SuperBuch reloaded: Kinderbuch-Ini augmented 2017 weitere Backlist-Titel

superbuch-auch-2017-am-StartSie heißen Pettersson & Findus, Urmel aus dem Eis oder Prinzessin Lillifee — und sollen auch in Zukunft die Longseller der Kinderbuchbranche bleiben. Damit das klappt, wollen sich große Verlage wie Oetinger, Ueberreiter, Bastei & Co. nicht auf’s Papier allein verlassen: mit der Initiative „SuperBuch“ starteten sie Anfang des Jahres den großangelegte Versuch, die alten Geschichten mit Augmented Reality neu aufzupeppen, ohne das Buch überflüssig zu machen.

ErstleserInnen im Blickpunkt

Das hat im ersten Jahr zumindest bei einzelnen Titeln so gut funktioniert, dass die an der Initiative teilnehmenden Verlage im Jahr 2017 eine neue Runde starten wollen — mit acht weiteren SuperBüchern, die sich auch diesmal mit Features wie etwa einer Vorlesefunktion und Lesespielen speziell an ErstleserInnen im Grundschulalter richten. Also genau dort, wo zumindest bisher die lebenslange Customer Journey der Bibliophilen beginnt.

Schön ist Panama auch in 3D

Derzeit sind 18 virtuell erweiterte Titel lieferbar, darunter der Janosch-Bestseller wie „Oh, wie schön ist Panama“ (Beltz) oder „Der Dachs hat schlechte Laune“ (Nord-Süd Verlag). Um die zusätzlichen Inhalte zu nutzen, braucht man die „Tigerbooks-App“: Über die vom gleichnamigen Oetinger-Startup entwickelte Software (iOS/Android) können die Sprösslinge ihre Bilderbücher mit Smartphone oder Tablet erfassen und die Papier-Helden interaktiv mit 3D-Animationen und Sound erleben.

SuperBücher nicht teurer als vorher

Begleitet wurde die Markteinführung des Hybrid-Konzeptes von aufwändigen Werbemaßnahmen. Bestes Argument für die gedruckte Basis der SuperBücher ist aber wohl: Für den Endkunden entstehen keine Mehrkosten — die Klassiker werden im Laden für den gewohnten Listenpreis angeboten, die App gibt’s kostenlos. Wer die Titel schon besitzt, muss keine neuen Versionen kaufen, auch mit älteren Schmökern funktioniert die Tigerbooks-App.

(via Buchreport.de)

Pop Up-Buch trifft Augmented Reality: Sony schlägt mit „Wonderbook“ neues Kapitel auf

Multimedial aufgehübschte E-Books – Stichwort: „enhanced“ sind fast schon ein alter Hut. Die Zukunft könnte dagegen einem ganz neuen Trend gehören – Augmented Reality. In Verbindung mit Spielekonsolen und TV-Gerät wird sogar aus einem gedruckten Buch richtig großes Kino. Vorreiter auf diesem Gebiet ist Sony: das „Wonderbook“ kombiniert auf clevere Weise das Medium Papier mit der eigentlich für Gestensteuerung gedachten Playstation-Erweiterung PS3-Eye. Das Buch selbst ist dabei jedoch nur Platzhalter für QR-Code-ähnliche Symbole, die von der Optik des Sony-Auges erfasst werden. Die eigentliche Action spielt sich auf dem Bildschirm ab, wo die Realität vor der Kamera mit virtuellen Elementen erweitert wird – etwa dreidimensionalen Papierdrachen.

