Freiheit für die Sprechblasen: ComiXology erlaubt DRM-freie Downloads

Gute Neuigkeiten für E-Comic-Fans: Nutzer der besonders in den USA populären ComiXology-App können ab jetzt ihre Dateien exportieren und separat im PDF- oder CBZ-Format abspeichern. Entweder als reines Backup, oder um sie alternativ mit unabhängigen E-Reading-Apps oder im PDF-Viewer zu lesen. Das gab ComiXology-Chef David Steinberger letzte Woche anlässlich der Comic-Con in San Diego bekannt.

Die Backup-Option funktioniert auch auf der europäischen Comixology-Plattform (comixology.eu). Es gibt aber einen kleinen Haken: Auf das komfortable „Guided View“-Feature der App muss man natürlich verzichten. Diese Panel-weise Leseansicht hat mit zum Erfolg der Anwendung beigetragen. Voraussetzung für das Backup ist zudem, dass der jeweilige Verlag DRM-freie Versionen seiner E-Comics anbietet – was Marvel und DC, also die ganz Großen der Branche, bisher aber nicht tun.

Welche der bereits gekauften Titel sich exportieren lassen, verrät auf der ComiXology-Website ein neuer Reiter namens „My Backups“. Zu den Indie-Verlagen, die bereits jetzt auf DRM verzichten, gehören neben Image Comics auch Dynamite Entertainment, MonkeyBrain Comics oder Thrillbent. Image Comics ist auf dem US-Markt nach Marvel und DC die Nummer drei – und gab Mitte 2013 den Verzicht auf DRM bekannt.

Mit der Öffnung des App-Ökosystems für DRM-freie Comics folgt ComiXology also einem Branchentrend – wie gut sich kopierschutzfreie Bildergeschichten von Indie-Verlagen vermarkten lassen, hat nicht zuletzt auch die Crowdpublishing-Plattform Humble Bundle gezeigt, die komplette Bündel schnürt und zum Bezahl-was-du-willst-Preis bereits hunderttausendfach verkauft hat.

Mit über 50.000 E-Comics von mehr als 75 Verlagen gilt ComiXology auf internationalem Parkett als führender Anbieter, im Frühjahr 2014 wurde das Unternehmen von Amazon aufgekauft. Ursprünglich ist ComiXology als Online-Community gestartet, mit der lokale Comic-Händler ihre Digitalpräsenz verbessern konnten, mit einer iPhone-App begann dann 2009 der Einstieg ins E-Comic-Business.

Weitere Infos siehe DRM-free-FAQ auf Comixology.com

QR-Code de luxe: Neue Software kodiert komplettes E-Book auf einer DIN A 4 Seite

Klingt nach einem Witz: das Freeware-Programm namens „Paperback“ verwandelt Datenmengen bis zu mehreren Megabytes in winzige Pixel-Muster, die man dann auf Papier ausdruckt. Doch die von Programmierer Oleh Yuschuk erfundene Software funktioniert tatsächlich. Ähnlich wie beim Prinzip des zweidimensionalen QR-Codes, der mit einer Smartphone-Kamera abfotografiert wird, kann man die verpixelte Papierseite ganz einfach einscannen und in die ursprüngliche Datei zurückverwandeln. Neben Bildern übersetzt die Software im Handumdrehen auch komplette E-Books in eine Art QR-Code de Luxe. Mit der normalen Auflösung eines Laserdruckers passen etwa 500 Kilobytes auf eine Druckseite. Mit zusätzlicher Datenkomprimierung bis zu 3 Megabyte. Bei unserem Test verbrauchte der gesamte Inhalt von „Vom Buch zum Byte“ (als reiner Text knapp 124 Kilobytes) etwa den Platz einer halben DIN A 4-Seite. Bietet sich hier vielleicht eine ganz neue Chance für das Offline-Marketing?

„Erinnert sich noch jemand an die Lochkarte?“

Yuschuk selbst sieht „Paperback“ eher als eine Art Festplatte aus Papier, die zuverlässiger Daten konserviert als andere Speichermedien: „Wenn man auf eine CD oder ein Magnetband blickt, weiß man gar nicht, ob der Datenträger noch lesbar ist oder nicht. Dazu muss man das Medium erst mal in ein Laufwerk einlegen, wenn man denn überhaupt noch eins hat. Mit Papier ist das anders: erinnert sich noch jemand an Lochkarten?“ Theoretisch lassen sich die „Paperback“-Daten sogar per Hand entschlüsseln, auch wenn das wohl selbst mit guter Lupe ziemlich lange dauern würde. Grundsätzlich scheint das Konzept aber gerade für die langfristige Archivierung wichtiger Dateien interessant. Denn mit einer Haltbarkeit von mehr als 100 Jahren toppt bedrucktes Papier alle bisherigen digitalen Speichermedien von der Diskette bis zum USB-Stick.

Call to action: „Scan’s ein, lies rein“

Was Yuschuk jetzt als funktionsfähigen „Open Source Joke“ im Internet veröffentlicht hat, war anfangs eher zu Demonstrationszwecken gedacht. Um seinem Sohn zu erklären, wie Daten auf einer CD-Rom gespeichert werden, zeichnete der Programmierer mit einem spitzen Bleistift winzige Punkte und Striche. Dabei ergab sich die Frage: „Wie viele Daten lassen sich eigentlich auf diese Weise auf ein Blatt Papier bringen?“ Yuschuk schätzte die Menge auf etwa 100 Kilobytes. Um die genaue Zahl herauszufinden, begann er eine Software zu schreiben – am Ende wurde daraus dann Paperback. Ob sich demnächst tatsächlich die ersten Archive mit Folianten voller QR-Codes füllen, oder E-Book-Leseproben als pixelige Handzettel in Fußgängerzonen verteilt werden (Call to action: „Scan’s ein, lies rein“)? Mal abwarten. Eine praktische Anwendung jedenfalls scheint sich schon abzuzeichnen: manche User setzen Paperback ein, um Backups wichtiger Passwörter zu machen, etwa für das Online-Banking.

Abb.: E-Book-News