Volles Programm, volle Datensouveränität: die log.os-App für Android ist da

logos-app-androidKaum etwas trendet so wie hippe post-textuelle Storytelling-Formate auf dem Smartphone. Da fühlte es sich fast schon ein wenig Old School an, als nun nach viel Vorbereitungszeit pünktlich zur #lbm17 die logos-App an den Start ging: seit letzter Woche ist die Android-Version kostenlos via Google Play zu haben. Das Ausprobieren lohnt sich aber auf jeden Fall. Denn neu und bisher in der Branche unerrreicht ist das zugrundeliegende Konzept, E-Reader, E-Book-Shop und E-Reading-Community konzernunabhängig wie Datenschutz-sensibel in eine App zu packen.

Mobiles Betriebssystem für Literatur

Log.Os ist ja bekanntlich angetreten, so etwas wie ein „Betriebssystem“ für Literatur zu bieten – mit der App für Smartphone und Tablet kommt dies nun auf die mobilen Geräte, mit denen die Mehrheit elektronisch liest. Auch eine iOS-Version soll demnächst an den Start gehen, im Moment werden dafür noch Beta-Tester gesucht.

Große & kleine Verlage an Bord

Inhaltlich bietet log.os inzwischen das volle Programm – gerade wurden noch Holtzbrinck, Bonnier und Lübbe ins Boot geholt. „Damit decken wir nun das gesamte Spektrum angefangen bei der Spiegel-Bestsellerliste bis hin zu den feinen Programmen der Independent-Verlage ab“, so der aktuelle log.os-Newsletter.

Vor allem ist log.os – siehe auch die Web-Version logos.social – aber eben eine fortschrittliche literarische Community, die Leser, Autoren, Verlage und Buchhändler auf Basis einer gemeinnützigen, unabhängigen Plattform miteinander vernetzt.

Daten gehören den Nutzern

Social Reading ist hier zwar letztlich auch Mittel zum Zweck – interessante Bücher entdecken, Bücher kaufen, Bücher weiterempfehlen – doch zu den Grundprinzipien von log.os gehört volle Datensouveränität: „Der Nutzer hat jederzeit die volle Kontrolle und Wahlfreiheit – er allein entscheidet, wie und zu welchem Zweck seine Daten genutzt werden dürfen (oder auch nicht)“.

Weniger ist mehr: Alexi empfiehlt gute Bücher, handverlesen von prominenten Kuratoren

alexi-app-kuratierte-empfehlungenWelches Buch soll ich lesen? Man kann natürlich Alexa fragen — und wird eine algorithmengesteuerte Leseempfehlung erhalten. Immer mehr Briten zücken dagegen ihr iPhone, fragen Alexi — und erhalten persönliche Buchempfehlungen von prominenten AutorInnen wie Kamila Shamsie, Bret Easton Ellis oder John le Carré.

Discovery wie in einer echten Buchhandlung

Die Alexi-App bietet nämlich so etwas wie die kuratierte Spotify-Playlist für die Buchbranche — für 1,99 Pfund pro Woche bzw. 79 Pfund pro Jahr führen die Lesetipps heraus aus der Echokammer von künstlich generierten Empfehlungen und 5-Sterne-Bewertungen anonymer Leser-Kommunen. Den App-Erfindern Andrew Kidd und Ayesha Karim zufolge soll Alexi das bieten, was auch eine gute Buchhandlung bzw. ein hilfreicher Buchhändler mit seiner Expertise bietet: eine handverlesene Auswahl an guten Büchern, unter denen man interessante Entdeckungen machen kann.

