Zu sexy für Apples App-Store: ComiXology-App musste gesäubert werden – mehr als 50 mal

Witches & Stitches, einer der ersten via Internet verbreiteten E-Comics überhaupt, war allein schon deshalb subversiv, weil es sich um ein nicht-autorisiertes Spin-Off des Zauberers von Oz handelte. Mittlerweile gibt’s ganz andere Probleme: neben Web-Comics sind Comic-Apps für Tablets und Smartphones zur wichtigsten Vertriebsschiene geworden, so etwa die in den USA populäre ComiXology-App. Letztlich entscheiden damit jedoch Gatekeeeper wie Apple darüber, was die Leser zu sehen bekommen – und nackte Körper wie auch Sex gehören nicht dazu. Publishers Weekly zufolge wurde im Jahr 2013 aus solchen und ähnlichen Gründen bereits mehr als 50 E-Comics der Zugang zum App-Store verweigert.

Prominentes Beispiel ist die von Matt Fraction und Chip Zdarsky gestartete Serie „Sex Criminals“. „Suzie’s a normal girl with an extraordinary ability: when she has sex, she stops time. One night she meets John…  who has the same gift. And so they do what any other sex-having, time-stopping, couple would do: they rob banks“, so der Promo-Text. Der von Image Comics verlegte E-Comic wurde nach drei Folgen von Apple gestoppt. Auf anderen Plattformen ist die Serie problemlos zu bekommen – doch das ist nicht das eigentliche Problem. Die Umsatzverluste durch den App-Store-Rauswurf seien beträchtlich, so zitiert PW Image Comics-Verleger Eric Stephenson. „Wenn wir den Comic nicht via App interessierten Lesern anbieten können, geht uns die Möglichkeit verloren, das größtmögliche Publikum zu erreichen“. Üblicherweise wird zumeist der erste Teil einer Serie kostenlos angeboten, weitere Folgen kauft man via In-App-Shopping.

Um Apples Bestimmungen zu entsprechen, üben Anbieter wie ComiXology bereits ein hohes Maß an Selbstzensur aus, doch das reicht offenbar nicht. Im Mai 2013 wurde ComiXology laut Publishers Weekly von Apple mitgeteilt, dass 56 Comics, die bis dato über die App erhältlich waren, nicht den App-Store-Standards entsprechen würden und deswegen zurückgezogen werden müssten. Manche der betroffenen Serien, wie etwa die Anthologie „No Straight Lines“ (Fantagraphics) sind sogar für den Eisner Award nominiert worden, einer der wichtigsten Auszeichnungen für Comic-Kultur überhaupt.

Kindle-App & iBooks jetzt wieder für ältere iPhones & iPod Touch verfügbar (iOS 4.x)

Wer noch ein iPhone 3G besitzt oder – wie ich – einen iPod Touch der zweiten Generation, dürfte das Problem kennen: ein Betriebssystem-Update jenseits von iOS 4.x ist auf den älteren Gadgets nicht möglich, populäre E-Lese-Anwendungen wie die Kindle App oder iBooks erfordern aber mindestens iOS 5. Wer also die alten Versionen der Apps nicht mehr besaß, konnte sie schon seit einiger Zeit überhaupt nicht mehr neu installieren. Im Vorfeld der Einführung von iOS 7 hat Apple jetzt aber offenbar eine neue „Downgrade-Option“ eingeführt – Besitzer von betagten iPhones oder iPods werden gefragt, ob sie statt der nicht kompatiblen aktuellen eine ältere Version der jeweiligen App installieren möchten.

Wirklich an die große Glocke gehängt wurde diese Option nicht – Apple-Nutzer haben sie zufällig entdeckt und die Information zunächst bei Reddit gepostet. Ich habe es gleich mal mit meinem alten iPod Touch ausprobiert, auf dem nur noch die mitgelieferten Apps vorhanden waren. Tatsächlich erschien beim Besuch im App-Store vor dem Installieren die Nachricht: „Eine ältere Version dieser App laden?“, gefolgt vom Hinweis: „Die aktuelle Version erfordert iOS 5.0 (oder neuer). Sie können aber auch die letzte kompatible Version laden.“ Kindle App und iBooks ließen sich problemlos aufspielen, mit der Bluefire-App funktioniert das „Downgraden“ jedoch zur Zeit noch nicht.

