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Streaming toppt DVD-Verkauf: Peak Plastikscheibe als Vorbild für Peak Print?

26 Mrz 2012 Ansgar Warner 0 Kommentare

Was demnächst auch gedruckten Büchern bevorstehen könnte, macht zur Zeit gerade eine historische Zäsur bei DVDs und Blue-Ray-Discs deutlich: die Zeit physischer Datenträger geht mit schnellen Schritten dem Ende entgegen. Bis Ende 2012 werden in den USA erstmals mehr Filme über das Internet gestreamt als auf optischen Datenträgern verkauft, prognostiziert eine Studie des Marktforschers IHS Screen Digest. “Was wir erleben, ist der Anfang vom Ende des DVD- und Blue-Ray-Zeitalters”, so Screen-Digest-Analyst Dan Cryan. Insgesamt sollen 2012 etwa 3,4 Mrd. Filme online konsumiert werden, gegenüber 1,4 Mrd. Streams im Vorjahr. Die Zahl der verkauften Blu-rays und DVDs wird dagegen wohl die Zahl von 2,4 Mrd. nicht überschreiten. Hinter dieser Entwicklung steckt neben Netflix auch ein Streaming-Anbieter, der hierzulande eher als Online-Buchhändler bekannt ist – nämlich Amazon. Wichtigstes Argument für die Konsumenten ist wie auch beim Umstieg von P-Books zu E-Books der Preis. In den USA kostet ein Film auf DVD oder Blue-Ray im Schnitt 4,72 Dollar. Als Datenstrom aus dem Netz gibt’s digitales Puschenkino dagegen bereits ab 0,51 Dollar.

Flatrate-Tarife beschleunigen Abwärtstrend

Der Übergang zu Flatrate-Tarifen spielt bei dieser Entwicklung eine besondere Rolle – was gerade bei der Buchbranche die Alarmglocken läuten sollte. Denn auch bei E-Books werden bereits Abo-Modelle erprobt. Vorreiter ist in den USA wiederum Amazon mit dem kostenlosen Ausleih-Service für Premium-Kunden. Mit Skoobe erproben Bertelsmann & Holtzbrinck allerdings auch in Deutschland gerade eine E-Book-Flatrate. In den USA glauben die Erben Gutenbergs trotz alledem noch an eine Stabilisierung des Print-Geschäfts. „Es gibt einen Optimismus im Pessimismus“, so Forrester-Analyst James L. McQuivey“. Aufgrund aktueller Marktstudien geht er aber sogar von einer beschleunigten Entwicklung nach Erreichen des Peak Print aus: „Tatsächlich hat der eigentliche Absturz aber noch gar nicht wirklich eingesetzt. Wenn das geschieht, dann in großen Schüben, nicht in kleinen – das haben wir aus der Musikbranche und den DVDs gelernt, die nach anfänglichem Schwächeln plötzlich sehr schnell aus den Regalen verschwinden. Dasselbe wird bei gedruckten Büchern passieren, wahrscheinlich schon 2012, spätestens aber im Jahr darauf“.

Papierverbrauch beginnt bereits zu sinken

In manchen Industriestaaten scheint die Zirkulation physischer Güter den historischen Höhepunkt überschritten zu haben. So stellte etwa der britische Umweltautor & McKinsey-Mitarbeiter Chris Goodall für Großbritannien fest: „Den Statistiken zufolge könnte 2001 das Jahr gewesen sein, in dem bei uns der Verbrauch von Rohstoffen – das Gesamtgewicht aller Dinge, die wir nutzen, von Lebensmitteln und Treibstoffen bis zu Möbeln – den Scheitelpunkt erreicht hat und sich seitdem auf dem Weg abwärts befindet.“ Die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Energie- wie Rohstoffverbrauch betrifft beispielsweise den Bereich Papier: “Das mag banal klingen, aber das Wirtschaftswachstum in Kombination mit technologischer Innovation hat uns etwa den Kindle-Reader beschert, so dass wir jetzt Bücher lesen können, ohne das dafür noch Massen an Energie für die Papierproduktion aufgewendet werden müssen. Digitale Güter haben eine geringere Umweltauswirkung als physische Güter, deswegen hat bei beschleunigter Entstofflichung das Wirtschaftswachstum positive Auswirkungen auf die Umwelt.“

(via TechCrunch, DigitalBookWorld, Guardian)

Abb.: flickr/DelosJ

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