Jenseits von „All-you-can-Read“

Das müssen dann gerade nicht Bestseller sein, sondern gerne auch mal versteckte Edelsteine, die von den Blockbustern im Rampenlicht vielleicht zu unrecht überstrahlt wurden. Genausogut findet man bei Alexi aber auch lohnenswerte Backlist-Titel und Klassiker. Die App empfiehlt Woche für Woche eine Menge Lesestoff, aber nicht unendlich viel, verspricht Andrew Kidd: „Alexi ist das Gegenteil von All-you-can-eat-Flatrates. Die Leser leiden unter zuviel, nicht unter zuwenig Auswahl. Alexi blendet die ganzen Störgeräusche aus und bietet stattdessen eine sorgfältige Zusammenstellung der besten Bücher.“

In-App-Shopping & Reading

In Zahlen ausgedrückt: Übers Jahr gibt die App ungefähr 400 Leseempfehlungen. Folgt man ihnen, landet man in einer kostenlosen Leseprobe. Geht man über das Limit hinaus, ist das E-Book automatisch gekauft – die Lektüre kann direkt innerhalb der App fortgesetzt werden. Die Kuratoren erhalten für jeden Buchkauf eine kleine Provision.

(via TheGuardian.com & TheBookseller.com)

Sensibles Muli trifft Ultra-Stint: Font Flame, das Tinder für Typografisches

font-flame-das-tinder-fuer-schriftartenWer Texte layoutet, braucht in der Regel mindestens zwei Schriftarten, eine für die Überschriften, eine für den Textkörper. Doch welche Fonts passen gut zusammen? Außer vielleicht der ganz groben Faustregel „Headline serifenlos, Fließtext mit Serifen“ bleibt das „Matching“ zu 100 Prozent Geschmackssache, und bei der großen Zahl von Fonts wird die Wahl leicht zur Qual.

Digitales Matchmaking hilft weiter

Aber Moment mal, dachte sich der norwegische Entwickler Jan Wennesland: Leben wir nicht im Zeitalter des digitalen Matchmakings, von automatisierten Kaufempfehlungen bis zum algorithmengesteuerten Online-Dating? Heraus kam dabei Font Flame, das „Tinder for Font Pairing“. Passt Sintony zu Cutive Mono? Muli zu Stint Ultra? Alice zu Yeseva One?

Online-Dating via Tinder als Vorbild

Tatsächlich war die populäre Online-Dating-App „Tinder“ das Vorbild für Font Flame. So ähnlich wie man dort vermeintlich passende Personen, die auf dem Touchscreen präsentiert werden, entweder per Swipe nach links verwirft oder per Swipe nach rechts für später aufhebt, funktioniert auch Font Flame: je nachdem, ob ein Fontpaar gefällt oder nicht, klickt man auf „Love“ oder „Hate“.

Google Font Library als Quelle

In der Liste „My loved“ findet man dann alle Kombinationen, die auf den ersten Blick gezündet haben: bei mir landeten da z.B. Exo & Hind, Istok Web & Vollkorn, Roboto Slab & Lora. Quelle für all diese Schriftarten ist Googles Font Library. Bisher sind die von Font Flame präsentierten Paarungen zufällig ausgewählt, zukünftig soll es jedoch auch kuratierte Kombis zur Auswahl geben.

(via The Next Web)

NYT Now App: kuratierter Content, ab jetzt ohne Paywall

nyt-app-nowLetztes Jahr startete die New York Times mit „NYT Now“ eine preisgünstige iPhone-App für Einsteiger. Jetzt wurde das Experiment beendet, zumindest was die Bezahlschranke betrifft. NYT Now bietet eine mehrmals täglich aktualisierte Auswahl von Artikeln aus der Redaktion, garniert mit handverlesenem Content von Medienpartnern wie The Guardian oder Engadget. Bisher konnte man die App ohne monatliches Abo zum Preis von acht Dollar nur eingeschränkt nutzen, nach zehn Artikeln war Schluss.

„Metered Access“ als Königsweg

Die altehrwürdige „Graue Lady“ experimentiert schon seit längerem mit ihren Paywalls. Via „Metered Access“ lassen sich z.B. auch mit der regulären iPhone- und iPad-App der NYT zehn Texte pro Monat gratis konsumieren. Die Methode wirkt: Viele Leser geben zwischen 15 und 35 Dollar monatlich aus, um unbegrenzten Zugang zu Nachrichten, Blogs und zusätzlichem Premium-Content aus dem NYT-Universum zu erhalten.

