Amazon.de knackt 10 Mrd. Euro-Marke: Deutschland bleibt wichtigster Auslandsmarkt

In nur vier Jahren hat Amazon.de den Umsatz verdoppelt – erst 2011 knackte der deutsche Ableger des US-Unternehmens die fünf Milliarden Euro-Marke, im vergangenen 2015er Jahr konnte nun mit knapp zehn Milliarden-Euro die nächste Schallmauer durchbrochen werden. Das zeigen Zahlen, die Amazon jetzt in einer Meldung an die US-Börsenaufsicht offen legte – und die zugleich belegen, dass Deutschland der wichtigste Auslandsmarkt bleibt: die Jahresumsätze in Japan und Großbritannien lagen mehr als 20 Prozent niedriger. Auch die Wachstumsrate von Amazon.de liegt mit 18 Prozent im letzten Quartal 2015 deutlich über dem internationalen Durchschnitt von 12 Prozent.

Weltweit bereits 100 Mrd. Dollar Umsatz

Trotzdem gilt natürlich: Amazon wächst weltweit. Global gesehen überstieg der Umsatz von Amazon im letzten Jahr erstmals 100 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen Anfang der Woche in einer Pressemeldung bekanntgab. Inklusive nostalgischem Bezos-Zitat: „Vor zwanzig Jahren fuhr ich noch die Pakete selbst zur Post und träumte von der Anschaffung eines Gabelstaplers – in diesem Jahr machen wir 100 Milliarden Dollar Umsatz und bedienen 300 Millionen Kunden“, so der Chef des 1995 an den Start gegangenen Online-Händler.

Amazons Datenwolke wächst stärker als Mediensparte

Im Medien-Sektor ist inzwischen das Premium-Programm Amazon Prime wichtigster Umsatztreiber, alleine in den USA nahm die Zahl der Prime-Mitglieder im letzten Jahr um knapp 50 Prozent zu, im internationalen Geschäft dem Unternehmen zufolge sogar noch stärker. Auch die Zahl der Streaming-Kunden (Prime Video) hat sich weltweit im Vergleich zu 2014 verdoppelt. Das Mediengeschäft ist allerdings längst nicht mehr Amazons wichtigste Wachstumssparte – am schnellsten legte auch im letzten Jahr die Cloud-Computing-Sparte AWS zu, und zwar weltweit um satte 69 Prozent, der Umsatzanteil liegt bereits bei ca. fünf Prozent.

(via Buchreport, Excitingcommerce & Amazon Watchblog)

Neue BILD-Bestseller-Liste: inklusive Indies, inklusive E-Books, ermittelt von Amazon.de

bild-bestseller-liste-powerd-by-amazonEs ist „vielleicht Deutschlands spannendste Bestseller-Liste“, wahrscheinlich aber das aussagekräftigste Ranking der Branche: ab sofort veröffentlicht das Boulevardblatt BILD jeden Donnerstag die Amazon.de-Top 20-Bestseller aus den Bereichen Sachbuch und Belletristik. Das Besondere dabei: es handelt sich um „tatsächliche“ Verkaufs-Zahlen der jeweiligen Vorwoche, Hardcover, Taschenbuch und E-Book (ohne KU bzw. KLL) werden zusammengezählt.

„Fördert lebendige Literatur-Szene“

Weitere Besonderheit: durch die starke Stellung von Amazons Plattformen KDP und Createspace sind natürlich nicht nur Verlagstitel enthalten. In den Worten von Kai Diekmann: „Die BILD-Bestsellerliste ist überfällig, da sie auch Autoren, die sich für das Self-Publishing entschieden haben, berücksichtigt“. Damit fördere man eine „lebendige und zukunftsorientierte Literatur-Szene“, so der Gesamtherausgeber der Bild-Gruppe.

Tatsächlich findet man bei den Belletristik-Bestsellern aktuell schon auf Platz 2 und 3 zwei Indie-Titel, nämlich Karin Lindbergs „Vertraglich Verliebt“ sowie „Solange es Schmetterlinge gibt“ von Hanni Münzer, insgesamt ist fast die Hälfte der Titel self-published oder von Amazon Imprints veröffentlicht. Anders sieht es bei den Sachbüchern aus: hier tauchen momentan überhaupt keine Indie-Titel auf.

BILD will „Manipulationen ausschließen“

Schon die Betonung der „tatsächlichen“ Verkaufszahlen inklusive Indies lässt sich natürlich als kleine Spitze gegen die von Listenredakteuren überarbeiteten Bestseller-Rankings von Spiegel, Focus, Brigitte & Co. verstehen. Eine weitere folgt in den FAQs: „Können sich Verlage oder Autoren ihre Platzierungen kaufen?“ — „Nein! Um Manipulationen auszuschließen, werden nur haushaltsübliche Bestellungmengen erfasst. Und: Bei den E-Books ist sowieso nur ein Kauf pro Kundenkonto möglich“.

