Home » E-Book-Handel

Studie der Uni Hamburg: Knapp ein Viertel der Deutschen nutzt E-Books

9 Feb 2012 4 Kommentare

Elektronisches Lesen ist im Mainstream angekommen: knapp ein Viertel der Bundesbürger nutzt bereits E-Books, im Durchschnitt wurden im vergangenen Jahr pro Kopf für digitale Lektüre 57 Euro ausgegeben. Im Schnitt wurden innerhalb von 12 Monaten sechs E-Books gekauft, vor allem aus dem Bereich Belletristik und Sachbuch. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Studie der Uni Hamburg über Kauf und Nutzung von E-Books und E-Book-Readern, für die im Oktober 2011 mehr als 2500 Personen befragt wurden. Nicht jeder lässt sich offenbar so einfach vom E-Book-Fieber anstecken. Bei den E-Book-Käufern ist bereits die Hälfte des gesamten Literatur-Konsums elektronisch. Doch es gibt auch eine große Zahl von Nicht-Lesern: 77 Prozent der Deutschen haben zumindest im Jahr 2011 nur Bücher aus Papier in die Hand genommen.

“Innovationsneigung“ beeinflusst E-Book-Nutzung

Grundsätzlich unterscheidet sich die Nutzung von E-Books und gedruckten Büchern kaum. Beide Medien werden der Studie zufolge hauptsächlich zur Entspannung und im Urlaub gelesen. Sowohl privat wie auch beruflich lesen E-Book-Nutzer allerdings etwas häufiger als die eingefleischten Anhänger von Paperbacks und Hardcovern. Die Art der Lektüre hat offenbar auch etwas mit der generellen Einstellung gegenüber modernen Technologien zu tun, sprich der „Innovationsneigung“ – gerade der Kauf von neuen mobilen Gadgets kommt für die E-Leser deutlich häufiger in Frage.
Wichtigste Bezugsquelle für kommerzielle E-Books sind Amazon sowie Apples iBookStore – mehr als achtzig Prozent nutzen diese Plattformen. Konkurrenten wie Thalia, Weltbild oder Libri kommen jeweils nicht einmal auf zwanzig Prozent (bei der Befragung waren Mehrfachnennungen möglich). Als bevorzugtes Format wird PDF deutlich häufiger genannt als epub oder mobi. Was wohl daran liegt, dass insgesamt der Anteil verschiedener Fachbuchgenres (Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften etc.) bei den Ausgaben für E-Books mehr als doppelt so hoch ist wie der Anteil von Belletristik und Sachbuch.

Nicht-Lesern sind E-Books schlicht zu teuer

Die E-Book-Studie zeigt sehr deutlich, wo die Vermarktung noch an Grenzen stößt. Als wichtigstes Argument gegen den Kauf elektronischer Lektüre nannten die Befragten zu hohe Preise. Als problematisch wird jedoch auch die Einschränkung des Lesekomforts durch Kopierschutz, schlechten Kontrast und mangelnde Benutzerfreundlichkeit empfunden. Die Nicht-Käufer sind bisher offenbar auch ganz schlicht mit der Nutzung von Büchern aus Papier zufrieden, und möchten sich die Schmöker zudem gerne ins Regal stellen können. Eine wichtige Rolle bei der Nutzung von E-Books spielt allerdings die technische Ausstattung: die meisten Nicht-Leser besitzen ohnehin keine lesefreundlichen Mobilgeräte wie Smartphone oder Tablet. Wer vor allem kostenlose E-Books nutzt, tut dies überwiegend auf dem Display von PC, Laptop oder Tablet. Bei den E-Book-Käufern gehören dagegen nicht ganz zufällig E-Reader zu den beliebtesten Geräten – schließlich erlauben viele Modelle ja bereits das drahtlose Shoppen über integrierte E-Stores.

Abb.: Flickr/Rachel Sian

4 Kommentare »

  • calvin schrieb:

    schöne Stelle:

    “die meisten Nicht-Leser besitzen ohnehin keine lesefreundlichen Mobilgeräte wie Smartphone oder Tablet. ”

    Ich wusste noch nicht das Smartphones oder Tablets “lesefreundlich” sind…

    habe zwar auch jahrelang auf einem Smartphone gelesen, habe aber nie behauptet das es “lesefreundlich” ist, man kann darauf lesen, aber gut?!

  • Ansgar Warner (author) schrieb:

    Naja, hier war eher die günstigere bzw. natürlichere “Lesehaltung” gemeint, die ein Mobilgerät im Vergleich zum Bildschirm eines Laptops/Desktops ermöglicht… Die Augen werden das natürlich wieder anders sehen als die Nackenmuskulatur ;-)

  • Janet Torres schrieb:

    Danke für den interessanten Beitrag.
    Interessant wäre es auch bei den E-Books zu differenzieren. Welche Art, ob z.B. enhanced E-Books, bevorzugt gelesen werden. Obwohl ich bezweifle, dass es auf dem Markt schon ausreichend gute innovative Konzepte gibt.

  • Jürgen Schulze schrieb:

    Smartphones können in öffentlichen Verkehrsmitteln SEHR lesefreundlich sein :-)
    Bei einem kleinen Display und bei heller um Umgebung blendet es nicht sehr.
    Nur nachts im Bett möchte ich beim Lesen nicht in eine Taschenlampe schauen (=Display) sondern bevorzuge meinen Kindle.