E-Book-Marktanteil wuchs 2015 nur noch langsam — glauben zumindest GfK & Börsenverein

ebook-in-deutschland-2015Verhaltenes Wachstum auf niedrigem Niveau, so lässt sich die aktuelle Entwicklung beim E-Book-Umsatzanteil auf dem deutschen Publikumsmarkt zusammenfassen — wenn man den via GfK Consumer Panel ermittelten Zahlen für das Jahr 2015 Glauben schenkt. Demnach kamen die Warengruppen Kinder- und Jugendbuch, Belletristik, Ratgeber und Sachbücher/Lexika im vergangenen Jahr insgesamt auf einen Marktanteil von 4,5 Prozent, d.h. 0,3 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2014. Den Löwenanteil davon räumte wie gehabt die Roman-Fraktion ab: Belletristik erzeugte 86 Prozent der elektronischen Buchumsätze.

Ein möglicher Grund für das vermeintliche Abebben des Booms: Die Anzahl der E-Book-Käufer in deutschen Landen soll stagnieren. Zu den Nicht-mehr-ganz-so-early-Adoptern digitaler Lektüre gehörten 2015 nämlich 5,7 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung ab 10 Jahren, und damit 3,9 Mio. Menschen. Ein statistisches Déjà-Vu: denn im Jahr 2014 waren es genauso viele.

Allerdings dürften auch diese Zahlen erneut viel Diskussionsbedarf bieten, nachdem erst kürzlich viele Verlagsauslieferer ein ganz anderes Bild gezeichnet haben: der E-Book-Markt grünt und blüht mit deutlich zweistelligem Umsatzplus. Erneut steht somit die Frage im Raum: inwieweit wird das kleine E-Book-Marktsegment mit den hochgerechneten GfK-Zahlen überhaupt korrekt erfasst?

Erst recht Grund für Skepsis besteht, seitdem selbst auf die Zahlen aus dem Printbereich — wenn auch aus etwas anderen Gründen — kein Verlass mehr ist. Gerade erst wurde der vom Börsenverein regelmäßig publizierte „Branchenmonitor Buch“ vorübergehend eingestellt. In einer „Sondermeldung“ an die Abonnenten wurde bekanntgegeben: „Die von GfK Entertainment im Handelspanel Buch erhobenen Daten, auf denen der Branchen-Monitor BUCH basiert, bilden derzeit die tatsächliche Marktentwicklung nicht valide ab“.

Schuld seien Exklusivverträge der Marktforscher mit einzelnen Buchhandelsunternehmen, die ihre Daten unter Verschluss halten — eine repräsentative Marktabdeckung sei derzeit deshalb nicht gewährleistet. Bis zur Leipziger Buchmesse im März wird nun immerhin eine gemeinsame, neue Lösung in Sachen Printmarkt-Statistik angestrebt. Vielleicht ja ein gutes Vorbild für eine ähnliche Kooperation im E-Book-Handel? Welches Bild würde sich wohl bieten, wenn man die realen Marktdaten von Amazon und der Gran Tolino-Koalition vor sich hätte?

Abb.: Infografik des Börsenvereins, Ausschnitt (cc-by-sa-4.0)

Smartphone über alles: E-Reader-Nutzung halbiert, Tablet-Nutzung stagniert (in USA)

Pew-Research-Smartphone-Tablet-Ereader-USA-2015Das Wachstum in der E-Book-Branche löst sich endgültig von der klassischen Geräteplattform E-Reader – das zeigen neue Zahlen von Pew Research für den US-Markt: nur noch 19 Prozent der Befragten gaben an, ein elektronisches Lesegerät zu besitzen, im letzten Jahr waren es noch 32 Prozent. Dem Absturz bei E-Ink steht Stagnation bei Spielekonsolen, MP3-Playern und Tablets gegenüber, zugleich starkes Wachstum bei Smartphones.

Mehr Smartphones, größere Displays

68 Prozent der erwachsenen US-Bevölkerung besitzt mittlerweile eins, bei den unter Dreißigjährigen sogar 86 Prozent, der Markt nähert sich also jenseits des Atlantiks schon der Sättigung. Zugleich ersetzen iPhone, Android-Phone & Co. als mobile Universalgeräte zunehmend die mobilen Spezialgeräte. Eine besondere Rolle spielt dabei offenbar die wachsende Display-Größe, siehe aktuelle 5-Zoller wie iPhone 6s Plus oder Galaxy S6, die mobile Lektüre oder mobiles Surfen noch komfortabler macht.