Das erste Wonderbook hat den Titel „Buch der Zaubersprüche“ („Book of Spells“), und lehnt sich an die Harry-Potter-Welt an. Leser, oder besser gesagt Spieler können den Zauberstab schwingen, Zaubersprüche erlernen und so selbst zum Magier werden. Wobei der Zauberstab ebenfalls in der realen Welt existiert – in Form des PlayStation Move Controllers, dessen Bewegungen vom PS3-Eye eingefangen werden. Die Hintergrundstory spielt in Hogwarts, allerdings 200 Jahre vor der gewohnten Potter-Story. Erstmals in Deutschland war das Wonderbook im August auf der Kölner GamesCom zu sehen, im Oktober ist es nun auf der Frankfurter Buchmesse zu Gast. Dort widmet sich der Ausstellungsbereich „StoryDrive Media & Entertainment Area“ ausgiebig dem Thema Gamification.

Abgesehen vom J K Rowling-Spin-Off soll zur Zeit auch noch eine kindgerechte Krimi-Story für das Wonderbook namens „Digg’s Nightcrawler“ in der Entwicklung sein, ebenso darf man sich auf ein interaktives Dino-Bilderbuch „Walking with Dinosaurs“ freuen. Dabei handelt es sich um eine Auskopplung der gleichnamigen BBC-Serie (in Deutschland bekannt unter dem Titel „Dinosaurier – im Reich der Giganten“). Offizieller Verkaufsstart der Augmented-Reality-Märchenbücher ist im November. Bücher direkt auf der Playstation gab’s übrigens auch schon mal: vor einiger Zeit brachte Sony E-Comics auf die mobile Spielekonsole PlayStation Portable.

Abb.: Screenshot playstation.wonderbook.com

„Google Goggles“ 2.0 kommt – die interaktive Brille für Alleswisser

Pünktlich zum Jahresende brodelt die Gerüchteküche rund um die neuesten Gadgets aus dem Google X-Lab. Das Google Tablet ist dabei noch die banalste Insider-Information. Schließlich gibt es schon Google Smartphones und mit Android ein Google-Betriebssystem für Mobilgeräte. Die spannendste Entwicklung vollzieht sich offenbar gerade im Bereich des „Wearable Computing“, also bei Geräten, die man direkt am Körper tragen kann, oder die sogar in Kleidungsstücke integriert sind. Google setzt dabei Seth Weintraub (9to5google) zufolge auf eine High Tech Brille: „[Google is] in late prototype stages of wearable glasses that look similar to thick-rimmed glasses that ’normal people‘ wear. However, these provide a display with a heads up computer interface. There are a few buttons on the arms of the glasses, but otherwise, they could be mistaken for normal glasses.“

Augmented Reality trifft Location Bases Services

Sogenannte „Head Mounted Displays“ gibt es schon lange, doch mit den klobigen Cyberspace-Brillen haben die „Google Goggles“ demzufolge nichts zu tun. Denn man blickt nicht in miniaturisierte Bildschirme, sondern durch technisch aufgerüstete transparente Brillengläser, die von außen ganz normal aussehen. Das futuristische Interface-Konzept verbindet damit zwei Trends, die für Googles Mobile-Strategie eine zentrale Rolle spielen: Augmented Reality und Location Based Services, also ortsbezogene (Informations-)Dienste. Google Maps plus GPS war insofern nur der Anfang. Die drahtlos funkende High-Tech-Brille wird wohl genau wissen, wo man sich jeweils befindet, und wie ein kamerabestücktes Smartphone Informationen in das jeweils gezeigt Bild einblenden können (ironischerweise gibt’s ja auf dem mobilen Touch-Screen bereits einen Google-Service dieser Art – unter dem Namen „Google Goggles“). Etwa touristische Informationen über das Gebäude, vor dem man sich befindet, von Freunden empfohlene Restaurants in der Nähe oder den kürzesten Weg zum nächsten Hardware-Schnäppchen. Vielleicht kommt durch Gesichtserkennung bald auch die Identität des Gesprächspartners dazu – weswegen manche das Google-Gestell leicht spöttisch „Terminator-Brille“ nennen.

Google Books direkt vor der Nase?

