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Rauben uns iPad, Kindle Fire & Co. den Schlaf? Ja, sagt neue Studie zu Lektüre auf LED-Displays

2 Jan 2015

Es muss nicht immer die Story im Vordergrund sein, die uns bei abendlicher E-Lektüre den Schlaf raubt – manchmal ist offenbar auch der Hintergrund schuld, zumindest wenn es sich um ein hintergrundbeleuchtetes Display handelt. Das hat eine Forschergruppe am Bostoner Brigham and Women’s Hospital im Rahmen einer zweiwöchentlichen Studie herausgefunden: Teilnehmer, die vor dem Schlafengehen zwei Stunden auf einem iPad schmökerten, hatten hinterher deutliche Schwierigkeiten beim Einschlafen im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die Bücher aus Papier nutzte.

„Wir haben festgestellt, dass der natürliche circadianische Rhythmus duch das kurzwellige blaue Licht dieser Geräte durcheinander gebracht wird“, so die Neurowissenschaftlerin Dr. Anne-Marie Chang, Mitautorin der in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS) veröffentlichten Studie. „Teilnehmer mit einem licht emittierenden E-Reader brauchten im Vergleich zu den Buch-Lesern länger, um ein einzuschlafen, und sie waren auch weniger müde. Ihre Melatonin-Produktion war verringert, das Timing der inneren Uhr verschoben, das Aufwachen am nächsten Morgen fiel ihnen schwerer.“ Auch die zur Erholung besonders wichtigen REM-Schlafphasen („Rapid Eye Movement“) seien kürzer ausgefallen.

Schon aus früheren Studien war bekannt, das kurzwelliges Licht die Konzentration des Schlafhormons Melatonin im Blut um ca. 20 Prozent verringert – nun wurden erstmals die Auswirkungen auf den kompletten Rhythmus von Wachen und Schlafen genauer untersucht. Das scheint auch dringend notwendig zu sein: „Eine repräsentative Studie hat kürzlich gezeigt, dass 90 Prozent der US-Amerikaner an mehreren Abenden pro Woche noch eine Stunde vor dem Schlafengehen elektronische Geräte nutzen“, heißt es im Abstract der Studie. Ohnehin habe in den letzten 50 Jahren die Dauer und Qualität des Schlafes abgenommen, so die Forscher. Deswegen seien weitere Studien nötig, um den Einfluss von Tablets und Smartphones auf die Gesundheit besser einschätzen zu können.

Im Test selbst wurden ausschließlich iPads verwendet, die Forscher haben aber auch das Spektrum anderer Mobilgeräte mit LED-Backlight gemessen, darunter iPhone, Kindle Fire und Nook Color – in allen Fällen wurde ein Strahlungs-Peak im kritischen Bereich von ca. 450 Nanometern festgestellt. Nicht gemessen wurden Glimmerlicht-Reader wie das Kindle Paperwhite oder Nook Glowlight, deren LEDs zwar ebenfalls kurzwelliges Licht ausstrahlen, jedoch weitaus weniger leuchtstark sind. So lässt sich vor allem eine Empfehlung aus der Studie ableiten: vor dem Schlafengehen lieber nicht auf Tablets oder Smartphones lesen oder die Helligkeit herunterregulieren – am Desktop kann man zudem Apps wie f.lux nutzen.

Abb.: F Delventhal/Flickr (cc-by-2.0)