Tablets haben den Zenit ebenfalls erreicht

Dass sich E-Reader nach ihrem kurzen Vorstoß in den Mainstream wieder zum Nischengerät zurückentwickeln, hat natürlich genauso mit dem Erfolg von Tablets zu tun: Pew zufolge besitzt fast jeder zweite US-Amerikaner ein iPad oder Android-Tablet. Doch die Boom-Zeiten sind auch bei den Flachrechnern vorbei – nach Stagnation im Jahr 2014 wurden in den ersten Quartalen 2015 nach Angaben von Statista weltweit erstmals weniger Geräte ausgeliefert als im Jahr zuvor. Schuld daran dürfte auch in diesem Fall das Smartphone sein.

Von der Hardware- zur App-Strategie

Für die E-Book-Branche bedeutet das: App-zentrierte Strategien werden in den nächsten Jahren noch wichtiger, Geräte- und Contentkonzepte driften noch weiter auseinander. Selbst Amazon hat es nach dem Erfolg des Kindle Readers nicht geschafft, mit dem Kindle Fire auf den Tablet-Markt nennenwerte Marktanteile zu gewinnen. Der Versuch, mit dem Fire Phone den Smartphone-Markt zu erobern, ist gerade erst krachend gescheitert. In Zukunft gilt wohl im Buch-Business erst recht: wer smart ist, lässt die Finger von der Hardware – viel wichtiger ist die Präsenz auf den Displays…

(via The Digital Reader & Business Insider)

Digital hat Potential: Jeder vierte liest E-Books – jeder zweite kann es sich vorstellen

jeder-vierte-liest-ebooksIm Vorfeld der Frankfurter Buchmesse wurden mal wieder zahlreiche aktuelle Statistiken zum Thema E-Book vorgestellt – besonders interessant ist dabei eine Meldung der Bitkom: dem IT-Branchenverband zufolge lesen bereits 25 Prozent der Bundesbürger digitale Bücher, und mehr als ein Drittel derjenigen (35 Prozent), die es bisher noch nicht tun, können sich ebenfalls vorstellen, E-Books zu konsumieren.

Nutzer sind nicht automatisch auch Käufer

Das klingt nach viel Potential: Schaffen es Buchhändler und Bibliothekare, auch diejenigen zu motivieren, die bisher noch abwarten, aber grundsätzlich dem neuen Medium gegenüber aufgeschlossen sind, könnte zukünftig sogar jeder zweite Bundesbürger zur Population der E-Leser gehören. Ob sie tatsächlich auch zu den E-Book-Käufern gehören oder sich sogar einen E-Reader anschaffen, ist natürlich ein ganz andere Frage…

Zahl der E-Book-Nutzer wächst nur noch langsam

Kleines Problem dabei ist ohnehin: E-Books sind zwar schon jetzt „fester Bestandteil der digitalen Medienwelt und erreichen ein Massenpublikum“, wie es Bitkom-Vize Achim Berg ausdrückt. Doch zugleich fällt auf, dass die Zahl der aktiven E-Book-Nutzer in Deutschland nur noch sehr langsam steigt, in den letzten 12 Monaten gab es lediglich einen Zuwachs um einen Prozentpunkt auf die jetzt gemeldeten 25 Prozent.

Senioren lesen kaum E-Books

Bei den 14 bis 29jährigen sind bereits ein Drittel (32 Prozent) vom neuen Medium überzeugt und konsumieren ihre Lektüre auch digital, auch bei den 30 bis 64 jährigen ist der Anteil noch ähnlich hoch. Doch in der Altersgruppe ab 65 Jahren liegt die Nutzung mit 11 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt. Was wohl auch daran liegt, dass die häufigsten Lesegeräte Laptop (41 Prozent) und Smartphone (38 Prozent) sind, die vor allem von Jüngeren eingesetzt werden.

Einen dedizierten E-Ink-Reader nutzt dagegen nur ein Drittel der Leser. Und aus dieser Nische kommt das klassische Lesegerät wohl auch nicht mehr heraus: Nach Bitkom-Prognosen werden im laufenden Jahr 25,6 Millionen Smartphones und 7,7 Millionen Tablets, aber nur 600.000 E-Reader in Deutschland verkauft.

Flatrates als neuer Wachstumstreiber?

Neue Attraktivität könnte das elektronische Lesen durch Kauf-Alternativen wie Onleihe oder kommerzielle Flatrates erhalten: Bereits die Hälfte der befragten Leser macht von solchen Möglichkeiten Gebrauch, sowohl die E-Book-Ausleihe aus Bibliotheken wie auch Abo-Modelle à la Kindle Unlimited oder Skoobe verzeichnen starke Zuwächse.

