Amazon Prime immer buchbarer: monatliches Abo à la Netflix soll neue US-Kunden anlocken

amazon-prime-vorteileHundert Dollar mussten US-Kunden bisher berappen, um ein Jahr lang in den Genuss von Amazon Primezu kommen — und damit neben kostenlosen Schnell-Versand auch vom Video- und Musikstreaming sowie der Kindle Leihbibliothek profitieren zu können. Jetzt haben sie eine günstigere Alternative, zumindest kurzfristig: denn Amazon bietet überm großen Teich nun auch monatliche Kurzzeitabos an. Das volle Prime-Angebot gibt’s schon seit März für 11 Dollar (= 132 Dollar pro Jahr), Prime Video alleine seit Anfang der Woche für 9 Dollar (= 108 Dollar pro Jahr). Rein optisch wird Prime damit stärker der Streaming-Konkurrenz des Hauptkonkurrenten Netflix angeglichen — dessen monatliches Bewegtbild-Abo rangiert je nach Leistungsumfang zwischen 8 und 12 Dollar.

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Schon jeder zweite US-Haushalt nutzt Prime

In den USA soll Schätzungen zufolge bereits jeder vierte Amazon-Kunde bei „Prime“ Mitglied sein, rein rechnerisch gehört mit knapp 60 Millionen jeder zweite von insgesamt knapp 120 Mio. US-Haushalten dazu. Diese Premiumkunden gelten als besonders solvente Zielgruppe: im Jahresdurchschnittt geben sie 1.110 Dollar pro Kopf aus, „normale“ Kunden nur halb so viel. Was natürlich auch daran liegt, dass Prime-Kunden ihre alltäglichen Online-Bestellungen insgesamt mit noch größerer Wahrscheinlichkeit via Amazon.com tätigen, von Gummistiefeln und Windeln bis hin zu Frischgemüse.

„Als blutleeres Film- & Serienangebot gestartet“

Beim Akquirieren der noch nicht an Amazon gebundenen US-Haushalte soll nun offenbar Prime Video noch stärker als Türöffner fungieren — was auch auf ein gewachsenes Selbstbewusstsein in punkto Video-Streaming-Anbieter hinweist. „Amazon got started in video streaming much later than Netflix, and its catalog of movies and television shows was initially anemic by comparison“, schreibt dazu die NYT. Inzwischen ist die Videothek nicht nur insgesamt angewachsen, es sind auch selbst produzierte populäre TV-Serien hinzugekommen.

Prime Video auch in Deutschland monatlich buchbar

Auch in Deutschland kann man Prime Video mit exklusiven Serien wie Bosch, Mad Dogs oder The Man in The High Castle übrigens losgelöst vom kompletten Premiumprogramm abonnieren — zum Preis von 8 Euro pro Monat (= 96 Euro pro Jahr), wenn auch etwas versteckt. Das lohnt sich aber angesichts der hierzulande ohnehin niedrigeren Jahresgebührfür Amazon Prime (49 Euro) kaum, erst recht nicht für Studierende: sie können ein Jahr lang umsonst Musik, Video und E-Books konsumieren, danach kostet das Prime-Abo 24 Euro pro Jahr.

(via WSJ, NYT, CNN Money)

500.000 E-Books, 12.000 Filme: Amazon Prime jetzt auch in Deutschland inklusive Video-Streaming

An Lektüre hat es Amazons deutschen Premium-Kunden schon bisher nicht gemangelt, immerhin standen ihnen zuletzt mehr 500.000 Titel aus der Kindle Leihbücherei zur Verfügung. In Sachen Video-Streaming jedoch schauten sie in die Röhre, denn der Prime Instant Video-Service blieb Nutzern in den USA und anderswo vorbehalten. Doch ab morgen mutieren Endgeräte wie Kindle Fire, iPad, Smart-TVs oder Spielekonsolen nun auch hierzulande zur unendlichen Videothek: Prime-Mitglieder erhalten vom 26. Februar an unbegrenzten Zugang zu über 12.000 digitalen Filmen und Serienepisoden. Eine entsprechende Mitteilung hat Amazon heute an alle deutschen Premiumkunden verschickt.

