Tablets, E-Reader, Cloud-Content: IFA 2012 – Trends für E-Leser

Die internationale Funkausstellung steht auch 2012 wieder im Zeichen bunter Bildschirme, vom immer breiteren und immer vernetzteren Digital-TV bis hin zu den Touch-Screens von Smartphones und Tablets. Doch die Euro-Krise dämpft die Lust der Verbraucher auf mehr Gadgets – aktuellen GfK-Zahlen zufolge gingen die Umsätze im Bereich Unterhaltungs-Elektronik seit Anfang 2012 in Westeuropa um fast zehn Prozent zurück. Nicht ganz so hart trifft es den IT-Bereich, das Minus bei PC, Laptop & Co. lag nur bei knapp zwei Prozent. Dabei gilt offenbar die Regel: Je flacher und leichter, desto mehr Absatz. Tablets verzeichneten 142 Prozent Zuwachs, E-Reader immerhin satte 93 Prozent.

Tablet versus E-Reader

Der edle Wettstreit zwischen E-Ink und Farb-LCD findet also erstmal kein Ende. Denn auf dem Nischenmarkt für elektronische Lektüre können sich die augenschonenden und stromsparenden Displays klassischer Lesegeräte immer noch gut behaupten. Das liegt nicht zuletzt auch am immer niedrigeren Preis. Auch in Deutschland dürfte spätestens im Weihnachtsgeschäft die 50-Euro-Schallmauer durchbrochen werden, in den USA wird Amazon wohl ab Herbst das Kindle-Basismodell für weniger als 50 Dollar anbieten – für Premium-Kunden vielleicht sogar umsonst. Durch den rapiden Preisverfall bei Android-Tablets bleibt LCD aber der elektronischen Tinte dicht auf den Fersen. Die großen internationalen Player von Amazon über B&N bis zu Kobo bieten ihre günstigen Lese-Tablets in Deutschland bisher allerdings noch gar nicht an. Somit bleibt das Feld den kleineren Herstellern überlassen.

Auf der IFA 2012 stehen deswegen vor allem Trekstor und Pocketbook mit einer eigenen Palette von E-Readern und Android-Tablets im Rampenlicht. Das hessische Unternehmen Trekstor stellt neben einer WiFi-Version des Low-Cost-Readers Pyrus diverse Tablets von sieben bis neun Zoll vor, die preislich zwischen 80 Euro (!) und 250 Euro rangieren. Das in der Ukraine beheimatete Unternehmen Pocketbook präsentiert in den Messehallen am Funkturm eine überarbeitete Version des Basic-Readers 611 (ohne WiFi), sowie mit dem „SurfPAD“ ein neues 7-Zoll-Android-Tablet. Zu sehen bekommt man auf der IFA 2012 aber auch Sonys neuesten E-Reader PRS-T2, ebenfalls nur eine leicht überarbeitete Version des Vorgängermodells. Präsentiert wird der Reader nicht nur am Sony-Stand, sondern in der IFA eLibrary auch von Libri. In Deutschland wird das Gerät nämlich mit dem integrierten E-Store von Libri.de ausgeliefert.

Content immer öfter aus der Cloud

Zentrales Thema in Sachen Content ist auf der IFA 2012 eindeutig die Cloud. Einen wichtigen Anteil an ihrem Siegeszug haben neben Mobilgeräten internetfähige Fernseher, die bald bereits in jedem vierten deutschen Haushalt stehen sollen. Was das für die Unterhaltungsindustrie bedeutet, zeigt eine aktuelle BITKOM-Studie zur Zukunft der Consumer Electronics, die der Branchenverband pünktlich zum IFA-Start vorstellte. Demnach speichern bereits drei Viertel der Internet-Nutzer Fotos in der Cloud, fast jeder vierte legt dort Musik ab, jeder sechste Videos. Deutschland stehe nun ein „Verdrängungswettbewerb“ zwischen neuen digitalen Diensten und klassischen Medien bevor. So könnten demnächst rund 60 Prozent aller Internet-User auf DVDs verzichten, 50 Prozent auf Fotos auf Papier, 48 Prozent auf gedruckte Zeitschriften, 44 Prozent auf gedruckte Zeitungen und immerhin 25 Prozent auf Bücher.

Abb.: IFA, Pocketbook, Trekstor

Veröffentlicht von

Ansgar Warner

Ansgar Warner arbeitet als freier Autor im Medienbüro Mitte (Berlin). Neben diversen Brotarbeiten für Presse & Rundfunk bloggt er hier rund um's Thema Elektronisches Lesen. Die spannende (Vor-)Geschichte der elektronischen Bücher erzählt Ansgar in "Vom Buch zum Byte". Praktische Infos für Autoren, Verleger & alle E-Reading-Interessierten vermittelt das "e-book & e-reader abc".