Oolipo, oder: E-Book-Erweiterung durch formale Zwänge

oolipo-ebook-streaming-made-by-bastei-luebbe„Das Youtube des Irgendwas“ oder das „Youtube für Dings“ wollten schon viele gründen. Jetzt ist auch mal Bastei Lübbe dran: das kürzlich vom börsennotierten Verlag aufgekaufte E-Book-Portal Beam soll zum „Youtube des Storytellings“ ausgebaut werden. Genauer gesagt, zu einer Streaming-Plattform, „die es Autoren und anderen Contentherstellern ermöglicht, multimedial Inhalte zu erstellen und so aufzubereiten, dass sie bei einer Zielgruppe landen, die Smartphones als primäre Inhalte-Konsumquelle nutzen“, so Colin Lovrinovic, Lübbes Head of International Digital Sales, gegenüber Buchreport. Oder in den Worten des Mission Statements auf oolipo.com: „Fiction, reimagined for mobile“.

Werkstatt für potentielle E-Literatur

Der für April 2016 international geplante Soft-Launch des Erzähl-Youtubes wird allerdings nicht unter dem Namen Beam stattfinden, sondern aus namensrechtlichen Gründen unter dem Label „Oolipo“. Gesprochen: „Uh-lie-poh“. Das wiederum ist kein beliebiger Gaga-Name wie Oyo & Co., sondern eine hochliterarische Anspielung (was aber in der Branche bezeichnenderweise bisher niemand gemerkt hat, Buchreport inklusive…). Unter dem Akronym „Oulipo“ („Ouvroir de littérature potentielle“, also etwa: Werkstatt für potentielle Literatur) versammelten sich seit den 1960er Jahren Avantgarde-Autoren wie Italo Calvino, Raymond Queneau oder Oskar Pastior, um mit „Spracherweiterungen durch formale Zwänge“ zu experimentieren. Zum Beispiel einen Roman ohne den Vokal „e“, Palindrom-Sonette oder ähnliches.

Know-How von Readfy, BookRix & Blue Sky Tech

Wobei die „Zwänge“ bei Oolipo natürlich technischer Natur sein werden, es soll um kurze Formate etwa mit Audio- und Videoinhalten gehen, Bastei-Lübbe-typisch auch in Serienform und so interaktiv wie möglich. Konsumiert werden die Inhalte auf Smartphone oder Tablet mit der Oolipo-App, die ebenfalls 2016 gelauncht wird. Wie ambitioniert das Vorhaben ist, sieht man auch schon an den jetzt bekannt gewordenen Personalia: neben Colin Lovrinovic als Head of Content wird das Joint Venture mit Ryan David Mullins als CPO den Mitgründer von Readfy an Bord haben, dazu Johannes Conrady (zuvor Bookrix) sowie als CEO Andrew Irvine vom Investor Blue Sky Tech Ventures, der 55% an Oolipo hält.

Ach ja, uuups, und was wird eigentlich aus Beam 1.0, wenn Beam zu Oolipo wird? Ganz einfach: aus dem o.a. formalen Zwang darf Beam auch in Zukunft Beam heißen, und bleibt laut Pressemitteilung unter diesem Namen ein „normales“ E-Book-Portal.

„All you can hear“: Audiobooks.com führt Flatrate für Hörbücher ein

„Unlimited, unlimited, unlimited audiobooks!“: Was Netflix für TV-Serien und Spotify für Musik möglich macht, gibt’s ab sofort auch für Hörbücher. Als erster großer Anbieter weltweit startet das US-Unternehmen Audiobooks.com ein Streaming-Angebot zum monatlichen Festpreis. Für 25 Dollar haben die Abonnenten 30 Tage lang unbegrenzten Zugriff auf mehr als 10.000 Hörbücher, die aus der Cloud direkt auf den Rechner wandern. Gelauscht wird via Browser – Audiobooks hat eine auf HTML 5 basierte App entwickelt, die sich plattformübergreifend nutzen lässt, sowohl auf dem Desktop wie auf Mobilgeräten. Eine Synchronsierungsfunktion ähnlich der Kindle-App ermöglicht auch beim Switchen zwischen einzelnen Geräten die direkte Forsetzung der akustischen Lektüre. Das Abo ist äußerst flexibel – es lässt sich von Monat zu Monat wieder kündigen. Deutschen Hörern bleibt das Streaming-Angebot vorerst leider verschlossen, denn Audiobooks beschränkt sich auf die USA und Kanada.

