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Mit Alphasmart gegen die Ablenkungs-Ökonomie, oder: wie zwei Apple-Ingenieure vor 25 Jahren die „Schreibmaschine“ neu erfanden

Alphasmart-ablenkungsfreies-SchreibenWer viel schreibt, der weiß: die Aufmerksamkeitsökonomie des digitalen Zeitalters ist eine Ablenkungsökonomie. Und das macht das Schreiben oft zur Qual. Die Not vieler Autoren geht soweit, dass sie hunderte Euros für Geräte ausgeben, die nicht möglichst viel, sondern möglichst wenig können. Schreib-Maschinen eben, wie etwa den mit E-Ink-Display ausgestatteten Smart-Typewriter „Freewrite“ (aka „Hemingwrite“). Es geht aber auch günstiger: „Alphasmart“ heißt nun schon seit 25 Jahren der Geheimtipp für Text-Only-Puristen — die robusten mechanischen PC-Tastaturen mit Speicher und Mini-LCD-Bildschirm werden online bereits ab 30 Euro angeboten.

„DTP lenkt die Schüler nur vom Schreiben ab“

Die Entstehungsgeschichte der Alphasmart-Serie kann man schon als frühen Hinweis auf das Problem mit der Aufmerksamkeit verstehen: Entwickelt wurde das Geräte-Konzept Anfang der 1990er Jahre von Kethan Kotari und Joe Barrus, zwei Apple-Ingenieuren. In Cupertino mussten sich die beiden immer wieder das technikkritische Genöle von Lehrern und Uni-Dozenten anhören — all die ganzen Features beim Desktop Publishing am Mac würden die Schüler und Studenten davon ablenken, sich mit dem Verfassen von Texten zu beschäftigen.

Das Unternehmen Apple selbst hatte damals erklärtermaßen kein Interesse an einer „smarten“ Tastatur, so durften die beiden Ingenieure ihre Produkt als Mini-Startup selbst zur Marktreife bringen — was sie nach enthusiastischen Reaktionen der Pädagogen („Is that all it does?“ — „Yes.“ — „That’s wonderful!“) auch taten. Die erste Version wurde 1993 ausgeliefert, mit 4-Zeilen-Display, 32 Kilobyte Speicher (für 16 Seiten), zu einem Preis von 270 Dollar. Schon nach sechs Monaten schrieb das Startup schwarze Zahlen.

„Textverarbeitungs-Toaster“ als Erfolgsrezept

Zum Erfolgsrezept gehörte natürlich auch der Plug-and-Play-Aspekt, durch den absoluten Minimalismus war das Alphasmart extrem einfach zu gebrauchen, nach Art einer „Speicher-Schreibmaschine“, nur eben deutlich kleiner und leicht zu transportieren. Man brauchte sich nicht durch hunderte Seiten Anleitung zu quälen wie bei einem Laptop. Barrus bezeichnete das auch von Grundschülern problemlos benutzbare Gerät scherzhaft als „Textverarbeitungs-Toaster“.

Zwischen 1993 und 2004 wurden insgesamt sechs Versionen herausgebracht, vom einfachen Alpha Smart bis zum Alpha Smart Neo, wobei nach und nach auch neue Schnittstellen wie USB und bei einer High-End-Version (Alphasmart Dana) sogar WiFi und SD-Slot dazukamen. Den größten Erfolg hatte Alphasmart jedoch mit der Brot-und-Butter-Version Neo, die noch bis 2013 produziert wurde, und immer noch bei Resellern erhältlich ist.

(via The Outline)

Abb.: David Kadavy (cc-by-2.0)

Freewrite-Kindle-Schreibmaschine

Für Freischreiber: Freewrite, die Kindle-Schreibmaschine (aka „Hemingwrite“) startet

Freewrite-Marktstart-ablenkungsfreier-Eink-SchreibcomputerDank Smartphone, Tablet, Spielekonsole & Co. ist ein völlig neuer Markt entstanden: ablenkungsfreie Gadgets, die möglichst wenig interaktiv, geräuscharm und ohne Bling-Bling auf dem Bildschirm auskommen. Bestes Beispiel ist das Projekt „Hemingwrite“ – der E-Ink-Schreibcomputer von Designer Adam Leeb und Software-Entwickler Patrick Paul sammelte auf Kickstarter fast 350.000 Euro und mehr als 800 Vorbestellungen ein.

Single-Purpose hat seinen Preis

Das war Ende 2014. Der Markstart sollte dann eigentlich im Herbst 2015 stattfinden, verzögerte sich dann aber noch ein paar Monate, u.a. durch den aufwändigen Herstellungsprozess des Keyboards. Nun ist es endlich soweit: unter dem neuen Markennamen „Freewrite“ kann das Single-Purpose-Gerät seit Anfang der Woche bei „Astrohaus“ bestellt werden — zum Einstiegspreis von 449 Dollar, regulär wird man sogar 549 Dollar berappen müssen.

Freewrite-Kindle-Schreibmaschine

Mechanisch getippt direkt in die Cloud

Dafür bekommt man dann aber auch eine Menge stabile, edel designte High-Tech im Retro-Gewand: Aluminium-Gehäuse, Tragegriff, vollmechanische Cherry-MX-Tastatur, 6-Zoll-E-Inkdisplay mit Glowlight, interner Speicher für eine Millionen Seiten, und nicht zuletzt die Möglichkeit, die getippten Dokumente via WiFi mit Cloud-Speicherdiensten wie Dropbox, Google Drive oder Evernote zu synchronisieren.

Ohne WiFi-Nutzung soll der Akku des 1,8 Kilogramm schweren „Freewrite“ bis zu vier Wochen durchhalten — wenn man täglich nicht mehr als 30 Minuten tippt. Vermarktet wird die Kindle-Schreibmaschine weltweit, lieferbar sind auch europäische Tastaturlayouts, darunter Deutsch, Französisch, Italienisch und Niederländisch.