Adobe lockert DRM-Schutz: E-Books in Zukunft beliebig oft vom Nutzer kopierbar?

Adobe lockert DRM Kopierschutz Ebooks bald einfacher kopierbar Bild_flickr_Brenda Starr.jpgAdobes DRM für E-Books könnte für Nutzer in Zukunft komfortabler werden. Angeblich ist als neuer Standard ein Passwortschutz geplant. Mit einer individuellen Nutzer-ID wäre dann jedes E-Book beliebig oft vom Besitzer kopierbar. Die Verlagsbranche fordert dagegen, auch weiterhin selbst zwischen „hartem“ und „weichem“ Digital Rights Management auswählen zu können.

Bremst Adobe die Dynamik des E-Book-Marktes aus?


Die meisten E-Book-Käufer lernen das Format epub nur in Verbindung mit Adobe kennen – denn das Software-Unternehmen sorgt für das Digitale Rechte Management, kurz DRM. Nichts schreckt die Buchbranche mehr als die Vorstellung von massenhaften Raubkopien, die in Internetforen kursieren. Die mit Adobes DRM versehehen elektronischen Bücher lassen sich deswegen ausschließlich auf einer begrenzten Zahl von Geräten installieren. Lesen kann man sie ohnehin nur, wenn die Firmware des E-Readers Adobe Digital Editions unterstützt. Adobe wurde deswegen vorgeworfen, die Dynamik des E-Book-Marktes auszubremsen. Nun hat das Unternehmen offenbar auf diese Vorwürfe reagiert: einem Bericht der Online-Zeitschrift Computerworld zufolge soll der Kopierschutz in Zukunft gelockert werden.

Bisher ist nach sechs Kopien Schluss mit lustig…

Die aktuelle Adobe Content Server-Software (Version 4) erlaubt die Installation des E-Books auf bis zu 12 Geräten – sechs mobilen E-Readern und Handhelds sowie sechs Desktop-Computern. Das große Problem dabei: es durften nur auf den Namen des E-Book-Käufers registrierte Geräte sein. Somit konnte man im Unterschied zum echten Buch ein E-Book nicht an Freunde oder Verwandte weitergeben. Jetzt schlägt Adobe eine andere Lösung vor: die Authentifizierung soll zukünftig über ein Passwort laufen. Das E-Book wird dabei vom Käufer auf einem Adobe ID Account registriert. Jeder, der den richtigen Benutzernamen und Passwort eingibt, könnte das E-Book lesen – auf jedem beliebigen Gerät.

Digitales Wasserzeichen als kostengünstige Alternative?

Vertreter der Verlagsbranche fürchten nun aber, ähnlich wie bei gecrackter Software könnten E-Books zusammen mit den Adobe ID-Daten über das Internet illegal verbreitet werden. Sie fordern deshalb, dass auch die neue Content-Server-Software die Wahlmöglichkeit zwischen „hartem“ und „weichem“ Kopierschutz lässt. David Rothman von TeleRead forderte dagegen den völligen Verzicht auf bisherige DRM-Methoden. Als Alternative plädierte er gegenüber Computerworld für „social DRM“ wie das digitale Wasserzeichen, das beispielsweise den Namen des E-Book-Käufers untrennbar mit den E-Book-Daten verbindet. „Social DRM blockiert die Verbreitung nicht direkt, sondern nutzt in einem positiven Sinn den sozialen Druck der Peer Group.“ Auch in Deutschland beginnt man umzudenken – so hatte etwa Libreka-Chef Roland Schild vor kurzem den Umstieg aufs digitale Watermarking gefordert. Die Internet-Plattform des deutschen Buchhandels würde diesen Service sogar umsonst anbieten – während für den normalen DRM-Schutz via Adobe pro E-Book 20 Cent Lizenzgebühren fällig werden.

„Adobes DRM nicht mehr sicher!“ – Libreka-Chef Schild für E-Books mit digitalem Wasserzeichen

Adobes DRM nicht sicher Libreka Chef fuer digitales Wasserzeichen Bild Flickr_NgocHa.gifSpätes Erwachen für die Buchbranche: da immer mehr E-Books als Raubkopien im Internet kursieren, plädiert Libreka-Chef Roland Schild jetzt für die Abkehr von Adobes DRM-Schutz – der ist nämlich längst geknackt worden. Stattdessen rührt Schild die Werbetrommel für das digitale Wasserzeichen – diese Lösung sei nicht nur sicherer, sondern für die Verlage auch günstiger. Bringen jetzt ausgerechnet die Hacker deutsche Buchverlage zur Vernunft?

„E-Books, deren Kopierschutz entfernt wird, können beliebig im Internet verbreitet werden“

„Kopierschutz gehackt – E-Books nicht mehr sicher!“ Die heute morgen zunächst via Twitter verbreitete Nachricht klang hochdramatisch. Zumindest für Verlage und Buchhändler. Was war passiert? Libreka-Betreiberin MVB warnte die Branche in einem Schreiben vor einem im Internet kursierenden Programm, mit dem das DRM von Adobe Digital Editions umgangen werden kann. Praktisch alle im epub oder pdf-Format erhältliche Bücher bei Libreka, aber auch anderen Online-Portalen sind mit diesem Kopierschutz versehen. „E-Books, deren Kopierschutz entfernt wird, können beliebig im Internet verbreitet werden. Es gibt dabei keine Möglichkeit, den Täter zu identifizieren“, zitierte Buchreport aus dem Schreiben von MVB-Chef Ronald Schild an die an Libreka beteiligten Verlage. Tatsächlich gibt es bereits mehrere Möglichkeiten, mit Adobes Digital Edition (ADE) geschützte Bücher trotzdem zu kopieren – das war allerdings schon bekannt, bevor Libreka überhaupt E-Books angeboten hat, die mit dem „hartem DRM“ von Adobe versehen waren.

