LCD statt E-Ink: Aluratek Libre – der 99-Euro-Reader von Weltbild im Test

aluratek-testbericht-weltbild-e-reader-lcd-99-euroEin E-Reader für 99 Euro – mit dem Aluratek Libre macht Weltbild dem Preisbrecher-Image alle Ehre. Aber Vorsicht: Ein echtes E-Ink-Gerät bekommt man dafür nicht, sondern lediglich monochromes LCD. Das wiederum sorgt bei dem 5-Zoll-Gerät für vergleichsweise kurze Betriebsdauer, maximal 24 Stunden Lesen ist mit einer Akkuladung drin. Wirklich preiswert ist der Aluratek Libre nicht, denn selbst WiFi-fähige E-Ink-Geräte gibt es ja mit Oyo & Kindle auch schon unter 150 Euro.

Weltbild eröffnet eine neue Schwellenpreis-Offensive

Weltbild rührt mal wieder die Werbetrommel – nicht nur im Internet: zur Einführung des „Aluratek Libre“ startete das Unternehmen nach eigenen Angaben eine „massive Anzeigenkampagne in der meinungsbildenden Presse“. Aufmerksamkeit dürfte dem „99-Euro-Reader“ auf jeden Fall gewiss sein, denn die aktuellen E-Reader-Modelle von Konkurrenten wie Thalia, Libri oder Amazon sind von dieser strategischen Preissschwelle noch etwas entfernt. Vom Äußeren her ähnelt der Aluratek Libri einem anderen gelungen Coup von Weltbild – nämlich dem Hanvon N516, der im Frühjahr 2010 in einer Sonder-Edition für 149 Euro auf den Markt geworfen wurde. Mit dem Aluratek hat man nun offenbar noch größeres vor – das Gerät soll nicht nur online verkauft werden, sondern wird flächendeckend in den etwa 300 Weltbild-Filialen angeboten.

Aluratek Libre als kompaktes Einsteiger-Paket

Das Einsteiger-Paket geizt nicht mit Inhalt: Der Reader wird komplett mit Steckdosen-Ladegerät, USB-Kabel, Ohrhörer und Schutzhülle ausgeliefert. Dazu kommt eine ausführliche Bedienungsanleitung sowie ein ausfaltbarer Quickstart-Guide, der nicht nur die wichtigsten Funktionen erklärt, sondern auch das Shoppen und Herunterladen von E-Books auf der Weltbild.de-Webseite. Neben Mikro-USB-Port und Kopfhörerbuchse hat der Aluaratek Libre auch einen Einschub für SD-Karten, so kann der Speicher von internen 100 MB auf insgesamt 32 GB erweitert werden. Die Bedienung des Lesegerätes setzt auf verschiedene gängige Methoden: es gibt einen Bedienring mit Richtungs- und Funktionstasten unter dem Display, links daneben eine Umblätter-Taste, am rechten Display-Rand Zifferntasten von 0 bis 9, und schließlich am linken Displayrand eine „Slider-Taste“, die ebenfalls zum Umblättern genutzt werden kann.

Das Display erinnert eher an ältere PDAs oder Laptops

Das Aluratek Libre ist von Abmessungen und Gewicht (210 Gramm) vergleichbar mit anderen 5-Zoll-Geräten von Sony oder Bookeen. Das Display bietet 16 Graustufen, die Auflösung ist ist aber etwas geringer als bei der Konkurrenz (640x480 Pixel), was das Layout ingesamt etwas pixeliger macht. Größter Unterschied ist allerdings die Display-Technologie: das monochrome LCD erinnert stärker an die Displays von alten PDAs oder Laptops als an elektronisches Papier. Der Hintergrund ist nicht grau, sondern hat einen beige-goldenen Glanz. Je nachdem, in welchem Winkel man den Aluratek Libre hält, reflektiert der Hintergrund stärker oder schwächer. Bei längerem Lesen stört das dann doch erheblich, denn man muss das Gerät auf der Suche nach der richtigen Position immer wieder mal hin und her schwenken. Genau aus solchen Gründen wurde ja E-Ink u.a. auch entwickelt – ähnlich wie bei bedrucktem Papier ist der Betrachtungswinkel egal. Besonders stromsparend ist LCD natürlich auch nicht – nach ein bis zwei Tagen muss der Aluratek Libre neu geladen werden, längere Bücher wird man also nicht ohne Unterbrechung lesen können.