Nach eigenen Angaben hat Apple übrigens bis Mitte 2013 mehr als 600 Millionen mobile Geräte mit iOS verkauft, von denen 90 Prozent bereits mit der aktuellen Version iOS 6 laufen. Beeindruckende Zahlen, doch mindestens 60 Millionen Nutzer mit iOS 5 oder älter sind natürlich auch eine erhebliche Summe. Manch ein „Early Adopter“ wird jetzt vielleicht den Neukauf des nächsten iPhones noch etwas herauszögern – doch dafür wird’s wohl wieder etwas mehr In-App-Shopping auf betagten Gadgets geben…

Self-Publishing mit iBooks author: Apples neues Tool für multimediale E-Books

Apple attackiert Amazon: mit der kostenlosen „iBooks Author“-App gibt es jetzt ein komfortables Self-Publishing-Tool, mit dem multimediale E-Books erstellt und direkt im iBookstore angeboten werden können. Gleichzeitig wird Apples E-Reader App iBooks ein Update verpasst – iBooks Version 2 eignet sich nun auch für interaktive 3-D-Objekte, großformatige Bilderstrecken und Video-Animationen. Vorgestellt wurden die Neuerungen bei einem großen Apple-Event im New Yorker Guggenheim-Museum. Hauptziel der Offensive ist der Schulbuch-Sektor. Bereits Steve Jobs hatte sich gegenüber seinem Biografen Walter Isaacson geäußert, dies sei „ein 8-Milliarden-Dollar-Markt reif für die digitale Zerstörung“. Auf dem Apple-Event verkündete nun der stellvertretende Marketing-Chef Philip Schiller: „Der Bildungsbereich ist tief in Apples DNA verankert“. Produziert wird die interaktive Lektüre am Mac, gelesen wird in Zukunft vor allem auf dem Tablet. Denn während Apples intuitiv zu bedienendes Autoren-Werkzeug „iBooks Author“ nur auf dem Desktop oder Laptop läuft, will das Unternehmen nun offenbar das iPad zum wichtigsten Lern- und Lesemedium machen. „Das iPad ist unser bisher aufregendstes Bildungs-Produkt“, so Schiller. Weltweit würden bereits mehr als 1,5 Millionen Geräte an Schulen genutzt.

Preise für Schulbücher sinken auf unter 15 Dollar

Schon alleine Apples Schulbuch-Coup könnte die Branche kräftig durcheinander wirbeln. Denn Bildungsverlage wie McGraw-Hill, Pearson oder Houghton Mifflin Harcourt wollen ihre Unterrichtslektüre jetzt via iBooks für 15 Dollar und weniger pro Exemplar anbieten. Die Papierversionen kosten oft das fünffache. Dafür konnten die gebrauchten Schmöker allerdings auch nach dem Ende des Schuljahrs weiterverkauft werden, oft bis zu fünfmal. Einen Second-Hand-E-Book-Markt wird es dagegen dank DRM nicht geben. Somit dürfte sich der neue Vertriebsweg trotz niedrigerer Preise lohnen. Für die Verlage, und natürlich auch für Apple – die „Fruit Company“ hat via iBooks 2 nun ebenfalls einen Logenplatz in der Oase der Bildung. Voraussetzung ist natürlich, dass genügend iPads im Umlauf sind. Deswegen hagelte es parallel zum New Yorker „Education Event“ harsche Kritik. Denn wie sollen sich Schüler in ärmeren Stadtbezirken ein Luxus-Tablet für (mindestens) 500 Dollar leisten? Sie sind eigentlich eher Zielgruppe für das „One Laptop per Child“-Programm, das kürzlich mit dem X0-3 ein 100-Dollar-Tablet vorgestellt hat.

