branchenstandard epub umsteigen würde – dann gäbe es auch für deutsche Kindle-Nutzer endlich Zugriff auf genügend aktuellen Lesestoff in deutscher Sprache.

(via Teleread)
 

Nook nicht schnell genug? Neuer E-Reader von Barnes&Noble fällt bei ersten Tests durch

Der Nook von Barnes&Noble ist da – zumindest offiziell hat in den USA nun endlich der Verkauf des Dual-Screen-Readers begonnen. Das Engadget-Blog hat den mit Android laufenden Reader auf Herz und Nieren geprüft – und zeigte sich eher ernüchtert: „mit der richtigen Software könnte der Nook ein Tsunami sein, im jetztigen Zustand macht er aber kaum Wellen“.

Dual-Screen, Android, hippes Design: technisch versprach der Nook eine neue Dimension

Wenn ein E-Reader mit einiger Berechtigung als der ultimative Kindle-Killer gehandelt wurde, dann der „Nook“ von Barnes&Noble. Mit dem Wifi-fähigen Gadget der US-Buchhandelskette schien Amazons Lesegerät endlich einen würdigen Gegner gefunden zu haben. Nicht nur, das sich der stationäre Verkauf auf hunderte Filialen stützen konnte – auch in technischer Hinsicht versprach der Nook eine neue Dimension: der erste auf Googles hippen OS Android basierte Reader, der erste mit einer Kombination aus E-Ink und Farb-Bildschirm, dazu noch ein edles Design.  Doch bereits der Verkaufsstart entwickelte sich für die Kunden zum Hindernisrennen: eigentlich sollte der Nook diese Woche in den Barnes&Noble-Filialen im Regal stehen – doch wegen der großen Nachfrage gibt es Lieferengpässe, und die Kunden wurden bis auf Mitte Januar vertröstet.

Bereits durch sein Design hebt sich der Nook von Amazons Kindle ab

Doch immerhin sind jetzt erste Geräte im Umlauf – und eins davon hat der Tech-Blog Engadget jetzt testen können. Vergleichsbasis war in vielerlei Hinsicht Amazons Kindle-Reader – von dem sich der Nook bereits durch sein minimalistisches Design abhebt. Auf der Vorderseite gibt es neben dem Dual-Screen (6-Zoll E-Ink plus 3,5 Zoll LCD) lediglich fünf Knöpfe – zweimal „Vor“ & „Zurückblättern“ sowie einen Home-Button. Das Dual-Screen-Konzept macht’s möglich: denn die eigentliche Bedienung erfolgt schließlich über das farbige Touch-Screen.  An sonstigen Äußerlichkeiten kommen noch die üblichen Anschlüsse wie Mikro-USB, SD-Kartenslot und Kopfhörerbuchse. Die Speicherausstattung ist üppig – das Gerät kommt mit 2 GB internem Memory und kann über den SD-Slot mit bis zu 16 GB erweitert werden.

„Keine dramatischen Verschlechterungen , aber eben auch keine Verbesserungen.“

Das 6-Zoll-E-Ink Display wies Engadget zufolge kaum Unterschiede zu dem des Kindle-Reader auf, wenn auch der Kontrast etwas besser erschien. Nur das Umblättern – also das „Page-Refresh“, dauerte offenbar deutlich länger. Gesamturteil bis hierher: „Keine dramatischen Verschlechterungen , aber eben auch keine Verbesserungen.“ Doch das eigentliche Highlight ist natürlich das farbige Touch-Screen. „Das Grundkonzept des Touch-Screens ist genial und lehnt sich eng an das iPhone an – eine one-size-fits-all-Portal das jede beliebige Form annehmen kann“, begeistern sich die Technik-Enthusiasten von Engadget noch einmal. Um dann allerdings feststellen zu müssen: das schönste Touch-Screen-Menü nützt wenig, wenn der E-Ink-Bildschirm geschwindigkeitsmäßig einfach nicht hinterherkommt. Auch schien das Touchscreen nicht alle Berührungs-Richtungen mit gleicher Qualität zu registrieren. Das Hauptmenü „Homescreen“ fanden die Tester sehr übersichtlich, es teilt sich in „the daily“ (E-Newspaper/E-Mags, Benachrichtigungen), „my library“ (die eigentliche E-Bibliothek), „shop,“ „reading now,“ sowie „settings.“ In den Verzweigungen der untergeordneten Menüs fühlten sich selbst die Techies von Engadget allerdings etwas lost in space.

Gesamturteil: tolles Design, tolle Technik, aber schlechte Performance

Das Gesamturteil ist dann auch durchwachsen: tolles Design, tolle Technik, aber schlechte Performance – dank mangelhafter Firmware: „Die große Frage ist: hilft die Software, den eigentlichen Zweck des Gerätes zu erfüllen – also das Lesen von Büchern – oder behindert sie dabei, und nach unserem Urteil tut sie letzteres. Das Gerät ist in manchen Situationen geradezu benutzerunfreundlich.“ So bleibt den Freunden des Kindle-Killers namens Nook vorerst nur eins – sie müssen auf ein immerhin von Barnes&Noble bereits versprochenes Firmware-Update warten.