K(l)eine Überraschung: Smartphone weltweit meist genutztes E-Lesegerät

Ehrenrettung für ein oft unterschätztes Lesegerät: Smartphones, nicht Tablets sind das weltweit am meisten genutzte Mobilgerät, wenn’s um die Lektüre von E-Books geht. Tatsächlich werden zwischen Feuerland und Spitzbergen die E-Books sogar zu 90 Prozent auf dem Touch-Screens von smarten Mobiltelefonen konsumiert – das belegen aktuelle Statistiken von Flurry Analytics, die sich auf Nutzerdaten von einer Milliarde Geräten stützen. Anders als man zunächst vermuten würde, haben also Gadgets mit einer Bildschirmdiagonale bis knapp unter sieben Zoll die Nase vorn, während „klassische“ Lesetablets wie das Kindle Fire (7 bis 8,4 Zoll) nur auf fünf Prozent Anteil kommen, und größere Tablets (ab 8.5 Zoll) ebenfalls auf fünf Prozent. Insgesamt liegt das Verhältnis Smartphone vs. Tablet beim elektronischen Lesen somit bei neun zu eins.

Die große Stärke der Tablets liegt bei Games

Besonders stark sind Tablets dagegen im Bereich Games, zu knapp dreißig Prozent wird auf Touchscreens ab sieben Zoll gezockt. Bei Videos sieht’s dagegen noch magerer aus als im Bereich E-Books – Tablets schaffen hier nur acht Prozent Anteil. Wahrscheinlich auch ein Hinweis darauf, wie wenig mobil das Mobilgerät namens Tablets im Alltag wirklich genutzt wird. Über alle Kategorien hinweg findet weltweit zur Zeit 18 Prozent der Mobilgerätenutzung im Bereich ab sieben Zoll statt – bei E-Books und Video sind Tablets somit deutlich unterrepräsentiert. Nicht mit eingerechnet sind bei den Zahlen von Flurry klassische E-Ink-Lesegeräte von Amazon, Kobo oder Sony. Allerdings fällt diese Geräteklasse global betrachtet kaum ins Gewicht: so wurden in den Jahren 2011/2012 weltweit etwa 40 Millionen E-Reader ausgeliefert, jedoch mehr als 1 Milliarde Smartphones und 200 Millionen Tablets (Zahlen laut IHS Suppli/IDC).

Bedeutung des App-Ökosystems wächst

Umso wichtiger wird es für Verlage und andere Content-Anbieter, das gesamte „Öko-System“ mobiler Geräte im Auge zu behalten, gerade wenn es um die Erschließung neuer Märkte in Schwellenländern geht. Doch selbst in den USA (wo bereits jeder fünfte einen E-Reader besitzt) oder Europa dürfte die Bedeutung von cloud basierten E-Reading-Apps für Smartphones weiter zunehmen – und sei es nur als niedrigschwelliger Einstieg in das elektronische Lesen, der dann vielleicht zum Anschaffen eines E-Readers motiviert. Mittelfristig stehen die Chancen für E-Ink dabei wohl eher schlecht: Gerade jüngere Leser bevorzugen in den USA auch jetzt schon Tablets und Smartphones.

(via activitypress.com)

Abb.: flickr/Lawrence Sinclair (cc), Infografik: Flurry (c)

iBooks auf dem iPad: Apples neues Tablet ist ein E-Reader – unter anderem

iPad-als-E-Reader-E-Book-iBooks.gif„Wir nennen es iPad“: unter großer medialer Aufmerksamkeit hat Steve Jobs in San Francisco das neue Apple-Tablet der Öffentlichkeit präsentiert. Mit seinem 9,7-Zoll Farb-Display eignet sich der große Bruder des iPods für multimedialen Content aller Art: von Webseiten über Videos bis zu elektronischer Lektüre. Das iPad wird mit einer spezielle E-Reader-App namens iBook ausgeliefert – für Content sorgt der iBook-Store, hinter dem große Verlage wie Harper Collins und Hachette Book Group stehen.