iBooks Author als neuer Standard im Self-Publishing

Weitaus größere Beachtung dürften normale Publikumsverlage wie auch Autoren aber wohl Apples Offensive im Bereich des Self-Publishing schenken. „Building a book is as easy as dragging and dropping“, verspricht das Unternehmen. Und tatsächlich könnte iBook Author im „enhanced“-Bereich das Zeug zum neuen Standard im E-Book-Publishing haben. Texte aus der Word-Anwendung, Bilder und Videos, ja sogar Elemente aus Präsentationen lassen sich mit Apple-üblichem Komfort zu einem neuen Dokument zusammenstellen. Widgets, Multi-Touch-Felder und Animationen können einfach konfiguriert werden. Inhaltsverzeichnisse und Glossare werden automatisch angelegt. Geschickt spielt Apple hier den strategischen Vorteil der eigenen Geräteplattform aus: zwar mögen bereits Millionen Menschen Kindle-Geräte für die Lektüre nutzen. Doch die meisten Autoren schreiben ihre Texte immer noch auf dem Mac. In Zukunft reichen ihnen ein paar Mausklicks, um den Content in den iBookStore zu bringen. Verkauft werden darf die multimediale Version nur dort, möglich ist zudem der Export von PDFs. Um überhaupt in den Genuss des neuen Tools zu kommen, werden einige der Skribenten wohl auch erstmal aufrüsten müssen. Denn wer iBooks Author zum Laufen bringen möchte, muss mindestens Mac OS X 10.7 (Lion) installiert haben.

Google Currents ist da: mobile Lese-App für Apple- & Android-Geräte

Google sorgt für mehr Content auf Tablets und Smartphones: Artikel aus dem umfangreichen Arsenal von mehr als 180 Medienpartnern lassen sich mit der Reader-App Currents kostenlos in voller Länge lesen. Dazu gehören Forbes, AllThingsDigital, Fast Company oder die HuffPo. Darüber hinaus kann man aber auch andere RSS- oder Video-Feeds, Google+ streams und via Google Reader abonnierte Web-Inhalte mit Google Currents lesen. Während man die iPad- und iPhone-Version nur über den US-App-Store bekommt, lässt sich die Android-App über einen externen Download-Link auch direkt installieren.

Googles großer Content-Deal

Die Konkurrenz auf dem Markt für Reader-Apps ist groß – wer schafft es am besten, Web-Inhalte für die Touch-Screens von Tablets und Smartphones aufzubereiten? Apps wie FlipBoard oder ZITE gelten als Schrittmacher für iPad-Magazine, die Content über Twitter oder RSS-Feeds zusammenstellen und grafisch aufbereiten. Bei ZITE helfen zudem lernfähige Such-Algorithmen, jeden Tag auf’s neue ein maßgeschneidertes News-Potpourri zu köcheln. Google Currents leistet in technischer Hinsicht somit nicht wirklich viel Neues – vom Inhalt her aber schon. Denn der große Deal mit mächtigen Verlagen und populären Web-Portalen bringt eine bisher nicht gesehene Fülle von Artikeln, Videos und Fotostrecken auf’s Display. Googles offizielle Liste umfasst bereits mehr als 180 illustre Adressen, darunter auch eher alternative Kanäle wie BoingBoing, Feministing.com oder The Consumerist.

Offline-Lektüre als zusätzlicher Vorteil

Gleichzeitig hat Google eine spezielle Self-Service-Plattform gestartet, auf der auch kleinere Publisher ihre Webseiten-Inhalte ohne viel Aufwand für die Lese-App formatieren können. Für die Anbieter hat Google Currents deutliche Vorteile, selbst wenn der Zugang kostenlos ist. Denn der Traffic über die App wird von comScore gezählt, vergrößert die offizielle Reichweite und damit die Werbeeinahmen. Doch auch für den Nutzer bringt Currents Mehrwert mit – so lassen sich im Unterschied zu anderen Apps die Inhalte offline lesen. Alles, was man für den Einstieg braucht, ist ein gültiges Google-Account. Es ist das bekannte Quid-pro-Quo, Google selbst ist schließlich brennend daran interessiert, noch mehr über unsere Lesegewohnheiten zu erfahren. Genau da klaffte aber bisher eine Lücke. Während auf dem Desktop schon fast jeder zweite Internet-Surfer mit Google Chrome unterwegs ist, fand die Lektüre auf dem mobilen Touch-Screen bisher zumeist mit Apples Safari-Browser oder Apps von Drittanbietern statt.