Siehe da: mit dem digitalen Wasserzeichen liessen sich sogar 20 Cent pro E-Book sparen

Die Warnung vor dem „ernstzunehmenden Sicherheitsrisiko“ verband Schild mit einer Werbeaktion für das digitale Wasserzeichen. Damit könnten Buch-Käufer ihre E-Books problemlos für den privaten Gebrauch zwischen verschiedenen Geräten hin- und herkopieren. Grundsätzlich wäre auch eine Konvertierung zwischen verschiedenen Formaten möglich – etwa für E-Reader, die keine epub-Dateien lesen können. Auch der Kauf von E-Books in den Buchhandlungen mittels des von Libreka angebotenen „Transfer-Tools“ wäre mit Wasserzeichen viel komfortabler – die Nutzer könnten die E-Book-Datei auf ihrem E-Reader sofort öffnen. Jedes E-Book wäre jedoch eindeutig gekennzeichnet: „Das Wasserzeichen hält vom Hochladen auf Tauschbörsen ab, weil es zu viel Aufwand wäre, es zu entfernen“, plädiert etwa auch txtr-Mitarbeiter Joscha Bach im Frühjahr 2009 für die behutsame Art des Urheberrechtsschutzes. Offenbar ist nun auch Schild zu der Erkenntnis gelangt, dass die bisherige Art des harten Kopierschutzes „nicht mehr zeitgemäß ist“. Die Musikindustrie, so Schild, habe das bereits begriffen. Nun sei es an den Buchhändlern, diesen Schritt zu wagen. Die Libreka-Betreiberin MVB bietet den Verlagen deswegen an, ihre Bücher in Zukunft mit dem digitalen Wasserzeichen zu versehen – und das sogar kostenlos. Bisher fielen pro verkauftem Buch nur für den Gebrauch von Adobes DRM 20 Cent Lizenzgebühren an. Man darf sich allerdings fragen: warum kommt diese brilliante Idee erst jetzt?

Buchhandlung als E-Book-Zapfstelle: Libreka startet neues „Transfer-Tool“

ebook transfertool libreka bestseller.jpgLibreka macht Buchhandlungen jetzt zur E-Book-Zapfstelle: Kunden können vor Ort ein elektronisches Buch kaufen und die Daten auf einen USB-Stick oder eine SD-Karte laden. Möglich wird dies durch das „E-Book-Transfer-Tool“, einen speziellen Card-Reader. Der E-Store des deutschen Buchhandels will damit die Buchhandlungen stärker in das wachsende Geschäft mit E-Books einbinden. Doch auch wer online shoppt, kann die Buchhandlung vor Ort unterstützen.

Das virtuelle Buch kommt direkt aus dem „E-Book-Transfertool“

e-book-transfertool.pngDer E-Book-Einkauf in der Buchhandlung erinnert ein bisschen an die traditionelle „Brötchenbeutel“-Methode: der Kunde bringt das Transportmittel selbst mit, entweder eine SD-Speicherkarte oder einen USB-Stick. Dreh- und Angelpunkt ist das „E-Book-Transfertool“. Libreka-Betreiber MVB verkauft das Gerät über den hauseigenen Shop livendo.de. Um die Hardware in Betrieb zu nehmen, müssen die Buchhändler zunächst eine Software installieren, mit der die Recherche im E-Katalog von Libreka möglich wird. Kauft man ein E-Book mit „weichem“ Kopierschutz, wird die E-Book-Datei ganz einfach auf das vom Kunden mitgebrachte Speichermedium geschrieben. Geht es um ein DRM-geschütztes E-Book, kommt Adobe Digital Editions ins Spiel. Der Kunde muss das E-Book an seinem Rechner mit seinen Adobe-Zugangsdaten online registrieren. Normalerweise kann das DRM-geschützte Buch dann auf bis zu 6 verschiedenen Geräten gelesen werden, sofern diese bei Adobe registriert wurden. Haben die Kunden noch kein ADE genutzt, bekommen sie zusätzlich zu den E-Book-Dateien noch ein Installationsprogramm mitgeliefert.

Auch wer online bei Libreka shoppt, kann den Buchhändler vor Ort unterstützen

Wer seine lokale Buchhandlung unterstützen will, muss aber nicht unbedingt alle E-Books vor Ort kaufen. Viele Sortimenter sind nämlich bereits im sogenannten Libreka-Partnerprogramm aktiv: wer online bei Libreka shoppt, kann dann die gewünschte Buchhandlung in einer Händlerliste auswählen. Libreka tritt nur als Vermittler auf, der eigentliche Kaufvertrag wird mit der Buchhandlung abgeschlossen. Es lohnt sich aber auch, auf der Internetseite des Buchhändlers vorbeizuschauen – vielleicht hat er ja in seinem Online-Shop bereits via „libreka-linkup“ den E-Book-Bestand von Libreka integriert. Ob das E-Book-Transfer-Tool selbst in der Praxis wirklich angenommen wird, bleibt abzuwarten. Geht man in Zukunft erst ans Regal, blättert in der Printversion, und zapft dann das E-Book aus der offiziellen Zapfsäule? Die technische Machbarkeit dürfte dagegen das geringste Problem darstellen. Das Zubehör gibt es inklusive Speicherkarte für weniger als 100 Euro.