Das iPad ist so etwas wie der große Bruder des iPod


„Come see our latest creation“, stand etwas wolkig auf den Einladungen, mit denen Apple eine erlesene Schar von Mitarbeitern, Bloggern und Journalisten in das Yerba Buena Center for the Arts in San Francisco eingeladen hatte. Was das kommen würde, war aber mittlerweilen allen klar: man sprach nur noch vom „Tablet Event“. Schon Tage im voraus wurden im Internet eifrig Adressen weiterverbreitet, bei denen man die exklusive Medien-Show per Video-Livestream oder zumindest per Twitter mitverfolgen konnte. Durch gezielt gestreute Informationen waren die wichtigsten Details des Tablets allerdings längst durch Blogs und Gazetten gegeistert: zu erwarten war der große Bruder des iPods. Doch wie würde das Gerät heißen? Als am Mittwoch um 10 Uhr vormittags Ortszeit Steve Jobs auf die schwarz dekorierte Bühne trat, war das Rätsel schnell gelöst: „We call it the iPad“.

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iBooks statt E-Books: “Wir werden auf Amazons Schultern stehen“


Tatsächlich ist das Gerät technisch eine Mischung aus iPod Touch und iPhone: bedient wird es per Touch-Screen, die Verbindung mit dem Internet geschieht wahlweise per WLAN oder via UMTS, und für den Content sorgen sowohl alte Apps wie auch ein paar spezielle Neuentwicklungen. Zu den prominentesten gehört wohl iBooks – die neue App unterstützt den Branchen-Standard epub und macht aus dem iPad einen vollwertigen E-Reader. Siegesbewusst wie immer warf Jobs dem größten Konkurrenten im E-Book-Business den Fehdehandschuh hin: „Amazon has done a great job of pioneering this… we’re going to stand on their shoulders for this“ Schon rein optisch hat iBooks einiges zu bieten – es orientiert sich dabei an Programmen wie Delicious Library oder der Classics-App für iPhone und iPod Touch. (Wie Wired berichtet, haben die Macher von Classics auch schon reagiert: ihre App gibt es vorerst kostenlos). Ein virtuelles Bücherregal zeigt die Cover der bereits geshoppten E-Books. Das Umblättern der Seiten ist animiert und sorgt für ein Buch-ähnliches Ambiente. Den Content selbst liefert nicht mehr iTunes bzw. der App Store, sondern eine neue E-Commerce-Plattform namens iBook Store. Apples neuer Service wird von Anfang an gut bestückt sein – denn parallel zur iPad-Premiere verkündete Steve Jobs einen Big Deal mit fünf großen Verlagen: Macmillan, Harper Collins,, Hachette Book Group, Penguin sowie Simon&Schuster. Die hatten wohl einen sehr guten Grund für die Kooperation mit Apple, denn die Durchschnitts-Preise der E-Books werden im iBook-Store zwei bis drei Dollar über Amazons zehn Dollar-Schwelle liegen. Amazon wird freilich ebenfalls auf dem iPad präsent sein – denn die Kindle-App für das iPhone funktioniert auch auf dem neuen Tablet.

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Die „Dream screen for reading and watching“ gibt’s ab 499 Dollar


Bereits vor dem iBooks-Teil erfuhren die Besucher des Tablet-Events von einem mindestens ebenso wichtigen Content-Deal: die New York Times wird von Anfang an mit dabei sein. „Our iPhone app has been downloaded 3 million times. We wanted to create something special for the iPad“ kommentierte NYT-Gastreferent Martin Nisenholtz. Die neue iPad-App sieht tatsächlich aus wie der Traum aller E-Newspaper-Enthusiasten: sie bietet auf dem 9-Zoll-Display eine gute Mischung aus Zeitungslayout und Webseite, inklusive eingebetteter Videos. Tatsächlich dürfte Apple vor allem im Bereich E-Newspaper & E-Mags dem Rivalen Amazon Paroli bieten können – denn Farbe&bewegte Bilder sind Trumpf – für Leser ebenso wie für Anzeigenkunden. Gerade bei Zeitungslesern scheinen die langsamen, nur Schwarz-Weiß-Darstellung bietenden E-Ink-Geräte jüngsten Studien zufolge deutlich schlecht abzuschneiden. kindle-ipad-specs-e-reader-e-bookAm Ende ist natürlich alles auch eine Frage des Preises. Und auch da hat das neue Gadget für Überraschungen gesorgt – viele hatten schließlich mit bis zu 1000 Dollar gerechnet. Ähnlich wie beim iPod Touch hängt der Preis jedoch von der Ausstattung ab, und die einfachste Variante – 16 Gigabyte Speicher plus WLAN, aber ohne UMTS – gibt es bereits ab 499 Dollar. Das High-End-iPad mit 64 Gigabyte und WLAN plus UMTS schlägt dagegen mit 829 Dollar zu Buche. Die Auslieferung beginnt übrigens in zwei Monaten. Der Weg für den Massenmarkt könnte mit diesem Preismodell geebnet sein. „Zur Zielgruppe gehören alle Konsumenten“, zitierte ganz in diesem Sinne die NYT den Analysten Michael Gartenberg von Interpret, „Apple stellt keine Produkte für Enthusiasten her, sie produzieren nicht für ein paar Zehntausend, sondern für ein paar Zehnmillionen“. Doch ob und wann das iPad den „iPod“-Moment erlebt, hängt letzlich auch von der weiteren Preisentwicklung ab – das Kindle etwa gibt es in den USA mittlerweile ab 259 Dollar. „“Das iPad muss sich zwischen 300 und 400 Dollar einpendeln“, so Analyst Gene Munster von Piper Jaffray gegenüber Businessweek. Eins zumindest scheint klar zu sein: wenn das iPad ein Erfolg wird, dürfte das weniger an produktiven Büroanwendungen wie iWorks oder iBrush liegen, sondern an seinen Qualitäten als Konsum-Maschine: „Overall, the iPad seems like a dream screen for reading and watching“, urteilte der New Yorker Tech-Kolumnist David Pogue.