Abb.: David Goehring (cc-by-2.0)

Mobil macht mobil: Bitkom prophezeit Smartphone- & App-Boom ohne Ende

bitkom-sagt-smartphone-und-app-boom-vorausPünktlich zur IFA in Berlin prophezeit Bitkom einen erneuten Verkaufsrekord bei Smartphones: mehr als 25 Millionen Geräte werden bis Ende 2015 in Deutschland verkauft, so der IT-Branchenverband unter Berufung auf Marktforschungs-Daten von EITO und GfK. Der Umsatz steige auf 9 Milliarden Euro, das ist schon fast so viel, wie mit klassischer Unterhaltungselektronik erzielt wird – dort werden 10 Milliarden Euro erwartet, der Markt geht mit Minus 3 Prozent leicht zurück.

Tablets wachsen auch, aber langsamer

Fast schon traditioneller Wachstumstreiber bei Mobilgeräten bleiben auch Tablets. Mehr als 7 Millionen Geräte werden bis Ende 2015 über den Ladentisch gehen, und einen Umsatz von 7 Milliarden Euro einbringen. Das Wachstum hat sich allerdings auf knapp 2 Prozent verlangsamt. Klassische E-Reader werden in der aktuellen Prognose nicht erwähnt – sie dürften wohl 2015 bei knapp 1,5 Millionen verkaufter Geräte liegen (2014: 1,2 Millionen).

Senkrechtstarter Smartwatch

Ein echter Senkrechtstarter sind derzeit Wearables, also Geräte, die direkt am Körper getragen werden, vom Fitness-Armband bis zur Smartwatch. Den Prognosen zufolge wird der Absatz für dieses Jahr bei insgesamt 1,72 Millionen Geräten liegen und Umsätze von 240 Millionen Euro bringen. Nur etwa ein Drittel der verkauften Geräte sind Smartwatches, sie erzielen aber zwei Drittel des Umsatzes.

Die Deutschen sind App-Aficionados

25 Millionen Smartphones, 7 Millionen Tablets, fast 2 Millionen Wearables – die Phalanx neuer Geräte vergrößert am Ende natürlich auch den Hunger der Deutschen nach mobilem Content: Erstmals werden in diesem Jahr laut Bitkom wohl mehr als eine Milliarde Euro mit Apps für Smartphones, Tablets und Smartwatches umgesetzt.

Und zwar eher indirekt – denn die meisten Apps können kostenlos heruntergeladen werden. 75 Prozent der Umsätze werden im Anschluss an den Download über In-App-Shopping generiert, nur 15 Prozent direkt über den Kaufpreis. Werbung in Apps sorgt für weitere 12 Prozent der Erlöse.

Abb.: Glenn3095 (Public Domain/cc-0)

E-Book-Alarm: Print-Marktanteil in Deutschland sinkt auf 94,4 Prozent

infografik-boersenverein-e-book-2015Von einem „stetig wachsenden“ E-Book-Markt“ spricht der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in der aktuellen Quartalsbilanz Januar bis Juni 2015: um 13,4 Prozent steigerte sich der Umsatzanteil elektronischer Bücher im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, E-Books erreichen jetzt 5,6 Prozent Markanteil (Vorjahr: 4,9 Prozent). Umgekehrt ausgedrückt: Print-Bücher haben jetzt „nur“ noch einen Anteil von 94,4 Prozent.

Auch die Zahl der Leser steigt

Stetiges Wachstum ist auch bei der Anzahl der E-Book-Käufer zu verzeichnen: zu ihnen zählt der Börsenverein jetzt 2,9 Millionen Personen (Vorjahr: 2,7 Prozent), ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt auf 4,2 Prozent (Vorjahr: 4,0 Prozent). Grundlage für die präsentierten Daten ist das repräsentative Konsumentenpanel der GfK, für das regelmäßig 25.000 Personen befragt werden.

E-Book-Marktsegmente wachsen unterschiedlich

In einzelnen Bereichen scheint der Markt allerdings deutlich schneller zu wachsen, als es die Börsenvereins-Zahlen nahelegen: vieler (Zwischen-)Buchhändler und Verlage haben zuletzt Zuwächse von bis zu 40 Prozent gemeldet. Betrachtet man den Gesamtmarkt inklusive Schul- und Fachbücher, zeigt sich ebenfall ein anderes Bild: Statista rechnet bis 2020 mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 20 Prozent.