Zumindest muss man wohl nicht befürchten, bei einem Spaziergang die ganze Zeit Desktop-Icons des allerneusten Android-Systems vor der Nase zu haben: „In addition, we have heard that this device is not an ‚Android peripheral‘. According to our source, it communicates directly with the Cloud over IP“, berichtet Weintraub auf 9to5google. Um das Projekt voranzutreiben habe Google zudem vor kurzem Richard DuVal engagiert, einen „Wearable Computing“-Spezialisten vom MIT, dessen Doktorarbeit nicht zufällig den Titel „The Memory Glasses“ trägt. Die „Google Goggles“ 2.0 könnten anders als etwa am Armband getragene iPod Nanos oder ähnliche Mini-Mobiles auch das elektronische Lesen auf eine neue Stufe heben. Denn im Gesichtsfeld eines solchen virtuellen Displays ist viel Platz für die Lektüre von News, Social Media Streams oder eben E-Books. Wenn die High-Tech-Lunetten wirklich den Schritt vom fortgeschrittenen Prototypen zum Serienprodukt meistern, dürfte wohl auch Google Books demnächst direkt ins Auge gehen.

Abb.: flickr/Éamonn/Montage

Jenseits der rot-grünen Klappbrille: Augmented Reality als clevere Kombination alter und neuer Medien

augmented-reality-printmedien-3d-sz-magazin3D ist wieder da. Die bereits vor fünfzig Jahren im Kino erprobte Erlebnistechnik kommt als High-Tech-Variante zurück – neben der Leinwand auch auf Displays von Fernsehern und Spielekonsolen. Die Printmedien surfen auf dieser Welle mit. Sie drucken 3D-Bilder und verteilen rotgrüne Klappbrillen. Doch die Zukunft des Lesens dürfte wohl eher der Augmented Reality gehören. Leser des SZ-Magazins konnten diese Form der virtuell erweiterten Lektüre nun erstmals per Smartphone erleben.

3D in der Zeitung: technisch veraltet, aber gut für Anzeigenerlöse

Als Hollywood in den Fünfziger Jahren den Kampf gegen das neue Medium TV zu verlieren schien, galt 3D eine Zeit lang als probates Mittel, das Kinoerlebnis wieder konkurrenzfähig zu machen. Doch 3D geriet bald wieder in Vergessenheit, die Filmindustrie setzte lieber auf Cinemascope. Die Wiederkehr von 3D passiert heute fast gleichzeitig in allen Medien. Blockbuster wie Avatar können Couchpotatoes bereits per Shutter-Brille auf 3D-Fernsehern genießen, Nintendo bringt brillenlose 3D-Spielkonsolen heraus, selbst Urlaubsfotos und Filme erobern die Tiefe des Raums. Den Printmedien scheint angesichts der nächsten technischen Revolution mulmig zu werden. Auf das zweidimensionale Klickibunti des Internets konnten Zeitungen, Zeitschriften und Magazine noch einigermaßen reagieren. Mit mehr Weißraum zwischen den Texten, weniger Buchstaben in den Texten, und mehr Bildern neben den Texten. Doch was nun? Ganz einfach, man druckt rot-grüne Doppelbilder. „3D heißt das Zauberwort der multimedialen Zeit. Wir führen Sie in einer Beilage durch diese faszinierende Welt. Brille auf und los“, hieß es etwa in der Mittwochsausgabe der Berliner Zeitung. Auch BILD springt auf diesen Trend auf. Unter dem Motto „BILD-Leser sehen mehr“ wird die optisch aufgepeppte Ausgabe vom 28. August zusammen mit einer rotgrünen Klappbrille aus Pappe geliefert. Mit Multimedia hat das wenig zu tun, mit erfolgreicher Anzeigenakquise wohl sehr viel. Technisch war die Gutenberg-Galaxis schon Ende der Achtziger Jahre viel weiter, als etwa CHIP eine holographische Folie auf das Cover klebte.