E-Reader-Apps ohne Store-Link: Apple setzt sich durch

apple_app_store.jpgE-Books einkaufen auf iPad oder iPhone wird etwas unbequemer. Anbieter wie Amazon, Google oder Barnes&Noble haben in den letzten Tagen Store-Links aus ihren Apps entfernt, die automatisch zu den betreffenden Webseiten führten. Wer via Touch-Screen neue Titel shoppen will, muss nun die App per Knopfdruck verlassen und selbst den externen Browser öffnen. Hintergrund des Missing Links: Apple hatte Anfang 2011 strengere Regeln für den App-Store eingeführt, die Übergangsfrist ist nun ausgelaufen. Die Shopping-Links waren sozusagen das letzte Hintertürchen für die Konkurrenz. Denn beim In-App-Shopping fordert Apple von den Content-Anbietern 30 Prozent Provision. Das wiederum lehnen die Online-Buchhändler ab. Das „Ökosystem“ von Apps für Desktop-PCs, Mobilgeräte und drahtlosen E-Readern bei Amazon & Co. wird natürlich auch weiterhin funktionieren. Denn über die Syncing-Funktion gelangen E-Books immer noch auf iPhone & iPad. Gatekeeper Apple allerdings darf hoffen, dass sich die Nutzer mittelfristig vermehrt elektronische Lektüre via iBooks besorgen. Denn das iTunes für Bücher wird ja auch weiterhin In-App-Shopping ermöglichen. Für Ärger bei den Kunden wird die neue Platzhirsch-Politik aber wohl erst einmal ebenso sorgen. Denn die gewohnte Nutzung etwa der Kindle-App wird nun ohne vernünftigen Grund erschwert. Unfreiwillig rührt Apple damit auch die Werbetrommel zum Umstieg auf das für August angekündigte Amazon-Tablet.

Archie-Comics erscheinen ab April 2011 gleichzeitig digital & gedruckt

archie-comic-ipad-iphoneArchie Andrews, Betty Cooper und Veronica Lodge aus der fiktiven Kleinstadt Riverdale gehören zum Inventar der amerikanischen Populärkultur, und das schon seit mehr als siebzig Jahren. Letztes Jahr widmete die amerikanische Post Archie & Co sogar eine eigene Briefmarke. Den Sprung auf die Displays von iPhone & iPad schafften die Helden aus der Provinz auch schon, doch eins hatten die gedruckten Hefte den E-Comics bisher immer noch voraus – die neuen Folgen gab’s zuerst auf Papier. Das wird sich nun ändern: ab April erscheinen die Archie-Comics parallel elektronisch und im Print. Beigetragen zu dieser Kursänderung hat offenbar der Erfolg der Serie in Apples App Store. Im Jahr 2010 wurde die kostenlose Archie-App mehr als 1,7 Millionen mal heruntergeladen – das dürfte eine genügend große Basis darstellen, um mit dem neuen Konzept das In-App-Shopping aktueller Titel kräftig anzukurbeln. Und falls das doch nicht reichen sollte: in ein paar Wochen kommt auch eine Android-App auf den Markt…

Für Männer mit iPad: Condé Nast bringt „GQ“-Magazin auf’s Tablet

gq-ipad-version-maennermagazin Leser des Herrenmagazins GQ sind technik- und lifestyle-affin, sie haben ein „ausgeprägtes Bewusstsein für Qualität, Ästhetik und Trends“ (O-Ton GQ-Chefredakteur) – genau wie iPad-Nutzer. Mit der neuen „Gentleman-App“ aus dem Hause Condé Nast wächst nun zusammen, was zusammengehört: im App Store kann man nämlich ab sofort eine iPad-Version von GQ herunterladen. Auf dem iPhone war GQ schon seit 2009 präsent. Was die Herren nun auf dem 9-Zoll-Display erwartet? Nun denn: Bildstrecken mit den neuesten Gadgets, exklusive Videogalerien & Kinotrailer sowie eine virtuelle Probefahrt in Porsche, Audi & Co. Und nicht zu vergessen Uhren, Mode und Hollywood-Stars & Sternchen. Die Inhalte der App werden täglich aktualisiert, viele Themenbereiche sind allerdings mit der Printausgabe identisch. Der Gentleman kann zwischendurch auch offline genießen – denn viele Teile lassen sich auch abspeichern. Zur Einführung kann man die App kostenlos herunterladen, später startet dann ein Abo-Modell. Letzlich handelt es sich bei der Gentleman-App um einen leicht verspäteten Vollzug Gleichberechtigung – denn Vogue kann frau schon seit 2009 auf dem iPad lesen.