Infografik (Ausschnitt): boersenverein.de (cc-by-sa-4.0)

Trotz Smartphone-Boom: Jeder dritte britische Haushalt besitzt E-Reader

Der Tablet- und Smartphone-Boom geht weiter – doch was wird eigentlich aus dem klassischen E-Reader? Neue Zahlen aus Großbritannien zeigen: in besonders digital-affinen Ländern gibt’s auch bei E-Ink noch Wachstum. Im letzten Jahr, so der aktuelle britische Ofcom-Report, nahm die E-Reader-Quote noch mal um vier Punkte zu: im Vereinigten Königreich besitzen nun 28 Prozent aller Haushalte ein elektronisches Lesegerät.

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Smartphone & Tablet weit vorn

Allerdings haben Smartphone und Tablet die Nase auch weiterhin deutlich vorn: zwei Drittel aller Haushalte (66 Prozent) nutzen nämlich bereits iPhone & Co., immerhin die Hälfte aller Haushalte iPad & Co. (56 Prozent). Auch die Ausstattung mit Digital-TV (97 Prozent), DVD-Player (70 Prozent) und Spielekonsolen (66 Prozent) kann sich sehen lassen.

Kaum ein Brite vermisst Gedrucktes

Angesichts solcher Zahlen überrascht dann auch nicht, dass Lesen als Freizeitbeschäftigung deutlich an Boden verloren hat: fragt man die Briten nämlich, welches Medium sie am meisten vermissen würden, nennen von den unter 24-jährigen nur ein Prozent Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften, bei den über 65jährigen sind es auch nur 12 Prozent. Zwei Drittel der Jüngeren sagen dagegen, sie würden vor allem das Smartphone vermissen.

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Willkommen im Post-PC-Zeitalter

Mit dem Smartphone gehen mittlerweile auch die meisten ins Internet, erstmals haben iPhone & Co. damit das Laptop als Surfgerät abgelöst. Tablets sind dem Laptop bereits dicht auf den Fersen,mit anderen Worten: das Post-PC- und Post-Buchzeitalter scheinen auf der britischen Insel gleichzeitig einzureiten. Ob auch schon das Post-E-Book-Zeitalter naht, bleibt abzuwarten…

(via The Digital Reader)

20 Prozent Wachstum pro Jahr: Statista sieht deutschen E-Book-Markt deutlich im Aufwind

Zum E-Book-Markt gab’s in letzter Zeit widersprüchliche Aussagen: die Börsenvereins-Schätzungen sehen eher Stagnation auf niedrigem Niveau, die realen Zahlen vieler (Zwischen-)Buchhändler und Verlage erzählen dagegen von starkem Wachstum. Letzteren Trend scheinen nun auch die neuen Daten des Statistikportals Statista zu nahezulegen: im aktuellen Digital Market Outlook für Deutschland, Abteilung E-Publishing geht’s zwischen 2015 und 2020 steil bergauf.

Statista-Outlook-Umsatz-im_Markt_für_eBooks-Deutschland

Steigende Pro-Kopf-Erlöse trotz Flatrate-Boom?

Das Marktvolumen bei E-Books (Publikumsmarkt & Wissenschaft kumuliert) steigt laut Statista von 350 Mio. Euro in diesem Jahr bis auf 869 Mio. Euro im Jahr 2020, die deutschen E-Book-Leser vermehren sich von derzeit 5 Millionen auf 9 Millionen. Besonders steile These in dieser Prognose: der durchschnittliche Erlös pro Nutzer verdoppelt sich bis 2020 von derzeit 50 auf knapp unter 100 Euro – was angesichts des Flatrate-Trends von Skoobe bis Kindle Unlimited doch verwundert.

Statista-Outlook-Nutzer-im_Markt_für_eBooks-Deutschland

Wachstumsmarkt Nr. 1 bleiben die USA

Die ganz großen Wachstumsmärkte liegen wohl auch in Zukunft anderswo: am meisten Umsatz mit E-Books wird derzeit immer noch in den USA erzielt, mit 3,7 Milliarden Euro pro Jahr mehr als zehnmal so viel wie in Deutschland. Japan (778 Mio. Euro) und Großbritannien (577 Mio. Euro) sind uns ebenfalls weit voraus. Zu den Wachstumstreibern in Deutschland gehört auch in den kommenden Jahren das Smartphone: während bisher nur jeder zweite Deutsche ein Smartphone nutzt, werden bis 2020 mehr als 80 Prozent der Bevölkerung dabei sein.

