Trotz E-Books & Internet: öffentliche Bibliotheken bleiben für die Mehrheit der Deutschen wichtig

bibliothek-im-wandelWozu noch Bibliotheken, wo es doch E-Books gibt (und Amazon)? Ganz so einfach ist die Rechnung dann doch nicht – es gibt viele gute Gründe, das Netz öffentlicher Bibliotheken zu erhalten. Eine aktuelle Allensbach-Umfrage zeigt: Das sehen tatsächlich auch die meisten Deutschen so,– ob sie nun zu den regelmäßigen Nutzern gehören, oder nur sporadisch mal ein Buch auschecken. Anlaß für die Studie zur „Zukunft der Bibliotheken in Deutschland“ bot die internationale Konferenz „Chancen 2016″ – Bibliotheken meistern den Wandel“, die am Wochenende im Münchner Goethe-Institut stattfand.

Je älter & gebildeter, desto pro Biblo

Gut zu wissen ist schon mal vorweg : Knapp jeder dritte Bundesbürger zwischen 16 und 75 (je nach Altersgruppe zwischen 26 und 36 Prozent) hat in den letzten 12 Monaten mehrmals eine Bibliothek besucht, der digitale Wandel hat also am grundsätzlichen Bedarf bisher nichts oder nicht viel verändert. 58 Prozent der Bundesbürger halten Bibliotheken für sehr wichtig bzw. wichtig, und diese Zustimmung verteilt sich relativ stabil über alle Altersgruppen, allerdings gilt auch weiterhin: je älter, desto pro Biblo, und auch je gebildeter, desto pro Biblo.

Angebot soll umfassend & multimedial sein

Lange Öffnungszeiten und Zugang zur Lektüre via Internet (siehe Onleihe) sind jedem zweitem Befragten wichtig, besonders stark ist der Bedarf bei den unter 30jährigen. Zwei Drittel wollen, dass die öffentlichen Büchereien nicht nur ein umfangreiches Angebot haben, sondern auch die aktuellsten Titel und Medien in ihrem Bestand bereit stellen, inklusive E-Books, Musik und Filmen. Und wenn man schon mal vor Ort ist, soll es auch gute fachliche Beratung und geschultes Personal geben, meinen ebenfalls zwei Drittel der Befragten.

3D-Drucker & Games kein Essential

Kaum jemand (16 Prozent) sieht die Bibliotheken als Ort medialer Exprimente, in denen besondere technische Geräte zur Verfügung stehen, etwa 3D-Drucker oder digitale Tonstudios. Auch Computerspiele und Spielekonsolen (ebenfalls 16%) vermissen die meisten in ihrer Bibliothek ebensowenig. Weitaus mehr (42 Prozent) finden dagegen, das in den Lesehalllen Beratung und Hilfe für elektronische Lesegeräte angeboten werden sollte, ewa E-Reader, Tablet oder Smartphone. Auch das man vor Ort genügend Arbeitsplätze und Schreibtische findet, um lernen oder lesen zu können, findet große Unterstützung.

Fragt man übrigens speziell die Gruppe der Bibliotheksnutzer nach ihren Erwartungen, sind wohl nicht ganz zufällig die Zustimmungsraten zu Ausstattung, Atmosphäre und Beratungsangebot nochmal deutlich höher (mal abgesehen von 3D-Druckern und Computerspielen…).

Abb.: wsilver/Flickr (cc-by-2.0)

Neue Allensbach-Zahlen: bereits 3,6 Mio Deutsche besitzen E-Reader

Was wollen deutsche Konsumenten wirklich? Das ermittelt Jahr für Jahr die „Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse“, kurz AWA. Da die Demoskopen vom Bodensee auch sehr detailliert nach der Mediennutzung fragen, sind sehr interessante Daten über den Buchmarkt dabei. Für die AWA 2013 wurde im Rahmen der Umfrage erstmals auch das elektronische Lesen berücksichtigt. Ergebnis: bereits 5,2 Prozent der Deutschen über 14 Jahre besitzen einen E-Reader, also etwa 3,66 Millionen. Weitere 3,5 Prozent (= 2,49 Mio) planen den Kauf eines Lesegerätes innerhalb der nächsten zwei Jahre. Die Zahl der ermittelten E-Book-Käufer ist mit 6 Prozent (=4,22 Mio.) kaum größer als die Zahl der E-Reader-Besitzer – obwohl man bereits dazu zählt, wenn man in den letzten 12 Monaten nur 1 E-Book gekauft hat. Tatsächlich wurden aber Mediacontrol zufolge 2012 insgesamt knapp 12 Millionen bezahlte E-Book-Downloads verzeichnet, womit jeder Käufer im Schnitt drei Titel heruntergeladen hätte.

„Lesen Sie längere Texte lieber am Bildschirm?“

Besonders überrraschend: die Zahl der Hörbuch-Käufer (wobei physische Tonträgern und Downloads gezählt werden) ist laut AWA 2013 immer noch größer als die der E-Reader-Käufer – es soll sich um 7,4 Prozent (=5,17 Mio.) der Bundesbürger handeln. Lesemedium Nummer Eins bleibt aber immer noch das gedruckte Buch: zwei Drittel der Deutschen haben in den letzten 12 Monaten im Buchhandel zum traditionellen Printprodukt gegriffen. Immerhin lesen 20 Prozent (14 Mio.) mehrmals pro Woche in klassischen Büchern. Für zwei Drittel der Deutschen bleibt Papier dann auch das bevorzugte Lesemedium. Anders, als es etwa jüngste Zahlen von BITKOM nahelegen, fanden die Allensbacher dagegen nur sehr schwach ausgeprägte Präferenzen für elektronisches Lesen: nur knapp 6 Prozent der Befragten gaben an, sie würden „längere Texte lieber am Bildschirm“ schmökern. Doch es gibt immerhin ein breites Mittelfeld: 21,7 Prozent (=15 Mio.) lesen genauso gern auf Papier wie auf Bildschirmen.

Vielleser verschlingen mehr als 20 Bücher pro Jahr

Um es mal positiv zu wenden: für Kindle & Co. bleibt noch viel Wachstumspotenzial. Vor allem, wenn es gelingt, mehr Vielleser ins digitale Boot zu holen. Denn die AWA 2013 entdeckt im Herzen der Gutenberg-Galaxis eine radikale Minderheit von Lesewütigen: 4,7 Prozent (=3,3 Mio) Deutsche geben an, im den letzten 12 Monaten mehr als 20 Bücher gekauft zu haben, und 7 Prozent (=5,24 Mio.) shoppten zumindest 10 bis 19 Bücher. Zudem scheint der Preis bei Buchkäufern eine große Rolle zu spielen: Knapp ein Drittel gibt an, vor allem zu Paperbacks zu greifen. Hier könnten in Zukunft die Vorteile elektronischer Lektüre zum Tragen kommen – insbesondere niedrige Preise und schnelle Verfügbarkeit. Eine ganz besondere Chance dürften dabei aber Kurztexte haben. Denn immerhin gab jeder vierte an: „Ich würde gerne mehr lesen, habe aber im Moment nicht genug Zeit dazu“.

Abb.: Flickr/Jessica Lares (cc)