Apropos Kaufen: da die Liste jeweils am Mittwoch abend ab 22 Uhr auch auf Bild.de zugänglich ist (vorausgesetzt, man hat den Adblocker deaktiviert), kann man über die Affiliate-Links der BILD-Bestseller die Lektüre auch gleich bei Amazon.de shoppen. Eine klassische Win-Win-Situation – von den Klickzahlen her passen Deutschlands größter Online-Buchhändler und das besucherstärkste Nachrichtenportal (November 2015: 322 Mio. Visits) perfekt zusammen. Die traditionellen Buchhändler allerdings dürften mit den Zähnen knirschen…

Deutscher Kindle-Store startet: Was sich für Leser & Autoren ändert

deutscher-kindle-store-startet„Deutschland liest jetzt auf dem Kindle“: Ein dickes Osterei hat Jeff Bezos dem Leseland ins Nest gelegt – auf einen Schlag sind 25.000 deutschsprachige Kindle-Books auf Amazon.de erhältlich. Ganz zu schweigen von mehr als 650.000 englischsprachigen Titeln. Insgesamt bietet Amazon damit hierzulande das größte E-Book-Angebot für Gutenbergs Erben. Im deutschen Kindle-Shop kann man nun natürlich auch den Kindle-Reader selbst kaufen. Freuen dürfen sich aber auch Autoren: über das Kindle-Direct-Publishing-Programm winken ihnen 70 Prozent Tantiemen.

Buchpreisbindung verhindert Billig-Bestseller

Dass der Kindle-Shop 2011 nach Deutschland kommen würde, schien längst klar. Doch der Starttermin blieb bis zu letzt ein streng gehütetes Geheimnis. Entscheidend war wohl letztlich der Content: Man habe mit dem Start des deutschen Angebots gewartet, bis man Kunden „ein umfassendes Angebot an deutschsprachigen E-Books“ bieten konnte, so Amazon.de-Geschäftsführer Ralf Kleber gegenüber Spiegel Online. Immerhin sollen 71 Titel aus den Top 100 der SPIEGEL-Bestsellerliste nun auch via Amazon erhältlich sein. Bei deutschen E-Books unterscheidet sich das Angebotsspektrum allerdings nicht von anderen Anbietern: so hat etwa auch Libreka knapp 25.000 Titel im Programm. Dank Buchpreisbindung sind die Preise aktueller Bestseller ohnehin identisch – egal, ob man bei Libri, Thalia oder Amazon einkauft. Darauf weist Amazon auch deutlich hin: „Der Verkaufspreis wurde vom Verlag festgesetzt“ steht jeweils neben dem virtuellen Preisschild.

Kindle-Basismodell mit 139 Euro so günstig wie nie

Günstiger wird das Kindle-Basismodell: die WiFi-Version gibt es jetzt für 139 Euroinklusive Versandkosten. Die Bestellung bei Amazon.com schlug dagegen bisher mit knapp 150 Euro zu Buche. Allein das dürfte den deutschen Markt in Bewegung bringen. Preislich liegt das Kindle 3 nun nämlich gleichauf mit Thalias Oyo-Reader – dank kontraststarkem Pearl-E-Ink ist es der deutschen Konkurrenz vom Lesekomfort her allerdings weit voraus. Etwas teurer wird dagegen mit 189 Euro die UMTS/3G-Version. Von der Menüführung her heißt es beim „deutschen Kindle“ vorerst noch „english only“. Die neuesten Versionen der Kindle-Apps auf iPad & Co. dagegen sprechen jetzt ab sofort deutsch.

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“Please transfer your Kindle account to Amazon.de“

Vor dem ersten Kauf im Kindle-Shop auf Amazon.de müssen deutsche Kunden sich zunächst einmal entscheiden, ob sie ihr Account von Amazon.com in Richtung Germany übertragen wollen. Wer den Transfer ablehnt, kann allerdings auf Amazon.de dann auch keine deutschen Kindle-Books kaufen. Stimmt man zu, werden alle im US-Shop getätigten Einkäufeautomatisch auf das neue Kindle-Account transferiert, inklusive Anmerkungen und Anstreichungen. Im deutschen Kindle-Store sind alle Preise in Euros ausgewiesen, und was deutsche Kunden besonders freuen dürfte: bezahlt werden kann etwa der neue Kindle-Reader auch per Lastschrift.

Zeitungen für 14 Tage kostenlos Probe lesen

Interessant ist neben E-Books im Kindle-Shop auch das Angebot an Zeitungen- und Zeitschriften. Für 29,99 Euro kann man FAZ, Handelsblatt oder NZZ für einen Monat abonnieren, einzelne Ausgaben kosten 99 Cent. Internationale Blätter wie Le Monde, Daily Telegraph oder El Pais gibt’s schon ab 14,99 pro Monat. Wer das Angebot einfach nur testen will, kann ein kostenloses Probeabos für 14 Tage auswählen. Insgesamt ist das Spektrum an deutschsprachiger E-Ink-Presse aber noch vergleichweise klein, die einzige elektronische Zeitschrift ist die Wirtschaftswoche.

Kindle Direct Publishing für deutsche Autoren

Bei englischer Lektüre punktet Amazon alleine schon mit der bloßen Masse: 650.000 E-Books sind eine beeindruckende Zahl. Dabei sicherte sich Amazon die tatkräftige Unterstützung von Autoren, die das firmeneigene Direkt-Publishing-Programm nutzen. Diese Möglichkeit gibt es nun auch in Deutschland. Zeitgleich mit der Eröffnung des Kindle-Shops auf Amazon.de ist unter kdp.amazon.de die deutsche Kindle Direct Publishing-Plattform an den Start gegangen. Dort eingestellte E-Books aus deutscher Feder werden weltweit angeboten – besonders attraktiv dürfte diese Veröffentlichungsmöglichkeit wohl wegen der Tantiemenregelung sein: 70 Prozent der Einnahmen gehen an den Autor. Sie werden in dieser Hinsicht genauso behandelt wie große deutsche Verlage – denn auch die müssen im Kindle-Store 30 Prozent des Umsatzes an Amazon abtreten.