Vom Tabloid auf’s Tablet: iPad-App der Frankfurter Rundschau im Praxis-Test

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Als erste große Tageszeitung wagt die Frankfurter Rundschau den Schritt auf das iPad. Und das mit Erfolg: Die FR-App mutet dem Leser kein einfaches PDF der gedruckten Ausgabe zu – die Inhalte werden extra für die Touch-Screen-Umgebung aufbereitet. Dazu kommen multimediale und interaktive Elemente. Für 79 Cent kann man die aktuelle App schon am Abend vor der Printauslieferung shoppen. Auch im Abo soll die FR auf dem iPad übrigens bald erhältlich sein. E-Book-News hat die Tablet-Version der Tabloid-Zeitung getestet.

Grafischer Relaunch, Formatwechsel, Medienwechsel

Mit der FR kommt ein journalistisches Urgestein der deutschen Presselandschaft auf das iPad – immerhin konnte die Zeitung gerade ihren 65. Geburtstag feiern. Schaut man sich die mediale Entwicklung der letzten Zeit an, scheint der Schritt vom Kiosk in den App Store aber nur konsequent zu sein. Von den Bleiwüsten vergangener Jahrzehnte hat sich das als SPD- und gewerkschaftsnah geltende Blatt mit verschiedenen grafischen Relaunches längst verabschiedet. Erst wurde es vor allem bunter, im Jahr 2007 folgte das für Qualitätszeitungen ungewohnte Tabloid-Format. Ziel war dabei, zugleich die Kosten zu senken und die Auflage wieder in die Höhe zu treiben. Geklappt hat das bisher nicht – während die Verkäufe am Kiosk stagnieren, sind die Abo-Zahlen um mehr als zehn Prozent gesunken. Das dürfte auf jeden Fall ein Grund gewesen sein, auf die Konzeption der iPad-Version besondere Sorgfalt zu verwenden. Herausgekommen ist dabei auf jeden Fall eine Zeitungs-App in einer Qualität, wie man sie auch international so bisher nur selten zu Gesicht bekommt.

Die iPad-App der FR sieht aus wie ein E-Mag

Die iPad-App macht aus der FR eine Bild-Zeitung im positiven Sinn. Auf den ersten Blick meint man tatsächlich, eher ein E-Mag als eine Zeitung vor sich zu haben – viele Stories beginnen mit einem seitenfüllenden Farbfoto. Technische Grundlage dafür ist das Woodwing-Redaktionssystem, mit dem u.a. auch die iPad-App des US-Magazins Wired erstellt werden. Längere Artikel liest man durch das Auf- und Abschieben des aktuellen Screens. Einspaltige kleinere Artikel und Kommentare sind zum Teil in die Fotoseiten eingebettet und lassen sich durchscrollen, ohne die Seite zu verlassen. „Wir sind begeistert, wie Bild und Text auf dem iPad zusammenfinden“, schrieb Projektleiter Michael Bayer kurz vor dem App-Start in der Printausgabe der FR. Und tatsächlich ist das erste Leseerlebnis beeindruckend – auch längere Artikel sind bequem zu lesen, Fotos und interaktive Grafiken unterstützen das Verständnis der Texte, ohne das Gesamtbild zu überfrachten. Für alle Fälle haben die App-Macher direkt nach der Titelseite noch eine kleine Gebrauchsanweisung eingefügt. Doch auch ohne sie ist der richtige Umgang mit der App schnell und intuitiv erfasst. So lässt sich etwa die aktuelle FR auf dem iPad nicht nur per Touch-Screen von links nach rechts durchblättern. Tippt man auf den unteren Seitenrand, wird dort etwa eine Miniatur-Seitenübersicht eingeblendet. Über das Menu am Seitenrand geht’s auch zurück auf die Titelseite, in den Online-Kiosk oder das Archiv der bereits geshoppten Ausgaben.