Bald eine Million Digi-Abos

Das Interesse an der inhaltlich begrenzten „Schnupper-App“ NYT Now hielt sich dagegen sehr in Grenzen. Gerade mal geschätzte 20.000 Abonnenten konnte man in den letzten 12 Monaten gewinnen. Das war offenbar nicht genug, viele Leser haben wohl auch schlicht ihr bestehendes Abo „downgegradet“. Die Zahl der Digital-Only-Abonnenten insgesamt wird bei der NYT wohl noch in diesem Quartal die Millionenmarke erreichen.

NYT Now nicht für Android

Mit der neuen Strategie dürfte man auch mit „NYT Now“ deutlich mehr Leser erreichen, zumindest innerhalb der Apple-Gemeinde. Denn anders als die normalen NYT-Apps gibt’s „Now“ noch nicht für Android-Geräte. Einen kleinen Haken hat die Sache aber auch auf dem iPhone, die jetzt kostenlose App wird über die Einblendung von Anzeigen gegenfinanziert. Erhältlich ist sie auch im deutschen App Store.

Print, Web & App versöhnt: ePaper-Lösung von 1000°DIGITAL macht Inhalte mobil [Sponsored Post]

1000grad-epaper-appPrint oder Web? Egal ob’s um Bücher, Magazine oder Zeitungen geht: für viele deutsche Verlage ist das gar nicht die Gretchenfrage. Es geht vielmehr darum, wie Print UND Web zukünftig nebeneinander existieren können. Das Leipziger Unternehmen 1000°DIGITAL setzt genau an dieser Stelle an – durch die einfache Erstellung von interaktiven, blätterbaren E-Paper sollen Publisher ihre Inhalte ohne großen Mehraufwand online und mobil verbreiten können, sowohl im Browser als auch als App. (Kostenlos ausprobieren kann man diesen Service unter www.1000grad-epaper.de)

Kostengünstige Print-to-Online-Strategie

Sinkende Print-Auflagen betreffen zwar schon seit einigen Jahren die gesamte Branche, doch die Auswirkungen sind durchaus verschieden: „Die großen Medienkonzerne konnten schnell auf neues Nutzerverhalten eingehen und digitale Angebote ausgiebig testen. Doch kleine und mittelständige Verlagshäuser bekamen dies deutlich und vor allem finanziell zu spüren“, so Claudia Krempler, Online Marketing Managerin bei 1000°DIGITAL. Angemessene Print-to-Online-Strategien helfen zwar, Geld zu sparen, doch zuvor muss natürlich Geld investiert werden: „Auch wenn ein E-Paper in der Herstellung deutlich günstiger ist als ein Printmagazin – ein Zusatzaufwand bleibt. So muss die entsprechende Software auch erst einmal implementiert werden“.

Das 1000°ePaper-Konzept hilft, solche Kosten zu vermeiden – denn die elektronische Ausgabe eines Magazins, Katalogs oder Geschäftsberichts lässt sich nach dem Upload der notwendigen Daten auf www.1000grad-epaper.de ganz einfach im Browser erstellen und dann auf dem eigenen Webserver ablegen, zusätzliche Software ist nicht nötig.

1000grad-epaper-der-sonntag

E-Newspaper: Digi-Abos sind im Aufwind

Immer öfter ist das E-Paper auch ein E-Newspaper, also die elektronische Ausgabe einer Zeitung. Laut IVW stieg 2014 die E-Paper-Auflage deutscher Titel sogar um fast 50 Prozent. Diesem Trend folgt etwa „DER SONNTAG“ – die vom Evangelischen Medienhaus in Leipzig herausgegebene Wochenzeitung gab es zuvor nur als Print-Version. Seit letztem Jahr jedoch erhalten Abonnenten der gedruckten Version kostenlos das E-Paper dazu, daneben ist zum vergünstigten Preis ein reines Digi-Abo erhältlich. Die komplette Technik im Hintergrund – inklusive Bezahl-Schnittstelle – liefert 1000°DIGITAL, Grundlage bildet dabei die Standard-Software Lösung 1000°ePaper.

