Amazon & das Projekt „Connected Car“: Kindle-App bald als Auto-Accessoire?

Im Internet der Dinge hat das Auto eine Pole Position: schließlich verbringen (nicht nur) die Amerikaner ihr halbes Leben hinter dem Steuer. Die zunehmende Vernetzung der Fahrgastzelle ruft neben der Mobilfunk-Industrie auch die Content-Anbieter auf den Plan: denn wenn das Armaturenbrett zum multimedialen Dashboard mutiert, lockt ein Milliarden-Business. Nicht zufällig ist auch Amazon Kooperationspartner im Projekt „Connected Car“, das Synergieeffekte zwischen IT-Branche und Autoindustrie erzeugen soll. Ein konkretes Anwendungsbeispiel gibt’s schon: der Amazon-Cloud-Player ist seit neuestem kompatibel mit dem „Ford SYNC“-System. Die vom US-Autohersteller in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelte Kommunikations- und Entertainmentzentrale wird vom Fahrer per Sprachbefehl gesteuert, u.a. lässt sich auf diese Weise auch Musik abspielen. Amazon-Kunden haben nun über Ford SYNC auch direkten Zugriff auf die in ihrer Cloud-Bibliothek gepeicherten Titel.

Sprachgesteuert: Hörbuch on the road

Das dürfte jedoch nur der erste Schritt sein – denn zu Amazons Kerngeschäft gehören schließlich Bücher. E-Book-Lektüre scheidet natürlich für den Mann oder die Frau am Steuer aus. Mit Audiobooks dagegen sieht die Sache ganz anders aus: schon jetzt nutzen schließlich viele Autobesitzer längere Fahrten, um ablenkungsfrei einem Hörbüch zu lauschen. Was noch fehlt, ist die Integration von Amazons Kindle-App in die digitale Infrastruktur der Automobilhersteller. Mit „Whispersync for Voice“ hat Amazon.com im letzten Jahr bereits gezeigt, wohin die Reise gehen könnte: für ein paar Dollar mehr ermöglicht diese Technik die Koppelung eines E-Books mit der Audiobook-Version von Audible (seit 2008 eine Amazon-Tochter). Während der Lektüre kann man somit nahtlos zwischen Text und Audio-Version wechseln: „Now you don’t have to put a good book down – even if you’re cooking, running or COMMUTING“, bewirbt Amazon das Feature schon jetzt.

Switchen zwischen E-Book & Audiobook

In Zukunft könnte die Synchronisierung auch ganz automatisch im Auto stattfinden, sobald das Multimedia-Dashboard über das Smartphone des Fahrers eine Verbindung zum Amazon-Server hergestellt hat. Mit einen entsprechenden Sprachbefehl würde das Audiobook genau an der Stelle starten, an der die Lektüre zuvor abgebrochen wurde. Durch den Zukauf von spezialisierten Startups wie Yap oder Ivona hat Amazon sich in den letzten Jahren schon einiges Know-How angeignet, was automatische Spracherkennung und Sprachsteuerung betrifft. Das könnte sich nun lohnen, denn wie „HondaLink“ zeigt, hat der Kampf der Content-Industrie um das vernetzte Auto längst begonnen: über die ebenfalls an das Smartphone des Fahrers gekoppelte Multimedia-Plattform können Kunden des japanischen Autoherstellers neben Webradio-Kanälen schon jetzt auf Audiobook-Bibliotheken zugreifen.

(via GigaOM)

Abb.: Flickr/ngConnect (cc-by-nc-2.0)

„All you can hear“: Audiobooks.com führt Flatrate für Hörbücher ein

„Unlimited, unlimited, unlimited audiobooks!“: Was Netflix für TV-Serien und Spotify für Musik möglich macht, gibt’s ab sofort auch für Hörbücher. Als erster großer Anbieter weltweit startet das US-Unternehmen Audiobooks.com ein Streaming-Angebot zum monatlichen Festpreis. Für 25 Dollar haben die Abonnenten 30 Tage lang unbegrenzten Zugriff auf mehr als 10.000 Hörbücher, die aus der Cloud direkt auf den Rechner wandern. Gelauscht wird via Browser – Audiobooks hat eine auf HTML 5 basierte App entwickelt, die sich plattformübergreifend nutzen lässt, sowohl auf dem Desktop wie auf Mobilgeräten. Eine Synchronsierungsfunktion ähnlich der Kindle-App ermöglicht auch beim Switchen zwischen einzelnen Geräten die direkte Forsetzung der akustischen Lektüre. Das Abo ist äußerst flexibel – es lässt sich von Monat zu Monat wieder kündigen. Deutschen Hörern bleibt das Streaming-Angebot vorerst leider verschlossen, denn Audiobooks beschränkt sich auf die USA und Kanada.

Vertriebslogik des Buchmarkts verhindert Flatrates

„All you can hear“ liegt tatsächlich näher als „all you can read“, denn Hörbücher lassen sich genauso streamen wie sonstige Audio- oder Videoangebote. Doch die traditionelle Vertriebslogik des Buchmarktes hat offenbar vergleichbare Angebote bisher verhindert. So bleibt auch das „Hörbuch-Abo“ des Amazon-eigenen Anbieters Audible beim näheren Hinsehen den Regeln der Gutenberg-Galaxis verpflichtet: das monatliche Guthaben wird ganz einfach portionsweise gegen einzelne Titel eingetauscht. Allerdings experimentiert Amazon selbst in den USA sogar schon mit einer Art Flatrate für E-Books. Denn Premium-Kunden erhalten gegen eine Jahresgebühr von 79 Dollar Zugang zum einem kostenlosen E-Book-Verleihservice. In Zukunft dürfte dieses Modell ausgeweitet werden – zumal mit dem Kindle Fire nun eine Geräteplattform zur Verfügung steht, auf der sich sämtliche Medienarten perfekt verwerten lassen.

E-Books & E-Comics werden auch schon gestreamt

Bei E-Comics etwa ist das Streaming schon gängige Praxis – viele US-Verlage bieten flash-animierte Viewer für den Browser an, die ihren Content aus der Cloud beziehen. Doch auch Googles eBook Store etwa ermöglicht via Rechnerwolke die Online-Lektüre von E-Books. Viele andere internationale E-Book-Anbieter arbeiten derzeit an neuen HTML 5-Apps, um ihren Content nahtlos auf alle Geräte bringen zu können. Rein technisch steht Flatrate-Angeboten also auch für Text-Inhalte überhaupt nichts mehr im Weg. Für Verlage und Buchhandel in Deutschland steht damit bereits die nächste Grundsatzdiskussion an. Wie soll man auf den neuen Trend reagieren, und welche Preismodelle sind vorstellbar? Eins zumindest sollte man an Amazons Vorpreschen im E-Book-Sektor gelernt haben: aussitzen lässt sich diese Entwicklung nicht. Zumal die Buchpreisbindung bei Abo-Angeboten nicht unbedingt eine bremsende Wirkung haben wird. Bei Hörbüchern existiert sie sowieso nicht – der endlose Strom von Audiobooks wäre also hierzulande auch heute schon ohne weiteres möglich.

(via The Atlantic & Mashable)