Für bestehende Mitgliedschaften lohnt sich das ganz besonders: der neue Service kann bis zur nächsten regulären, jährlichen Verlängerung ohne Aufpreis genutzt werden. Bisher betrug die Jahresgebühr für Amazon Prime in Deutschland 29 Euro – in Zukunft steigt sie dann auf immer noch sehr günstige 49 Euro. Amazons Strategie in punkto Bewegtbild scheint klar: Eine separate Mitgliedschaft bei Amazons Streaming-Service Lovefilm (LOVEFilM Video on Demand wird umbenannt in „Prime Instant Video“) ist zwar immer noch möglich, doch ein Upgrade zum Premiumkunden rechnet sich natürlich durch die Kombination von E-Books, Filmen und Expressversand in Zukunft weitaus mehr.

Ohnehin müssen bisherige Lovefilm-Nutzer den Service nun über ihr Amazon.de-Kundenaccount verwalten, bzw. soweit sie noch kein Amazon-Kundenaccount besitzen, ein solches anlegen. Amazons potentielle Kundenbasis wird somit ganz automatisch einen weiteren Schub bekommen. Den weitaus wichtigsten Effekt dürfte aber wohl die Verbindung Kindle Fire plus Amazon Prime bringen – Video-Streaming zum Flatrate-Tarif dürfte als Verkaufsargument weitaus stärker wirken als die Kindle-Leihbibliothek.

Amazon als Bibliothek: Kostenloser E-Book-Verleih für Premium-Kunden geplant

Für 79 Dollar pro Jahr können Amazon-Kunden in den USA zum „Prime-Member“ werden – und profitieren dann vom kostenlosen Express-Versand. Demnächst könnte noch ein weiteres Privileg dazukommen. Amazon plant nämlich einen kostenlosen E-Book-Verleih für die Premium-Mitglieder, von denen bereits etwa 10 Prozent einen Kindle-Reader besitzen. Dem Wall Street Journal zufolge verhandelt das Unternehmen bereits mit Verlagen über die Konditionen. Getestet werden soll der „E-Book-Rental“-Plan zunächst mit Backlist-Titeln. Zusätzliche Gebühren für die Nutzer fallen wahrscheinlich nicht an.

Dritte Content-Säule für das Amazon-Tablet

Amazon-Konkurrent Barnes&Noble bietet in seinen Filialen bereits via WiFi kostenlosen Zugriff auf alle Nook-Ebooks, allerdings nur für eine Stunde pro Tag. Amazons neuer Service würde über solch ein Modell natürlich weit hinausgehen, und wird dem Vernehmen nach auch exklusiv sein, was die Sache für Jeff Bezos deutlich verteuern dürfte. Erst recht, wenn auch noch aktuelle Titel dabei sein sollen. Strategisch macht der Übergang zum Flatrate-Tarif für E-Books aber Sinn – vor allem in Verbindung mit dem in Kürze erwarteten Start des Amazon-Tablets. Neben Videostreaming (Amazon Instant Video) und MP3-Streaming (Cloud Player) könnte der E-Book-Verleih zur dritten Content-Säule auf dem Touch-Screen werden.

Flatrate als perfekter Schutz vor E-Book-Piraterie

Elektronische Bücher wären damit endlich im „Age of the Wireless“ angekommen – bei Hörbüchern ist dies ja schon längst der Fall, siehe etwa die Flatrate-Tarife von Audible. Eine wirkliche Umstellung für die Verlage bedeutet das nicht, denn gerade in den USA wird bereits viel E-Lesestoff über Distributoren wie Overdrive in das Bibliothekswesen eingespeist. Schmaler werden natürlich die Gewinnmargen, denn der einzelne Verleih bzw. das Streaming bringt deutlich weniger als der Verkauf eines E-Books. In der Masse könnte es sich jedoch wieder lohnen – kein anderes Unternehmen kann schließlich soviel Publikum garantieren wie Online-Riese Amazon. Entspannen wird sich mit dem E-Book-Rental wohl auch die Diskussion um Kopierschutz & DRM. Denn nichts schützt besser vor Piraterie als eine günstige Flatrate.