Multimedia verschlingt 150 Megabyte pro Ausgabe

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Bei den meisten Artikeln handelt es sich um Texte, die vom Tabloid direkt auf’s Tablet gewandert sind. Es gibt jedoch auch Ausnahmen, etwa eine spezielle Rubrik mit Anwender-Tipps rund um das iPad. Außerdem erwarten den iPad-Leser zusätzliche Fotos, mit denen einzelne Artikel aufgepeppt wurden. Manche Inhalte verstecken sich auch hinter „grünen Punkten“ -- tippt man sie mit dem Finger an, erscheinen Fotostrecken, Videofilmchen oder auch Übersichtsgrafiken. Auch ein Kommentar wird auf „Knopfdruck“ schon mal von der Stimme des Autors gesprochen. Interaktiv ist zudem die Rätselecke – das Sudoku lässt sich mit einem danebenliegenden Miniatur-Ziffernfeld ausfüllen. Produziert wird die iPadAusgabe in der eigens dafür erweiterten Multimedia-Redaktion, die zusammen mit den normalen Ressorts auch das Internet-Angebot der FR auf die Beine stellt. „Wir beschränken uns nicht darauf, Zeitungsseiten auf den Bildschirm zu transportieren. Und wir versuchen nicht, unsere Webseite auf das iPad zu kopieren“, heißt es dazu von seiten der FR. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen – die Frankfurter Rundschau auf dem Tablet ist die erste echte iPad-App auf dem deutschen Zeitungsmarkt. Allerdings verschlingt das mediale Bling-Bling auch einigen Speicherplatz – pro Ausgabe etwa 150 Megabyte. Um lange Wartezeiten beim Herunterladen zu vermeiden, sollte man die FR für das iPad also besser shoppen, so lange man in Reichweite eines WLAN-Hotspots ist.

Nur Info-Häppchen für das Tablet: iPad-App der New York Times verärgert die Leser – und Steve Jobs

apple-ipad-app-new-york-tim.gif„Editor’s Choice“ heißt die iPad-App der New York Times – das klingt exklusiv. Ist es leider auch. Denn die „Graue Lady“ bringt ihren Premium-Content nur häppchenweise auf Apples Tablet. Das ärgert viele Leser – und vor allem Steve Jobs. Denn die multimediale iPad-Version der „Times“ war von Anfang an wichtiger Teil der Werbestrategie für das neue Gadget. Noch ärgerlicher: Auf Amazons Kindle ist die New York Times vollständig lesbar – wenn auch nur in Schwarz-Weiß.

Nachrichten-Häppchen auf dem Tablet: „Wo ist der Content?“

Zum iPad-Hype hat die New York Times nicht wenig beigetragen – in Anzeigen und Promotion-Videos musste sie als prominentes Beispiel für das virtuelle Zeitungslesen auf Apples Tablet-PC herhalten. Der optische Eindruck ist tatsächlich atemberaubend – der Traum vom E-Newspaper scheint zum Greifen nahe. Die Wirklichkeit ist jedoch etwas prosaischer. Denn im Vergleich zur NYT-Website bietet die Anwendung namens „Editor’s Choice“ nur einen kleinen Teil des vielfältigen Angebots. Das macht nicht nur Steve Jobs wütend, sondern auch die normalen Leser. „Where’s the content???“ fragen viele von ihnen in den iTunes-Reviews der iPad-App, manche wollen auch ganz einfach wissen: „is an upgrade with full content planned?“

Amazon hat sich für den Kindle eine „Meistbegünstigten-Klausel“ gesichert

Doch auch wenn die iPad App „Editor’s Choice“ heißt, haben die Herausgeber eigentlich keine Wahl: sie können nicht so einfach den vollen Content aufs Tablet bringen. Das hat zum einen etwas mit den Bedingungen zu tun, unter denen die NYT schon seit längerem eine E-Paper-Version auf Amazons Kindle bringt. Im Februar konnte man auf dem bits-blog der Times lesen:

Seit Dezember hat Amazon die Verlage dazu gedrängt, neue Vereinbarungen zu unterzeichnen, die sicherstellen sollen, dass der Content auf Kindle immer zum selben Preis oder günstiger verbreitet wird als auf anderen elektronischen Lesegeräten, wie etwa dem iPad oder dem Sony Reader. Die Vereinbarung ähnelt dem im Außenhandel angewendeten Prinzip der „Meistbegünstigten-Klausel“ und soll garantieren, dass Amazon-Kunden immer von den besten Preisen für E-Mags, E-Newspaper oder E-Books profitieren können.

