E-Publishing in 3D: PirateBay führt „physische Objekte“ als Download-Kategorie ein

Alle reden von digitalen Raubkopien. Doch vielleicht ist das virtuelle Duplizieren von E-Books, Filmen oder Musikfiles längst kalter Kaffee. Die Zukunft dagegen könnte so heiß sein wie der Earl Grey, den Captain Jean-Luc Picard aus dem Replikator zieht. Die berühmt-berüchtigten PirateBay-Betreiber zumindest denken nämlich schon an den Schritt vom Cyberspace zurück in die dritte Dimension. Das Mittel zum Zweck sollen 3D-Drucker sein. Also jene klotzigen Geräte, aus deren Druckköpfen nicht Tinte kommt, sondern beispielsweise Plastik, das dann Schicht für Schicht zu einem greifbaren Gegenstand wächst. Die Munition für die futuristischen Replikatoren wollen die Informations-Freibeuter aus Schweden liefern: „We believe that the next step in copying will be made from digital form into physical form. It will be physical objects. Or as we decided to call them: Physibles. Data objects that are able (and feasible) to become physical“, heißt es im zugehörigen Blog der Bit-Torrent-Plattform.

Der mit Design-Daten aus dem Web gefütterte 3D-Drucker auf unserem Schreibtisch soll dann nichts weniger ermöglichen als den ultimativen „Aufstand der Massen gegen die Massenproduktion“:„We believe that in the nearby future you will print your spare sparts for your vehicles. You will download your sneakers within 20 years.“ Der Kampf um das Copyright könnte sich somit auf eine völlig neues Feld verlagern – und vielleicht endgültig ad absurdum geführt werden. Denn das Design von physischen Objekten lässt sich viel schwerer schützen als das von bloßer Information auf Festplatten. Ob es nun um die Sonnenbrille, eine Aktionsfigur oder eben einen Turnschuh geht – kein DRM der Welt kann verhindern, dass man die äußere Form von Gegenständen mit einem 3D-Scanner erfasst und über das Internet verbreitet. Natürlich geht es auch ganz legal. Mit der Plattform ThingiVerse etwa existiert schon die Open-Source-Variante einer Online-Datenbank für 3D-Objekte. Kostenlose Web-Tools wie Google SketchUp erlauben zudem schon jetzt das dreidimensionale Modellieren.

Die Revolution im Universum der Dinge könnte tatsächlich schon kurz vor der Tür stehen. Denn auch die notwendige Printing-Technologie steht kurz vor dem Durchbruch zum Massenmarkt. Kosteten 3D-Drucker vor einiger Zeit noch mehrere tausend Euro, bekommt man sie heute schon zum Preis eines High-End-Laserdruckers. Das niederländische Unternehmen Ultimaker bietet Selbstbau-Kits bereits für 1200 Euro an, das US-Startup PrintrBot brachte vor kurzem über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter sogar ein Modell für knapp 500 Euro unter die Leute. Die Chancen der neuen Technologie werden von PirateBay recht euphorisch gesehen: „The benefit to society is huge. No more shipping huge amount of products around the world. No more shipping the broken products back. No more child labour. We’ll be able to print food for hungry people.“

Bis man einen Big Mac, Butterbrot oder Boeuf Stroganoff drucken kann, wird es aber wohl noch ein bisschen länger dauern als bis zum downgeloadeten Turnschuh aus dem Web. Denn bisher bauen 3D-Drucker für den Hausgebrauch das jeweilige Objekte Schicht für Schicht aus uniformer Plastikmasse oder Metallstaub auf. In der medizinischen Forschung wurden allerdings auch schon versuchsweise Tintenstrahldrucker mit Zellmaterial befüllt, um künstliche Organe herzustellen. Steak Tartare ist also vielleicht schon heute im Bereich des Machbaren. Aber das ist natürlich Geschmackssache. Verglichen mit den Möglichkeiten der „Physibles“ wirkt jedenfalls selbst Instant-Print-On-Demand mit der Espresso Book Machine fast schon langweilig.

Abb.: Mit 3D-Prototyping gedruckter Schuh, flickr/ZCorp.com