Die sächsischen Zeitungsmacher beim „SONNTAG“ haben sich ganz bewusst für diesen Weg entschieden: „Als Verlag wollen wir unserer anspruchsvollen Leserschaft bestmöglichen Service bieten. Und dazu gehört, dass sich die gewohnte Qualität auch im Web widerspiegelt“, so Sebastian Knöfel, Geschäftsführer des Evangelischen Medienhauses. Zugleich behalte man so aber auch die Generation der Digital Natives im Blick: „Auf der anderen Seite können wir mit den neuen Möglichkeiten ganz neue – jüngere – Leserschichten ansprechen“.

Multimedia, Social Media: interaktive E-Paper

Profitieren können von 1000°ePaper gerade auch Verlage, die auf ihrer Website bereits zusätzlichen Content wie Bewegtbild oder Fotogalerien anbieten und diverse Social Media-Kanäle bedienen: „Im ePaper-CMS können Kunden das ePaper mit multimedialen Inhalten anreichern, z. Bsp. Videos, Bildergalerien oder Links“, so Claudia Krempler (siehe auch die Demo-Version). Für den Bereich Mobile Publishing gibt es mit „1000°ePaper App“ zudem die Möglichkeit, ePaper für die Unterwegs-Lektüre aufzubereiten: „Inhalte werden auf Smartphones und Tablets bevorzugt über Apps konsumiert“, erklärt Krempler. „Verlagshäuser können ihren Lesern deshalb mit einer nativen App ihre ePaper-Ausgaben mobil optimal zur Verfügung stellen.“  

Artist Radar: Neuerscheinungen per App immer auf dem Schirm

Wenn einzelne Künstler zur Marke werden, hat das auch Auswirkungen auf die „Discoverability“: es wird immer wichtiger, einen eigenen Kanal zu haben, mit der man die Fan-Community auf dem Laufenden halten kann. Sollte es dafür nicht sogar eine eigene App geben? Allerdings, finden Jörg Fehlinger, Rolf Frank und Moritz Bergmann. Die drei Berliner Entwickler haben mit „Artist Radar“ eine Software programmiert, mit der Fans die Aktivitäten ihrer Lieblings-Künstler immer auf dem Schirm behalten, egal, ob es sich nun um einen Sänger, eine Band, einen Buchautor oder einen Schauspieler handelt.

Konzerte werden unterstützt, Lesungen bisher nicht

Die App stellt automatisch Übersichten und Newsfeeds mit allen aktuellen Informationen zusammen und benachrichtigt den Nutzer, wenn z.B. ein neues Album oder ein E-Book erschienen ist oder ein Konzert ansteht (ob zukünftig auch Lesungen berücksichtigt werden, wird aus den Presseinfos nicht klar). Eine Vorschaufunktion ermöglicht es zudem, sich neue Musik-Alben direkt anzuschauen und einzelne Tracks anzuspielen, bei E-Books gibt dagegen vorab nichts zu lesen. Nach Sprachen filtern lassen sich literarische Neuerscheinungen bisher nicht – was bei Büchern natürlich schnell zum Problem werden kann. Artist Radar verlinkt auf jeden Fall direkt auf das Produkt bei den Anbietern iTunes und Amazon bzw. auf das Event auf dem Ticket-Portal Eventim.

Bald auch News zu Printbuch & CD/DVD

Die App unterstützt bisher auch nur digitale Medien, vom Musik-Album bzw. Video über E-Books und Audiobooks bis hin zu Filmen und TV-Serien. Den App-Machern zufolge soll es zukünftig auch möglich sein, über Neuerscheinungen von gedruckten Büchern informiert zu werden. Gleiches gilt für CDs und DVDs. Erhältlich ist „Artist Radar“ kostenlos in Apples App Store, die Software läuft aber auch geräteübergreifend als Web-App im Browser. Die Benutzeroberfläche funktioniert auf deutsch und englisch.

„Bezoston Post“ als exklusive App für das Kindle Fire – neue Chance für alte Zeitung?

