Debatte: Fördern Ad-Blocker die Verbreitung von Fake News via Social Media?

adblock-plus-beispielSind Ad-Blocker gut oder böse? Die neueste These geht eher in letztere Richtung – die Werbefilter für den Browser würden die Verbreitung von Fake News fördern, lautet der Vorwurf. Nanu? Nun ja, zumindest indirekt. Denn immer mehr Webseiten blockieren die Lektüre ihrer Inhalte mit aktiviertem Ad-Blocker komplett, denn es geht ja auch um Werbeeinnahmen: „Threatened by the popularity of ad blockers, a growing number of platforms and publishers, such as Axel Springer, Conde Nast, and Forbes, are responding with an ultimatum: disable the ad blocker or be denied access to desired content“, schreibt Philip Kushmaro auf Mediapost.com – das wiederum habe zur Konsequenz, das viele Inhalte von seriösen Seiten nicht geteilt würden: „Such restrictions on content discourages people from reading and sharing“.

Blockierte News werden nicht geteilt

Und das sei nun mal aktuell der Königsweg für die Verbreitung von Informationen – dem American Press Institute zufolge würden in den USA schon 75 Prozent der Erwachsenen ihre Informationen in Form solcher geteilter Häppchen via Facebook, Twitter und ander Social-Media-Kanäle erhalten. Fake News hätten somit einen unschlagbaren Vorteil – denn gerade die unseriösen Seiten haben keine Werbung bzw. setzen keine Werbeblocker-Blocker ein, ihre Tartarennachrichten lassen sich somit einfacher unter die Leute bringen.

Neue Strategien sind gefragt

Als probate Lösung empfiehlt Kushmaro intelligenten Umgang mit Ad-Blockern – vor allem durch Software, die bestimmte Ad-Formate am Werbeblocker vorbeischmuggelt. Das sollten dann aber keine Pop-Ups oder Autoplay-Animationen sein — denn das würden Ad-Blocker-Nutzer nicht akzeptieren. In Zeiten von Fake News sei Zurückhaltung angesagt, alleine schon aus publizistischer Verantwortung: „Responsible publications have an obligation to make their voices heard“, so Kushmaros Fazit.

Bad Ads per Gesetz? Zeitungsverleger fordern Verbot von Werbeblockern

adblock-plus-beispielEs gibt Alpha-Blogger, und es gibt Alpha-Blocker. Zu letzteren gehört Ad Block Plus von Eye/o – das Kölner Unternehmen ist Marktführer auf dem Gebiet der Werbe-Blocker für den Browser. Als Mission hat sich das Startup auf die Fahnen geschrieben, das Internet besser zu machen – und fängt bei den nervigen Bannern an („We want to make the internet better for everyone – purging bad ads is a good start“). Nur „akzeptable Anzeigen“ („acceptable ads“) lässt der Filter durch – um auf die Whitelist zu kommen, müssen Publisher bestimmte Bedingungen erfüllen: angemessene Platzierung und Größe sowie die Kennzeichnung als Werbung.

Klamme Medienhäuser klagen

Viele Nutzer finden das prima, das Browser-Add On Adblock Plus wurde schon auf mehr als 100 Millionen Geräten installiert. Vor allem den finanziell klammen Medienhäusern gefällt diese Erfolgsstory aber naturgemäß gar nicht – derzeit sind ein halbes Dutzend Klagen gegen Eye/o anhängig. Zugleich wächst der Druck auf den Gesetzgeber. Der Zeitungsverlegerverband NRW fordert jetzt ein Vertriebsverbot für Werbeblocker, und hat auch bereits einen Formulierungsvorschlag in petto.

„Journalistische Standards in Gefahr“

Ziel: der „Schutz der Integrität von journalistisch-redaktionellen Telemedienangeboten“. Sprich: keine Blockade ohne Genehmigung. Dieser Schritt, so die Lobby-Gruppe, sei „alternativlos“, teilweise würden bis zu 50 Prozent der Werbeschaltungen von Ad-Blockern abgefangen. Dadurch würden „journalistische Standards“ gefährdet, zugleich auch der „Zugang zu Informationen für Alle“, egal ob sie Ad Blocker verwenden oder nicht. Auch das „Whitelisting“ schmeckt den Zeitungsverlagen gar nicht – denn die Werbetreibenden müssten an die Ad Blocker-Betreiber eine Provision von 30 Prozent zahlen, damit bestimmte Anzeigen wieder freigeschaltet werden. „Werbeblocker-Anbieter sind deshalb in Wahrheit Werbevermarkter“, so der Vorwurf des ZV NRW.

Schutz für „ausgediente Geschäftsmodelle“

Die Piraten-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag appelliert dagegen an die Landesregierung, auf eine Lex Anti-Adblock zu verzichten. Eine gesetztliche Regulierung oder ein Verbot würde „einseitig Interessen von Medienkonzernen und Werbeindustrie“ bedienen, es gehe nur darum, „ausgediente Geschäftsmodelle“ zu schützen. Auch offizielle Zahlen des Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) sprechen gegen die Notwendigkeit einer Geseztesinitiative: so ist der Anteil von blockierter Display-Werbung auf PCs im Jahr 2016 stark zurückgegangen, inzwischen liegt er im Durchschnitt nur noch bei 17 Prozent. Da immer mehr Webseiten ohnehin ungefiltert auf Smartphone und Tablet angeschaut werden, ist der Einfluss von Ad Blockern insgesamt ebenfalls im Sinkflug.

(via heise.de)