Vertriebslogik des Buchmarkts verhindert Flatrates

„All you can hear“ liegt tatsächlich näher als „all you can read“, denn Hörbücher lassen sich genauso streamen wie sonstige Audio- oder Videoangebote. Doch die traditionelle Vertriebslogik des Buchmarktes hat offenbar vergleichbare Angebote bisher verhindert. So bleibt auch das „Hörbuch-Abo“ des Amazon-eigenen Anbieters Audible beim näheren Hinsehen den Regeln der Gutenberg-Galaxis verpflichtet: das monatliche Guthaben wird ganz einfach portionsweise gegen einzelne Titel eingetauscht. Allerdings experimentiert Amazon selbst in den USA sogar schon mit einer Art Flatrate für E-Books. Denn Premium-Kunden erhalten gegen eine Jahresgebühr von 79 Dollar Zugang zum einem kostenlosen E-Book-Verleihservice. In Zukunft dürfte dieses Modell ausgeweitet werden – zumal mit dem Kindle Fire nun eine Geräteplattform zur Verfügung steht, auf der sich sämtliche Medienarten perfekt verwerten lassen.

E-Books & E-Comics werden auch schon gestreamt

Bei E-Comics etwa ist das Streaming schon gängige Praxis – viele US-Verlage bieten flash-animierte Viewer für den Browser an, die ihren Content aus der Cloud beziehen. Doch auch Googles eBook Store etwa ermöglicht via Rechnerwolke die Online-Lektüre von E-Books. Viele andere internationale E-Book-Anbieter arbeiten derzeit an neuen HTML 5-Apps, um ihren Content nahtlos auf alle Geräte bringen zu können. Rein technisch steht Flatrate-Angeboten also auch für Text-Inhalte überhaupt nichts mehr im Weg. Für Verlage und Buchhandel in Deutschland steht damit bereits die nächste Grundsatzdiskussion an. Wie soll man auf den neuen Trend reagieren, und welche Preismodelle sind vorstellbar? Eins zumindest sollte man an Amazons Vorpreschen im E-Book-Sektor gelernt haben: aussitzen lässt sich diese Entwicklung nicht. Zumal die Buchpreisbindung bei Abo-Angeboten nicht unbedingt eine bremsende Wirkung haben wird. Bei Hörbüchern existiert sie sowieso nicht – der endlose Strom von Audiobooks wäre also hierzulande auch heute schon ohne weiteres möglich.

(via The Atlantic & Mashable)

E-Reader für 1 Euro: Trekstor will elektronische Lesegeräte im Abo-Modell vermarkten

trekstor-ebook-reader-cebit-2010.gifNach dem txtr kommt nun der zweite E-Reader aus deutscher Produktion: Trekstor stellte auf der CEBIT mit dem „ebook Reader“ einen 6-Zoll-Reader mit Touch-Screen vor. Je nach Variante kommt das Gerät mit USB-Anschluss oder drahtloser WLAN- bzw. Mobilfunkschnittstelle. Besonders interessant ist das Pricing: In Verbindung mit einem Zeitungs- oder Zeitschriftenabo soll es den „eBook Reader“ zum subventionierten Niedrigpreis von 1 Euro geben.

Ebenso schlicht wie der Name ist auch das Design des „eBook Readers“


Bisher kennt man Trekstor vor allem als Hersteller von externen Festplatten, USB-Sticks oder MP3-Playern. Und seit 2009 auch als kurzfristigen Insolvenz-Fall. Doch diese Zeiten sind offenbar vorbei. Auf der CEBIT zeigt das südhessische Unternehmen deutlich Flagge – nicht nur mit HomeServern und Designer-Datastations, sondern auch mit einer ganz neuen Sparte: elektronischen Lesegeräten. Natürlich hat man als Produzent robuster Daten-Tresore einen Ruf zu verlieren. Rein optisch zumindest ist die Premiere auf jeden Fall gelungen: Ebenso schlicht wie der Name „eBook Reader“ ist auch das Design des neuen Readers – auf der Oberseite ist außer dem Display kein einziges Knöpfchen zu sehen. Technisch reiht sich das mit WiFi-Fähigkeit und Touch-Screen ausgerüstete Gadget zwischen Onyx Boox, Sony PRS 600 und dem Berliner txtr-Reader ein. Lesen können wird man mit dem eBook Reader alle gängigen Formate von epub & PDF bis zu rtf und txt.

Reader plus Zeitungsabo gibt’s zum monatlichen Abopreis von 20 bis 30 Euro


Besonderes Aufsehen erregt aber vor allem das Vermarktungsmodell – denn zum ersten Mal wagt sich ein Anbieter hierzulande nun auch bei E-Readern an ein Abo-Modell. Ähnlich wie bei der Vertragsbindung beim Handy-Kauf gibt es das Gerät selbst nicht nur zum normalen Verkaufspreis von ca. 300 Euro, sondern auch zum subventionierten Niedrigpreis von einem Euro. Dafür muss man im Gegenzug ein E-Paper-Abo abschließen, wie sich Trekstor Geschäftsführer gegenüber Chip äußerte, soll es Abos zum Preis von 20 bis 30 Euro pro Monat geben. Im Moment sei man allerdings noch dabei, mit geeigneten Verlagen die Konditionen abzuklären. Für die elektronische Zeitungslektüre ist offenbar auch ein besonderes Feature des eBook Readers gedacht: auf einer SD-Karte soll man nämlich Ausschnitte aus den Dokumenten im JPEG-Format speichern können – man kann also digitale Zeitungsschnippsel produzieren.