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lucy luders erbinnen smartphone beliebtestes lesegeraet

Lucy Luders Erbinnen: Smartphone laut BITKOM beliebtestes Lesegerät – vor allem bei Frauen

„E-Book-Nutzer setzen auf Smartphones“, titelte BITKOM im Vorfeld der Leipziger Buchmesse. Tatsächlich soll bereits jeder siebte Leser in Deutschland täglich auf dem Smartphone schmökern, bei den 14- bis 29jährigen ist es bereits jeder fünfte. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Befragung, die der Hightech-Branchenverband zusammen mit dem AKEP (Arbeitskreis Elektronisches Publizieren im Börsenverein) durchführen ließ. Nimmt man nur die E-Book-Leser, sind Smartphones ganz vorn: 60 Prozent lesen auf dem Mini-Display, das Laptop dagegen nutzen 57 Prozent, Desktops nur jeder Dritte. Tablets und E-Reader scheinen mit 29 bzw. 25 Prozent weit abgehängt. Von „überraschenden Ergebnissen“ schreibt AKEP-Sprecher Steffen Meier im Buchreport-Blog, denn dass sich Smartphones zum „Lesegerät der Zukunft“ mausern, hätten die meisten Verlage nicht im Fokus.

Letzteres kann kaum überraschen, doch kommen die Zahlen selbst wirklich aus heiterem Himmel? Ich denke nicht, denn wer regelmäßig die BITKOM-Daten studiert, wusste eigentlich schon längst: Smartphones sind die am weitesten verbreitete mobile Plattform – alleine im Jahr 2013 wurden hierzulande 26 Millionen iPhones, Androiden und sonstige Geräte verkauft. Nimmt man noch die 22 Millionen abgesetzten Smartphones aus 2012 hinzu, ist rein rechnerisch schon die gesamte Kernbevölkerung mit solchen Ad-hoc-Lesegeräten ausgestattet. Dagegen gingen im letzten Jahr „nur“ 8 Millionen Tablets und nicht einmal eine Million klassischer E-Ink-Reader über den Ladentisch.

Überhaupt hat ja das Mobiltelefon die ersten echten E-Book-Hypes ausgelöst, siehe den Erfolg der „Keitei“-Literatur in Japan zu Beginn der Nuller Jahre bzw. den kurz darauf einsetzenden Boom der Handy-Romane in Deutschland. Heldinnen wie Oliver Bendels studentische Detektivin „Lucy Luder“ kamen schon um das Jahr 2007 auf die Displays der Tastentelefone. Vergessen darf man auch nicht: der Über-Reader namens Kindle war ursprünglich eine hybride Mischung aus PDA und Blackberry, denn Amazon-Chef Jeff Bezos verpasste dem Gerät gleich in der ersten Generation eine Mobilfunkkarte. E-Literatur bekam schon damals den „Alway-Online“-Status. Was natürlich auch den Einkauf von neuem Lesestoff besonders komfortabel machte – und Vorbild war für das Tablet als Allround-Shopping-Plattform.

Vorangetrieben wurde schon der Handyroman-Boom durch Leserinnen. Auch bei der mobilen Lektüre auf dem Touchscreen sind sie nun ganz vorne: Frauen lesen E-Books auf dem Smartphone laut BITKOM fast doppelt so häufig wie Männer (16 Prozent statt 9 Prozent). Bei der Beliebtheit der Genres steht Belletristik ganz oben, vielleicht nicht ganz zufällig gefolgt von speziell für das Mini-Display aufbereiteten Reiseführern – die man ja auch noch on the Go schnell auf das Smartphone laden kann, wenn man schon im Zug oder Flughafen-Lounge sitzt. Für Steffen Meier ein klarer Hinweis auf den wachsenden Stellenwert der Plattform Mobiltelefon für die Verlagswelt: „Wenn E-Books die Vorteile der Lesegeräte nutzen und keine reinen Print-Digitalisate sind, findet sich auch ein Markt. Zudem können hier auch kürzere Reportagen, Fan-Fiction etc. ohne großes finanzielles Risiko ihr Publikum finden.“