Preise rauf, oder Preise runter? Pricing-Modelle für den iPad-Content

Wie das Online-Magazin Gawker berichtet, gibt es aber noch einen anderen Grund für das iPad-Problem. Denn die NYT bastelt noch eifrig an der Preisgestaltung für das zukünftig Paid-Content-Modell. In der Chefetage der Grauen Lady gibt es eine starke Front von Hochpreis-Befürwortern, die sich eine vollständige iPad-Version für 20 bis 30 Dollar pro Monat wünschen. Damit würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: einerseits wäre die Gefahr des Kannibalisierungs-Effekts zuungunsten der Printausgabe nicht so groß. Zum anderen läge man damit auf jeden Fall über dem Preis der Kindle-Version (anfänglich 15 Dollar, jetzt 20 Dollar pro Monat). Nun sind 30 Dollar nicht gerade attraktiv für eine digitale Zeitung. Doch liegt der Preis zu nahe an der Kindle-Version, wäre das laut Gawker auch wiederum problematisch: wie soll man Amazon-Kunden gegenüber begründen, dass man für wenige Dollar mehr statt einer schwarz-weißen E-Ink-Ausgabe eine multimediale, bunte App bekommt? Allerdings gibt es bei der NYT auch eine Low-Price-Fraktion rund um Martin Nisenholtz, seines Zeichens „Senior Vice President for Digital Operations“. Dort denkt man eher an eine Marke von zehn Dollar. Dafür müsste man natürlich die Verträge mit Amazon nachverhandeln.

Noch ein Problem: Kostenlose Apps als gefährliche Konkurrenz

Am Ende könnte sich natürlich zeigen, dass beide Kalkulationen das eigentliche Problem der New York Times nicht lösen – denn um zurückgehende Print-Abonnements und schwindende Anzeigenerlöse zu kompensieren, müsste man eine große Zahl von neuen Lesern gewinnen, die überhaupt bereit sind, für die digitale Zeitungslektüre Geld zu zahlen. Doch kostenlose Alternativen gibt es schon jetzt genug. Besonders beliebt sind zur Zeit etwa die Apps von USA Today, BBC News oder Associated Press. Solange die Bezahlschranken und Paywalls bei der NYT noch nicht greifen, ist die direkteste Alternative zur iPad-App aber wohl die iPhone-App: denn auf das Display von Apples erfolgreichem Handy kommt „all the news that’s fit to print“ bisher nicht nur kostenlos, sondern auch komplett. Nur wer die NYT offline auf Laptop oder Netbook lesen will, musste bisher schon etwas blechen. Die „Times Reader„-Software gibt’s nur im Abo – für knapp 20 Dollar pro Monat.

Vom Browser-War zum App-War? Wie Apple auf dem iPad den Wettbewerb einschränkt

vom browser war zum app war wie apple auf dem ipad den wettbewerb verhindert.gifKindle-App, txtr-App, Kobo-App: Auf Apples iPad werden in Sachen E-Books zahlreiche Mitbewerber präsent sein. Trotzdem dürfte iBooks eine zentrale Stellung behalten – ähnlich wie iTunes. Denn das bequeme In-App-Shopping erlaubt Apple für digitale Güter nur in eingeschränktem Rahmen – und kassiert dabei kräftig ab. So bleibt nur der vergleichsweise Umweg über den Safari-Browser. Wird Apple bald zum Fall für die Wettbewerbshüter – ähnlich wie Microsoft?

