Home » Handy-Roman

Handy-Roman bringt Suspense in die U-Bahn

11 Feb 2009 Ansgar Warner 2 Kommentare

McLuhan kannte noch keine Handys, aber er hatte eine Medientheorie, deren Quintessenz wie eine SMS klingt: “The Medium is the message.” Die große Preisfrage lautet also: Was sagt uns das Handy über die Gesellschaft der Gegenwart, abgesehen von: alle können überall kommunizieren? Wer schon mal einen gelesen hat, dürfte eine Ahnung davon haben. Nicht nur die Formen (vgl. WAP-Internet, Handy-Fernsehen, etc.) ändern sich, sondern auch die Inhalte passen sich an die neuen Kommunikationsgewohnheiten an. Tatsächlich lesen wir heute anders als vor zehn Jahren. Die kurzen ebenso wie die einfachen Formen sind die Gewinner: Ein Satz muss auf das Display passen, am besten gleich zwei oder drei.  So etwa wie in Carola Kickers Mystery-Thriller Perlen aus Blut:

“Tabatha hielt ihrem Blick stand und seine schwarzen Augen blickten sie herausfordernd an. Es waren Augen wie schwarze Spiegel, kalt und leer. „Hämatit“, dachte Tamara unwillkürlich.

mobook.de

Lucy Luder läßt grüßen: Die erfolgreichsten Handy-Romane erscheinen als Serie

Besonders gut eignen sich natürlich auch Kurzgeschichten. Die dürfen auch klassisch sein. Nicht ganz zufällig bietet der deutsche -Verlag Mobilebooks.com zum Gratis-Testen Edgar Allen Poes Shortstory “Die Maske des roten Todes” an. Das eigentliche Genre für das “drahtlose Zeitalter” ist natürlich — siehe die Telenovelas bzw. Soap-Operas etc. — nicht das isolierte Werk, sondern die Serie. In diesem Fall die Roman-Serie. Die bekannteste -Heldin ist wohl Lucy Luder, eine Erfindung von Oliver Bendel. Der Autor sagt elbst über seine Serienheldin:

“Lucy ist eine 20-jährige Jura-Studentin in Berlin und betreibt in ihrer WG in Charlottenburg ein Detektivbüro. …  Sie ist ziemlich verrückt und chaotisch … Aber sie hat Ideale. Und mir ist sie sehr sympathisch. Äußerlich gesehen ist sie blond und schlank – wie einfallsreich! – und hat ein weggelasertes Tatoo am Hintern. Sie wird deshalb auch Barbie genannt, aber sie sagt selbst, sie sei eher eine Puppe in der Art der Bratz.”

Handyromane zielen auf ein junges, gebildetes, technikaffines Publikum

Handyromane wie “Lucy Luder und der Mord im StudiVZ” oder “Lucy Luder und die Hand des Professors” zielen ganz klar auf ein junges, gebildetes, internet- und handyaffines Publikum. In Japan haben Handy-Romane einen regelrechten Hype ausgelöst, doch auch hierzulande dürfte das Potential sehr groß sein. Schließlich zielen die Romane auf ein Medium, das schon massenhaft in aller Hande ist, das Handy eben. Sie sind günstig, kosten nur wenige Euros, und lassen sich bequem aus dem Netz ziehen. Berührungsängste gibt es somit keine, sowohl das Medium wie auch seine Inhalte sind Teil der Populärkultur. Selbst die Auguren der edlen Kindle-Kultur liebäugeln jetzt schon mit dem drahtlosen modernen “Groschenroman”. Bislang erweckte man ja oft den Eindruck, das E in E-Books steht für “Ernst” im Gegensatz zu U wie  “Unterhaltung”.  So gesehen haben die U-Books das E-Book also längst überholt…

2 Kommentare »

  • Annette schrieb:

    Textkorrektur: Nicht ganz zufällig bietet der deutsche Handy-Roman-Verlag Mobilebooks.de zum Gratis-Testen Edgar Allen Poes Shortstory “Die Maske des roten Todes” an.

    Der Verlag ist nur unter http://www.mobilebooks.com erreichbar.

  • H.O.Wireless (author) schrieb:

    Danke für den Hinweis, ist schon korrigiert ;-)