100 Fans für 100fans.de gesucht: erste Krautpublishing-Plattform nur für Bücher

Die digitale Aufmerksamkeits-Ökonomie glaubt an das Gesetz der großen Zahl. Bei Plattformen à la 10000flies.de kann man das sogar schon am Namen ablesen. Es geht jedoch auch etwas kleiner, wie man an Kevin Kellys berühmter These von den „1.000 true fans“ sehen kann – demnach reichen im Web-Zeitalter 1.000 engagierte Unterstützer aus, um ein Projekt zu verwirklichen. Die Krautpublishing-Plattform 100fans.de sieht es noch ein bisschen sportlicher: auf dem von der Münchner Verlagsgruppe ins Leben gerufenen Portal reichen nämlich 100 Vorbestellungen aus, um ein Buch zu produzieren und in den Handel zu bringen. Kommen 1000 Vorbestellungen zusammen, wird ein Titel sogar in das offizielle Verlagsprogramm aufgenommen. Mit Self-Publishing hat 100fans.de allerdings nichts zu tun – hier wird stattdessen auf clevere Weise klassische Verlagstätigkeit mit einem Pre-Order-Modell verknüpft, um vorab herausfinden zu können, bei welchen Titeln sich das Verlegen lohnen könnte. Die Konditionen für die Autoren sind insofern auch nicht mit Self-Publishing-Portalen zu vergleichen – einerseits gibt’s mit 25 Prozent für Print und 30 Prozent für E-Books deutlich weniger Umsatzbeteiligung, andererseits profitiert man von Verlagsdienstleistungen wie profesionellem Lektorat und Cover-Design.

Pricing an klassischer Verlagskalkulation orientiert

Nicht nur optisch, sondern auch vom Kampagnen-Ablauf her orientiert sich 100fans.de an Crowdfunding-Plattformen wie Startnext: es gibt festgelegte Laufzeiten, „Spendenbalken“, Pitch-Video und vor allem auch Incentives, in diesem Fall „Fan-Pakete“ genannt. Wer mehr gibt als nur den normalen Betrag für die E-Book- oder Printversion, wird so etwa in der Erstauflage namentlich erwähnt oder erhält eine „Wohnzimmer-Lesung“ des Autors. Das Pricing wiederum macht doch sehr den Eindruck klassischer Verlags-Kalkulation – bereits die E-Book-Preise der zur Zeit acht auf 100fans.de aktiven Krautpublishing-Kampagnen bewegen sich zwischen acht und zwanzig Euro, die Print-Preise liegen naturgemäß noch höher. Vielsagend ist auch die Beispiel-Rechnung in den FAQs (bezieht sich nur auf die Pre-Order-Phase): „Wenn Dein gedrucktes Buch 15,49 kostet, ist der Nettoerlös 14,41 Euro. Davon erhältst Du 3,60 Euro. Wenn die E-Book-Ausgabe 11,99 Euro kostet ist der Nettoerlös 9,71 Euro. Davon erhältst Du 2,43 Euro. Angenommen, 70 Fans haben in der Fundingphase ein gedrucktes Buch bestellt und 30 ein E-Book – dann bekommst Du nach der Funding-Phase 324,90 Euro.“

Lohnt sich Krautpublishing ohne Self-Publishing?

Für Direktvertrieb sind das – im Vergleich etwa zu Amazon Createspace bzw. KDP – dann doch ziemlich schlechte Konditionen. Immerhin sorgen hundert überzeugte Fans auf 100fans.de dann aber auch dafür, dass ein Buch in den Buchhandel gelangt, also potentiell eine größere Verbreitung finden kann als bei reiner Online-Vermarktung. Gleichzeitig können sich jedoch durch die im Buchhandel üblichen Rabatte von zumeist 40 bis 50 Prozent die Tantiemen weiter verringern. Ob sich die von 100fans.de angebotene Krautpublishing-Variante am Ende des Tages also wirklich auch für Autoren lohnt und nicht nur für die Münchner Verlagsgruppe, bleibt also mehr als fraglich. Zumal der Erfolg einer Spendenkampagne natürlich auch sehr stark von der Popularität der jeweiligen Plattform abhängt. Mal völlig abgesehen von der grundsätzlichen Frage Verlag oder Selbstverlag: Momentan ist es wohl für Autoren deutlich einfacher, tausend Fans auf Startnext oder Krautreporter zu finden, als hundert Fans auf 100fans.

Abb.: Screenshot