Augmented Reality am Kiosk – das Smartphone macht’s möglich

Die Süddeutsche Zeitung hat jetzt mit einer zeitgemäßeren Verknüpfung von alten und neuen Medien experimentiert: Augmented Reality. In absehbarer Zukunft wird unsere Realität angereichert durch digital eingeblendete Informationen, sei es mit Hilfe eines Head-Mounted-Displays, sei es mit Hilfe einer High-Tech-Kontaktlinse. In Fall des SZ-Magazins reichte dazu ein Smartphone mit eingebauter Kamera aus, ergänzt durch einen AR-Browser namens junaio, den man kostenlos via App Store oder Android Market herunterladen kann. Das Prinzip ist immer gleich: Die Umgebung wird von einer Kamera aufgenommen und analysiert. Eine Möglichkeit von AR ist die reine Kommentierung. Sobald etwa bestimmte Symbole, Bilder oder auch Gesichter von der Software erkannt werden, bekommt der Betrachter die passenden Daten auf das Display geliefert. Etwa den Nährwert von Lebensmitteln, den Namen des Künstlers oder die Vita des Gesprächspartners. Das SZ-Magazin demonstrierte diesen Aspekt von AR in Form eines virtuellen Reiseführers. Richtete man das Smartphone auf bestimmte Hotspots in Berlin, Hamburg oder München, bekam man exklusive Ausgehtipps der Redaktion.

Auf dem virtuellen Magazin-Cover outet sich Sandra Maischberger

Genauso gut kann man mittlerweile Realität und digitale Animationen mischen. Mit seinem Magic Book hat Mark Billinghurst diese Möglichkeit bereits Anfang der Nuller Jahre vorgeführt. Sah man ohne Head Mounted Display nur rätselhafte rechteckige Symbole, zeigte der Blick durch die klobige Hightech-Brille beispielsweise dreidimensionale Figuren. Beim SZ-Magazin blieb alles noch 2D, doch auch hier bildete dieser Teil des Experiments das eigentliche Highlight. Der Blick auf das Smartphone-Display bot nämlich ein deutlich verändertes Bild. So konnte man etwa sehen, wer auf dem Magazin-Cover sein Gesicht hinter den Händen verbirgt – in einer kurzen Filmsequenz outet sich Sandra Maischberger. Im Innern des Magazins tauchten zudem neben dem Gesicht von Lena Meyer-Landrut Sprechblasen auf, eine grüne Wiese verwandelte sich in einen Parkplatz, und das Kreuzworträtsel war plötzlich fertig gelöst.

AR heißt in letzter Konsequenz: Lesen ohne materielle Vorlage

„Statt nur über Augmented Reality (AR) zu berichten, haben wir ein Heft entwickelt, das die neue Technologie für unsere Leser erstmals in einem journalistischen Format erlebbar macht“, klopft sich dementsprechend Dominik Wichmann, Chefredakteur des SZ-Magazins auf die Schulter. Tatsächlich dürfte aber AR den 3D-Bildern bei BILD, Berliner Zeitung und selbst bei ARTE deutlich überlegen sein. Zum einen, weil es sich tatsächlich um eine Innovation handelt, und nicht um die Wiedervorlage längst bekannter Technologie. Zum anderen, weil das Papiermedium selbst dafür überhaupt nicht verändert wird – der informative Zusatz ist rein virtuell. Man muss mit AR in Zukunft auch kein 3D-Bild mehr drucken, um in der Zeitung eins zu sehen. Ein entsprechendes Display vor dem Auge reicht aus. Für gedruckte Zeitungen, aber genauso für gedruckte Bücher heißt das langfristig nichts gutes. Setzen sich AR-Brillen oder AR-Kontaktlinsen erst einmal durch, ist eigentlich gar keine materielle Vorlage mehr nötig. Wenn sich ein Bild einblenden lässt, wo keins ist, lässt sich natürlich auch eine ganze Zeitung oder ein ganzes Buch einblenden. Was man vielleicht noch braucht, sind ein paar leere Seiten für das haptische Empfinden und ein bisschen Papierrascheln.