“Wir werden erfinderisch sein müssen und experimentieren“, verkündete Jeff Bezos im August 2013 den Beschäftigten der Washington Post. Das war kurz nachdem der Multimilliardär aus dem „anderen Washington“ (=Seattle) das traditionsreiche Blatt mit 250 Millionen Dollar aus der Privatschatulle mal eben so gekauft hatte. Schon damals schien klar: die „WaPo“ würde eines Tages im Kindle-Universum auftauchen – und nun ist es tatsächlich so weit. Ein drahtloses Update bringt die WaPo-App in diesen Tagen auf Millionen Kindle Fire-Tablets zwischen der amerikanischen Ost- und Westküste, zu den bei Amazon üblichen großzügigen Eröffnungs-Konditionen. Ein halbes Jahr lang können die Fire-Nutzer alle Inhalte der App kostenlos nutzen, danach wird sie für ein weiteres halbes Jahr zum Preis von einem Dollar pro Monat zu haben sein. Für den Rest der Android-Welt und die Apple-Fraktion wird es die „WaPo“-App erst 2015 geben. Die grafisch aufwändig gestaltete App wird zweimal pro Tag komplett aktualisiert, jeweils um fünf Uhr morgens und fünf Uhr nachmittags Washingtoner Zeit.

Bezos als „aktivster Beta-Tester“

Entwickelt wurde die App in enger Kooperation mit Bezos selbst: „Wir waren ununterbrochen im Gespräch“, berichtete Shailesh Prakash, Technologie-Chef der WaPo, gegenüber The Drum, und bezeichnete Bezos als „unseren aktivsten Beta-Tester“. Ähnlich euphorisch äußerten sich in der NYT auch andere Mitglieder des Managements und betonten, die App sei sichtbares Zeichen dafür, dass hier zwei Firmenkulturen miteinander verschmelzen würden. Zwei Firmenkulturen, die wohl kaum unterschiedlicher sein können – denn bisher war die WaPo mit einem stark lokalen Fokus und ansonsten eher planlos in das Internetzeitalter geschlittert. Die Mutation zur Bezoston Post birgt nun eine Menge neuer Möglichkeiten, u.a. vor allem die, auf nationaler und internationaler Ebene durch die relaunchte digitale Ausgabe wieder stärker wahrgenommen zu werden.

Nützlicher Synergieeffekt oder „Zwangsbeglückung“?

Die veränderte Einstellungspolitik zugunsten nationaler Berichterstattung scheint ebenfalls in diese Richtung zu weisen. Zudem sind 16 Redakteure ausschließlich damit beschäftigt, die journalistischen Inhalte speziell für die App aufzubereiten, also Texte und Überschriften knackiger für die breite Masse der Online-Leser zu machen. Angesichts der großen Reichweite des Kindle-Universums dürfte die App auf jeden Fall eine einmalige Chance darstellen, in kurzer Zeit hunderttausende neue Leser zu gewinnen – selbst wenn es sich bei diesen Synergieeffekten am Ende um eine Form der Zwangsbeglückung handelt. Um diesen Eindruck zumindest aus Kundensicht zu vermeiden, beeilte sich Amazon mitzuteilen, das automatische App-Update könne man auch ganz einfach wieder löschen.

(via The Drum & The Next Web)

Abb.: Screenshot Amazon.com

Freiheit für die Sprechblasen: ComiXology erlaubt DRM-freie Downloads

Gute Neuigkeiten für E-Comic-Fans: Nutzer der besonders in den USA populären ComiXology-App können ab jetzt ihre Dateien exportieren und separat im PDF- oder CBZ-Format abspeichern. Entweder als reines Backup, oder um sie alternativ mit unabhängigen E-Reading-Apps oder im PDF-Viewer zu lesen. Das gab ComiXology-Chef David Steinberger letzte Woche anlässlich der Comic-Con in San Diego bekannt.

Die Backup-Option funktioniert auch auf der europäischen Comixology-Plattform (comixology.eu). Es gibt aber einen kleinen Haken: Auf das komfortable „Guided View“-Feature der App muss man natürlich verzichten. Diese Panel-weise Leseansicht hat mit zum Erfolg der Anwendung beigetragen. Voraussetzung für das Backup ist zudem, dass der jeweilige Verlag DRM-freie Versionen seiner E-Comics anbietet – was Marvel und DC, also die ganz Großen der Branche, bisher aber nicht tun.