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Kopiergeschützte epubs & PDFs werden problemlos angezeigt

Nach dem ersten Einschalten gelangt man nach etwa einer Minute in das Hauptmenü. An oberster Stelle des Hauptmenüs stehen die Einträge „Zuletzt gelesene Dateien“ sowie „E-Books“. Es folgt die Menüpunkte „Bilder“ und „MP3-Player“. Mit letzterer Funktion werden auch die gespeicherten MP3-Dateien angezeigt. Konfiguriert werden kann der Aluratek Libre über den Punkt „Einstellungen“. Über den Menüpunkt „Hilfe“ schließlich wird die PDF-Version der Bedienungsanleitung geöffnet. Hat man das Gerät erst einmal in Betrieb genommen, ist der Start übrigens weitaus komfortabler: beim Einschalten zeigt der Aluratek Libre dann automatisch die zuletzt gelesene Buchseite. Im normalen Betrieb dauert das Hochfahren auch nur ein paar Sekunden. Sowohl kopiergeschützte epubs wie auch PDFs lassen sich problemlos auf den Aluratek Libre übertragen und lesen, wenn man auf dem Desktop Adobe Digital Editions installiert hat. Im E-Store von Weltbild (www.weltbild-ebooks.de) etwa gibt es mittlerweile rund 40.000 kommerzielle E-Book-Titel im Angebot, man kann die digitale Lektüre für den Aluratek Libre natürlich auch anderswo shoppen.

Umblättern per automatischem Seitenwechsel

Die E-Book-Ansicht kann an die individuellen Wünsche angepasst werden. Mit der Zoom-Taste lassen sich insgesamt sieben Schriftgrößen auswählen. Die Schriftart kann über das Einstellungen/Benutzereinstellungen/Schrift bestimmt werden. Zur Verfügung stehen allerdings nur Arial und Verdana. Über eine Spezialtaste am Bedienring kann man zudem direkt zwischen Hoch- und Querformat wechseln. Das Umblättern kann über die oben beschriebenen Tasten per Hand geschehen, es gibt aber auch die Möglichkeit, automatischen Seitenwechsel zu aktivieren. Über die Menütaste kann das gewünschte Zeit-Intervall (zwischen 5 und 60 Sekunden) eingestellt werden. Lesezeichen lassen sich ebenfalls über die Menütaste erstellen, sie heißen allerdings „Textmarken“. In der Kopfzeile des jeweiligen Dokumentes erscheint dann ein Büroklammer-Symbol. Mit Hilfe der Zifferntasten kann man nicht nur zu einer bestimmten Seite springen, sondern auch eine rudimentäre Wortsuche („Inhaltssuche“) starten.

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E-Paper? Erst in der Bedienungsanleitung ist von „LCD“ die Rede

Der Aluratek-Reader ist laut Klaus Driever, New-Media-Chef bei Weltbild, ein „einfach zu bedienendes und preiswertes Gerät, um das E-Book-Lesen einfach mal auszuprobieren“. Das stimmt wohl – doch wer mehr möchte als nur probelesen, wird sich schnell ein echtes E-Ink-Gerät wünschen. Im Vergleich zum Aluratek Libre war die Weltbild-Edition des Hanvon 516 wirklich ein echtes Schnäppchen, das man als Einsteiger-Gerät unbedingt empfehlen konnte. Den Kauf des Aluratek Libre sollte man sich dagegen sehr gut überlegen. Übrigens wäre es mehr als fair von Weltbild, etwas deutlicher auf die spezielle Display-Technik des Aluratek Libre hinzuweisen. Die Produktfotos im Internet wie auch die Produktbeschreibung lassen nicht erkennen, dass es eigentlich um LCD geht, und nicht um E-Ink. Auch auf der Originalverpackung ist nur von einem „E-Paper“-Display die Rede. Erst in der Gebrauchsanweisung stößt man darauf, was sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt: „Das LIBRE-Lesegerät schont die Augen mithilfe der LCD-Technologie mit elektronischer Tinte.“

Aluratek Libre (Weltbild.de)


Abmessungen

11,5x15,3 cm

Display

5-Zoll monochromes LCD,
640*480 Pixel bei 16 Graustufen
Hoch/Querformat (manuell)

Textfunktionen

Setzen von Lesezeichen, Stichwortsuche,
7 Schriftgrößen, 2 Fonts (Arial/Verdana)

Anschlüsse

MicroUSB,
MicroSD, 3,5 mm Kopfhörerbuchse

Gewicht

210 g

E-Book-Formate

Epub (mit/ohne DRM), PDF, TXT, HTML

System-Kompabilität

PC/MAC

Speicherkapazität

100 MB intern, bis zu 32 GB extern (SD-Karte)

Akkulaufzeit

24 Stunden (2 Wochen Stand-By-Betrieb)

Preis

99 Euro (Weltbild.de)