Kleine Desktop-Revolution: Windows-Nutzer haben jetzt die Wahl


Auf dem Desktop der Windows-Welt passiert ab heute so etwas wie eine kleine Revolution – zumindest in Europa. Über ein automatisches Update werden die Nutzer aufgefordert, eine Wahl zu treffen: welcher Browser darf es sein? Als Alternative zum Internet Explorer bietet die „Choice Screen“ u.a. Google Chrome, Firefox oder Opera an. Dahinter steckt ein „Gentlemen’s Agreement“ zwischen Microsoft und der EU-Kommission, das die Wettbewerbsbedingungen auf den Computerbildschirmen verbessern soll. Was hat das mit Elektronischem Lesen zu tun, könnte man fragen. Die Antwort lautet: sehr viel. Denn schließlich hat Microsofts vorinstallierter Browser in Europa einen Marktanteil von fast 50 Prozent. Das heißt: ob wir Online-Nachrichten lesen, bei Wikipedia recherchieren oder einen Twitter-Feed verfolgen – in einem von zwei Fällen tun wir das zu 100 Prozent mit Microsoft-Technik.

App-Store lässt grüßen: Auch in der Apple-Welt wird der Wettbewerb verhindert


In der Apple-Welt sieht es auf den ersten Blick etwas anders aus – allein schon deshalb, weil nur etwa jeder zehnte Computer weltweit überhaupt ein Mac ist. Doch der Platzhirsch ist in diesem Fall nicht der Safari-Browser, sondern iTunes. Seit seiner Einführung vor neun Jahren hat die Multi-Media-Plattform sich in Verbindung mit dem iTunes Store nicht allein zum wichtigsten Marktplatz für Musik-Downloads entwickelt. Durch den mit iTunes verbundenen App Store für iPhone und iPod Touch wird Apples E-Commerce-Lösung immer wichtiger für mobilen Content aller Art, von Zeitungen und Zeitschriften bis hin zu E-Books & E-Comics. Die Wettbewerbsbedingungen sind dabei weitaus härter als auf dem Microsoft-Desktop – was sich auf dem neuen iPad noch einmal verstärken wird. Neben iBooks werden dort wohl auch Anwendungen wie etwa die Kindle App präsent sein. Doch die Mitbewerber auf dem Markt für mobilen Content haben bereits auf dem iPhone erfahren müssen, dass Steve Jobs seine „Gatekeeper“-Funktion geschickt ausnutzt. Besonderer Stolperstein: das In-App-Shopping.

Ob E-Books oder E-Comics: Apple beschränkt das In-App-Shopping für digitale Güter ein


Einkaufen per Mausklick bzw. per Finger-Tipp ist nicht nur bequem für die Kunden, sondern vor allem für die Anbieter das A&O des E-Commerce – die Kaufentscheidung des Konsumenten kann schließlich direkt in die Tat umgesetzt werden, ohne Wartezeit und weitere psychologische Barrieren. Theoretisch läuft das In-App-Shopping unabhängig von Apple – Anbieter können ihre eigene Abrechnungstechnik einsetzen und erhalten den gesamten Umsatz.
In der Praxis erlaubt Apple dies jedoch nur für „physische Güter“, also alles vom Print-Buch bis zur Waschmaschine. Diese Erfahrung musste Amazon machen, als es die Kindle-App bei Apple zur Genehmigung vorlegte. Relativ schnell war klar: da wird nichts draus.

Kommt nach dem Browser-Krieg nun der App-Krieg?


Bei „digitalen Gütern“ sehen die Regularien des App Stores nämlich die Nutzung von Apples eigenem E-Commerce-System vor, inklusive einer Umsatzbeteiligung von 30 Prozent. Wer das nicht will, muss wie Amazon auf das bequeme In-App-Shopping ganz verzichten. Statt dessen muss man die App verlassen und im Safari-Browser die Website des Anbieters öffnen und sich dort einloggen. Gegenüber solchen Wettbewerbsbedingungen scheinen die „Browser-Kriege“ auf dem Microsoft-Desktop fast als harmloses Scharmützel. Denn wenn der alternative Browser auf dem PC erst einmal installiert ist, gibt es keine weiteren Nutzungbeschränkungen. Auf dem iPad wird zukünftig mit deutlich härteren Bandagen gekämpft. Letzlich bleibt den iBooks-Mitbewerbern deshalb wohl nur ein Weg – niedrigere E-Book-Preise. Und vielleicht die Hoffnung auf die europäischen Wettbewerbshüter.

(via Silicon Alley Insider)