Neue Studie: bis 2014 lesen 32 Mio. US-Amerikaner per E-Reader

Neue Studie_Bis 2014 lesen 30 Millionen US-Amerikaner per E-Reader Bild_Pixelio_goenz.gifMehr als ein Drittel der erwachsenen Lese-Bevölkerung in den USA könnte bis 2014 auf E-Reader umsteigen: das sagt eine aktuelle Studie von Crédit Suisse voraus. Die Zahl der elektronischen Lesegeräte könnte demnach von 1 Million im Jahr 2008 in den nächsten sechs Jahren bis auf 32 Millionen hochschnellen. Allein bis Ende 2009 sollen schon 4 Millionen E-Reader in den USA in Benutzung sein. Die Hälfte davon könnten Amazon Kindles sein…

Bald könnten Amazon mehr drei Millionen Kindles pro Jahr absetzen

Crédit Suisse erwartet nämlich, dass Amazon bis zum Jahresende etwa 1,8 Millionen Geräte auf dem nordamerikanischen Markt absetzen kann. Im darauffolgenden Jahr könnten es knapp unter 3 Millionen Kindles sein, und im Jahr 2014 bereits mehr als acht Millionen. Amazons Erlöse mit dem Kindle würden dann von jetzt 623 Millionen Dollar auf 813 Millionen in 2010 und bis zu 1,8 Milliarden in sechst Jahren steigen.

Amazons Niedrigpreis-Politik hinterlässt Spuren: E-Books machen nur einen Bruchteil der Einnahmen aus

Den geringsten Teil der Einnahmen machen dabei E-Books aus:
da Amazon pro Buch bisher etwa 1 Dollar 50 Verlust macht (die Verlage bekommen mehr als die 9,99 Dollar des Endpreises). Falls sich das ändert, könnten bis 2012 jährliche Gewinne von ca. 30 Millionen Dollar drin sein — wenig im Vergleich zum Gesamtgewinn.
Dämpfende Faktoren für Amazons Einnahmeentwicklung könnten vor allem durch zwei Konkurrenten entstehen: Apple und Google.

Nicht Apple, sondern Google könnte Amazons größter Konkurrent auf dem E-Book-Markt werden

Zu Apple sagt Credit Suisse: „Auch wenn das neue Apple Tablet die Zahl der Kindle-App-Downloads steigern könnte, schätzen wir die Gewinnspanne hier sehr gering ein. Das Apple Tablet wird insofern keinen positiven Effekt für Amazon haben.“ Google dagegen könnte richtig gefährlich für Amazon werden: „Wenn das Google Settlement gelingt (also die gerichtliche Einigung mit den Gegnern der Digitalisierungs-Kampagne), hat Google das Potential zu einem Content-Anbieter im großen Stil, der einen Großteil des weltweiten Bibliothektsbestandes für zahlreiche Lesegeräte verfügbar machen würde, inklusive Smartphones.“

(via twice.com)

Bild: Pixelio/Goenz