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Tablets, Superphones & kaum echte E-Reader: CES bestätigt Trend zum Multifunktions-Gerät

10 Jan 2011

ces-2011-tablet-ereaderEchte E-Reader gab es kaum zu sehen auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas – dafür umso mehr Tablets mit E-Reader-Funktionen. Der Konvergenz-Effekt machte sich auch anderswo bemerkbar, etwa beim Trend zum „Superphone“. Das Smartphone der Zukunft ist ein vollwertiger PC, und als solcher zugleich ein E-Lesegerät, das vielleicht statt Android sogar mit Windows läuft. Doch bis dahin ist noch Zeit – vielleicht sogar bis zur Marktreife von farbigem E-Ink, das ebenfalls in Las Vegas zu sehen war.

Elektronik als Show: “Gadgets sind Rock’n’Roll“

„Consumer Electronics Show“ lautet nicht umsonst der Name der größten US-Messe für Unterhaltungselektronik. Die neuesten High-Tech-Trends werden in Las Vegas zum Mega-Event gemacht – man kann auch sagen: „Gadgets sind Rock’n’Roll“. Disco-Licht, Nebelwerfer, Musik aus der Konserve – selbst ein eher nüchterner Zeitgenosse wie Microsoft-Chef Steve Ballmer wird da zum Bühnenstar, ob real oder als Avatar mit Halbglatze. Mitgebracht hatte Ballmer die Botschaft: auch wenn der PC abgelöst wird durch Tablets oder die Superphones der nächsten Generation: Microsoft ist wieder da. Denn das nächste Windows-Betriebssystem soll sich neben Android und Apples iPhone-OS auf dem Markt für Touch-Screen-Geräte etablieren. Der beste E-Reader – um das alte Ballmer-Zitat mal zu modernisieren – wäre dann in Zukunft nicht mehr der PC, sondern das Superphone. Oder eben das Supertablet.

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Es gibt sie noch, die echten Lesegeräte…

Ob wir demnächst wirklich einen winzigen Zentralrechner mit uns herumtragen, auf den zu Hause und im Büro ein wachsender Haufen anzudockender Peripheriegeräte wartet? Dedizierte Lesegeräte zumindest gibt es bis auf weiteres wohl immer noch. Auf der CES waren zwar mehr als 80 Flachrechner zu sehen, manche wie etwa das Motorola Xoom sogar schon mit der neuen Android-3.0-Version „Honeycomb“, doch immerhin auch eine Handvoll E-Reader. Spürbar ist aber der Konvergenz-Effekt: so sind etwa der Nook Color von Barnes&Noble wie auch sein Klon Pandigital Multimedia Novel eigentlich Android-Tablets mit künstlich eingeschränktem Funktionsumfang. Ähnlich wie Amazon ist Barnes&Noble zudem dank eigener Apps (neuerdings auch mit „Nook Kids“) auf iPad & iPhone präsent. Auch der Hersteller Onyx setzt neben E-Ink mittlerweile auf LCD-Farb-Display – auf der CES war die eine farbige 9,7-Zoll-Version der Boox M-Serie zu sehen, ebenfalls mit Android-Oberfläche.

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Google & die Cloud: “Millions of books on the go“

Umgekehrt sind natürlich auch viele der vorgestellten Android-Tablets potentielle E-Reader. Google ließ es sich nicht nehmen, im offiziellen Promotion-Video für Android Honeycomb auf die Einbindung von Google eBooks hinzuweisen: „millions of books on the go“. Eher ein Exot blieben in Las Vegas dagegen bisher Sharps Galapagos-Tablets, die bisher nur in Japan zu haben sind. Die in einer zehn und einer fünf Zoll-Version produzierten Geräte unterstützen in ihrer geplanten US-Ausführung die Darstellung von epub-E-Books – und laufen bisher offenbar auf einer Linux-Basis. Neben der in Japan erhältlichen WiFi-Version soll es zukünftig auch eine UMTS-Option geben. Speziell auf elektronisches Lesen ausgerichtet ist übrigens auch das auf der CES vorgestellte Dual-Screen-Tablet von NES – der Android-Basis laufende „LT-W Cloud Communicator“ – mal abgesehen von der Akkulaufzeit (magere fünf Stunden).

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E-Ink lebt – und wird schärfer und bunter

Da können E-Ink-Nutzer nur müde lächeln – und zudem auf einige Highlights auf der CES verweisen. Einge Aufmerksamkeit konnte etwa iRiver mit der neuen „HD“-Version des Story-Readers auf sich lenken. Das neue WiFi-Lesegerät kommt nämlich mit einer bisher für E-Ink-6-Zoller unbekannten Auflösung von 1024×768 Pixeln. Spätestens im Mai soll es auch in Deutschland zu haben sein. Etwas länger auf sich warten lassen dürfte Hanvons neuer 9-Zoll-Reader mit farbigem E-Ink, der ebenfalls auf der CES präsentiert wurde. Die Darstellung auf dem Display wirkt jedoch noch ziemlich verwaschen, das Grundproblem der Farbdarstellung per E-Ink-Technologie scheint also immer noch ungelöst – nicht umsonst hat ja etwa Amazon bisher auch auf den Einbau von farbigen Displays verzichtet. Den goldenen Mittelweg könnte die von Qualcomm entwickelte Mirasol-Technologie ebnen. Diese wahlweise hintergrundbeleuchtete (bei Kunstlicht) oder reflexive (im Sonnenlicht) Displaytechnik war auf der CES in Form eines Prototyps zu sehen. Viele E-Reader-Hersteller werden wohl bis auf weiteres eine Doppelstrategie fahren – und sowohl auf reine E-Ink-Geräte wie auch auf Tablets setzen. Bestes Beispiel dafür ist Pocketbook: auf der CES war das Unternehmen nicht nur mit 6- und 9-Zoll-E-Ink-Geräten angekündigt, sondern auch mit einem 7-Zoll-Tablet mit Mirasol-Display.