Abb.: Flickr/Ayanami_No03 (cc)

sascha lobo auf akep tagung ignoriert piraterie

Sascha Lobos Tipp an die Buchbranche: „Ignoriert die E-Book-Piraterie“

Sascha Lobo hat nichts gegen Verlage. Gegen ihre Strategien allerdings schon. Kopierschutz bezeichnete der Alpha-Blogger schon mal als das „Senfgas des Internets“. Insofern war es spannend, dass der „Arbeitskreis Elektronisches Publizieren“ (AKEP) ausgerechnet Lobo als Keynotespeaker für eine Jahrestagung zum Thema „ePiraten – Freibeuter, Wegelagerer, Innovatoren?“ eingeladen hatte. Was der geschickte Selbstvermarkter mit Irokesenschnitt der Branche für die „Zukunft des Buchstabenverkaufs“ mit auf dem Weg gab, hatte es dann auch tatsächlich in sich. „Es wird immer Leute geben, die Ihnen technisch überlegen sind, die irgendwo draufklicken, dann noch mal irgendwo draufklicken, dann irgendwas eintragen und dann ist der ganze Inhalt, den Sie ganz teuer zusammengestellt haben, bei jemand anderem, der sich kaputtlacht und es dann abschließend nicht liest“, argumentierte Lobo, und riet den Verlagen statt mehr Kontrolle ganz einfach zu mehr Service-Orientierung.

Flatrates, Social-Reading, Crowdfunding

Neben dem Aufbau und der Pflege von Autoren-Communities müsse man auch den Lesern neue Erfahrungen ermöglichen, etwa über Social-Reading und mehr Inszenierung von Inhalten statt bloßer PR. Außerdem sollte sich die Branche besser gleich an einen Produktpreis von Null Euro gewöhnen – denn in Zukunft würde man für den Zugang zur Literatur zahlen, nicht für ein einzelnes Buch. Tatsächlich gibt es ja etwa mit Skoobe ein erstes Flatrate-Angebote für deutsche Leser. Manche der Zukunfts-Modelle, die während der Keynote aus dem Hut gezaubert wurden, waren freilich gar nicht so neu: schließlich konnte Lobo etwa auf den guten alten Lesezirkel und das Subskriptionsmodell verweisen, letzteres ein historischer Vorläufer des Crowdfundings. Warum also nicht auch die Netzgemeinde zur Vorfinanzierung von Büchern nutzen? Am Ende wurde der prominente Referent dann noch einmal deutlich: „Piraterie: wenn Sie alle Thesen bis hierhin beherzigt haben, dann können Sie sich erlauben, das zu tun, was ich Ihnen zwingend empfehlen würde: ignorieren!“

„Sobooks“: Lobo will eigenen Verlag gründen

Wirklich zu Herzen genommen haben sich die Anwesenden die Ratschläge aber offenbar nicht. „Gemessen daran, dass das Auditorium dem Vortragenden geradezu andächtig gelauscht hatte, war die nachfolgende Podiums- und Publikumsdiskussion sehr zurückhaltend und auch: langweilig“, berichtete der Korrespondent von DRadio Kultur. Immerhin plädierte das AKEP-Sprecherteam aber in einer Pressemitteilung für die „Bereitstellung eines standardisierten ‚weichen‘ Rechteschutzmechanismus“, also etwa den Einsatz von digitalen Wasserzeichen. Der nachhaltigste Impuls dürfte wohl von einer Ankündigung ausgehen, mit der Lobo am Ende das Publikum überraschte: zusammen mit dem Unternehmensberater Christoph Kappes möchte er einen eigenen Verlag namens „sobooks“ gründen. Kommen dort nur einige der Keynote-Vorschläge zum Einsatz, könnte tatsächlich gelingen, was Lobo androhte: „Ich will die Branche mit ihren eigenen Waffen schlagen.“

Abb.: re:publica 2012/Flickr