Welche der bereits gekauften Titel sich exportieren lassen, verrät auf der ComiXology-Website ein neuer Reiter namens „My Backups“. Zu den Indie-Verlagen, die bereits jetzt auf DRM verzichten, gehören neben Image Comics auch Dynamite Entertainment, MonkeyBrain Comics oder Thrillbent. Image Comics ist auf dem US-Markt nach Marvel und DC die Nummer drei – und gab Mitte 2013 den Verzicht auf DRM bekannt.

Mit der Öffnung des App-Ökosystems für DRM-freie Comics folgt ComiXology also einem Branchentrend – wie gut sich kopierschutzfreie Bildergeschichten von Indie-Verlagen vermarkten lassen, hat nicht zuletzt auch die Crowdpublishing-Plattform Humble Bundle gezeigt, die komplette Bündel schnürt und zum Bezahl-was-du-willst-Preis bereits hunderttausendfach verkauft hat.

Mit über 50.000 E-Comics von mehr als 75 Verlagen gilt ComiXology auf internationalem Parkett als führender Anbieter, im Frühjahr 2014 wurde das Unternehmen von Amazon aufgekauft. Ursprünglich ist ComiXology als Online-Community gestartet, mit der lokale Comic-Händler ihre Digitalpräsenz verbessern konnten, mit einer iPhone-App begann dann 2009 der Einstieg ins E-Comic-Business.

Weitere Infos siehe DRM-free-FAQ auf Comixology.com

„Think with your hands“: Virtueller Pencil trifft auf virtuelles Paper

Steve Jobs liebte die radikale Vereinfachung – was am Ende u.a. zum iPad führte, einem PC ohne Tastatur, Maus oder gar Stylus. O-Ton Jobs: „Erst hat man ihn, dann legt man ihn weg, dann ist er weg, Bäh! Niemand will so etwas“. Schönes Konzept, theoretisch. Doch in der Praxis möchte nicht jeder Nutzer alles mit dem Finger auf dem Display erledigen, im Zweifelsfall geht man dann doch lieber stiften. Das weiß auch Georg Petschnick, CEO des Startups „Fiftythree“, das mit der virtuosen Graphik-Anwendung „Paper“ die iPad-App des Jahres 2013 geschaffen hat: einer selbst initiierten Martkstudie zufolge werden Eingabstifte am iPad sogar drei bis fünf mal häufiger genutzt als Bluetooth-Tastaturen. So kann es auch nicht überraschen, dass es parallel zu „Paper“, der App jetzt auch „Pencil“, den Stylus gibt.

Wobei: Pencil heißt ja einfach nur Bleistift, das ist aber deutlich untertrieben – es handelt sich um einen Stylus, der daher kommt wie ein massiver Vierkant-Zimmermannsbleistift, der von Manufactum designt wurde. Die De-Luxe-Variante mit Walnuss-Optik gibt’s für 60 Dollar, eine schwarz lackiert Version schon für 50 Dollar. Tippt man mit der vergoldeten Spitze kurz auf das aktuell geöffnete Zeichenblatt der Paper-App, wird der Stift automatisch aktiviert und angekoppelt („Kiss to Pair“). Eine Akkuladung reicht für einen Monat Bluetooth-Betrieb.

Gezeichnet werden kann dann in ganz natürlicher Haltung, die Berührung des Displays mit der Handfläche wird von der App ignoriert. Mit der flachen Endfläche des Pencils kann man radieren. Zum Auftragen und Verwischen von Farben innerhalb gezeichneter Linien nutzt man den Finger, fast wie im richtigen Leben. „Think with your hands“, fasst man bei Fiftythree das intuitive Konzept von virtuellem Papier plus Bleistift zusammen. Während die Zusatzfeatures nur innerhalb von Paper genutzt werden können, funktioniert Pencil mit anderen Apps und auch auf anderen Touch-Screen-Geräten als normaler Stylus ebenfalls.

Dank einer Kooperation von Fiftythree mit Moleskine lassen sich die am iPad kreierten Skizzen, Graphiken und Illustrationen übrigens auch stilvoll zu (echtem) Papier bringen – man kann sie direkt aus der App als ein Print-On-Demand-Skizzenbuch im Original 4:3-Format zum Preis von 40 Dollar bestellen.