Statista-Outlook-Nutzer_nach_Alter_und_Geschlecht-im_Markt_für_eBooks-Deutschland

Leserinnen und Leser gleichauf

Statista hat zudem interessante Daten zur Leser-Demographie parat: besonders stark vertreten sind die Altersgruppe Mitte Zwanzig bis Mitte Vierzig, doch auch bei den älteren Semestern sind bis 2020 starke Zuwächse zu verzeichnen. Noch ausgeglichener ist das Bild bezogen auf’s Geschlecht: hier sind über alle Altersgruppen schon jetzt fast keine Unterschiede mehr zu erkennen. Was natürlich auch bedeutet: E-Books sind längst im Mainstream angekommen.

20 Jahre Amazon: 5 Gründe, nicht zu gratulieren (& 5 weitere, es doch zu tun)

Amazon-Startseite-Juli-1995Mit der Rabattschlacht am „Amazon Prime Day“ rückt auch ein runder Geburtstag näher: am 16. Juli 1995 wurde auf Amazon.com das erste Buch verkauft, der Legende nach handelte es sich dabei um Douglas R. Hofstadters „Fluid Concepts and Creative Analogies: Computer Models of the Fundamental Mechanisms of Thought“. Zu diesem Zeitpunkt war das Unternehmen noch in der Garagen-Phase, und alle paar Minuten verkündete ein Klingelton die nächste Buchbestellung. Bald musste der Ton dann abgestellt werden, denn es hörte nicht mehr auf zu klingeln, schon nach zwei Monaten machte das Startup aus Seattle 20.000 Dollar Umsatz pro Woche.

Zwanzig Jahre später sind daraus fast zwei Milliarden Dollar pro Woche geworden – und (nicht nur) die Buch-Branche wurde kräftig umgekrempelt. Ein Grund für Salon.com, Amazon Erfolgsgeschichte Revue passieren zu lassen, und dabei fünf Gründe herauszudestillieren, warum man Amazon-Gründer Jeff Bezos NICHT zum Geburtstag gratulieren, bzw. ein „unhappy birthday“ wünschen sollte.

  • Grund 1: Das Verschwinden der kleinen Buchhandlungen – nicht nur durch Innovation, sondern auch durch unfairen Wettbewerb (insbesondere Steuervermeidung)
  • Grund 2: Die schlechten Arbeitsbedingungen in den Logistik-Zentren – die „Book People“ von heute arbeiten zu „Sweatshop“-Bedingungen.
  • Grund 3: Amazon hat den Beruf des Autors zerstört – „die von Verlagen gezahlten Vorschüsse haben sich um mehr als die Hälfte verringert“
  • Grund 4: Amazon hat vor allem den kleineren Indie-Verlagen geschadet, indem es ihnen mit seiner Marktmacht ungünstige Liefer-Konditionen aufdrängt
  • Grund 5: Amazon hat (in den USA) ein Quasi-Monopol auf dem Buchmarkt

Letztlich ist Amazon natürlich nur ein Beispiel für den von Josef Schumpeter schon in den 1940er Jahren beschriebenen Prozess „schöpferischer Zerstörung“, der „unaufhörlich die Wirtschaftsstruktur von innen heraus revolutioniert“. Genauso leicht lassen sich deswegen auch fünf Gründe finden, um Jeff Bezos zu gratulieren:

  • Grund 1: Amazon hat den kundenorientierten Online-Buchhandel perfektioniert, wenn nicht sogar überhaupt erfunden, und beschert der Branche jedes Jahr wachsende Umsätze
  • Grund 2: Der E-Book-Boom der letzten Jahre mit allen seinen innovativen Effekten für die gesamte Buchbranche wäre ohne Amazons einfach zu benutzenden Kindle-Reader und das große Angebot im Kindle-Store undenkbar gewesen
  • Grund 3: Amazon hat durch den großen Erfolg des Kindle-Readers zugleich dem Tablet den Weg bereitet und damit das Ende des klassischen PC-Zeitalters beschleunigt
  • Grund 4: Mit der zeitgleich zum Kindle gestarteten KDP-Plattform hat Amazon das Self-Publishing-Zeitalter eingeleitet und die Strukturen der Gutenberg-Galaxis demokratisiert
  • Grund 5: Mit Createspace hat Amazon für Self-Publisher und Indie-Verlage eine konkurrenzlos günstige und einfache zu nutzende Möglichkeit geschaffen, parallel zum E-Book-Verkauf auch vom Online-Vertrieb von Taschenbüchern zu profitieren

Abb. Startseite: Ian MacKenzie (cc-by-2.0)

Abb. oben: Amazon-Startseite am 16. Juli 1995