Abb.: Fiftythree.com

Ohne DRM? Gut für Image! Drittgrößter US-Comicverlag verzichtet auf Kopierschutz

„Erwirb sie, um sie zu besitzen“ – so lautet ab jetzt das Motto beim US-Comicverlag Image. Denn der drittgrößte Sprechblasen-Publisher in den USA verabschiedet sich von DRM: wie jetzt auf der Image Expo Convention angekündigt wurde, kann man zukünftig Comicserien wie „Walking Dead“, „Saga“ oder „East of West“ direkt auf den Desktop oder ein Mobilgerät herunterladen. Wahlweise als PDF, epub oder im Comicfreundlichen CBR oder CBZ-Format. Die bei E-Comics übliche App-Einbindung hat genau das bisher verhindert – beliebte Apps wie ComiXology oder iBooks erlauben schließlich keinen Export.

„Piracy is bad for bad entertainment“

Nach dem Sci-Fi-Verlag Tor Books ist Image bereits der zweite große Publisher von populären Genres, der auf lästigen Kopierschutz verzichtet. Wie bei Tor hat man auch bei Image keine Angst vor Piraten, ganz im Gegenteil: „Piraterie ist schlecht für schlechtes Entertainment“, so Image-Verleger Eric Stephenson gegenüber dem WIRED-Magazin. „Da gibt’s eine sehr enge Korrelation – Dinge, die nerven, werden nicht oft gerippt, während bei erfolgreichen Sachen die Piraterie-Rate deutlich höher ist.“ Doch Stephenson ist zugleich kein Anhänger der „Ersatzraten“-Theorie: „Wenn du ein gutes Comicbook herausgibst, und die Leute es illegal herunterladen, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass sie es dann auch kaufen, wenn es ihnen gefällt“.

Ohne Backup sind die Daten schnell Fix&Foxi

Welche Vorteile der Verzicht auf hartes DRM bietet, konnten deutsche Comicleser zuletzt beim gescheiterten Fix-und-Foxi-Relaunch lernen. Die lediglich mit digitalem Wasserzeichen versehenen Hefte ließen sich im PDF-Format herunterladen und problemlos auf dem Tablet oder E-Reader öffnen. Diese PDF-Backups kann man auch heute noch lesen, obwohl der Herausgeber nach einem Jahr Pleite ging – während App wie auch Online-Ressourcen längst im digitalen Nirvana verschwunden sind. Den Zusammenhang von DRM-Verzicht und Datensicherheit betont gegenüber dem WIRED-Magazin auch Ron Richards, bei Image zuständig für Business Development: „Wenn die Leute ein Comicbuch bei ComiXology kaufen, dann mag es sich zwar in ihrer E-Bibliothek befinden. Doch das ist nicht unwiderruflich der Fall. Wenn ComiXology – Gott behüte – eines Tages den Bach herunter geht oder ein Erdbeben den Serverpark zerstört, dann hast du gar nichts mehr.“

Neuer Boom für Direktverkauf durch Verlage

In den comicverrückten USA haben digitale Bildergeschichten für die Comicverlage schon weitaus größere Bedeutung erlangt als in Deutschland: Image etwa macht bereits 11 Prozent der Umsätze mit E-Comics, bis zum Ende des Jahres 2013 sollen es 15 Prozent sein. Beim Bestseller „Walking Dead“ liegt die Digital-Rate schon jetzt bei 22 Prozent. Bisher fand der Vertrieb fast ausschließlich über Apps statt. Die neuen DRM-freien Comics sind jedoch nur über die Image-Website erhältlich. Für den Direktverkauf dürfte das einen neuen Boom bedeuten, und zugleich mehr Geld pro verkauftem Exemplar in die Kassen des Verlags spülen, schließlich fallen auf diesem Wege keine Provisionen für die Gatekeeper des App-Universums an. Eigentlich eine Idee, die auch anderen Verlegern einleuchten müsste…

(via TeleRead & Wired)

Abb.: Screenshot